Restaurantkritik – McDarwich’s Crispy Dinner Station

Tatsächlich hatte ich Skrupel vor einer Restaurantkritik. Ich hätte Verständnis, wenn ein Gastronom nicht in einem Blog namens „Drogenpolitik“ erwähnt werden will. Aber jedes Imbisslokal muss mit bekiffter Kundschaft rechnen und kalkulieren. Denn Kiffer und anders intoxikierte suchen gerne Fastfood-Restaurants auf. Drogeninduzierte Verpeiltheit ist ein Zustand zwischen ‚Keine Lust auf Menschen‘ und akuter Sozialphobie. Ein Fressflash bei leerem Kühlschrank jedoch treibt den lahmsten Stoner raus. Supermarkt kommt nicht in Frage, grelle Beleuchtung und Kassiererinnen machen Angst. Auch Ladenschluss&Sonntagsruhe verhindern viele Einkäufe. Der Schnellimbiss bietet zuverlässig angenehmes Licht, wenig einschüchterndes Personal und die Theke garantiert Sicherheitsabstand. Auch darf man lange ohne Kommunikationszwang die Menütafel bestaunen.

In der Turmstraße in Berlin eröffnete ein neues Imbisslokal, die Mc Darwich’s Crispy Dinner Station. Der Name entstammt wohl dem arabischen Sprachraum. Das wäre keine Meldung wert, aber der Neue zeigte Auffälligkeiten: Während extrem langer Vorlaufzeit von gefühlt einem halben Jahr blieb der komplett eingerichtete Laden geschlossen und machte neugierig. Seit Eröffnung nun ist das Restaurant außergewöhnliches Beispiel für gelungene Integration. Integriert wurden nämlich meisterlich die Konzepte von McDonalds, Burger King und KFC. Die rot gepolsterte 50er-Jahre-Diner-Bestuhlung kommt scheinbar direkt aus einer Burger King Filiale. Viele Gerichte heißen allerdings Mc mit Vornamen und die braun gehaltene Café-Ecke ist von McDonalds mehr als nur inspiriert. Schließlich enthält das Angebot frittierte Hähnchenteile im runden, roten Pappbecher wie ihn einst der Colonel aus Kentucky faltete. Der entscheidende Unterschied: Die Produkte schmecken besser als bei den Vorbildern. Das ist keine große Kunst, sollte in einer Gastro-Kritik aber erwähnt sein.

Der aufgeklappte Burger sieht zwar gewohnt unästhetisch aus, aber man erkennt Sachen, die auch im eigenen Kühlschrank vorkommen. Die Pattys schmecken tatsächlich nach angeröstetem Rindfleisch, Zwiebeln sind scharf und Gurken kühl. Insgesamt sind die Burger nicht so weich, zuckrig und pampig wie bei der mächtigen Übersee-Konkurrenz. Und sie machen sogar satt! Die Hähnchenteile kommen frisch mit knusprig-scharfer Panade. Mein Schatz mag sie, also sind sie mir gut genug. Positiv vermerke ich Hummus im Angebot. Der ist zwar nicht überragend, eher säuerlich und fest während ich ihn lieber fluffig-nussig mag. Aber Hummus ist Wert an sich, also Pluspunkt.
Großes Minus: Die Milchshake- und Softeismaschine funktioniert nicht. Das ist schade, weil ich glaube, Hamburger ohne Erdbeermilchshake gehören gesetzlich verboten.
Insgesamt ist mein Fazit positiv, man kann durchaus zu McDarwich’s gehen und bei schmackhaftem Burger eine Portion absurde Realität genießen.
AW

Nicht-Berliner die lustige Schnellimbiss-Kritiken lesen wollen, sollten unbedingt bei Silagmustafa und seinem Blog Langenfeldisst vorbeischauen.

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Die Ladenfront ist extra breit, damit der volle Name und das gesamte Speisenangebot drauf passen.

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2 Gedanken zu “Restaurantkritik – McDarwich’s Crispy Dinner Station

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