Ein neuer Bierblog und drei drogenpolitisch uninteressante Biere

Als erstes möchte ich auf einen wirklich schönen Bierblog aufmerksam machen. Neulich fand ich ihn als Neuzugang in der Liste meiner Follower: thecrownjewelsblog. Der kommt sehr puristisch und formal daher. Für jedes Bier gibt es nur ein Bild des Kronenkorkens und ein paar Informationen in tabellarischer Strenge. In dem knappen Kommentar jedoch entfaltet sich mit viel Witz das Reisetagebuch eines nebenberuflichen Bierverkosters. Diese erfrischende Perspektive nahm ich zum Anlaß, ein paar Gedanken über meine eigenen Bierteskriterien niederzuschreiben.

Ich trinke zum Vergnügen, für das echte Rauschtrinken fehlen mir Jugend, Zeit und Kondition. Trotzdem werden alkoholische Getänke in erster Linie wegen ihrer Wirkung konsumiert. Deshalb hat ein drogenpolitisch hochwertiges Bier in der Regel einen erhöhten Alkoholgehalt. Da hab ich leicht einen im Tee auch wenn ich nur ein Bier vertrage. Weiterhin erwarte ich einen interessanten, charakteristischen Geschmack, der in Erinnerung bleibt. Dieser Geschmack darf ruhig wuchtig und aufdringlich daherkommen. Ich glaube, Fachleute sprechen da von „Körper“. Ich meine damit das Gegenteil von wässrig und dünn. Wenn ich das will, gehe ich in die nette Kneipe um die Ecke wo ich zum Preis eines Craft-Biers zwei Kölsch und ne Pommes kriege. Das mag ich auch, aber man braucht nichts drüber schreiben.

joe-flascheDiese Wässrigkeit nun ist für mich das Problem bei Onkel Joe Breakfast Stout. Ein durchaus interessantes Gebräu mit Konzept und Charakter, von einer Brauerei mit toller Website und interessanter Geschichte. Das Etikett erzählt, daß man die enthaltenen Kakao- und Kaffeebohnen schmecken soll und mit 6,2 % Alkohol ist es auch drogenpolitisch im interessanten Bereich. Allein, der Abgang ist dünn und wässrig und es bleibt nichts zurück. Vielleicht tatsächlich eher ein Frühstücksbier. Aber da hätte ich ja schon mein bewährtes Kölsch.

Alsdann stehen auf der Liste noch zwei durchaus erwähnenswerte Produkte von Fuller’s. Mit normalem Alkoholgehalt fanden die nur wegen des reduzierten Preises den Weg in die Redaktion. Sie starten also mit Handicap, aber verdienen doch eine Erwähnung.

fullers-aleFuller’s ESB Ale
Das Extra Special Bitter Champion Ale ist sehr britisch. Rot wie Prinz Harry und praktisch ohne Kohlensäure schmeckt es erst doch etwas muffig und schal. Aber schon bei Asterix lernten wir ja, die Briten mögen ihre Cervisia lauwarm. Und wenn das preisgekrönte Ale dann ein wenig bei Zimmertemperatur gestanden hat, kommt der würzige Hopfen zur Geltung. Dann wird es rund und durchaus trinkbar. Aber insgesamt eher zahm und unspektakulär.

Fuller’s Black Cab Stout
Diese zurückhaltende Milde zeigt auch das Stout des schwarzen Taxis. Das bekommt ihm aber erstaunlich gut. Es ist seidig und nicht so scharf und kantig wie etwa ein Guinness. Aber alle Aromen eines schönen Stout-Biers sind da, Kaffee und Schokolade, auch dieses typische Pumpernickel, was einen so schön satt macht. Wie wenn der Brite im mondänen Großstadtpub in einem Bildband über die wilde Atlantikküste blättert, bevor er sich wieder den Immobilienpreisen zuwendet. Und dann im butterweich gefederten, schwarzen Taxi zur nächsten Kneipe kutschiert wird.black-cab

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10 Gedanken zu “Ein neuer Bierblog und drei drogenpolitisch uninteressante Biere

  1. „Ich trinke zum Vergnügen, für das echte Rauschtrinken fehlen mir Jugend, Zeit und Kondition.“

    Nicht, dass man, wenn man Alkoholräusche auslässt, etwas verpassen würde. Ich empfinde diese als mit die schlechtesten Räusche, die man haben kann, voller Aussetzer und Ausfälle. Dazu die extremen Nachwirkungen und die Toxizität. Und, um einen echten Rauschlevel mit Bier zu erreichen, muss man ziemlich Zeit einplanen, oder direkt auf die harten Sachen gehen.

    Ich glaube, da sind fast alle anderen Drogen in jeder Beziehung klar überlegen – wäre nicht das Alleinstellungsmerkmal dieser Droge: die fehlende Beschaffungskriminalität…

    Seit ich mich ausgiebigst mit Spirituosen und Bier beschäftige, trinke ich viel bewusster. Und praktisch überhaupt nicht mehr wegen des Effekts.

    Gefällt 1 Person

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