Dead Man’s Hand Russian Imperial Stout

Dieses Bier verdient allein schon wegen seines rockigen Etiketts einen eigenen Artikel. Auch wenn ich nicht wirklich viel dazu zu sagen habe. Erstens kann ich nicht Pokern. Der Rausch des Spiels um Geld begeisterte mich nie, die wache Erregung empfinde ich ähnlich unangenehm wie minderwertige Amphetamine. Zweitens konnte ich dem tintig schwarzen Getränk beim Verkosten nicht die nötige Aufmerksamkeit widmen. Ich öffnete das kleine Fläschchen bei einem nachbarschaftlichen Gartenfest, wo die Sinne mehr auf heiter gesellige Sozialkompetenz konzentriert sind und weniger auf gustatorische Kontemplation. Dann teilte ich den Trunk auch noch mit meiner Sitznachbarin. Das brachte mich um den halben Geschmackseindruck. Allerdings erhielt ich eine erste Expertise. Die Dame mag eigentlich kein Bier, aber leerte ihre Portion recht zügig. Das zeigt deutlich, Belgier interpretieren Braukunst anders, eher kulinarisch und nicht durstlöschend spritzig. Dafür spricht schon die auf dem Etikett erwähnte Auslagerung im Weinfass. Das Getränk erinnert dann auch eher an einen Rotwein. Es dominiert ein säuerlicher Geschmack, ähnlich einem belgischen Bruin-Bier, aber nicht so wässrig. Die Holzaromen des Weinfasses nahm ich erst im Abgang wahr, durchaus passend und angenehm, die Säure veredelnd. Insgesamt ein tintiges, volles und herzhaftes Mundgefühl. Hätte ich mehr Muße gehabt, hätte ich bestimmt noch ein paar exotische Aromen herausgeschmeckt. So aber bleibt nur, wieder einmal, die für uns exotische Bierkultur des Nachbarlandes zu bestaunen. Bei uns würde so ein Getränk mit vergoldetem, bürgerlich-winzerischem Label beworben werden und ein Nischendasein in überteurten Restaurants fristen. Der rauhbeinige Schädel mit Colts und Spielkarten aber suggeriert mir: In Belgien kann man wohl auch in Motorradkneipen ernsthafte Gespräche über Genußkultur führen. Das ist jetzt nur eine Ahnung, aber bald geht’s auf Dienstreise an die Schelde. Wovon berichtet wird. 

Advertisements

5 Gedanken zu “Dead Man’s Hand Russian Imperial Stout

      • Ich meinte nicht DIESES Bier, ich habe einfach keine guten Geschmacksnerven. Bin total fehlbesetzt im Beruf. Du solltest mal erleben wie ich Prolet mich ernähre.

        Es gibt nur zwei Kategorien: Schmeckt und schmeckt nicht.

        Also mal den ganzen kulturellen Kram beiseite: Schmeckts denn gut?

        Gefällt 1 Person

      • Mhh, ja nun, als schon ziemlich säuerlich. Doch, wo ein Pils bitter ist, ist das hier sauer. Muß man mögen. Wenn du Deine Limo gern zitronig hast: Ja. Wenn du mehr der Zuckertyp bist: Nein. Schreib übrigens mehr von deiner Fehlbesetzung bei der Arbeit. Die Gespräche unter Kollegen sind immer gut.

        Gefällt 1 Person

      • Ich soll auch noch zuhause meine eigene Erniedrigung inszenieren? 😀

        Okay, ich denke darüber nach, fehlt mir aber ein wenig die Lust…

        Ich bin eher der Zuckertyp.

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s