Zigarette Tokyo Style

Rauchen sieht gut aus, geradezu verführerisch. Trotzdem bleibt ansprechendes Rauchen eine Kunst, an der sich viele versuchen, die aber nur sehr wenigen gelingt. Die Könige des Tabakkonsums sind ohne Zweifel die Kubanischen Revolutionäre in ihren Propagandafilmen. Nichts passt besser zur Maschinenpistole, als eine Zigarre, größer als der mächtige Pilgerbart, lässig im Mundwinkel hängend. So zeigt Mann, wer den längsten hat. In dem brasilianischen Musikdrama Orfeo Negro kann man bewundern, wie sich Zigarren auch für allerheiligste Zeremonien einschließlich Totenbeschwörung eignen.

Zigaretten haben es dagegen ungleich schwerer. Das Längenproblem wußten einst Diven mit Spitzen künstlich zu überbrücken. Aber das verfehlt letztlich das Wesen der Zigarette. Die steht doch für den schnellen Kick, Drogensucht des modernen Stadtbürgers ohne jeden Rausch, der den produktiven Verstand benebeln könnte, erfolgsorientierte Triebbefriedigung ohne Lust und Muße. Die zweiminütige Schamanenreise to go perfekt inszenieren kann nur ein japanischer Angestellter im scharf geschnittenen Anzug, den leeren Blick fokussiert auf die Schatten des Totenreiches, der Kopf müde und leer von einem Leben aus Überstunden.

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12 Gedanken zu “Zigarette Tokyo Style

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