Der Dealer bringt’s frei Haus: Brauerei Rapp

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Quer durch Deutschland verläuft eine Trennlinie, der Currywurst-Äquator. Wenn man die A3 zwischen Frankfurt und Nürnberg verlängert, kommt’s so ungefähr hin. Nördlich davon gibt es viele Frittenbuden und Kioske, in Großstädten teilweise durchgehend geöffnet. Der Süden dagegen ist etwas seltsam: Hier gibt es keine gute Currywurst mehr. Dafür bieten Wirtshäuser oft noch gute Küche und es wächst Wein. Man isst nicht auf der Straße, die Wirte können mehr als nur frittieren. Aber mitunter ist es dort schwer nach Ladenschluss eine Packung Zigaretten zu kaufen. Mancherorts konnten Alkoholverbote in der Öffentlichkeit durchgesetzt werden. Alternative Rauschmittel behandelt man dort sowieso traditionell restriktiv. Einen möglichen Grund dafür erfuhr ich jüngst: Auf drogenpolitischer Dienstreise fand ich in einem Privathaushalt stapelweise Leergut-Kisten. Man sei nicht etwa in den Getränkehandel eingestiegen. Vielmehr komme die Brauerei nach Hause, liefere frisches Bier, Limonaden und Schorlen und hole das Leergut auch gleich ab. Bei dem Unternehmen handelte es sich um die Firma Rapp aus Kutzenhausen. Diese verkaufen nicht unerhebliche Mengen Kaltgetränke ausschließlich per Hauslieferung an Endverbraucher. Die Recherche bestätigt: Das Verbreitungsgebiet deckt sich exakt mit den Landen südlich des Currywurst-Äquators. Die Brauereien fungieren hier als Großdealer mit Monopol und haben ihr Territorium straff organisiert. Für die tägliche Dröhnung muss der Konsument nicht mal vor die Tür gehen.
Und dann schmeckt es auch noch gut. Verkosten durfte ich einen Rappen 1893, das Dunkle von Rapp. Ein handwerklich rundum gelungenes ‚Spezialbier‘. Übertriebene Süße und Malzigkeit stellte ich glücklicherweise nicht fest, obwohl der Hersteller damit drohte. Vielmehr schmeckte ich eine durchaus intensive, aber irgendwie abgerundete, feinere Bitterkeit, ähnlich den tschechischen Pilsbieren. Die Kohlensäure perlte dagegen knackig deutsch. Und bei aller Ausgewogenheit merkt man deutlich, dass da kein Massenbier aus dem Supermarkt im Glas schwappt. Ein Prosit auf den Bier-Bringdienst.
AW

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