Schreiben für Cannabis-Rausch.de

 

Irgendwann im Sommer des letzten Jahres tauchte ein Blog auf, von der Aufmachung her professionell, natürlich mit eigener Adresse, ohne ein Punkt-Kostenlosblog-Anhängsel: Cannabis-Rausch Punkt de. Da stehen viele lange Texte von und über Genusskiffen. Auffällig ist, dass dort nicht die üblichen Legalize-Sprüche stehen. Und auch keine aus dem Internet zusammenkopierten Datenfetzen, die dann als Fakten bezeichnet werden, was immer auch diese ominösen Fakten sind. Nein, bei Cannabis-Rausch stehen selbst ausformulierte Artikel mit eigenen Gedanken. Sicher, manchmal seicht, manchmal weit aus dem Fenster gelehnt oder auch frech. Es kommt rüber, wie ein professionelles, themenspezifisches Unterhaltungsmedium, der Fachmann würde von „Special Interest“ sprechen. Die Zwischenüberschriften machen Lust auf mehr, die Schrift ist gefällig. Immer geht es um Cannabis zum Rausch und Vergnügen. Das ist natürlich von drogenpolitischem Interesse, da wollte ich mehr zu wissen. Die Website kommt mit richtigem Impressum und Adresse und die befand sich sogar direkt bei mir um die Ecke. Also nahm ich Kontakt auf um dem Herrn Daniel Schmidt mal auf den Zahn zu fühlen.

Zur Tür herein kam ein zwei Meter langer, freundlicher Wikinger aus Hamburg. Es wirkt immer sehr bescheiden, wenn übergroße Menschen in normalen Türrahmen erst mal den Kopf einziehen müssen. Wir nahmen einen zivilisierten Tee, Daniel verriet nicht viel über seine Seite und fragte mich stattdessen, ob ich nicht für ihn schreiben wolle. Seit dem produziere ich also ein, zwei Texte im Monat für Cannabis-Rausch und nehme die geistige Beanspruchung als Ausrede, warum ich die Drogenpolitik in letzter Zeit manchmal vernachlässige.

Daniel zeigt als Autor keine Angst vor gar nichts, er nutzt das Medium des Blogs im besten aufklärerischen Sinne. Nämlich um seinen Gedanken freien Lauf zu lassen und nicht um sich als freischaffender Werbefuzzy irgendwelchen Konzernen für eventuelle Kooperationen anzubiedern. Im Gegenteil, er sucht manchmal ohne konkreten Anlass Streit, wenn er über unbekannte, neue Firmen auf dem Cannabis-Markt schreibt. Es gibt auch kein braves Anbiedern an die Langsam-Legalisierer von der Patientenrechte-Front. Im Gegenteil, das Thema Kiffen auf Rezept wird regelmäßig ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten oder politische Deckmäntelchen besprochen. Man ist erst dann erfolgreicher Publizist, wenn man öffentlich beschimpft wird und persönlich Mord, Prügel und Prozesse angedroht bekommt.

Klar großen Medienfirmen passiert das nicht ganz so häufig, eine mehrköpfige Redaktion ist schließlich die institutionalisierte Bedenkenträgerei, aber ein Einmann-Blog, der täglich Neuigkeiten raushauen will, darf seine Gedanken nicht von irgendwelchen Zweifeln filtern lassen.

Ich schreibe genau deshalb nicht meinen Namen unter die Artikel sondern firmiere auch bei Cannabis Rausch als Alice Wunder. Denn ich bin kein freischaffender Hazardeur, sondern auch nur eine bundesrepublikanische Beamtenseele, die ein großes Unternehmen zu allererst als Brötchengeber begreift. Aber ich bin stolz, dass ich bei dem Anarcho-Projekt mit meinen braven Fachartikeln mitmachen kann. Schließlich hat bekanntlich kein Herz, wer mit 20 kein Kommunist war und ich nehme schließlich Drogen seit ich 14 bin, damit ein Teil von mir sich einbilden kann, ewig 20 zu sein.

Inzwischen erreicht Cannabis Rausch mit diesem Konzept mehr als 100.000 Leser im Monat. Ab und zu bekomme ich sogar mal Geld, für zwei Kaffee oder ein Gramm Gras. Nicht mehr als eine Anerkennung, aber Daniel ist der einzige in der Branche, der von sich aus und schnell Geld überweist. Da fragt sich der wunderliche Hobbyblogger doch, was macht so ein hanseatischer Jungunternehmer besser? Auf Cannabis-Rausch gibt es keine Werbung, die Einnahmen kommen aus freiwilligen Spenden der Leser und Affiliate-Links zum großen Kapitalisten Amazon. Daniel kennt sich sehr gut mit Suchmaschinenoptimierung aus, der sogenannten SEO, dem heiligen Gral aller karrierebewussten Blogger. Darüber hinaus erkenne ich da nur viel Idealismus und den für Journalisten so wichtigen, festen Glauben an die Richtigkeit der eigenen Gedanken und die Wichtigkeit ihrer Veröffentlichung. Ganz wesentlich aber, das muss ich neidlos anerkennen, ist der schiere Fleiß, nahezu täglich einen Artikel zu posten. Wer schreibt, der bleibt.

Daniel Schmidt Chefredakteur Cannabis-Rausch.de

Daniel Schmidt, Hanseat und Cannabis-Enthusiast, zu Besuch in den Redaktionsräumen der Drogenpolitik. Befragt zur wirtschaftlichen Situation als freischaffender Blogger äußert er  sich als optimistischer Realist: Zur Zeit bekomme ich ein kleines Taschengeld von der Seite. Davon kann ich noch lange nicht leben, aber damit kann ich paar kleinere Sachen nach vorne bringen, wie die Website-Technologie weiterentwickeln, zu Messen fahren, Server bezahlen, Grafiker bezahlen. Aber das Geld kommt auch erst seit 2 Monaten rein, da die Auszahlungen von Partnerprogrammen mindestens 3 Monate im Verzug sind, wegen Retouren und Fristen. Am Ende des Tages ist es eine ehrenamtliche Tätigkeit. Ich muss zum Leben halt für andere schreiben, programmieren und so weiter. Ist aber im gesamten das, was mich glücklich macht und das kann man mit Geld nicht ausgleichen.

 

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12 Gedanken zu “Schreiben für Cannabis-Rausch.de

  1. Ich habe es schon mal gesagt, aber manche Dinge erlauben Wiederholung, hoffe ich: Ich interessiere mich ja kein bisschen für Drogen, aber ich lese deinen Blog trotzdem immer wieder gern. Mir gefallen halt die anderen Zutaten. Zum Beispiel die hier: „eine mehrköpfige Redaktion ist schließlich die institutionalisierte Bedenkenträgerei“. Danke fürs Dranbleiben!

    Gefällt 3 Personen

      • Logo…würde ich sehr, sehr gerne tun. Aber ehrlicherweise weiß ich nicht so genau wie das geht…also….ich fühl mich ja wirklich geehrt…sowas cooles hat mich noch keiner gefragt.Ich bin halt dicht der technisch versierteste….aber auf dem einen Gebiet kenn ich mich besser aus….also mehr praktische Erfahrung….learning by doing…..wenn du weisst, was ich meine….bin seit fast…inzeischen 40 jahren opiat….die liebe meines lebens ist das heroin….aber wie so manche andere geile Frauen…..hat es mich am Ende….allein, pleite, hoffnungslos und krank zurückgelassen…..und jetzt sag ich „fick dich bitch…ich brauch dich nicht mehr…ich will dich nicht mehr …bleib raus aus meinem leben…“na ja so richtig gklappt hat es bisher noch nicht …aber ich geb nicht auf ….jo…und Kiffen? Das ist meine Muse…mein beruhigungmittel…..das zähl ich mal bei so einem hardcore politoxen wie bei mir nicht als Droge ssondern Medizin….love and peace

        Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Haschisch Essen für Fortgeschrittene – ein Produkttest | meinedrogenpolitik

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