Edinburgh, die Whisky-Hauptstadt

Schottland ist für den Besucher erstmal in erster Linie Scotch. Natürlich darf man Schottland, die Menschen und ihre Kultur nicht einfach auf den Alkohol reduzieren. Viele andere Drogen sind dort ebenfalls beliebt. Auch ist der Alkohol selten allein, sondern meist in Verbindung mit dem Essen zu sehen. Wobei natürlich Alkohol wichtiger ist, denn nicht zu jedem Schnaps ist immer auch eine Mahlzeit nötig, wohl aber zu jeder Mahlzeit mindestens ein Schnaps. Denn echtes schottisches Essen ist ohne Alkohol tunlichst zu vermeiden und eigentlich eine physiologische Unmöglichkeit. Über das Essen aber wird in unserem familienfreundlichen Reiseblog geschrieben, hier sei nur vom harten Stoff die Rede, dem Scotch als Malt Whisky in seiner veredelten Form.

Schottland ist immerhin das einzige Land dieser Erde, das nach einer Spirituose benannt wurde. Das nördliche Ende der großen britischen Insel bekam seinen Namen, als König David I im 12. Jahrhundert in einem Sumpf sturzbetrunken vom Pferd fiel. Der eitle König verklärte sein Mißgeschick sogleich als wunderbehafteten Zusammenstoß mit einem gottgesandten Hirsch. Der mißgünstige Hofstaat jedoch kolportierte die ungeschönte Wahrheit und im Volk hieß die Gegend, die bis dahin noch keinen eigenen Namen gehabt hatte, von nun an „Trostlose Einöde, wo der König sich unbeobachtet mit Scotch vollaufen lässt.“ Auch wenn das Gälische lange und umständliche Ortsnamen liebt, hatte sich bis zum Spätmittelalter die griffigere Bezeichnung „Scotchtrinkerland“ durchgesetzt.

Nach der Reformation kam es in Britannien bekanntlich zu blutigen und äußerst komplizierten Bürgerkriegen. Den Parteien war kein Anlaß zu billig, um einen Streit vom Zaun zu brechen. Vor allem die Presbyterianer störten sich an der Bezeichnung „Scotchtrinkerland“, die alle Bewohner pauschal diffamiert. Die Religionskriege tobten munter weiter, erst nach der Hinrichtung Maria Stuarts konnte von kirchlichen Würdenträgern der Nachweis geführt werden, dass die Menschen in Schottland keinswegs nur Scotch, sondern bei vielen Gelegenheiten auch Gin und oft sogar nur Bier trinken. Unter König James, im Deutschen als Jakob I bekannt, dem Sohn der unglücklichen Maria, wurde der Landesname schließlich in allen offiziellen Urkunden rückwirkend zu „Scotland“ verkürzt.

Die Verehrung berauschender Substanzen jedenfalls gehört fest zum Nationalcharakter der Schotten, denen damit das Kunststück gelang, fanatisch-ernsthaften Protestantismus mit dem allerfröhlichsten Rauschbedürfnis zu vereinen. Es lohnt sich für den Besucher, sich mit der Religionsgeschichte und den Nationalheiligen auseinanderzusetzen.

Juvenile Drunk Driving

Alle reformierten Kirchen Schottlands verehren Harry Potter als den Schutzheiligen jugendlicher Trunkenheitsfahrer. Schon in der Grundschule lernen Kinder die Standardausreden: Der Baum ist lebendig geworden und hat das Auto angegriffen! – Ron hat am Steuer gesessen, sie wissen schon, der Rothaarige! Die Firma Lego unterstützt das Bildungsziel mit pädagogischem Spielzeug.

Wie bei allen keltisch-spirituosenaffinen Völkern genießen auch in Schottland die Dichter und Schriftsteller einen besonderen Heiligenstatus. In den Pantheon aufgenommen und zu Schottin ehrenhalber ernannt wegen ihres Schaffens wurde die Engländerin J.K. Rowling. Mit dem Erfolg ihres Harry Potter verkörpert Rowling den Lebenstraum aller Briten, denn sie brachte es von der Sozialhilfeempfängerin zur vielfachen Millionärin allein durch Unsinnerzählen. Sie ist die Schutzheilige der größenwahnsinnigen Phantasten, führende Lügenbarone wie Elon Musk oder Donald Trump sollen morgens vor einem Portrait der Ausnahmeautorin meditieren, so stärken sie den Glauben an ihre eigenen Hirngespinste.
Rowling selbst brauchte indes nicht viel Phantasie, weil sie ihren Zauberlehrling in Edinburgh schrieb. Die Innenstadt ist beeindruckend und wirkt mit der Masse massiger, historischer Gebäude eher wie eine Filmkulisse, als ein Ort zum Leben. Die Bewohner Edinburghs wiederum sind tagsüber alle leicht verkatert. Viele wirken etwas fahrig, wie unwirkliche Schatten ihrer selbst, als ob ihre wahre Existenz in einer durch Zauberei entrückten Parallelwelt stattfände. Als Fremder fühlt man sich ausgeschlossen, da hilft auch kein Bier. Erst wenn man am Abend den ersten Tropfen Single Malt kostet, erschließt sich die Magie der verwinkelten Gassen und Treppen. Wenn man dann genug davon trinkt, kann man auch eine Kollision mit einer soliden Ziegelmauer als Entdeckung einer Geheimtür in bisher ungeahnte Dimensionen empfinden.
Um der Realitätsverschiebung die Schärfe zu nehmen, sei es gewöhnlichen Sterblichen dringend Empfohlen, schon Mittags oder früher mit zunächst kleinen Portionen Malt Whisky zu beginnen und nur im äußersten Notfall bei brennender Kehle mit Bier zu löschen. Das hilft auch bei der organischen Gewöhnung an den Linksverkehr, welcher vor allem für nüchterne, kontinentaleuropäische Fußgänger nicht ungefährlich ist.

Nationaldichter Irvine Welsh

Mitten in der Stadt vor dem Hauptbahnhof steht ein gewaltiges, kirchturmartiges Monument, das eine Statue des Dichterfürsten Irvine Welsh beherbergt. Dieser schuf mit dem polytoxen „Trainspotting“ das schottische Nationalepos. Die Helden symbolisieren die unterschiedlichen Aspekte des täglichen Kampfes des Schotten gegen die Nüchternheit. Invalide Soldaten, Seefahrer und Arbeiter der Ölborinseln in der Nordsee richten ihre Dankgebete an den Heiligen Welsh, wenn mit ihrem Rentenbescheid auch das Opiatrezept eingetroffen ist.

Der schottischen Seele am allertrefflichsten auf den Grund geht jedoch das weniger bekannte Heldenlied „Angels‘ Share„. Hier wird gesungen von der Läuterung und Wandlung des mittellosen Straßenschlägers Robbie, der durch einen Bewährungshelfer in die hohe Kunst des Whisky-Tastings eingewiesen wird und so Zugang zu den höchsten gesellschaftlichen Kreisen erhält. Robbie nutzt sein Talent und kann so in die Königsklasse der Diamantendiebe aufsteigen. Sein Gesellenstück ist der Diebstahl von ein paar Flaschen des teuersten Whiskys der Welt, schließlich erlangt er die Weihen des bürgerlichen Lebens mit einer Festanstellung in einer Destillerie. Robbie ist der Schutzheilige der Barkeeper und Kellnerinnen, die allesamt große Experten für hochwertige Spirituosen sind. Wer freundlich ist und den Lieblingswhisky des Hauses bestellt, wird jedes Mal positiv überrascht. Um sich die Namen der Getränke dann auch zu merken, braucht es allerdings schon etwas intensiveren Zauberunterricht.

Rugby

Der Ball ist eiförmig und die Mannschaft hat 32 Zähne – Hooliganismus ist in allen Teilen Britanniens ein beliebter Zeitvertreib zwischen den Trinkgelagen. Erste Nachweise von gelebter Fankultur sind schon aus der Jungsteinzeit erhalten.

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Die Sache mit dem Kratom

Der alte Affe

Alle haben sie einen gewarnt und man hat sich so ein bisschen gefühlt wie bei den Kindern vom Bahnhof Zoo, nur bei uns war das natürlich ganz anders, weil wir niemals fixen würden und überhaupt sind wir ja eh total vorsichtig und gar nicht so suchtgefährdet. Es war fast so wie man sich das so vorstellt, nur dass wir am Ende eben tatsächlich nicht komplett abgekackt und auf Opiaten hängen geblieben sind. Schwein gehabt. Knapp war’s trotzdem und ich kann nun aus eigener Erfahrung sagen, so ein Entzug  ist echt nicht witzig. Obwohl es in meinem Fall nur 2-3 Tage RLS (Restless Leg Syndrome) und frieren nach neun Tagen Dauerkonsum im Rahmen einer intensiven symbiotischen Verschmelzung mit einem Mitmenschen waren.

Mit einer bestimmten opioid wirkenden Pflanze habe ich die meisten Erfahrungen gesammelt. Sie ist völlig legal, nicht im BtmG gelistet und frei erhältlich, was ich persönlich nicht schlimm finde, da ich ohnehin eine Legalisierungspolitik unterstütze, aber das gehört hier jetzt nur am Rande bemerkt.

Die Rede ist von Mitragyna speciosa, allgemein auch bekannt als Kratom.

Als ich zum ersten Mal davon erfuhr, war ich gleich neugierig. Denn allgemein äußerten die Menschen in entsprechenden Chatrooms und Foren die Meinung, dass dieses Kraut ein sehr geringes Suchtpotential habe und ohnehin eher subtil wirke. Es wird zumeist in Pulverform angeboten und als Tee oder in Kapselform oral konsumiert.

Durch die subtile Wirkung ist Kratom recht alltagstauglich, aber auch nett für einen entspannten Abend. Da die Rauschwirkung einen nicht so umhaut, hat man in der Regel auch keine Probleme mit Blackouts oder der Verdauung. Es sei denn, man konsumiert täglich, was, entgegen der allgemeinen Meinung des Internets, durchaus recht fix zu einer körperlichen Abhängigkeit mit typischen Entzugssymptomen führen kann. Dennoch muss auch gesagt werden, ein Entzug von Kratom ist in der Regel nicht so intensiv wie der von starken Opiaten wie beispielsweise Morphium. Nicht, dass ich da persönlich großartige Erfahrungen hätte, solche Vergleiche ziehe ich vor allem aus Berichten von Freunden und dem gelobten Internet.

Tagtraum

Keine Tagträume, dafür Nebenwirkungen

Kratom ist auf jeden Fall nichts für Konsumenten, die es auf Nodding abgesehen haben. Nodding ist dieses Dösen im traumartigen Halbschlaf nach Opiatkonsum. Bei manchen Sorten ist es in höherer Dosierung zwar durchaus möglich, diesen Zustand zu erreichen, aber das geht meiner Erfahrung nach mit dementsprechend verstärkten Nebenwirkungen einher. Es stellt sich außerdem recht schnell eine unangenehme, anhaltende Übelkeit ein, wenn man den Zeitpunkt des Konsums bzw. Nachlegens nicht an der Nahrungsaufnahme ausrichtet. Will heißen, hat man zu viel oder zu wenig im Magen, beeinflusst das sowohl den Wirkungseintritt, als auch die Übelkeit und den allgemeinen Rauschverlauf.

Mir persönlich vermiest aber vor allem eine Nebenwirkung den Rausch, nicht nur bei Kratom. Denn von Opiaten bekomme ich Kopfschmerzen und da bin ich nicht die einzige. Etwa ab der Hälfte des Rauschs stellen sich fast immer oberflächliche aber dennoch fiese Kopfschmerzen ein, die auch den gesamten nächsten Tag kaum abklingen. Ist das nicht paradox? Opiate und Opioide sind allround-Schmerzmittel, die Kopfschmerzen auslösen.

Wenn ich ganz ehrlich bin, heule ich dem aber kein Stück nach. Die Nebenwirkungen sind mir den Rausch nicht wert und das ist auch gut so. Während des Rauschs fühlt man sich so schön geborgen in sich selbst. Es ist schon wahr: ein Opiumrausch – oder auch ein Kratomrausch – ersetzt psychologisch gesehen körperliche Nähe und Zuwendung und nimmt einem Angst und Sorgen. Wie bei allen anderen Mittelchen mit ähnlicher Wirkung liegt aber genau darin die Gefahr und wie immer gilt auch hier, das Maß macht das Gift.

Gestrandet

Betrunken stirbt es sich schöner – Trink- und Leseempfehlung im Dezember

Der Dealer hat endlich vernünftigen Stoff! Ein klarer Brand aus Trauben, den man angenehm auch pur trinken kann. Lange schon suche ich danach.

Gut, die Suche war nicht wirklich intensiv. Wenn ich wirklich Suchtdruck gehabt hätte, hätte ich mich in naheliegenden Stadtvierteln intensiver umsehen können. Aber als Berlin-Zuwanderer bin ich ein dörflicher Charakter und möchte mich nicht gern ohne triftigen Grund aus meiner unmittelbaren Nachbarschaft entfernen.

Auf einmal aber steht da eine Flasche dieser göttlichen Essenz auf dem Regal. Und der Dealer weiß offenbar selber gar nicht so genau, was er da stehen hat. Wenn man nach Traubenbrand fragt, greifen er und seine Angestellten nämlich stets routiniert zu Grappa oder Hefe. Das aber sind keine Traubenbrände, denn sie wurden nicht aus dem reinen, vergorenen Saft destilliert, sondern aus Trester oder Hefetrub, nicht wirklich Abfall, aber doch Nebenprodukte der Weinherstellung. Und der Dealer ist eben ein Weinhändler, die Hauptgeschäftszeit ist nach acht Uhr abends mit nachbarschaftlicher Verkostung. In solcher Runde wird Schnaps eben für gefährlich gehalten und steht halt, praktisch als Deko, über den Weinkisten

Sicher, es gibt ganz hervorragenden Grappa, vor allem seit Italiener in den 1990er mit hohen Preisen diese Spirituose für das distinguierte Bürgertum attraktiv machten. Es bleibt aber oft eine Schärfe, die Überwindung kostet oder durch umständlich lange Faßlagerung abgebaut werden muss. Den Traubenbrand dagegen kann man auch Nicht-Schnapstrinkern vorsetzen und hört dann nur: Oh, wie lecker.

Warum aber versteht keiner den Unterschied?

Einmal wird nicht mehr genug Schnaps getrunken. Zum anderen aber hat offensichtlich niemand „Tod in den Anden“ gelesen. Und diejenigen, welche es getan haben, glauben, es ginge um Morde oder Gesellschaftskritik und die üblichen Deutschlehrerprobleme.

Der Inhalt sei kurz zusammengefasst:

Die Geschichte Spielt im Nirgendwo und es passiert in erster Linie gar nichts. Die nicht passierende Handlung spielt in einer Polizeistation bei einer Wanderbaustelle im Hochgebirge. Die Arbeit auf der Baustelle ist hart und lebensgefährlich, das macht aber nichts, denn es gibt eine Kantine, wo sich jeder jede freie Minute bis Unterkante Oberkante mit Pisco zuschüttet, dem chilenischen Traubenbrand. Das reicht jetzt natürlich nicht für einen Roman, zudem es in diesem Außenposten der Zivilisation praktisch keine Frauen gibt. Aber zum Glück lauert ja, wie stets im Leben, der Tod in jedem Winkel. Nach Regenfällen krachen Steinlawinen die Abhänge hinunter und in der Einöde treiben Terroristen vom maoistischen „Leuchtenden Pfad“ ihr Unwesen und bringen, in Ermangelung echter Klassenfeinde auch alle anderen Andersdenkenden um. Die Terroristen nun tauchen gar nicht auf, machen aber trotzdem allen Angst.

Tatsächlich und konkret sind drei Arbeiter von der Baustelle verschwunden und der eigens aus der Stadt versetzte Polizeioffizier Lituma soll die Fälle aufklären. Dazu findet er sich oft in der Kantine ein und trinkt Pisco, serviert von den Wirtsleuten, dem ambitionierten Ehepaar, Dionisio und Adriana. Praktischerweise avancieren die Schankleute schnell zu Litumas Hauptverdächtigen.

Der Fall bleibt ungelöst

Für die objektive Beweissicherung eher unpraktisch ist allerdings der Umstand, dass es sich um Personifikationen antiker Gottheiten handelt, nämlich den Weingott Dionysos und Ariadne, die Frau mit dem roten Faden. Während der promillelastigen Ermittlungen ergibt sich, dass die Wirtsleute wahrscheinlich in der Kantine Bacchanale veranstaltet haben, bei welchen die versammelte Arbeiterschaft die Verschwundenen als Menschenopfer verspeiste. Der Mensch Dionisio jedenfalls ist überzeugter Anhänger eines alten Indio-Glaubens, demzufolge rachsüchtige Berggeister ständig die Menschen bedrohen und daher besänftigt werden müssen, Menschenopfer beim Straßenbau gehören zur liturgischen Routine. Der Wirt und seine Frau sind nicht nur Priester, sie sind die personifizierten Götter, archaisch und unbarmherzig, die ganz alte Schule. Die Gnade, mit der Abrahams jähzorniger Gott einst auf das väterliche Menschenopfer verzichtete, ist diesen altvorderen Torheit und Ärgernis, die sie nicht weiter kümmert. Natürlich kommt der Fall zu keinem Abschluss, Humbug und Aberglauben sind schließlich nicht justiziabel.

Der Roman handelt vom langsamen Vordringen der Zivilisation in die Lebensvernichtende Wildnis. Mühselig wird eine Straße in und aus dem Berghang gehauen. Und immer wieder machen Bergstürze die Arbeit zunichte. Dionisios leistet dabei natürlich auch seinen Beitrag zur fotschreitenden Zivilisierung. Er hat von der Küste den echten Pisco gebracht, damit die Arbeiter nicht mehr Fusel aus Trester oder Rum saufen müssen. Der Brand aus dem echten Wein nämlich hat ganz besondere Qualitäten. Die zeigen sich bei erfolgreicher Geisterbeschwörung und außerdem macht guter Brand keinen Kater.

Mario Vargas Llosa ist, als einer der großen südamerikanischen Schriftsteller, Pflichtlektüre für Bildungsbürger. Für oder gegen ihn, je nach Präferenz, spricht sein Bekenntnis zum Neoliberalismus, das macht Vargas Llosa in der sonst eher sozialistisch eingestellten Schriftstellerlandschaft Lateinamerikas zu einer besonderen Persönlichkeit. Als Gegenkandidat von Fujimori hat er sich sogar mit der Berwerbung auf das Höchste Staatsamt Perus politisch eindeutig betätigt. Das behinderte aber nicht seinen Nobelpreis für Literatur.

Fürs Leben lernen mit Literatur

Ungeachtet aller politischen Präferenzen können wir aus dem Buch wichtige Schlüsse ziehen: Schnaps ist das Mittel der Wahl für alle, die mal die Zivilisation hinter sich lassen wollen oder müssen. Als Rohstoff wäre Getreide, zumal ukrainisches, für uns Deutsche dabei aber nicht unbedingt die erste Empfehlung. Es könnte bei der Beschwörung vorzivilisatorischer Geister zu unguten, kulturellen Synergieeffekten kommen. Viel lieber sollten wir uns auf die Verbindungen zur uralten Zivilisation des römischen Reiches und deren staatstragenden Traubensaft besinnen. Schließlich hat sich ja auch unser Erlöser, der sich endgültig zwischen uns und den potentiell Menschenfressenden Rachegott stellte, als Erlöser zu erkennen gegeben, in dem er in der Stunde des Mangels hochwertigen Wein produzierte.

In diesem Sinne wünscht die drogenpolitik allen Lesern betrunkene Weihnachten

Traubenbrand

Berliner Stout Brand – der umständlichste Schnaps der Welt

Schnaps im Glas

Brewbaker macht endlich richtig harte Drogen mit ordentlich viel Alkohol drin. Zur Verkostung und zum Verkauf stand in der Brauerei ein Stout-Brand mit soliden 40 Umdrehungen. Aus hauseigenem Schwarzbier destilliert, wurde das Wässerchen dann einige Jahre auf Holz gelagert, sogar verschiedene Sorten sind im Angebot. Die Chefin kredenzte dem neugierigen Besucher die No. 3, „Dunkle Premium-Röstung“, diese erste Empfehlung war direkt ziemlich lecker und wanderte in den Einkaufskorb. Da erstanden wir also ein Fläschchen feinen, deutschen Kornbrand, durch Ausbau auf Holzspänen wurde daraus sogar so etwas wie ein richtiger Whisky. Das Getränk ist sehr edel und macht sich auch hübsch im Glas. Ein wirklich angenehmer Absacker, auch gut zum Wachwerden um 9 Uhr Abends, wenn ein Abgabetermin unangenehm nahe gerückt ist oder man seit einem Monat keine Blogbeiträge mehr veröffentlicht hat.

Über die subjektiven Eindrücke einer Spirituose könnte man nun viel reden, vom Lesen allein wird aber keiner betrunken und am Ende schmeckt es jedem anders. Konkrete Werte sind da viel interessanter. Der Tropfen hat nämlich einen nicht unerheblichen Makel, welcher dringend kommuniziert werden muss: Der Spaß ist unglaublich teuer. Eine Flasche ist nun mit 25 Euro durchaus bezahlbar und ein nettes Mitbringsel. Bis man dann realisiert, dass da nur ein Viertel Literchen drin ist. 100 Euro kostet der Liter, meine Herren, selbst hochwertige Spirituosen müssen sowas schon mit einem alten Namen, besonders getöntem Flaschenglas oder einer schicken Geschenkverpackung rechtfertigen.

Das ist echt ein Unfall, anders kann man das nicht nennen. Das streiten die Brauer auch gar nicht ab. Der Schnaps entstand nämlich äußerst umständlich. Es fing wohl an mit ein paar tausend Litern Stout, bestellt und nicht abgeholt. Da wollte jemand den St.-Patricks-Day feiern und hatte vergessen, Iren einzuladen. Kann ja mal passieren. Immerhin besser als bestellt, abgeholt und dann nicht bezahlt. Nachverhandeln ist der Euphemismus für solche betrieblichen Unglücke auf Manager-Sprech und die sind für Mittelgroßunternehmer immer ein schöner Grund, mit huldvoller Miene zu verkünden, dass es dieses Jahr wieder kein Weihnachtsgeld gibt. Was aber macht ein Kleinunternehmer mit einer mittelkleingroßen Menge nicht besonders haltbarem Schwarzbier? Vergammeln lassen? Ja, das geht. Das ergibt Essig, der ist sogar gar nicht schlecht. Aber jetzt auch kein Hammer, leider kein 1000jähriger Bio-Balsamico oder so, sondern halt einfach so ein normaler, milder Salat-Essig. Der trägt die Verluste nicht. Also haben sie das meiste Bier zu einer Schnapsbrenne gekarrt, den Brand auf Fässer mit Holzspänen gezogen und so lange da liegen gelassen, bis der Frust über den verunglückten Auftrag einigermaßen verflogen war.

Immerhin, nach nur drei Jahren auf dem Holz kann der Berliner Stout-Brand sogar mit einem richtigen Single Malt mithalten. Gegengetestet wurde ein Duty-Free-Impulskauf zu 60 Euro/Liter, der, laut Etikett seine 12 Jahre im richtigen Holzfass auf dem Buckel hatte. Und die nehmen sich beide nichts, da macht der dreijährige Berliner keine schlechte Figur. Beide haben noch eine leichte Schärfe, die kann man so lassen, damit es sich nach Schnaps anfühlt, die kann man aber auch mit einem Tropfen Wasser rundschleifen. Das Ergebnis ist ein weicher Brand, edel und nachhaltig in den Aromen, aber nicht aufdringlich. Ob das Schwarzbier durchschmeckt, weiß ich nicht. Ich kann das nicht erkennen und ein einfaches Maischen von Malz ohne das Brauen wäre bestimmt ein bißchen billiger gekommen. Andererseits, wenn man sich mal andere Produkte aus Kleinbrennereien ansieht, die kosten auch alle ähnlich viel und werden aus Rücksicht auf die Psyche der Kunden ebenfalls in kleinen Fläschchen unter die Leute gebracht. Da schlagen sich eben immer Arbeitsaufwand und vor allem die Steuern nieder. Der Staat will schließlich auch fleißig von unserem Rausch profitieren, irgendwer muss ja die Infrastruktur eines Hochlohnlandes ersaufen. Trinken also ist immer förderlich für den Staatshaushalt und wenn es dem Staat gut geht, geht es auch den Menschen gut. Wem das zu unpersönlich ist, der konsumiere bewusst, hochwertig in kleinen Mengen und folge dem Motto der Drogenpolitik: Unterstützt die Brauer und Brenner in Eurer Nachbarschaft!

Herbstreise, angeheitert

In Märchen aus Neuengland wohnen in alten Häuser gern mal Geister und Spukgestalten. Angesichts der vergleichsweise kurzen Siedlungsgeschichte kann man sich in den USA noch an jeden Sonderling erinnern. In Europa funktioniert das nicht. Hier würden sich die Geister gegenseitig auf den Füßen stehen und in der Masse untergehen, ohne Beachtung zu finden. Unsere Geister sind ein namenloses Heer, als unheilvolle Schatten sind sie stets bedrohlich präsent, aber dabei alltäglich wie eine tiefhängende, graue Wolkendecke über dem Flachland.

So eine diffuse Angst hält uns von Polen ab. Man hat da nichts zu suchen. Ganz offiziell schlägt sich staatlich geförderte Ausländerfeindlichlichkeit nieder in Satzungen von Versicherungen und Autovermietern: Fahrt mit dem guten Auto nicht nach Polen, die klauen da nämlich Deutsche Premiumprodukte. Dem rheinischen Tunesier standen die Haare zu Berge vor Angst, als wir mal in Usedom die 50 Meter über die Grenze fuhren, um Zigaretten zu kaufen. Das war im Mietvertrag ausdrücklich verboten und die Welt steht schließlich kurz vor dem Untergang, wenn man gegen Klauseln des Automietvertrages verstößt. Abends auf dem Zeltplatz wurden wir von anständig deutschen Betrunkenen belästigt, wahrscheinlich als Gottesstrafe für unseren Mietwagenfrevel. Die mecklenburgischen Hühnen nämlich entschuldigten sich anschließend recht emotional, sie hatten uns wegen des Kennzeichens für Münchner gehalten, aber das ist eine andere Geschichte.

Drüben in Polen sah es eigentlich ganz interessant aus

Die Landschaft ist ja links und rechts der Grenze die selbe. Aber der Wald in Polen wirkte ein wenig so, als hätte noch kein bundesdeutscher Oberförster die Bäume höchstamtlich einzeln durchnummeriert.

Jetzt, Jahre später, ging es also endlich mal los, an die Ostsee nach Westpommern, in die Wojwodschaft zachodniopomorskie, seit dem beliebten Lustspiel „Der Totmacher“ auch als Hinterpommern bekannt. Ob nun Hinter- oder Vorpommern, Alleen begrenzen gigantisch riesige Schläge, die nur mit Leibeigenschaft und Subventionen wirtschaftlich zu betreiben wären. Der deutsche und ehemals deutsche Norden braucht keine Wüste, bei uns verhungert der Bauer genauso gut auch auf fruchtbarem Boden.

Wenn man über die Gegend spricht, benutzt man selbstverständlich die deutschen Ortsnamen. Alles andere wäre ja auch viel zu schwierig auszusprechen. Aber generell wird eher wenig darüber gesprochen. Ich lese mich ein, das ganze westliche Polen ist verlorenes Land. Worüber wir nicht reden wollen, müssen wir schweigen. Wir wissen nicht, wo Alesia liegt. Ich bin im Rheinland in einem Dorf voll Schlesier aufgewachsen und wusste das nicht. Es war mir auch ziemlich egal. Jeder kommt von irgendwo her und hat irgend einen Grund, warum er unsere Sprache in seinem Sinne interpretiert. Vor den Gründen aber verschlossen wir Augen, Ohren und Herzen, wir konnten es uns leisten. In meiner Familie stammt nur ein Großvater aus den Ostgebieten, dessen Familie war aber vor Krieg und Vertreibung, im Kontingent der Wirtschaftsflüchtlinge von einer Bergbauregion in die andere gewandert. Und wer aus wirtschaftlichen Gründen kommt, kann kein echter Flüchtling sein.

Flüchtling ist immer ein Mensch, der Haus und Hof aufgeben musste und deshalb gegenüber irgendwem einen Entschädigungsanspruch hat. Flüchtlinge, die sich gut integrieren, halten den Mund und lassen die Vergangenheit ruhen. Du jammerst nicht über Dein Leid und Deiner Oma ihr klein Häuschen und wir fragen nicht, wer wann in welche Partei eingetreten ist.

Die Sudeten wurden mit dem Stock vertrieben. In Polen hat man den Leuten gesagt, entweder ihr sprecht ab jetzt polnisch und hängt ein -owsky an euren Nachnamen oder ihr müsst ganz schnell gehen. Ein berühmter Professor meinte einmal, alles Land östlich der Elbe sei für Deutschland unnützer und gefährlicher Ballast. Nach 30 Jahren zähem Ringen ums Deutschsein war dieser von vielen favorisierte Idealzustand der ethnisch homogenen, nivellierten Gesellschaft in den fruchtbaren Gründen westlich der Elbe für eine Weile hergestellt. Bis uns Polen wieder nahe kam.

Zubrowka Czarna

In Polen trinkt man Wodka. Wer Sirituosen kauft, sollte nicht am falschen Ende sparen. In polnischen Supermärkten ist das Ende der Fahnenstange bei 10 Euro erreicht, zur allseitigen Befriedigung.

Kaum drei Stunden fährt man von unserer alten neuen Haupststadt

In Rewal stoßen wir an die Küste. Der Name des Dörfchen hat die Polonisierung relativ unbeschadet überstanden. Nur ein h ging dem alten Rewahl verloren. Der Strand ist so schön und breit und sauber wie ehedem. Die reichste Gemeinde der Provinz soll das Dörfchen sein. Die elegante Polin erklärt uns, am schönen Strand schwimmt die Sahne der Tourismusbranche oben, das Hinterland ist bitterer Bodensatz, hüben wie drüben weite Horizonte ohne jede Perspektive.

Das ganze Land war immer schon abgebrannt, wie wissender Kindermund verkündete. Nach jedem Feuer kommt immer irgend ein guter Herr, versucht, zu sähen und das Land zum blühen zu bringen.

Also ging der Herr hin und baute zwei große Werften an die Küste, damit die Hintersassen Gelegenheit bekämen, für ihr täglich Brot zu arbeiten. Eine westliche für die deutschen Pommern und eine östlich für die Polen. In der östlichen Werft sammelten sich die Bauern wie einst Ulanen und Ritter mit Engelsflügeln und vertrieben den östlichen Herrn aus ganz Europa. Zum Dank dürfen die polnischen Ritter jetzt jederzeit überall Putzen, auf dem Bau helfen und Brötchen backen, das ist mehr als fair.

Die Werften nämlich gibt es nicht mehr. Als der böse gute Herr vertrieben war, erklärte man den Bauern, dass ihre Küste zu gar keinem richtigem Meer gehörte. Zumindest zu keinem wichtigen. Und wer braucht schon Werften an einem unwichtigen Meer? Und die Bauern trinken Schnaps seit dem. Die Pommerschen gehen Putzen und die Vorpommerschen wollte keiner für gar nichts, weil die Pommerschen nämlich billiger waren, genau wie ihr Schnaps.

Wodka Saska

Für den Hotel-Martini mache man eine Flasche hochpreisigen polnischen Wodka schulterfrei, fülle mit Wermuth auf und lasse die Flasche einen Strandspaziergang lang im Eisfach ruhen.

Derweil schwappt das unbenutzte Meer an scheinbar unberührte Sandstrände

In Mrzezyno, ehedem Deep geheißen, wohnt man mondän, in die Kasernen an der Küstenstraße sind Hotels eingezogen, mit schmucken Bungalows und einem beheizten Pool. In der Ostsee schwimmt keiner. Kalt ist sie in der Nebensaison aber immer noch schenkt sie den Menschen Brot. Und den immer gleichen Fisch, den sie den Touristen servieren können, frisch und sehr zart zwar, aber stets frittiert, um jeden Eigengeschmack zu entfernen. Polnische Würste oder Pierogi muss man suchen, in zweiter Reihe hat noch hier und da ein verstecktes Lokale geöffnet. Ansonsten ist man ganz auf deutsche und schwedische Kundschaft eingestellt, die lieben es meist nicht mehr deftig. Goutiert werden auch die Preise, auf den Karten stehen ziemlich exakt dieselben Hausnummern, wie in Berlin. Nur das Geld ist kaum ein Viertel des unseren Wert, der pralle Geldbeutel sorgt für gelöste Ferienstimmung.

Aber Essen ist hier Nebensache, man kommt wegen der Landschaft. Der Strand sieht wild und urtümlich aus, so wie man in Deutschland nur noch ein paar Fleckchen an der Nordsee findet, während unser baltisches Meer stets sauber eingehegt und flurbereinigt wirkt. Kaum in Polen, erstreckt sich blendend weißer Sand bis zum Horizont, dahinter Dünen und hinter den Dünen ein Streifen knorriger Kiefern, überall dazwischen Heidegewächse und Hagebutten. Der Wind reinigt die Gedanken, hartnäckige Sorgen vertreibt das tägliche Quentchen verflüssigter Kohlenhydrate bei Sonnenuntergang.

Wer doch etwas mehr Menschen und Häuser braucht, um seinen staatsbürgerlichen Konsumpflichten nachzugehen, der muss nach Kolobrzeg, die nächste Großstadt. Hier gibt es nicht nur genug Restaurants, eine Promenade mit Seebrücke und viele Strandkörbe. Am Wochenende sind die Parkplätze auch noch kostenlos. Unangenehme Geschichte gibt es keine, außer dem Leuchtturm ist alles Historische mit der Festung Kolberg restlos untergegangen und komplett verschwunden.

Erst wieder auf dem Rückweg, in Trzebiatow, sieht man noch ein wenig Treptow an der Rega. Irgendwelche Zufälle haben das Städtchen vor allen Kriegsschäden bewahrt. So hat sich der Marktplatz mit hübschen, norddeutschen Giebelhäusern erhalten. Dahinter ragt die mächtige Kirche, in der wohl einst der Norden auf den Protestantismus eingeschworen wurde. Heute finden dort selbstverständlich wieder gut katholische Gottesdienste statt.

Wir nehmen das wohlwollend zur Kenntnis und fahren weiter, zurück nach Hause über die Landstraßen, nur gelegentlich ein Halt, um die Anwohner zu unterstützen, die mit Honig und Pilzen etwas dazu verdienen.

Abendrot in Polen

Dat Wit von Brewbaker – Wenn die Tage heißer werden

 

Witbier Dat Wit Brewbaker

Pünktlich zum Sommerende präsentiert die Drogenpolitik dann auch mal das Sommerbier des Jahres 2018. Also das Bier, das wir im Sommer sehr gern getrunken haben und von dem wir aus diversen Hinderungsgründen erst jetzt schreiben können oder wollen. Unsere favorisierte Brauerei in der Nachbarschaft, Brewbaker aus Moabit, hat nämlich in diesem Sommer ein Wit gemacht. Ein Wit oder Witbier, nach Belieben kann Bindestrich oder Worttrennung eingefügt werden, ist ein belgisches Weißbier. Es enthält sogar auch Weizen, kommt aber völlig anders daher als ein bayrisches Weiß- oder Weizenbier wie ich es bisher kannte. Schon vom Ansehen ist eine Verwechslung mit Weizen ausgeschlossen: Dat Wit ist durchscheinend blass gelb mit relativ großporigem, recht stabilem Schaum. Geschmacklich setzt ein Wit auch ganz andere Akzente. Wo das Weißbier eher an eine notdürftig verflüssigten Hefeteig im Gärungszustand erinnert, ist ein Wit völlig körperlos und gradezu ätherisch spritzig. Vom Getreide schmeckt man überhaupt nichts, von Hopfen, welcher angeblich auch in sehr geringen Mengen an der Herstellung beteiligt war, wollen wir gar nicht erst anfangen.  Dafür prägen Gewürze den Geschmack. Das klingt jetzt erst mal schlimmer, als es ist.

Gewürztes Weißbier

Diese Gewürze sind wohl richtig mitgebraut. Ich sag jetzt mal, die sind wahrscheinlich beim Würzekochen mit in den Kessel gefallen, einfach nur, damit das so klingt, als hätte ich vom Brauen auch ein wenig Ahnung. Das kann einem aber herzlich egal sein, wenn man das Bier nur trinken will. Im belgischen Original werden wohl traditionell – auch ein ganz tolles Rezensions-Adjektiv – Koriander und Orangenschalen verbraut. Das Berliner Wit hat neben Koriander noch Zitronengras und Kaffirlimetten bekommen, laut Aussage des Braumeisters jedenfalls, auf dem Etikett steht nämlich nur ganz allgemein Gewürze. Das Triplett ist auch europäischen Gaumen wohl bekannt und allgemein beliebt aus Thai-Curry und Coca Cola, mithin absolut getränketauglich.

Mit einem guten Schuss limonadiger Säure schmeckt das Wit dann nämlich ein bißchen wie Radler, hat aber 5,5 % Alkohol. Es handelt sich also um ein richtiges, echtes Bier, nichts gepanschtes oder familienfreundlich-alkoholreduziertes. Limonadentypisch wird die Fruchtsäure von einer angenehmen Süße abgerundet, das aber überhaupt nicht pappig, sondern sehr frisch bierig, wie ein Kölsch, nicht wie ein Bock. Diese süße Abrundung könnte von dem Weizen kommen, welcher für ein Wit angeblich unvermälzt mit in die Maische kommt. Es könnte aber auch genauso gut das Zitronengras gewesen sein. Es lohnt sich aber nicht, darüber nachzudenken, denn Witbier soll gar kein großes Kunstwerk sein, sondern ein Bier zum Trinken für heiße Tage. Auch für den immer noch anständig warmen Herbst ist es eine gute Empfehlung. Wir haben schließlich keine Zeit mehr, nach den Schuldigen für den Klimawandel zu suchen, sondern müssen zusehen, wie wir mit den veränderten Bedingungen leben können, ohne unnötig lange nüchtern zu bleiben. Da will schnell ein passendes Bier gefunden sein. Wit ist ein guter Kandidat.

Ketamin in der „Wilden Renate“ in Berlin

Strategien gegen Vernunft

Wie das halt so ist. Man reist durch die ganze verdammte Republik, durch die ganze abgefuckte Provinz, um schließlich in der Hauptstadt von Ostdeutschland anzukommen. So was merkt man nämlich ganz schnell wenn man durch den Osten fährt, dass Berlin nämlich vor allem die Hauptstadt von Ostdeutschland ist. Vom Rest ist man ziemlich weit entfernt. WEST-Berlin hin oder her. Das hier ist der Osten. Nirgendwo gibt es so viel antisemitische Überfälle in der Bundesrepublik. Ganz klares Ossi-Ding. Oder Dortmund. Aber da bin ich das letzte Wochenende ja nicht hin.

Ich habe eh keinen Plan warum Berlin immer als so tolerant dargestellt wird, denn, nirgendwo wird man auf offener Straße so grundlos und saublöd angemacht wie hier. Das gibt es nicht einmal in Bayern. So was ist doch konservativ. Leute blöd anwichsen wegen nichts. Okay. Meistens ist es dann auch wirklich eh egal was für ne Hautfarbe oder Geschlecht das verabscheute…

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Dabben nur mit Banger? Die Wahl der richtigen Haschölpfeife

Seit einiger, nicht mehr exakt rekonstruierbarer Zeit erfreut sich die Redaktion der drogenpolitik an der erfrischenden Wirkung berauschender Hanfharz-Konzentrate. Der Genuss von Haschöl hat nämlich so unglaublich viele Vorteile, dass wir die gar nicht alle einzeln aufzählen können. Selbst wenn wir wollten, fallen uns die meisten davon so aus dem Stehgreif nicht ein. Denn ein ganz wesentlicher Vorteil des Konzentrate-Kiffens ist, dass man sein Alltagsgedächtnis nicht mehr mit unnötig vielen, überflüssigen Details belastet. Dafür fokussiert der Geist mehr auf die wesentlichen Dinge. Zum Beispiel beschäftigten uns intensiv die Gerätschaften, die für aufstrebende, erfolgreiche Haschölkiffer neu angeboten werden.

Haschöl selbst ist jetzt nichts neues, es wird schon seit den Tagen der Altvorderen verwendet. Bösen Gerüchten zufolge nutzten schon die Schmuggler rund um das Mittelmeer die platzsparenden Eigenschaften des Wirkstoffkonzentrates, so dass sie aus Nordafrika regelmäßig nur pures Haschöl lieferten, welches dann im Zielland mit naturidentischem Sägemehl zu Standard-Haschplatten aufbereitet wurde. Eine völlig normale Widerlichkeit also, wie wir das von der Nahrungsmittelindustrie durchaus gewöhnt sein sollten. Schließlich leiden die bedauerlichen Konzerne alle unter extremem Rationalisierungsdruck. Warum sollte es ihren Glaubensgenossen aus der Schattenwirtschaft da besser gehen?

Der neue, heiße Scheiß

Heutzutage hat Hanfkonzentrat aber eine ganz andere Ästhetik. Mal wieder aus den USA importiert, bringt uns ein neuer Hanfkonsumtrend aufwendig gereinigte Produkte, die dann natürlich nur in speziellen Ölpfeifen verköstigt werden müssen. Das Ganze nennt sich, wir erwähnten es schon, „Dabben“. Der Tropfen dab wird getupft, to dab. Auf diesen Zug sind wir natürlich mit größter Begeisterung aufgesprungen.

Dab-Rig und Torch

Die Basis-Ausrüstung aus billiger Ölpfeife und kleinem Brenner für Creme Brulé. Die Pfeife ist gut, der Glas-Nail taugt gar nichts.

Wie lange genau wir das nun schon machen, ist im Hanfharznebel verschwommen. Es ist aber schon genug Konzentrat über die Lungenbläschen gedampft, dass wir uns langsam ein wenig mit der Ausrüstung beschäftigen können. Denn es ist ein umfangreicher Markt an Zubehör, Krimskrams, Hilfsmittel und Accessoires rund um das Dabben gewachsen, die sogenannten Paraphernalia. Das ist ein gefundenes Fressen für marketingorientierte Journalisten und Blogger. Wir sind aber leider viel zu bekifft zum Schnorren. Und zu wenig berühmt, als dass wir von allein Sachen geschenkt kriegen würden. Deshalb dabben wir immer noch mit dem ganz billigen Pfeifchen aus dem örtlichen Headshop. Natürlich hätten wir nichts dagegen einzuwenden, wenn ein Wasserpfeifenhändler, der das hier zufällig liest, uns so ein schickes, mundgeblasenes, phantasievolles und mehrere hundert Euro teures Dab-Rig schenken würde. Ein einfacher, kleiner Wasserbehälter reicht aber völlig zum befriedigenden Dabben.

Mehr Aufmerksamkeit sollte man da schon den „Nails“ schenken. Was bei der Bong der Kopf war, ist beim Dab-Rig der oder die oder das „Nail“, der Nagel also. Eine Fläche, welche mit einem Gasbrenner – oder auch einer elektrischen Heizspirale – erhitzt wird, um dann den Dab darauf zu verdampfen. Das waren ursprünglich wirklich nagelförmige Platten aus Metall oder Keramik. Diese Materialien eignen sich dafür besonders gut, weil sie schön viel Hitze speichern, geschmacksneutral sind oder bestenfalls in ihren Poren die fantastischen Pflanzenharzaromen besonders gut anreichern und aus vielen anderen, erwähnenswerten Gründen mehr. Das nutzt aber alles nichts, Titan und Keramik sind total out. Heutzutage müssen alle Nails zwingend aus Glas sein. Wie so oft, es geht nicht so sehr um den Nutzwert, den hitzebeständiges Glas natürlich auch mitbringt, sondern viel mehr um die Ästhetik. Auf Instagram sieht es besser aus, wenn goldenes Pflanzenharz im kristallklaren Glasbecher einkocht. Da können alle nichttransparenten Materialien einfach nicht mithalten und verstauben jetzt als Ladenhüter in den Regalen der Dab-Zubehör-Händler.

Glas-Nail für vernünftige Portionen

Vernünftigerweise sollte man sich nur sehr selten einen kleinen Dab einverleiben. Am besten alle drei bis vier Tage oder eher seltener, dann kommt es zu maximaler Wirkung, Halluzinationen ähnlich. Dafür reicht dann auch sehr wenig Konzentrat, der Tropfen braucht nicht größer zu sein, als ein halbes Reiskorn. Für solche vernünftigen Kleinstmengen eignet sich ganz wunderbar unser blumenförmiger Nail aus Quartzglas, großzügig an den Seiten geschlitzt für einen ordentlichen Luftstrom, dass kein Wölkchen verloren gehen kann. Wir erstanden das gute Stück an einem Messestand der Firma Black Leaf für kaum mehr als 10 Euro. Zum Dabben wird der Nail nun erstmal erhitzt, bis er deutlich sichtbar rot glüht. Dann gewähren wir ihm eine gewisse Zeitspanne zum Abkühlen. Je heißer, desto knaller, je kühler, desto leckerer. Mit 20 Sekunden Wartezeit spürt man noch ein rauchähnliches Kratzen in der Kehle. Ab 35 Sekunden entfaltet sich ein herrlich milder Kräuterbalsam. Das Heraustüfteln der richtigen Temperatur ist Geschmackssache und ein wirklich schöner Sofa-Sport für den engagierten Konzentrate-Kiffer.

Glasnail auf Rig

Mit dem geschlitzten Glas-Nail „Quartz“ lässt sich schon etwas anfangen. Hohe und niedrige Temperaturen können mit der Stopuhr angesteuert werden. Perfekt für den kleinen Dab zwischendurch.

Da geht natürlich mehr – Dabben ohne Limit

Denn Hanfkiffen ist ein toller Zeitvertreibt, den man durchaus täglich und dann mehrmals betreiben kann. Auch wenn die Wirkung sich nicht mehr steigern lässt, gefühlt sogar einem normalen Geisteszustand (was ist schon normal?) weicht, kann man trotzdem mehrere Gramm an einem Abend wegballern. Wer gern raucht, der weiß, wovon ich rede. Das Limit ist dann nur die vom Rauch überreizte Kehle. Und diese Überreizung fällt beim Dabben weg, vor allem wenn man es schafft, den Nail genau auf die richtige, milde Temperatur einzustellen. Die Jagd nach dem „Sweet Spot“ ist der heilige Gral der Dabber. Es geht nicht mehr darum, breiter zu werden, sondern die Aromenexplosion des Kräuterextrakts immer wieder zu schmecken.

Ist das vernünftig? Natürlich nicht. Cannabis ist ja schließlich trotz aller Heilkräuterei immer noch eine Droge und Drogen nimmt ein vernünftiger Mensch, um seiner Vernunft auch mal ein wenig Freizeit zu gönnen. Work-Life-Balance oder Quality Time heißt das auf Neu-Esoterisch. Wir befürworten so etwas ganz ausdrücklich. Dafür braucht es dann aber eine bessere Ausrüstung:

Thermal Banger

Nach ausgiebiger Recherche in den sozialen Medien mussten wir uns einen sogenannter Banger besorgen. Das ist ein Glasnail in Form eines Bechers, worin besonders viel Harz besonders ansehnlich und mild verdampfen kann. Wir entschieden uns für einen sogenannten Thermal Banger mit einer doppelten Becherwand, die besonders viel Hitze länger speichern kann. Ob nun der Thermal Banger besonders viel besser ist als ein normaler Banger, das wissen wir auch nicht. Wir haben ja bisher nur den einen ausprobiert und sind sehr zufrieden damit. Den Banger kauften wir bei dabben.de weil uns das Angebot mit Carb Cap sehr günstig vorkam und außerdem grade in passender Größe lieferbar war.

Thermal Banger

Thermal Banger, welcher durch den Innenbecher praktisch eine hitzestabile Doppelwand und darüber hinaus noch sehr viele technische Vorteile besitzt. Die mitgelieferte, kugelförmigen Carb Cap liegt aus ästhetischen Gründen fürs Foto auf ihrer zugedachten Position.

Der Thermal Banger jedenfalls ist schon ein ganz andere Dimension als der einfache Glas-Nail. Das Material speichert die Wärme gut doppelt so lange. Den Sweet Spot suchen wir hier irgendwo im Bereich zwischen 55 und 65 Sekunden. Heißer knallt irgendwie besser, kühler schmeckt erstmal besser, aber hinterlässt manchmal einen fast schon zu milden Eindruck. Bei einer sehr kleinen Portion kann man den Nail etwas länger abkühlen lassen, ein großer Dab ist bei 65 Sekunden gefühlt zu mild.

An dieser Stelle muss eine Warnung an alle preisbewussten und sonstwie vernunftorientierten Kiffer ausgesprochen werden. In einen Banger gehören unserer Meinung nach immer etwas größere Portionen. Und außerdem schmeckt das Dabben aus dem Banger so gut, dass man es mehrmals am Abend machen möchte und dann auch tut.

Aber warum muss da jetzt so viel in den Banger rein? Ein Banger sollte immer mit der oben schon erwähnten Carb Cap betrieben werden. Das ist ein Deckel, den man aufsetzt um den Luftstrom drastisch zu reduzieren. Dadurch entsteht Unterdruck, welcher wiederum aus irgendwelchen physikalischen Gründen den Siedepunkt aller Materie herabsetzt. Man kann also erstmal bei bei etwas niedrigerer Temperatur dampfen. Angeblich. Auf jeden Fall wird mit Carb Cap der Dampf dichter, es schmeckt intensiver und macht gefühlt stärker und vor allem schneller platt. Das ist der Sinn der Übung. Aber man muss diesem Prozeß schon ein paar Sekunden Zeit geben. Es dauert ja auch schon vom Harzreinschmeißen bis zum Carb-Cap-Aufsetzen mit einer Hand, die andere Hand muss schließlich die Pfeife halten. Wenn der Tropfen aber zu klein war, ist der Spaß schon vorbei, bevor man überhaupt richtig angefangen hat. Das geht zwar auch, aber je länger, je lieber. Kleine Portionen machen im Banger einfach nicht so viel Spaß. Punkt.

Kostenlose Werbung für Freunde der drogenpolitik zum Thema Dabben:

Ausgezeichnete Beratung über Zubehör zum Dabben und zur Herstellung von Konzentraten bietet dabbing.de mit Shop und sehr ausführlichem und lesenswertem Blog zur Thematik.

Lesen übers Dabben könnt ihr bei Cannabis-Rausch.de, da hat Lorenz sehr viel zu geschrieben, hier zum Beispiel über die Jagd nach der richtigen Temperatur und hier ein Test über einen E-Nail, mit dem immer Wunschtemperatur herrscht.

Kräuterkunde intim – Gleitcreme mit Cannabis

Wenn man sich traut, auch mal jenseits des Standards zwischen Quinoasmoothie und Drogeriehaul zu bloggen, hat man den Vorteil, dass man auch mal nach Meinungen zu nicht standardisierten Dingen gefragt wird. Zauberkapseln und Hexensalbe zum Beispiel. Unschuldig kamen die kleinen Kapseln daher, weniger unschuldig die Salbe, die mir schon beim Öffnen des Deckels mit einem Duftgemisch die Sinne vernebelte, das mich einerseits stark an meinen Lieblingskokosschokoriegel und andererseits an das erinnerte, was ich in einem kleinen Döschen im Todesschrank meiner Einbauküche gleich neben dem Doppeldildo aufbewahre und am liebsten in exklusiver Gesellschaft meiner Lieblingsmenschen zum Freitagabend inhaliere. In den Kapseln befand sich das gleiche vielversprechend duftende Gemisch. Nur eben für die innere Anwendung. Einem Testbericht aus den Tasten des Herrn Wunder entnahm ich, dass diese kleinen feinen Dingerchen einen ganzen Tag gute Laune versprechen.

Die Dosis machts – oder auch nicht

Ich gebe zu, ich gehöre zu den vorsichtigen Menschlein in solchen Dingen. Nicht aus einem Misstrauen heraus, aber etwas, dessen Wirkung ich nicht abschätzen kann, teste ich lieber in geschützter Umgebung. Das könnte an meinem Lehrerberuf liegen. Zumindest sekundär. Denn der ernährt mich nun mal und das nicht allzu schlecht. Und auch wenn die Aussicht auf einen ganzen Tag guter Laune gerade im Hinblick auf einen bevorstehenden Wandertag mit Kevin und Chantal aus Absurdistan oder gar einem Elternabend oder Ausflug mit dem Kollegen äußerst vielversprechend anmutet, entschied ich mich gegen ein Selbstexperiment im beruflichen Setting. Und wenn an den Nachmittagen der Sommerferien einskommazwei Millionen fremde Kinder den Garten der Müllermansion überrennen und ins Poolwasser schwitzen, wäre ne ganze Hand voll solcher Kapseln vermutlich das Mittel der Wahl. Allerdings erinnere ich mich gerne an das letzte Verschmelzen meines Körpers samt Geist mit den Polstern meines Terrassensofas nach Vaporisator-Gebrauch. In diesem Zustand ein fremdes Kloppskind aus den Federn eines Trampolins befreien, erscheint mir selbst mit einigem Abstand als unlösbare Aufgabe.

Frieden in der Kapsel

Nun besuchte ich kürzlich mit meinen Lieblingsmenschen und Geschlechtspartnern, wie Sarah es liebevoll nennt, den Leipziger CSD und verbrachte den anschließenden Sonntag entspannt im Kanal- und Seendurchwirkten Umland. Ich muss sagen, ich habe die Wirkungen der kleinen Freudenbringer überschätzt. Sicherlich bewirkten beide Tage schon auf ganz natürliche Weise bei uns allen vieren gute Laune und ein äußerst entspanntes Gefühl, wie viel davon jedoch auf die Einnahme der Kapseln bzw auf den urlaubsartigen Gesamtzustand ohne Kinder zurückzuführen war, lässt sich nicht sagen. Einzigen Ansatzpunkt bietet die Tatsache, dass Sarahs Aggressionspotential deutlich herabgesetzt erschien. Anders kann ich mir das Überleben des scheinbar stark alkoholisierten jungen Mannes, der ihr in der Fußgängerzone versehentlich Schnaps in die Sandale geschüttet hat, nicht erklären. Und auch ihr, wenn auch bemüht, deeskalierendes Verhalten gegenüber einem frechen Barkeeper, der uns als Heterofrauen augenscheinlich in einer Traube schwuler Männer mit Getränkewünschen an seinem Tresen einfach ignorierte, erscheint mir auffällig.

Es geht zu Sache

Deutlich mehr überzeugte das kokosfettige Geschmiere im unschuldigen Apothekendöschen. Allein der Duft hat auf mich aphrodisierende Wirkung. Irgendwie wie ein geiles Grasbounty. Doppelter Genuss im Töpfchen. Doppelt ist da irgendwie auch gleich das Stichwort. Jedenfalls prädestinieren Duft, Geschmack, Konsistenz und die sowohl hautpflegende als auch entspannende Wirkung das Zeug als hervorragendes Gleitmittel. Aufpassen sollte man nur, dass das beste Stück nicht allzu viel davon abbekommt (was gar nicht so einfach ist, wie man sich vorstellen kann, wenn man einmal im Gras-Bounty-Rausch ist und Lippen, Hände und Muschis riechen und schmecken wie nach einer jamaikanischen Ayurvedabehandlung). Sonst – Obacht – ist bei den Herren der Schöpfung für ein Weilchen die Entspannung ein wenig zu „entspannt“. Ob neben unseren Geschlechtsteilen auch die Hirne nennenswert berauscht waren, lässt sich ebenfalls objektiv noch nicht beurteilen. Die Tatsache allerdings, dass ich nach einem Mann-Frau-Mann-Dreier, den Sarah sich aus Sicht eines Pornoregisseurs von einem Stuhl vor dem Bett aus anschaute, irgendwie an Spanferkel denken musste (ihr wisst schon, hinten und vorne aufgespießt, dreht es sich so lustig um die eigene Achse… das mit dem Drehen haben wir allerdings nicht versucht) und wir im Anschluss nur aus Durst (und weil kein Leitungswasser im Haus war) binnen zehn Minuten zu viert eine Flasche Apfelkorn leerten, lässt darauf schließen. Die Testreihe ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Nächstes Mal hab ich die Regie und nehm Sarah vorher die Poppers weg.

Bekiffte Ameisen auf alter Sandale

Anm. d. Red.: Es ist uns gelungen, für einen themenübergreifenden Testbericht die atemberaubende Frau Müller zu gewinnen. Die Suche nach dem passenden Adjektiv hat jetzt aber ein wenig gedauert. Denn normalerweise ist ja in Mediensprech „bezaubernd“ die gängige Bezeichnung, wenn es um nette, guttaussehende Frauen geht, die das geschätzte Publikum an ihrer Sexualität teilhaben lassen. Bezaubernd sind aber in der Regel eher niedliche Backfischlein mit hübschen Rehaugen und anderen Attributen. Hier schreibt aber eine erfahrene, selbstbewusste Frau von ihren Erlebnissen mit ihren Vertrauten beim gemeinsamen, heiteren Spiel mit einem als Gleitgel angewandten Kräuterextrakt. Der Artikel ist eine leicht eingekürzte und veränderte Version des Originals, welches zuerst hier auf Cannabis-Rausch.de erschien. Die Änderungen wurden ziemlich willkürlich von der Redaktion der drogenpolitik vorgenommen. Und zwar nicht, weil irgendetwas an der Sprache auszusetzen wäre, sondern weil Google uns Blogger hasst, wenn wir wortwörtlich voneinander abschreiben. Vor allem, wenn es dabei um Artikel von und mit und über Lehrer geht. Deshalb sauge ich mir auch so eine verquaste Anmerkung aus den Fingern.
Die Verwendeten Präparate wurden nach dem Rezept von Do-Ya-Own hergestellt, von dem wir mal ein Paket geschenkt gekriegt haben. Die Drogenpolitik hat es überzeugt, Frau Müller scheint auch recht angetan.

Die andere Seite – Buchbesprechung

Ein merkwürdiges, kleines Büchlein flimmerte jüngst über unsere Redaktionsmonitore: Die andere Seite. Der Zeichner und Übersetzer Alfred Kubin schrieb es vor gut einhundert Jahren, irgendwann um 1909. Es handelt von einer Anderswelt, die irgendwie ganz anders ist, als man sich eine Anderswelt gemeinhin vorstellt.

Den Namen Kubin nun kannte ich bis dahin noch nicht. Das hätte ich vielleicht sollen, wenn man die Kenntnis eines gewissen Kanons der Kultur für Notwendig hielte. Denn Kubin ist eine Persönlichkeit, unter anderem am Blauen Reiter beteiligt war. Von dem nun habe ich schon mal gehört, ohne genau zu wissen, was das ist oder war, auf jeden Fall hatte der Reiter mit Malerei zu tun. Ich könnte mir aber kein Bild der der Beteiligten vor Augen rufen, denn mein Metier sind nicht so sehr die Bilder als vielmehr das geschriebene Wort.

Jetzt aber Alfred Kubin

Der hat neben unzähligen, düsteren Zeichnungen eben auch dieses kleine Büchlein geschrieben. Es handelt vom Leben in einer putzigen, kleinen Traumstadt bis zu ihrem allgemeinen Zusammenbruch in einer Art Zombie-Apokalypse.

Die andere Seite habe ich auf jeden Fall sehr gern gelesen, ein Woche lang hat mich die Traumwelt gut unterhalten. Es war nun aber auch kein Buch von der Sorte, die man als großartigen Lesegenuss bezeichnen will. Es ist einmal, das muss man sagen, keine große Literatur. Wenn man über gruselige Geschichten der Moderne redet, ist etwa Kafka um Längen besser. Diese flirrende Spannung in drückender Athmosphäre bekommt Kubin nicht hin. Der Text vibriert noch nicht. Wäre Kubin Schriftsteller gewesen, hätte er das Stück zu etwas feinem gefeilt, denn seine Geschichte ist durchaus ein Rohdiamant. Ich würde es got(h)isch im besten Sinne nennen, wie der Baustil. Lauter Seltsamkeiten übereinandergestapelt ergeben ein bedrohliches Ganzes, das etwas verstaubt daherkommt und aus keiner Perspektive vollständig zu sehen ist. Die andere Seite liest sich ein wenig so, wie wenn einem ein Zeichner im Kaffeehaus sitzend sein nächstes Projekt erklärt.

Im ganzen ist Die andere Seite aber eine sehr gelungene Traumbeschreibung. Die Figuren wirken schemenhaft unnahbar, wie Staffage, der Protagonist dagegen ist innerlich sehr aufgeregt und getrieben von Ungewissheit. Alle Aktion enden in einem skurrilen Nichts, es gibt keine richtige Begründung für die Seltsamkeiten. Die Traumfiguren wissen das und reden darüber. Es gibt sogar ein wenig Sex und viel Gewalt. Aber irgendwie berührt das nicht, denn es liest sich etwas trocken, wie das Drehbuch eines Films.

Groß- und Kleinländerei

Nun kann man bei der Besprechung der Traumapokalypse eines österreichischen Künstlers zur Jahrhundertwende einen ganzen Sack voll Interpretationen auskippen. Nach dem Psychoanalyse und ihre esoterische Überhöhung mit der grauenhaften Jugend des Künstlers abgeglichen wurden, könnte man tief in Politik und Volksseele eintauchen. Das auf eine Alpenrepublik reduzierte, ehemalige Kontinentalreich hat sich für uns Norddeutsche ja als zuverlässiger Produzent von Weltkriegsgründen und Absonderlichkeiten etabliert. Von gekränktem Stolz und verpfuschten Träumen zwischen Düppel und Königgrätz möchten wir da nicht gern reden. Denn als vorurteilsbehafteten Preußen muss uns beim Stichwort Österreich ja eigentlich immer nur die großdeutsche Frage im Ohr klingeln. Egal wie viel Raum im Osten wir uns einverleiben, ohne Habsburg bleiben wir immer Kleindeutschland. Nordische Protestanten möchten das natürlich nicht einsehen und die Habsburger Katholiken wollen nichts davon wissen. Sie wären im großen Deutschland schließlich zu einem unförmigen Anhängsel reduziert.

Was hat das mit Kubins kleinem Horrorstückchen zu tun?

Der Leser entscheide selber, denn auf der anderen Seite gründet ein mystifizierter Heiland eine heile Welt. Er kauft ein nebeliges Tal in Zentralasien, baut eine Mauer drumherum und einen Haufen ausgesucht baufälliger Alptraumhäuschen hinein. Diese Traumstadt bevölkert er dann mit Deutschen. Deren Kleidung und alle Gegenstände des täglichen Gebrauchs müssen mindestens 40 Jahre alt, besser sogar älter sein. Zusammen spielen die Traumländer dann Gesellschaft in einer zur Zeitkapsel hermetisch abgeriegelten Kleinstadt. Am Ende bricht alles zusammen, die Einwohner werden wahnsinnig und bringen sich gegenseitig um. Ein Narr wer böses, gar politisches dabei denkt. Ach ja, den Untergang initiiert ein traumresistenter Großinvestor aus Amerika. Noch Fragen?

Ja.

Was hat das mit Drogen zu tun?

Mit Drogen jetzt nicht so wirklich viel, mit hochwirksamer Cannabis-Tinktur aber jede Menge. Davon hat Kubin nämlich reichlich genossen, als er die andere Seite schrieb. Im Gespräch mit dem Journalisten Hans-Georg Behr erzählte der Künstler, dass er die Medizin verschrieben bekam und eine Weile sehr ausgiebig davon Gebrauch machte.

Interessanterweise war sich Kubin als Patient der Rauschwirkung wohl gar nicht bewusst. Das ist durchaus realistisch, wenn man bedenkt, dass Cannabis bei täglichem Gebrauch kaum mehr berauschend wahrgenommen wird. „Ich beachtete das nicht so, da ich die Medizin mit meinen Traumgeschichten in keinen direkten Zusammenhang brachte. Ich sprach ja auch nicht mit dem Arzt über meine Visionen.

Behandelt wurde Kubin wegen Krankheitsbildern, die man heutzutage wohl irgendwo zwischen Depression und Traumastörung ansiedeln würde. Seine Kindheit war geprägt vom Tod der Mutter und anschließender Vernachlässigung durch den Vater, der selber wohl mit dem Todesfall nicht gut klar kam. In Wort und Bild thematisiert Kubin Depersonalisierung und düstere Alptraumvisionen. Die sind wirklich sehr düster. Selbst wenn ich sehr viel kiffe, kann ich nicht so malen. Schreiben allerdings auch nicht. Kubin hat sich, erst mit, später ohne Cannabis, ein Leben lang an diesen seinen Dämonen abgearbeitet.

Man kann in dem also Buch lesen, wie die Gedankenwelt von jemandem aussieht, der über einen längeren Zeitraum täglich ein starkes Cannabis-Medikament zu sich nimmt. Man kann aber auch einfach einen Hut Haschöl dampfen, John Coltrane auf den Kopfhörer packen und sich auf die andere Seite lesen.

Hier ist die öffentlich frei zugängliche Online-Version

Bekifft vögeln