Kleine Auswahl tragbarer Vaporizer

Als ich dann neulich für einen Campingausflug Ersatzbatteriern für mein Gerät besorgte, konnte ich mir im Vaporizer-Laden noch ein paar andere Modelle genauer ansehen. Ich fragte nach Empfehlungen des Hauses für tragbare Vaporizer aus verschiedenen Preisklassen. Etwa eine Stunde lang probierte ich die Geräte mit Salbei. Das ist jetzt also kein aussagekräftiger Produkttest, sondern nur eine kurze Präsentation. Dafür bekomme ich kein Geld und auch keine Rabatte. Wohl teilt Verdampftnochmal jeden meiner Artikel über Vaporizer auf Facebook, was immer die Klickzahlen schön nach oben treibt. Meine Produktlinks führen auch alle zur Seite von Verdampftnochmal. Ich weiß nicht, ob andere Versandhandel besser oder schlechter sind. Aber Verdampftnochmal hat ein Ladengeschäft in meiner Stadt, das Angebot ist vielfältig und die Telefonische Beratung ist immer freundlich und kompetent. Wer natürlich einen Laden in der Nähe hat, sollte die Geräte dort ansehen und anfassen und, wegen des persönlichen Kontaktes im Zweifel auch dort kaufen.

DaVinci IQ:

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Die Kräuterkammer auf der Unterseite liegt in einem praktischen Trichter.

Dieser kleine Brummer beeindruckte mich sehr, den hätt‘ ich auch gern. Mit 260 Euro wäre er mir als Zweitgerät aber ein bißchen zu teuer. Dafür kommt er schön schwer, wertig und kompakt. Der Dampfer verschwindet fast in meiner nicht eben großen Hand. Er gibt einen satten, vibrierenden Summton von sich, wenn die Wunschtemperatur erreicht wurde. Fühlt sich ein wenig an, wie ein hochwertiges Smartphone. Schließlich ist die gewünschte Hitze aufs Grad stufenlos einstellbar, die Dioden formen sich zu einem Zahlenfeld. Einziger Nachteil: die Dampfkammer an der Unterseite wird nach längerem Betrieb heiß in der Hand.

Mighty von Storz&Bickel:

OLYMPUS DIGITAL CAMERADer Platzhirsch am Markt für derzeit 300 Euro. Die Digitalanzeige mit der schnell steigenden Temperatur läßt keine Ungeduld aufkommen. Die Konvektionshitze liefert dann kontinuierlich Dampf. Der ist auffallend angenehm und kühl, dank des gewundenen Ganges im Deckel. In diesen Kammern soll sich nach längerem Gebrauch Kondensat sammeln, daß man als potentes Öl wieder rauskratzen kann. Ein Leistungsstarkes Gerät, über alle Zweifel erhaben.

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Der Deckel sitzt mit Bajonettverschluss auf der Kammer des Mighty.

Der auffälligste Nachteil des Mighty ist seine Größe, man fühlt sich an einen alten Kassetten-Walkman erinnert. Dann ist die Brennkammer etwas unbequem zu befüllen, es geht immer was daneben und fällt in die Lücken im Gerät. Das ist halt noch alte deutsche Ingenieurskunst, die nicht an den Konsumenten denkt. Moderne Geräte wie Davinci und Fenix, versenken die Kammer in einem glatten Trichter. Verdampftnochmal bietet als Füllhilfe eine kleine Trichterschaufel hier im Bild vor dem Gerät liegend.

Fenix Vaporizer:

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIn der 100-Euro-Klasse ist der Fenix angeblich das Gerät mit der höchsten Zufriedenheit und den wenigsten Rückläufen oder Beschwerden. Leider war die Batterie des Vorführgerätes alle. So muß ich glauben, was mir erzählt wird. Und zwar soll der Fenix zuverlässige Hitze per Konvektion liefern. Diese Technik ist an sich schon eine Besonderheit, für ein 100-Euro-Gerät aber bemerkenswert. Der Deckel wird magnetisch gehalten, die Oberfläche um die Kammer ist Trichterförmig. Von Kiffern entwickelt soll der Fenix absolut Clubtauglich sein. Zum Füllen müssen keine Teile entfernt werden, die dann verloren gehen. Und die Kräuter fallen auch im dunkeln nicht daneben.
Mit der fest verbauten Batterie wäre das mobile Vergnügen aber auf eine Akkufüllung beschränkt. Trotzdem scheint der Fenix eine Empfehlung zu sein für jeden, der nicht gleich viel Geld ausgeben möchte. Ich würde Interessenten raten, in den einschlägigen Foren nach Erfahrungsberichten zu suchen.

Dynavap-M:

OLYMPUS DIGITAL CAMERADer Dynavap schließlich hat keine Probleme mit Akkulaufzeit. Denn er funktioniert völlig ohne Strom. Das Metallröhrchen ist klein und leicht wie eine Zigarette, als Zubehör benötigt man lediglich ein Feuerzeug. Damit erhitzt man die Kräuterkammer, der Bimetalldeckel gibt bei erreichen der Verdampftemperatur ein deutliches Knacken von sich. Die wird so bei 180 bis 190 Grad Celsius liegen.

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Dynavap wird von Hand befeuert.

Aber auch ohne genaue Gradzahl funktioniert, schmeckt und dampft der Dynavap ausreichend. Wohl ist der Genuß etwas kürzer, als bei elektrischen Geräten, denn die Kräuterkammer recht klein. Für nur 65 Euro aber scheint der Dynavap perfekt für alle längeren Erlebnisse unterwegs&draußen zu sein.

 

Fazit: Trotz aller Faszination für neues Spielzeug bin ich mit meinem Arizer Air, zur Zeit 175 Euro, ganz zufrieden. Den betreibe ich praktisch ohne Reinigungsaufwand, nur das Glasmundstück muß ab und an mit Lösungsmittel gespült werden. Das Glasrohr sehen puristen oft als unverfälschtes Geschmackserlebnis. Die im Laden getesteten Geräte hatten alle Plastikmundstücke, da wäre mir aber keine Geschmacksverfälschung aufgefallen.

Der Gerät

Arizer Air hält mich seit einem Jahr rauchfrei & bekifft.

Alle Produzieren zuverlässig Dampf und keiner schmeckt schlechter. Besonders wohlschmeckend und angenehm zeigte sich der Mighty mit der Kühlung im Deckel. Die Konvektionshitze dampft etwas zügiger ohne Verzögerungen. Dort sind Heizelement und Kräuterkammer getrennt, bei jedem Zug strömt frische Hitze über die Kräuter. Geräte mit direkter Hitze müssen zwischen den Zügen immer ein paar Sekunden nachheizen, weil der Benutzer die Hitze aus der Kammer zieht. Das störte mich jetzt nicht, es erinnert eher an Pfeifen und Zigarren, wo man auch nicht ununterbrochen dran nuckelt. Die Hochpreisigen Geräte heizen insgesamt schneller und fassen sich besser an. Grade bei Storz & Bickel kauft man mit dem hohen Preis wohl auch ausgezeichneten Service und kulante Ersatzteilversorgung mit. So berichten jedenfalls Händler und Kunden einhellig.

Der Vaporizer-Verkäufer rät: Immer die Gebrauchsanleitung lesen und im Zweifelsfall anrufen und fragen.
Die Umstellung vom Tabak-Kiffen kann schwierig sein. Wer erstmals dampft, sollte das nüchtern ausprobieren, wenn man am selben Tag schon gekifft hat, merkt man vom Vaporizer nämlich gar nichts.
Dann ist die Wirkung anders, der schnelle Flash von Nikotin und Kohlenmonoxid entfällt völlig. Gedampfter Hanf wirkt spät und dann sehr überwältigend.
Es muß nicht immer dampfen. Ausgeatmeter sichtbarer Dampf ist Wirkstoff, der ungenutzt in die Luft geblasen wird. Ein Vaporizer ist keine E-Zigarette, welche für ein rauchähnliches Erlebnis gebaut wurde, sondern dient der effizienten Wirkstoffzufuhr. Grade bei Geräten mit direkter Hitze hängt die Dampfentwicklung von der Wartezeit und dem Nutzerverhalten ab. Und die Beschaffenheit der Kräuter spielt eine große Rolle. Sehr trockenes Material entwickelt weniger sichtbaren Dampf, die Wirkung kommt aber auch unsichtbar.

 

Der Bauer Yassin, mein neuer Freund

EinzelbetreuungFacebook ist der moderne, globale Pausenhof. Wer grad nichts besseres zu tun hat, hängt da herum und produziert sich. Und wer eigentlich was besseres zu tun hätte, versucht, sich dahin davonzustehlen. Als digitaler Nichteingeborener mag man die Nase rümpfen über die ganze Oberflächlichkeit und Zeitverschwendung. Bis man selber hineingerät, in den Strudel aus Geschwätz und Gerücht und Blödelei. Der Pausenhof ist einfach das schönste vom Schultag. Und bei Facebook ist immer trockenes Wetter.

Wie auf jedem guten Pausenhof gibt es auch auf dem digitalen eine Raucherecke und, etwas abseits, hinter der Turnhalle, den Kiffertreff. Genauso offensichtlich wie die süßlichen Rauchschwaden sind die cannabisaffinen Namen der entsprechenden Gruppen. Da geht es dann recht heiter zu. Junge Menschen zeigen sich gegenseitig ihren neuesten Einkauf, posten stolz die frisch geputzte Bong und streiten über ihre liebsten Grassorten, wie einst in der Grundschule die Ranzenträger ihren Scout gegen Amigo verteidigt haben. Auch gärtnerische Geheimtipps stehen hoch im Kurs. Und natürlich viel bekiffte Witze und Geschwätz. Der seriöse Drogenblogger findet dort Zerstreuung, neue Leser gibt es da nicht so viele. Die Kiffer sind mehr mit Kiffen und Kommentieren beschäftigt und haben dann nicht mehr so viel Zeit zum Lesen.

Ab und zu melden sich auf dem internationalen Pausenhof auch Menschen aus klassischen Hanfanbauländern zu Wort und zu Bild. Deren Produkte sehen dann aus, wie eben richtige Feldfrüchte aussehen: unregelmäßiger Wuchs, sonnengebleicht oder durch korrekte Fermentation geschwärzt. Ältere Kiffer kennen so etwas noch, aber mit dem Siegeszug des Industriegemüses niederländischer Machart sind Naturprodukte in letzter Zeit bei uns völlig vom Markt verschwunden. Sehr viele stören sich ganz erheblich an den Samen in den Knollen, aber wo Hanf auf Feldern wächst, die Bauern noch selbst ihr Saatgut veredeln und das Pflanzenmaterial in Zentnern gerechnet wird, ist das normal. Hierzulande gelten befruchtete Blütenstände aber als Inbegriff für minderwertiges Kraut. Die deutsche Kifferjugend reagiert darauf oft einhellig mit Abscheu, Ablehnung und Hohn. Ein Foodblogger schrieb mal, der deutsche Konsument hat sein Gemüse gern billig, wässrig, aber äußerlich makellos wie aus dem Hochglanzkatalog. Ich ergänze dazu noch das angewiderte Gesicht, wenn das Stadtkind den wahren, nicht lilafarbenen Herkunftsort der Milch erfährt.

YassinEiner, der sich beständig gegen Ignoranz und Vorurteile stellt, ist der Hanfbauer Yassin. Er ist 41 Jahre alt und wohnt in Marokko, im Norden des Landes. Yassin kann recht gut Deutsch. Einige Familienmitglieder wohnen noch in Deutschland. Er selbst hat auch schon hier gelebt. Er hat keine Angst, Gesicht und Namen im Internet zu präsentieren. Die Fotos hier sind alle von ihm, wofür ich mich herzlich bedanke. Seine Familie hat ein paar Häuser in der Stadt an der Mittelmeerküste. In den Bergen bewirtschaftet er eine Hanfplantage, die hat er von seiner Mutter übernommen. Aus hundert Kilo Gras macht er ein Kilo Haschisch erster Qualität. Sein bestes Hasch ist von rötlicher Farbe und hat eine weiche Konsistenz. So etwas ähnliches durfte ich mal kosten, ein Spanienfahrer hatte das aus Tarifa mitgebracht. Ein schweres, betäubendes und hypnotisches Harz. Auch routinierte Kiffer rauchen das nur abends, wenn alles Tagewerk erledigt ist. Seine Joints dreht Yassin, wie viele Marokkaner, immer mit einem Zigarettenfilter. Viele deutsche Kiffer wundern sich darüber. Yassin lädt jeden, der ihn darauf anspricht, zu sich nach Hause ein. Man solle bei ihm wohnen und das beste Kraut der Welt rauchen. Ich glaube, das meint er ehrlich, die Gastfreundschaft der Maghrebiner ist legendär. Wenn ich mal in Marokko vorbeikomme, werde ich ihn besuchen und eine Reportage über seine Plantage machen.

Kifbauer - Kopie

Alle Fotos: Yassin T., Zeichnung: AW.

Unter dem Vulkan – Buchbesprechung mit Schnaps

Endlich habe ich es mal geschafft, mir Mezcal zu kaufen. Kost ’n Arm und ’n Bein, aber ist richtig geiler Stoff. Leider kann ich nicht gut Schnäpse besprechen und außerdem habe ich keinen Vergleich, weil das meine allererste Flasche Mezcal überhaupt war. Deshalb stelle ich den Alkohol unten in der Bildzeile vor und verweise für schöne Degustationen auf den Blog von Schlimmerdurst, der ist Mezcal-Fan und hat Ahnung vom Schnapsbesprechen. Ich aber möchte stattdessen hier einen wirklichen Experten für Spirituosen vorstellen. Und zwar den hauptberuflichen Trinker und Konsul Geoffrey Firmin, eine Romanfigur, der einen Tag lang vergeblich versucht, sich mit anderen Alkoholika vom Mezcal fernzuhalten. Denn er weiß, wenn er mit Mezcal anfängt, ist das sein Ende. Der Schriftsteller Malcolm Lowry, selbst ein ausgewiesener Schnapskenner, schrieb das in seinem Welterfolg „Unter dem Vulkan“. Damit erzählte er eben nicht nur eine beklemmend authentische Trinkergeschichte, sondern legte einen extrem vielschichtigen Roman vor, der menschliche Abgründe ausleuchtet und dabei noch die politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts intelligent analysiert.

Im Vordergrund steht natürlich der Alkoholismus Firmins. Seit England die diplomatischen Beziehungen zu Mexiko abbrach, ist der als englischer Honorarkonsul beschäftigungslos und hat deshalb alle Zeit der Welt, sich in dem kleinen Kurort Cuernavaca zu Tode zu trinken. Bei der brillianten Schilderung dieser Tätigkeit schuf Lowry ein hochgelobtes Beispiel für die Schreibtechnik des Stream of Consciousness. Jedes Kapitel ist vollkommen aus der Innensicht eines der Protagonisten erzählt. Aber längst nicht so verworren wie etwa der Ulysses von James Joyce. Der Text ist ziemlich klar, es gibt eine Handlung. Aber weil sich viel davon im total betrunkenen Kopf des Konsuls abspielt, weiß man nach ein paar Seiten nicht mehr, was da stand. Zumindest ging mir das so, ich war aber auch beim Lesen meistens sehr bekifft. Es wäre unpräzise, zu sagen, Lowry schreibt Bandwurmsätze. Es sind eher lange, verschachtelte Gebilde, die sich schlängeln wie die halluzinierten Raupen auf dem Badezimmervorhang des Konsuls, wenn sie vor den polygonalen Skorpionen flüchten. Wer das Buch nüchtern liest, könnte sich den Spaß machen und mitschreiben, wie viele Drinks der Konsul an seinem letzten Erdentage zu sich nimmt. Dabei hat er die wildesten Abenteuer zu bestehen:
„Ich habe“, sagte er, „da hinten noch einen Feind, den Sie nicht sehen können. Eine Sonnenblume. Ich weiß, sie beobachtet mich, und ich weiß, daß sie mich haßt.“
„Exactamente“, sagte Dr. Vigil, „sehrr möglich, sie wird Sie vielleicht ein bißchen weniger ‚assen, wenn Sie aufhören, Tequila zu trinken.“ „Ja, aber heute Vormittag trinke ich nur Bier“, sagte der Konsul mit Überzeugung, „Sie sehen es ja selbst.“

Der Konsul lügt natürlich. Beim Kampf gegen die Sonnenblume hatte er schon im Geheimversteck mit der Tequilaflasche Deckung gesucht und über den Zaun in den Nachbargarten gekotzt.

Was der große Saint Exupery im kleinen Prinzen in drei Sätze packt, breitet Lowry auf mehr als 400 absolut lesenswerten Seiten aus. Der Konsul trinkt, weil er sich schämt, daß er trinkt. Alle anderen Personen in dem Roman trinken ebenfalls mehr als gesund ist. Und sie haben alle ganz hervorragende Gründe, sich zu schämen. Aber sie bleiben in der Realität, in dem sie Lebensprobleme und Trinkvergnügen nicht mischen. Da ist etwa Yvonne, die Frau des Konsuls, die ihn, getrennt lebend, besucht. Die Ehe der beiden ist ähnlich zerrüttet, wie Verstand und Leber des Mannes. Beim Versuch, das Leben mit dem Trinker auszuhalten, landete sie mit nahezu allen Bekannten des Konsuls im Bett und wurde nicht wirklich glücklich damit.
Auch der Bruder des Konsuls ist mit von der Partie. Er schämt sich, weil er natürlich auch ein Verhältnis mit Yvonne hatte und immer noch total in sie verknallt ist. Und weil er als Salonsozialist nichts gegen den Sieg der Faschisten in Spanien unternehmen kann. Damit gelingt Lowry ein weltumspannender Brückenschlag zur politischen Lage im allgemeinen und zum Zustand des englischen Empire im besonderen. Das ist nämlich am Vorabend des zweiten Weltkrieges völlig ruiniert, wie ein alter, trinkender Hahnrei. Erstaunlicherweise berichtet „Unter dem Vulkan“ nämlich auch ausführlich über die Kriege und alle ihre Gräuel und erwähnt dabei den Namen Hitler nur zweimal in Nebensätzen. Das funktioniert, weil die Handlung im November 1938, während des spanischen Bürgerkriegs spielt. Und es zeigt uns dabei die sehr besondere Denkweise der englischen Kolonialisten. Die ahnten und wußten sogar von den geplanten Völkermorden in Osteuropa. Aber sie denken bis heute nicht gern darüber nach, denn dann müssten sie ja auch über die zig Millionen Opfer nachdenken, die das Empire einfach mit fahrlässig schlechter Verwaltung umbrachte. Außerdem ist es dem alten England vor lauter Trauer überhaupt nicht möglich, einen klaren Gedanken zu fassen. Denn die eigentliche Katastrophe des Krieges ist ja der Zusammenbruch des morschen Weltreiches. In diesem Drama nämlich sind Faschisten nur ein begleitender Chor und es ist letztlich völlig egal, ob sie die Hintergrundmusik auf spanisch, italienisch oder deutsch singen. Und wenn man zufällig in Mexiko gestrandet ist, während man seinem Ende entgegentorkelt, wird dabei halt Agavenschnaps getrunken.

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Wenn der Konsul Mezcal trank, meinte er Bauernfusel, mit dem man sich für ein paar Kupfermünzen totsaufen kann. Mezcal ist Agavenschnaps, ohne die enge territoriale Herkunft des Tequila, der meinst in Kleinstbetrieben hergestellt wird. Wenn so etwas heutzutage auf den Weltmarkt gelangt, dann sind das hochwertige Spitzenprodukte, so wie dieser Reposado von Sangre de Vida. Da die meisten Ausgaben von „Unter dem Vulkan“ einen Totenschädel auf dem Einband haben, eignet sich die Flasche mit imaginären Raupen ganz hervorragend als Bebilderung für die Buchbesprechung. Beim Literpreis von 70 Euro aber wäre das Geld lange verbraucht, während sich die Leber schon wieder regeneriert hat. Der gelbliche Schnaps ist dünnflüssig im Glas, aber leicht ölig im Mund. An schönen Tagen schmeckt er pur schon sirupsüß. Aber wenn ich keine Geduld habe, möchte ich ihn mir geschmeidiger machen. Das exotisch rauchige Getränk regt zum Experimentieren an. Ein paar Spritzer Limette unterstützen die gemüsige Strenge, ein Eiswürfel nimmt die Schärfe, ein wenig Zuckersirup schadet nie. Dann sind auch gerne eine Prise Salz und Pfeffer willkommen, vielleicht sogar ein Basilikumblatt.

Für Literaturinteressierte hat dieser Blog viele Details zur Biografie Malcolm Lowrys zusammengetragen.
Wer lieber ’nen Film schaut, kann hier 45 Minuten lang eine schöne Phoenix-Doku über Mezcal und die Region Oaxaca ansehen. Es wird auch das Geheimnis der Würmer aufgeklärt.

Geschmack wie im Coffeeshop – Hanfblüten richtig veredeln

Da wir alles mögen, was süchtig macht und sinnlos Zeit vertrödelt, treibt sich die drogenpolitische Redaktion natürlich auch mit Begeisterung in den sozialen Netzwerken herum. Das meiste da ist ja eher seichte Unterhaltung und kommt mit weniger Buchstaben aus, als ein amerikanischer Präsident für offizielle Statements verschwendet. Manchmal stolpert man aber auch über echte Perlen, wie diesen äußerst ausführlichen Artikel über das Veredeln von Hanfblüten. Da wurde mir richtig warm ums Herz. Denn auch ich habe ja früher ein wenig gegärtnert. Natürlich war das immer das allerbeste Kraut der Welt und sowieso war mein Engagement mindestens so wichtig wie wenn Mahatma Gandhi Salz gewinnt, um die Steuerbehörde zu ärgern. Mein Gewächs wirkte phantastisch, aber hat immer kratzig und arg nach Chlorophyll geschmeckt. Ich versuchte zwar, das zu verbessern, aber sehr halbherzig und mit zu geringen Mengen. Insofern freut es mich, daß der nette Mensch mit Namen Cannabis Tipps&Tricks, hier erklärt, wie es richtig geht:

Geschmack wie im Coffeshop: So trocknet ihr richtig!

Die Trichome sind braun, die Blätter verfärben sich gelblich: Die Pflanze ist erntereif. Bei der Verarbeitung aber gibt es mehrere Methoden, die zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führen: Bereits der „Trim“, also das entfernen der Blüten-Blätter, kann riesige Unterschiede machen…

Frisch schneiden/Wet-Trim:

Die wohl häufigste Methode in Deutschland. Die Pflanze wird in einzelne Äste zerteilt und die überstehenden Blätter komplett von den Blüten entfernt, daß sofort die typische „Bud-Form“ entsteht. Nun werden die Äste kopfüber zum Trocknen aufgehängt, am besten in einem Pappkarton. Nach 7-14 Tagen (je nach Größe) sollten die Blüten durchgetrocknet sein, der Stengel im inneren der Bud sollte, mit wenig Widerstand, glatt durchbrechen ohne an einzelnen Fasern zusammenzuhalten.

Vorteil:
Das Schimmelrisiko ist minimal. Auch für ungeduldige Gärtner ist diese Methode definitiv zu empfehlen.

Nachteil:
Beim Wet Trim wird eigentlich nur Wasser entzogen, jedoch kein kratzendes Chlorophyll abgebaut. Die Buds sind nicht „ausgehärtet“, auch die Farbe verändert sich kaum. Den Geruch verlieren die Buds durch die frische Luft auch größtenteils, beim Grinden kann es sein, daß nur ein grünes Pulver entsteht. Qualitativ ist das also leider die unterste Stufe des Trocknens, in einem Coffeshop wird solches Gras nie angeboten…

Trocken beschneiden und Aushärten/Dry-Trim + Curing:

15400291_105322243296472_3380309983953573618_nIm Gegensatz zum Wet-Trim werden hier nur die größten, unverharzten Blätter entfernt. Auch sollte die Pflanze in möglichst großen Stücken trocknen und nicht in ihre Äste zerteilt werden. Auch hier wird die Pflanze kopfüber in einen Pappkarton gehängt. Da im Stamm, in den großen Ästen und den Blättern auch Wasser enthalten ist, dauert das Trocknen jedoch viel länger. Das Ziel: Wir wollen den Enzymen und Bakterien in der Bud möglichst viel Wasser zur Verfügung stellen, OHNE das die Bud dabei schimmelt. Durch die umgebenden Blätter wird außerdem Geschmack und Geruch besser konserviert.
Nun wird es etwas kompliziert:
Sobald die Pflanzen so trocken sind, dass die an den Buds anliegenden Blätter vertrocknet sind, werden die Buds aus dem Pappkarton entnommen, von den Ästen entfernt und in luftdichte Gefäße (Plastikbox,Marmeladenglas o.Ä) verpackt. Dazu legen wir einfach ein kleines Hygrometer um die Luftfeuchtigkeit zu überwachen. ACHTUNG: Mindestens ein Drittel des Inhaltes sollte leer sein, sonst steigt das Schimmelrisiko!

Nun beginnt das Curing
Innerlich sind die Buds zwar noch sehr nass, im äußeren Bereich aber sehr trocken: Das wollen wir jetzt ausgleichen. Nach 1 bis maximal 2 Tagen im geschlossenen Behälter sollte die Luftfeuchtigkeit bei ca. 80% liegen. Jetzt ist es Zeit, das erste Mal auszulüften(Sonst schimmelts!). Ihr lasst die Box also so lange offen (mitunter einige Tage), bis die äußeren Blätter wieder genauso trocken sind wie vor einigen Tagen. Sobald das so weit ist, Deckel drauf und wieder 1-2 paar Tage abwarten, bis die Feuchtigkeit wieder regelmäßig verteilt ist. Diesen Vorgang wiederholt ihr noch einige Male. Bei jedem Durchgang sollte die Luftfeuchtigkeit in dem Gefäß um ungefähr 5-10% abnehmen. Wenn die Luftfeuchtigkeit sich bei ungefähr 60% einpendelt (und dort auch einige Tage bei geschlossener Box bleibt), kommt die Zeit des großen Wartens: 2-3 Wochen sollte man den Buds mindestens geben: In dieser Zeit bauen Bakterien und Enzyme mithilfe des verbliebenen Wassers das Chlorophyll ab, das Produkt wird „sanfter“ und angenehmer zu rauchen.
Überwacht zwichendurch immer mal die Luftfeuchtigkeit in der Box. Die Box wird außerdem jede Woche einmal geöffnet um frischen Sauerstoff an das Produkt zu bringen. Nach der dritten Woche könnt ihr wieder beginnen den Deckel abzunehmen und die Feuchtigkeit langsam (und damit gleichmäßig!) zu senken. ABER: Wirkliche Top-Qualität darf auch gerne mal mehrere Monate rumliegen…Je länger die Blüten liegen, desto härter werden diese. Spätestens im Grinder erkennt ihr aber wieder die „wahre Größe“.

15355558_105323249963038_8397765492393248657_nWelche Rest-Feuchte euer Produkt haben soll ist tatsächlich euch überlassen und hängt auch oft von der Sorte ab (Ich persönlich mag 30-40%). Ich empfehle euch die kleinen Blätter vor dem Rauchen abzuschneiden oder einfach mit den Fingern abzukrümmeln, je nachdem wie trocken euer Produkt ist. Die Blätter könnt ihr dann separat weiterverarbeiten bzw. veredeln.

Falls noch Fragen offen sind, einfach ab in die Kommentare damit! Falls ihr Tipps oder Tricks für euren Garten braucht, schreibt mir doch einfach eine PN!
(Teilen und Liken bleibt nach wie vor legal! )


Text und Bilder von Cannabis Tipps&Tricks, auf der drogenpolitik veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Um auf die Autorenseite zu kommen, muß man ein Facebook-Profil haben. 

Teestunde und Drogenkrieg

Zarter TriebSehr viele Menschen auf der Welt nehmen tagtäglich eine recht wirksames Aufputschmittel, viele von uns sogar schon zum Frühstück. Die Substanz macht wach und konzentriert. Sie blockiert nämlich im Zentralnervensystem Adenosinrezeptoren, welche üblicherweise die Nerven nach getaner Arbeit beruhigen, unter dem Drogeneinfluß funken die Nerven aber munter weiter. Da man bisher noch keine schweren Gesundheitsschäden mit der Droge in Zusammenhang bringen kann und der weltweite Handel ein Riesengeschäft für alle Beteiligten ist, unterliegt sie keinerlei Beschränkungen und wird unbedarft von jung und alt, gesund oder bettlägrig, konsumiert.

 

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Coffein, ein hübsches Purinmolekül mit den CH3-Gruppen, die dafür sorgen, daß Drogen schnell ins Gehirn einsickern. (Bild: Wikipedia)

Die Rede ist von Coffein, dem Wirkstoff von Kaffee und Tee und einigen anderen Pflanzen. Theoretisch macht es sogar abhängig, man kann Entzugserscheinungen kriegen und entwickelt bei Dauerkonsum Toleranz, genau wie bei richtigen Suchtmitteln. Das mach aber nichts, denn … Coffein ist preisgünstig und legal verfügbar und das weltweit am häufigsten konsumierte Stimulans. So lehrt es uns Wikipedia. Bemerkenswert ist vor allem die Ambivalente Haltung in Deutschland, wo man Kindern oft Kaffee als Nervengift verweigert, die lieben Kleinen aber aus Unwissenheit bedenkenlos Tee trinken durften und heute in jedem Supermarkt Koffeinbomben in Energydrinks kaufen dürfen.

Ausrüstung

Service für eine chinesische Teezeremonie. Dabei werden in einer winzigen Kanne sehr viel Teeblätter gebrüht, ein Aufguß zieht nur eine halbe Minute, dafür wird bis zu sieben Mal aufgegossen. Danach kribbelt es schon mal unter der Schädeldecke.

Um unser aller Coffeinkonsum zu erklären, müßte man jetzt für Kontinentaleuropa die Geschichte des Kaffees erzählen. Die ist aber sehr kompliziert, beginnt bei jemenitischen Ziegenhirten, geht über die mannigfachen Europäisch-Türkischen Beziehungen vom belagerten Wien bis zu ominösen Verträgen mit der EU. Aber für einen Geschichtenerzähler ist die Drogenkarriere des koffeinisierten Abendlandes sehr viel einfacher und runder aus Sicht des englischen Teetrinkers. Die ist hierzulande wenig bekannt und beachtet, was wohl auch daran liegt, daß die Engländer in einem anderen Universum leben. Da können sie mit der Geschichte der Volksdroge Tee mal eben Aufklärung, Finanzkapitalismus und Kolonisierung der Welt in einem Rundumschlag abfrühstücken. Das geht dann so:

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Adenin, beliebt in allen Zellen als Teilnehmer der DNA und als Botenstoff. Es sieht fast so aus wie Coffein, nur ohne CH3-Gruppen.

Bis in die graue Neuzeit war der Durchschnittseuropäer kontinuierlich betrunken. Keimfrei abgekochtes Wasser war nur als Bier verfügbar und alle hatten ständig einen im Tee, König wie Bettelmann, von der Wiege bis zur Bahre. Kurz nach 1600 dann purzelten die ersten Teekisten von niederländischen Asienseglern, zur Mitte des 17. Jahrhunderts hatte sich Tee in der Oberschicht von Nordwesteuropa etabliert. Ungefähr zu dem Zeitpunkt fing mit wissenschaftlichem Denken ein tiefgreifender Bewußtseinswandel an. Ob der nun mit dem Wechsel vom Alkohol zum Koffein zu tun hat, mag ein historischer Zufall sein. Völlig abwegig ist der Gedanke aber nicht. Ernüchterte englische Teehändler jedenfalls begannen Drogenhandel in richtig großem Stil. Sie verdrängten die Holländer aus dem Asienhandel. Zur Finanzierung der teuren und riskanten Teekonvois entwickelten sie moderne Risikokapitalgesellschaften. Die profitable Seefahrt wiederum führte direkt zur Eroberung eines Weltreiches. Dem widersetzte sich einzig China, welches leider auch das Monopol auf Teeproduktion hatte. China war lange ein isolationistisches Riesenreich mit großer Antieinwanderermauer und dem erklärten Unwillen, von Ausländern Dinge zu kaufen. Die Engländer bezahlten hundert und mehr Jahre lang gutes Silber für Teeblätter und konnten im Gegenzug nichts nach China verkaufen. Eine Situation, als ob Amerikaner für Dollars Kokain kauften, aber die Dollars nicht durch Waffenexporte nach Mexiko zurückholen könnten. Eine unhaltbare Ungerechtigkeit, die natürlich mit Waffengewalt bereinigt werden mußte. Es kam zum Opiumkrieg, dem ersten richtigen Drogenkrieg der Geschichte.

Der Dealer

Die Teezeremonie, hier bei einem Teehändler, dient weniger der Meditation als der Verkostung des Tees, ähnlich wie eine Weinprobe. Nach der kurzen Ziehzeit kommt der Tee in den Pitcher. Bevor er in die Trinkschüsselchen kommt, wird er erst kurz in hohe Becherchen gegossen, die einzig dazu dienen, die Qualität des Krautes zu riechen.

In diesem Zusammenhang finde ich die lexikalische Bewertung der Substanzen sehr interessant: Im deutschen Wikipediaartikel über Tee wird Opium kein einziges Mal erwähnt, im Artikel über den Opiumkrieg wird dagegen das durch Tee erzeugte Außenhandelsdefizit gegenüber China als wichtige Ursache angegeben. Die englische Handelskompanie nämlich entdeckte, daß sie sich das Silber mit indischem Opium zurückholen konnte. Als Rauchstoff erfreute sich das Schmerzmittel in China größter Beliebtheit, sowohl bei unterernährten Arbeitern als auch bei der gelangweilten Beamtenschaft. Als die chinesische Verwaltung den Handel eindämmen wollte, reagierte die Handelskompanie, wie sich das für Drogenkartelle gehört: Man ballert die Nachbarschaft zu Klump, bis die Revierverhältnisse geklärt sind. In ihrem selbstzufriedenen Gefühl kultureller Überlegenheit hatten die Chinesen Verwaltung und Militär ziemlich verkommen lassen. So hatten sie den englischen Kanonenbooten, bemannt mit volltrunkenen Analphabeten und geführt von ehrgeizigen, teetrinkenden Offizieren, nichts entgegenzusetzen. Es ist natürlich wieder nur ein böser Zufall, daß der Krieg begann, kurz nachdem 1834 auch in Indien Tee angebaut werden konnte und damit das Teemonopol Chinas gefallen war.

  • Wer das alles nicht glaubt, der kann diese Drogengeschichte nachlesen bei Henry Hobhouse: Fünf Pflanzen verändern die Welt. Da werden die europäischen Eroberungen, die Geldströme und Migrationsbewegungen der letzten 500 Jahre flott erzählt anhand wirtschaftlich wichtiger Pflanzen aus den Kolonien. Beginnend mit Chinarinde, Zuckerrohr, dem hier beschriebenen Tee, Baumwolle und Kartoffel. Inzwischen hat Herr Hobhouse in neueren Ausgaben noch den Kokastrauch ergänzt. Das steht dann wieder auf meiner drogenpolitischen Leseliste. Hier geht zum englischen Artikel über „Seeds of Change“, das ist die deutsche ISBN-13:978-3423300520
  • Wer sich für chinesischen Tee als Genußmittel ganz ohne Drogenpolitik interessiert, sollte sich mal den Blog dieser deutschen Teemeisterin ansehen.

Blogvorstellung: Der besondere Geschmack des Mäck78

In jungen Jahren las ich auch mal in Werken des Marquis de Sade. Man sollte sich ab und zu mit der Geisteswelt französischer Intellektueller beschäftigen und es ist ja auch nicht ganz uninteressant. Allerdings verging mir die Lust daran gründlich, als der Graf begann, sich über gewisse kulinarische Vorlieben auszubreiten. Da, wo ich aufhörte, den Marquis zu lesen, macht nun Mäcks Blog weiter. Merkwürdigerweise aber lese ich den wiederum ganz gern. Es gibt ja durchaus Stimmen, die behaupten, das Werk von de Sade sei als politische Satire zu verstehen. So könnte man Mäcks Blog auch betrachten. Aber er ist nicht so akribisch und manisch wie de Sade, sondern irgendwie leidenschaftlicher und viel menschlicher.
Wer jetzt weiß, worum es bei Mäcks Blog geht und das mit irgendwelchen persönlichen Gefühlen nicht vereinbaren kann, sollte an dieser Stelle nicht weiterlesen und auch auf gar keinen Fall einen der verlinkten Artikel ansehen. Alle anderen sind selber Schuld und denen wünsche ich viel Spaß beim Entdecken von Mäcks Kosmos.

Denn eine große Freude ist es mir, diesen Blog und den verantwortlichen Künstler vorzustellen. Die Scheißhauslyrik ist nämlich abseitige Lektüre ganz nach dem Geschmack abgestumpfter Drogenpolitiker. Darüber hinaus ist Mäck auch noch ein versierter Experte für Aufputschmittel. Den Mut zur Erforschung seiner abgründigen Neigungen, eingeschlossen derjenigen, über ebenselbige freizügigst zu berichten, verdankt Mäck laut eigener Aussage dem Amphetaminkonsum. Dabei hegt er eine besondere Vorliebe für Ephedrin. Mit dieser Substanz experimentierte ich ja auch eine Weile. Trotz gewisser Faszination mußte ich aber feststellen, es eignet sich nicht so gut für psychedelische Forschung. Durch die Lektüre von Mäcks Werk wird mir bewußt, Ephedrin ist eine ganz wunderbare Droge zum Ausleben sexueller Fetische, geradezu ideal für das masochistisch-passive Erleben. Denn die Wirkung ist eine krautig-kratzige Erregung, deutlich sexuell, dabei aber ziemlich stark genital-dysfunktional. Und nicht flauschig wie Ecstacy, welches ja eher androgyn-kuschelig daherkommt. Die kribbelige Wirkung von Ephedrin auf Geschlechtsteile beschreibt Mäck ziemlich anschaulich in der Geschichte mit dem passenden Titel „Der Ephedrinpimmelzwerg„. Diese aber ist nur vollständig mit der Vorgeschichte, „Verstrahlt an Sylvester„.

Wer es wagt, sich das nach dem Essen durchzulesen, hat einen guten Überblick über den Inhalt des Blogs. Für Leser mit empfindlichem Magen sei hier zusammengefasst, es gibt Koprophagie, inzestuöse Phantasien, konservative Ansichten und Sadomasochismus. Hoch seriös und Menschenfreundlich empfand ich auch sein Angebot, abgelaufene Schmerzmittel fachgerecht zu entsorgen. Darüber hinaus hege ich den Verdacht, Mäck ist gläubiger Katholik. Mäcks Werk wäre nicht vollständig, ohne seine Aktivitäten auf facebook. Dort stalkt er regelmäßig unbedarfte junge Leute. Die männlichen etwas wohlwollender, ein hohes Kompliment ist es wenn er den Wunsch äußert, jemandes Hinterlassenschaften verspeisen zu wollen. Gegenüber jungen Frauen betätigt er sich oft als richtig ordinärer und zickiger Orthographie-Blockwart und prahlt dann damit öffentlich. Ferner pflegt er eine extrem umfangreiche und geordnete Dokumentensammlung zum Mordfall Sedlmayr. Da ich nie bewußt Fernsehsendungen mit Sedlmayr gesehen habe, spricht mich das weniger an, es riecht etwas altbundesrepublikanisch nach Tatort.

Da Mäck offensichtlich in einem bürgerlichen Brotberuf seine Misanthropie pflegt, muß er wohl oft nüchtern bleiben, daher sind die meisten seiner Beiträge kurze Bonmots. Wenn er denn aber mal ordentlich Amphetamin nimmt, geht es rund. Das vermute ich jedenfalls. Es kann ja auch sein, daß er den Großteil seines literarischen Schaffens nicht kostenlos verbloggt, sondern es für den großen Durchbruch aufspart. Das hoffe ich persönlich, denn er hat versprochen, mir im Falle eines kommerziellen Schreiberfolgs ein iPad zu sponsorn. Und das, ohne jede Kenntnisse der Funktionalität meines Verdauungsapparates, was ich als große, menschliche Anerkennung werte. Seine literarischen Vorbilder enthüllte er jüngst, das sind unter anderem William S. Burroughs und Hubert Selby Jr. Mir sind die beide leider noch nicht bekannt. Mäcks amphetaminig-aufgekratzte Schreibe erinnert mich ein wenig an Keruac, wobei ich hier Mäck lieber mag. Denn wo Keruac als Intellektueller teilnehmend-beobachtend mit den wilden Kerlen on the road ging, greift Mäck höchstselbst und ohne Gummihandschuh in die Scheiße.18110548_1880165425558707_1359736537_n

​W-IPA von der Minoh Brewery, Osaka

Am letzten Abend in Japan gelang es mir dann doch noch, ein ordentliches, einheimisches Craft Beer zu finden. Für ausgiebige Kneipentouren nämlich eignet sich so ein Familienurlaub nicht wirklich. Dazu fand ich es wirklich schwierig, mich in der extrem dicht bebauten Konsumlandschaft zurechtzufinden. Nur mit Hilfe wurde ich schließlich auf ein beachtlich großes Kaufhaus aufmerksam, welches irgendwie zwischen eine Mall und diverse, verschachtelte Bahnhaltestellen gequetscht war. Ich vermute, die Architekten verstießen beim Bau gegen diverse Naturgesetze, ähnlich wie die genehmigungsfreie Anlage von Gleis 9 3/4 für Harry Potters Hogwarts-Zubringer. Oder sie verwendeten Pläne aus einem Buch von M.C. Escher. 

Jedenfalls war es auf einmal da, das Kaufhaus. Und im Kellergeschoss befand sich eine ordentlich große Lebensmittelabteilung mit unter anderem einem schönen, bunten Bierkühlschrank. Völlig willkürlich und weil ich auf den ersten Blick kein Stout fand, wählte ich das W-IPA von der Minoh-Brauerei aus Osaka. Damit fiel mir dann ein ganz beeindruckend leckeres Double IPA in die Hände. Der  leicht stechende Zitrusgeruch wird sofort beim ersten Schluck abgefedert von einem schweren, brotigen Körper. Das schmeckt sättigend, als ob man ein Vollkornbrot bis kurz vor zuckersüß durchkaut. Dabei schwebt die ganze Zeit der Zitrusduft über allem. Das wirkt dann insgesamt, wie so ein englischer Teekuchen mit kandierten Früchten, die mal mehr rot und süß, mal eher orangenschalig bitter daherkommen. Von 9 % Alkohol schmecke ich nichts. Sehr gut gefällt mir, dass der Hopfen, auf dem Etikett steht Cascade, durchaus scharf herauskommt und dem Bier hochwertige Komplexität verleiht. Dabei erschlägt er aber nicht die Geschmacksnerven und fügt sich sehr harmonisch in den Malzkörper. 

Richtig sympathisch erscheint mir überdies die Minoh-Brauerei, wo ich bei der Nachrecherche auf diese liebevolle Reportage gestoßen bin. Kurz zusammengefasst, handelt es sich wohl um ein kleines Familienunternehmen, das unter rein weiblicher Leitung weltklasse Craft Beer kreiert. Da bedaure ich im Nachhinein, nicht mehr Zeit in die Bierforschung investiert zu haben. Denn die Stouts der brauenden Töchter der Ohshita-Familie werden in den höchsten Tönen gelobt und auch das Pale Ale von Minoh wurde mir wärmstens empfohlen.

​Sake – Bis man umfällt, wie ein Sack Reis

Am Reiswein führt in Japan kein Weg vorbei. Sake ist der Treibstoff für traditionelle Kirschblütenfeierlichkeiten und das einzige alkoholische Getränk, das wirklich gut zu dem milden japanischen Essen passt. Fast jedes Lokal wirbt mit Sakeflaschen und im Supermarkt stehen sie meist direkt unter dem beliebten Whisky.

Ohne das Etikett lesen zu können und ohne jede Vorkenntnisse der Materie nahm ich mal einfach einen halben Liter der mittleren Preisklasse. Eine kurze Internetrecherche besagte, dass man Sake kalt und heiß trinken darf. Da die Erhitzungsrituale allesamt sehr umständlich klangen, kam der Wein direkt ins Schüsselchen – passende Gläser gab es nämlich nicht in der airbnb-Wohnung.

Es schmeckte nicht schlecht, nur sehr schwer zu beschreiben. Wie etwas, worin ein Chinese weißen Fisch marinieren würde. Was ich übrigens sehr empfehlen kann, denn tatsächlich waren Fischkochsituationen bisher die Einzigen Gelegenheiten, bei denen ich mit Reiswein in Berührung kam. Und da wurde dann mangels Reiswein oft heller Sherry verwendet. Da hätte ich dann also auch einen Geschmacksvergleich für den Sake, nämlich ein wenig erdig wie milder Sherry. Außer einer sanften Herzhaftigkeit hat das klare Getränk sonst keine Eigenschaften, die ich von anderen Alkoholika kenne. Es prickelt nichts, keine Bitterkeit, keine Säure, keine Gerbstoffe und absolut nichts fruchtiges. Nur ein grasiger Körper und etwas sirupartiges Mundgefühl. Ein harmloser Begleiter zu mildem Essen eben. Bis man kurz vor Ende der Flasche merkt, dass die Flüssigkeit doch eher 10 als 5 Prozent Alkohol hat.

Im Restaurant bekommt man den Reiswein erhitzt. Da riecht dann der verdampfende Alkohol deutlich und das erdige Aroma wird komplexer. In der winzigen Karaffe, die für grade mal zweieinhalb Schnapsgläser reicht, macht das aber erheblich weniger Spaß als die Flasche zu Hause.

Ein idealtypisches Kirschblütenfest mit Kirschblüten oben, Familie, Picknickutensilien und Sakeflaschen unten. Ab drei Flaschen können dann auch Japaner in der Gruppe laut lachen. Der Wein ist allerdings immer so mild, dass alle hinterher noch aufräumen und den Müll einsammeln. (Foto: AW ohne jegliche Genehmigung der abgebildeten Personen.)

Das Voodooschaaf kommentierte hier am 11. 04. 2017 diese drogenpolitisch hochinteressanten Hintergrundinformationen zum japanischen Reiswein, die deshalb hier von der Kommentarspalte in den Artikel gehoben werden:

Sake?
Meine Rettung wenn ich mich mal ganz gepflegt abschiessen moechte, seit dem ich Rotweinverbot habe (durch ein fieses Ulcus) ist das definitiv das Mittel der Wahl.
Null Saeure, leichte holzige Noten ohne Stress, wunderbar weich im Mund, grasig am Gaumen.
Bin allerdings mehr so der Kalt-Trinker, heiss knallt er zu schnell, kalt pushed er gewaltig und man kann auch noch ohne Ausfaelle schnell schwere koerperliche Arbeit verrichten.
Schaaftipp:
Nur hochwertiges Zeugs kaufen, geht da preislich um die 30 Ocken los, isses aber wirklich wert (in der billigen Ploerre is allet moegliche zugesetzt), empfehlenswert sind die Sorten Junmai, gipfelt bei mir leider preislich am Betsukakoi Junmai Daiginjyo um die 70 Ocken.
So kann man sich janz entspannt innen Ruin trinken.
Achtung:
Richtich juter Sake haelt sich nich sonderlich lang, also aufmachen und reinhauen.
Es gruesst janz brav das Schaaf

Pazifische Bierlandschaft

Japan ist vom Wesen her ein eher nordisches Land. Die Preise sind hoch, die Menschen lieben Privatsphäre und Süßigkeiten. Und niemand braucht zu verdursten, denn Alkohol wird überall für gar nicht mal so viel Geld verkauft. Der Whisky steht im Supermarktregal oben auf Augenhöhe, überall wird Sake angepriesen und das Bierangebot bewegt sich auf international hohem Niveau. Das treibt dann auch merkwürdige, aber nicht unangenehme Blüten, wenn ein ‚Haus München‘ ein Chimay als Hauptgetränk anbietet.

Zwar scheint es unüblich, öffentlich sichtbar zu konsumieren, aber gepflegte und gut besuchte Kneipen sind so häufig wie sie es in Deutschland ohne autofahrerischen Nüchternheitszwang wären. Und auch alkoholisierte Menschen zeigen sich dem aufgeschlossenen Beobachter. 

So braucht man als unbedarfter Tourist nicht weit zu laufen, um die klischeehafte Gruppe Anzugträger mit krebsroten Gesichtern zu sehen, die mindestens vier Getränke intus haben, obwohl sie wegen Alkoholdehydrogenasemangel nicht mal ein halbes dürften. Aber sie genießen es offensichtlich, wenn sie kurz vor dem Kreislaufzusammenbruch wenigstens einmal am Tag ehrlich und von Herzen über die Witze ihres Vorgesetzten lachen dürfen. Auch kommt es vor, dass Jungmänner ihren Testosteronspiegel regulieren, in dem sie wild auf die Straße rennen und mit entgegenkommenden Autos eine Schlägerei anzetteln wollen, während der Freundeskreis sie mit zurückhaltenden Armen, guten Worten einem Glas Wasser in ihrer Männlichkeit bestärkt.

Das Verhältnis der Japaner zur Trunkenheit erscheint mir  zwiespältig. Selbstkontrolle ist der allerhöchste Wert. Ein anständiger Rausch wiederum ist probates Mittel, den zahlreichen Zwängen der Gesellschaft zu entfliehen. Zwar muss man sich dann hinterher schämen, aber unter den zahlreichen Anlässen und Gelegenheiten für Scham fällt das dann nicht mehr besonders ins Gewicht. 

Asahi Clear schmeckt nicht besser und nicht schlechter als internationale Lager wie Heineken oder Carlsberg. Mit 1,50 pro Halbliterdose im Spätsupermarkt ist es Ideal, wenn man nach 14 Stunden Flug den Schlafrhythmus regulieren will. Nach dem dritten Abend wird es ziemlich langweilig.

Wenn man nach ein paar Tagen Eingewöhnung im fremden Land den richtigen, normalen Supermarkt gefunden hat, darf man sich in Japan von so einer kleinen, feinen Spezialitätenecke überraschen lassen.

Neugierig wählte ich das blaue Tokyo Craft Pale Ale. Ganz solide, aber ich hätte im Nachhinein lieber das bekannte Kuna Fire Rock genommen.

Kirin ist eine Allerweltsmarke, die hellen können deutsche Biertrinker nicht nachhaltig beeindrucken. Das Stout aber erfreut mit markanten Röstmalznoten bei weichem Gesamtkörper.

Hitou Beer ist eine erfreuliche kleine Entdeckung in der tiefsten Provinz. Malzig-süffig im Geschmack irgendwo zwischen sehr naturtrüb und Weißbier ist es erst mal nichts besonderes. Aber als regionale Spezialität lecker erfrischend, wenn man im verschneiten Urwald aus der schwefeldampfenden, heißen Quelle steigt und direkt eines aus dem Kasten im kalten Fließwasserbecken greifen kann. Auf dem Etikett zeigen passend zwei anmutige Japanerinnen, wie man im Onsen korrekt nacktbadet, ohne etwas von sich zu zeigen.

Marijuana Moonshine – Kräuterschnaps mit Langzeitwirkung

OLYMPUS DIGITAL CAMERADie heutige Überschrift ist schon eine Lüge. Zumindest eine eigenwillige, alternative Interpretation der Fakten. Denn es wurde für das Experiment keineswegs Moonshine, also schwarzgebrannter Alkohol in Marmeladengläsern verwendet, sondern relativ hochwertiger Adler Berlin Wodka. Den fand ich bei einem der gutsortierten Dealer in der Nachbarschaft. Ich fragte frech, ob sich denn ein Wodka für mehr als 30 Euro lohnt. Der Dealer gab sich absolut überzeugt von dem Schnaps. Also kaufte ich eine kleine Probierflasche, natürlich im Literpreis ungleich viel teurer, aber mit 5 Euro eine verschmerzbare Ausgabe für einen Spontankauf. Der Schnaps ist schon sehr lecker und man kann ihn pur trinken. Aber nach dem einen Glas hatte ich irgendwie gar keine Lust mehr auf Wodka, weder pur noch als Martini-Cocktail. Craft Beer und andere feine Brände kamen dazwischen.
Aber so ein halbes Fläschchen eignet sich wunderbar, um die decarboxylierten Überreste meines Hanf-Vaporizers darin aufzulösen. Den griffigen Begriff Marijuana Moonshine übernahm ich aus diesem Lehrfilm. Damit habe ich mich wieder ehrlich gemacht, denn Produktbezeichungen können nicht lügen. Für eine schnelle Auflösung der lipophilen Wirkstoffe sollte der Alkoholgehalt möglichst hoch sein. Da wäre natürlich echter Moonshine mit 50 oder 60 % besser gewesen aber die 42 Umdrehungen vom Adler reichen, daß innerhalb einer Woche ein brauchbares Produkt entsteht. Man muß dafür den Schnaps mit Kräutern in der Tiefkühltruhe lagern und nach Möglichkeit dreimal täglich schütteln. Dann können die ausgelaugten Kräuter abgefiltert werden. Ein Fachwort für diesen Prozess lautet übrigens Mazeration. Oma und Tante Emma würden das einen „selbst Aufgesetzten“ nennen und mit ordentlich Zucker angereichert haben. Das brauchen wir jetzt natürlich nicht, weil wir ein hochaktives Kraut mazerieren. Wenn nämlich 2 Gramm Material in 2 cl Schnaps gelöst werden, eine Konsumeinheit aus 0,2 Gramm Pflanzenmaterial bestand, dann sind wir, mangels millilitergenauer Meßwerkzeuge, mit einem bis zwei Teelöffelchen voll ziemlich gut bedient. Da braucht es keinen Zucker mehr, um das zu versüßen.
Die Wirkung der Medizin ist sehr schön und mal wieder sehr lang, eher sechs als vier Stunden. Die Verarbeitung scheint die Wirkung zu glätten, wie ich das schon beim Haschöl festgestellt habe. Ich glaube inzwischen, Hanf sollte überhaupt nicht pur gegessen werden, das ist wie untermotorisiert auf holpriger Straße unterwegs sein. Als Öl, gemischt in gehaltvolles Essen oder eben als alkoholische Tinktur aber ist das Erlebnis sehr viel stabiler. Aber so ganz überzeugt bin ich immer noch nicht von der Hanfesserei. Es wird schnell zu viel. Als ich Abends dann am Kifferufer vorbeikam, stach mir der Geruch unangenehm in der Nase. Ich konnte die typischen Aromen des Wirkstoffes sehr genau identifizieren und hatte das Gefühl, jede meiner Zellen sei damit angereichert und übersättigt. Das kann natürlich auch daran liegen, daß der Test in die Woche mit den Haschöl-Experimenten fiel. Fürs erste ist es auf jeden Fall genug mit den verhanften Nahrungsmitteln. Und das Kräuterschnäpschen kann eine Weile im Schrank bleiben, ich gehe davon aus, das es davon nicht schlecht wird.