Bon Secours Blonde

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Belgische Biere bilden einen eigenen Kosmos. In meiner Jugend wurde diese Braukunst geflissentlich ignoriert. „Die tun Kirschen in’s Bier. Und Zucker. Ans Reinheitsgebot halten die sich sowieso nicht.“ Sprach der Deutsche und kippte genüsslich sein Pils. Ich will es so ausdrücken: Die deutsche Biertradition scheint mir, bei allen regionalen Unterschieden, einem gemeinsamen, hopfenbitteren Ideal zu folgen, Ziel ist ein leicht alkoholischer, erfrischender Brotersatz. Sicher, unsere Bierlandschaft reicht vom flachen, dünnen Kölsch bis zu strengem Pils oder malzig-süßem Bock. Es sind aber immer Variationen ein und desselben Themas. Auch osteuropäische und britisch-amerikanische Biere halten sich weitgehend an dieses Geschmacksideal.
Den Belgiern aber bedeutet ihr Nationalgetränk scheinbar etwas völlig anderes. Die dörfliche Brauerei ist dem Belgier, was dem Franzosen oder Süddeutschen das Weingut. Individualität durch Verfolgen noch der abseitigsten Geschmacksnuancen ist erklärtes Selbstverständnis belgischer Braumeister. Und Meister sind es, denn immer fließt ein rundes, fertiges Produkt ins Glas. Beim modernen Craft Beer amerikanischer Tradition sehe ich die jungen Wilden mit kindlicher Begeisterung Hopfensorten und Duftkräuter mischen. Bei belgischen Handwerksmeistern denke ich dagegen an alte Rezepte, viele bemühen nicht von ungefähr ihre klösterliche Historie. Die Produkte machen mich in ihrer Perfektion oft etwas sprachlos, was diese lange, pseudo-sozialwissenschaftliche Einleitung erklärt. Vieleicht hätte der eine Satz gereicht: Jedes der unglaublich vielen verschiedenen belgischen Biere ist eine ganz besondere Erfahrung für sich.
Durch die Verkostung des Bon Secours Blonde – und durch Recherche bei Wikipedia – erfahre ich also zunächst von der Existenz des Städtchens Péruwelz an der französischen Grenze. Das Bier nun riecht beim Öffnen auffällig intensiv nach Sekt oder Cidre. Dieses edle Aroma setzt sich in der Bitterkeit fort. Dazu kommt aber als Basis ein deutlicher Zuckergeschmack. Der ist als Inhaltsstoff auch auf dem Etikett angegeben. Aber erstaunlicherweise ist das Bon Secours auf der Zunge kein bißchen süß. Eher wie verbrannter Karamell, der nur noch bitter schmeckt, während in der Küche noch schwerer Süßigkeitengeruch hängt. Der Geschmack, ich sollte wohl besser sagen: Die Komposition ist mir sehr angenehm. Das Getränk behält seinen Charakter konstant bis zum letzten Schluck, trotz längeren Verweilens im Glas. Das fällt mir besonders positiv auf, weil ich zeitnah ein ähnliches Helles von Chimay probierte, das sehr viel stärker begann, aber beim Trinken kontinuierlich dünner wurde. Das Bon Secours dagegen verträgt Erwärmung gut und scheint nicht wirklich viel Kohlensäure zu verlieren. Die 8 % Alkohol schmecke ich nicht. Eine einzige Flasche reichte über ein geselliges Mittagessen, begleitet selbstbewusst deftigen Entenbraten und bewirkt allmählich die gewünschte Gelöstheit. Schön.
AW

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9 Gedanken zu “Bon Secours Blonde

  1. Bei belgischem Bier denke ich ans ostthüringische Jena, wo ich vor Jahren in einem ausgesprochen freundlichen Getränkeladen eine grafisch hochansprechend bedruckte Blechdose samt (anderthalblitrigen) Inhalts erstand, welche leckerstes Kirschbier beinhaltete. Aufgedruckt: ein Teufel.

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