Set und Setting mit irischen Bieren

Smithwicks

Eine Pint Smithwick’s mit ihrem kleinen Bruder, dem Glas Cider.

Jeder Hobbypsychotiker der zum Zwecke der Bewußtseinserweiterung halluzinogene Drogen nimmt, kennt die Begriffe Set und Setting. Demnach ist die Wirkung einer Droge beeinflusst von Umgebung (Setting) und der persönlichen Verfassung des Konsumenten (Set). Beim Alkohol macht man sich darum weniger Gedanken. Die Regeln für verantwortungsvolles Trinken scheinen dank jahrhundertelanger Tradition einfach: Viel hilft viel! Trink möglichst viel zusammen mit möglichst vielen Leuten. Gib dabei möglichst wenig Geld aus, dann kannst Du das Spiel möglichst oft wiederholen. Die Legende vom mäßigen Weingenuss ist übrigens nur ein kulturelles Mißverständnis. In Ländern wo schon Mittags Alkohol getrunken wird (überall südlich des Mains) muss man grade so nüchtern bleiben, dass man bei der Arbeit noch mitkriegt, wo sich die Kollegen abends zum Saufen verabreden.

Murphy's in seinem natürlichen Habitat.

Murphy’s in seinem natürlichen Habitat. Niemand weiß genau, ob es ein helleres Stout oder ein sehr dunkles Ale ist.

Aber auch Biergenuss ist Abhängig von Stimmung und Ambiente. Das kann man leicht am Beispiel irischer Biere nachvollziehen. Ein Ale, bestellt an grauem deutschen Dienstag im Irish Pub um die Ecke (die kitschigen Läden mit der komischen Musik) schmeckt, wie so eine britische Plörre ohne Schaum eben schmeckt: weder richtig bitter noch richtig süß. Deutlich besser bekommt da ein Craft-Beer zu selbstgekochtem Essen zu Hause.

Beamish

Beamish beweist: Kein Gesetz schreibt vor, dass irisches Schwarzbier immer von Guiness sein muss.

Ganz anders schmeckt das gewöhnliche Allerwelts-Ale (oder auch ein Stout) im wild-romantischen Westen Irlands: Eine genussvolle Offenbarung, gewürzt mit salziger Atlantikluft voll Wind und Regen. Am besten entspannt in Urlaubsstimmung. Überkandideltes Craft Beer braucht da keiner, das normale Bier ist lecker und teuer genug.

Wiederum völlig anders wird es dem Einheimischen bekommen, der es als Feierabend-Frust-Bier kippt, um den Alltag in einer strukturschwachen Region am hinterletzten Ende des Kontinents zu überleben.

Cliffs can kill

Auch im Urlaub kann Alkohol zu einem bösen Absturz führen. Dann verliert man seine Bierflasche und landet in der gesellschaftlichen Versenkung, wo ein einsamer Tod wartet.

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2 Gedanken zu “Set und Setting mit irischen Bieren

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