Zigarette Tokyo Style

Rauchen sieht gut aus, geradezu verführerisch. Trotzdem bleibt ansprechendes Rauchen eine Kunst, an der sich viele versuchen, die aber nur sehr wenigen gelingt. Die Könige des Tabakkonsums sind ohne Zweifel die Kubanischen Revolutionäre in ihren Propagandafilmen. Nichts passt besser zur Maschinenpistole, als eine Zigarre, größer als der mächtige Pilgerbart, lässig im Mundwinkel hängend. So zeigt Mann, wer den längsten hat. In dem brasilianischen Musikdrama Orfeo Negro kann man bewundern, wie sich Zigarren auch für allerheiligste Zeremonien einschließlich Totenbeschwörung eignen.

Zigaretten haben es dagegen ungleich schwerer. Das Längenproblem wußten einst Diven mit Spitzen künstlich zu überbrücken. Aber das verfehlt letztlich das Wesen der Zigarette. Die steht doch für den schnellen Kick, Drogensucht des modernen Stadtbürgers ohne jeden Rausch, der den produktiven Verstand benebeln könnte, erfolgsorientierte Triebbefriedigung ohne Lust und Muße. Die zweiminütige Schamanenreise to go perfekt inszenieren kann nur ein japanischer Angestellter im scharf geschnittenen Anzug, den leeren Blick fokussiert auf die Schatten des Totenreiches, der Kopf müde und leer von einem Leben aus Überstunden.

Gehichstrn

Weil wir urlauben, übernimmt Libra die Redaktion. Dafür hat sie für uns eine Prise LSD genommen und läßt uns an ihren Gedanken teilhaben. Es gibt Philosophie des Geistes mit einem sinnigen Neologismus.

Self

Nach 4 Stunden Schlaf beschloss mein Gehirn heute gegen 12:30, dass es jetzt wach sei. Nungut. Eher semi-optimal, doch ein Ausflug auf den Balkon genügte, um das wieder wett zu machen. Die Sonne schien, wie sie noch nie geschienen zu haben scheinte.
(Ich liebe Worte)

Heute also. Heute sollte der Tag sein, an dem der sich langsam zu bewusstem Leben entwickelnde Spülkram in der Küche beseitigt werden würde. Und staubsaugen musste ich ganz dringend. Und Wäsche machen. Und so viel Zeit wie möglich auf dem Balkon verbringen, versteht sich. Vitamin D tanken und so.

Was könnte diesem Tag die richtige Würze verleihen, wenn nicht eine kleine Microdose? Da gäbs bestimmt einige Dinge. Aber ich entschied mich trotzdem für 15µg 1P-LSD. Aus irgendeinem (keinem?) Grund nahm ich zwei Stunden später nochmal 15.

O

Extrem interessante Gespräche über Whatsapp mit einem extrem interessanten Menschen aus Wien, nennen wir ihn den Wiener. Der…

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Abwesenheitsmeldung – Redaktionsferien

Asien Schnaps

Wer noch keine schottischen Getreidebrände im Schrank hat, kann auch besten Gewissens zu fernöstlichen Produkten greifen. Die sind mindestens genau so gut, aber leider auch genau so teuer.

Die Drogenpolitik macht mal wieder Urlaub. Wir fahren an einen Ort, wo es nur sehr teure Drogen gibt und werden wohl leider auch über längere Zeit nüchtern bleiben müssen. Da können wir es nicht verantworten, so gänzlich unberauscht weiter regelmäßig exklusive Neuigkeiten zu veröffentlichen. Zwei oder drei Wochen ist hier deshalb erst mal Pause. Falls es, wider erwarten, Leser gibt, die sich tatsächlich nicht für Drogen interessieren, sondern uns nur zur Zerstreuung lesen und auch weiterhin Berichte von anderen Realitäten aus unseren Köpfen konsumieren wollen, sei unser familienfreundliches und drogenfreies Reiseblogprojekt anempfohlen, der Confusionfoodblog. Da geht es auch um Konsum, aber eben völlig ohne Drogen. Ab morgen oder übermorgen wird dort der Reis(e)kocher wieder angeheizt. Ansonsten geht es mit der Drogenpolitik so etwa zu Ostern weiter. Bis dahin wünschen wir unseren Lesern nur angenehmste Rauscherlebnisse und freuen uns, Euch bald wieder unterhalten zu dürfen.

Marijuana Moonshine – Kräuterschnaps mit Langzeitwirkung

OLYMPUS DIGITAL CAMERADie heutige Überschrift ist schon eine Lüge. Zumindest eine eigenwillige, alternative Interpretation der Fakten. Denn es wurde für das Experiment keineswegs Moonshine, also schwarzgebrannter Alkohol in Marmeladengläsern verwendet, sondern relativ hochwertiger Adler Berlin Wodka. Den fand ich bei einem der gutsortierten Dealer in der Nachbarschaft. Ich fragte frech, ob sich denn ein Wodka für mehr als 30 Euro lohnt. Der Dealer gab sich absolut überzeugt von dem Schnaps. Also kaufte ich eine kleine Probierflasche, natürlich im Literpreis ungleich viel teurer, aber mit 5 Euro eine verschmerzbare Ausgabe für einen Spontankauf. Der Schnaps ist schon sehr lecker und man kann ihn pur trinken. Aber nach dem einen Glas hatte ich irgendwie gar keine Lust mehr auf Wodka, weder pur noch als Martini-Cocktail. Craft Beer und andere feine Brände kamen dazwischen.
Aber so ein halbes Fläschchen eignet sich wunderbar, um die decarboxylierten Überreste meines Hanf-Vaporizers darin aufzulösen. Den griffigen Begriff Marijuana Moonshine übernahm ich aus diesem Lehrfilm. Damit habe ich mich wieder ehrlich gemacht, denn Produktbezeichungen können nicht lügen. Für eine schnelle Auflösung der lipophilen Wirkstoffe sollte der Alkoholgehalt möglichst hoch sein. Da wäre natürlich echter Moonshine mit 50 oder 60 % besser gewesen aber die 42 Umdrehungen vom Adler reichen, daß innerhalb einer Woche ein brauchbares Produkt entsteht. Man muß dafür den Schnaps mit Kräutern in der Tiefkühltruhe lagern und nach Möglichkeit dreimal täglich schütteln. Dann können die ausgelaugten Kräuter abgefiltert werden. Ein Fachwort für diesen Prozess lautet übrigens Mazeration. Oma und Tante Emma würden das einen „selbst Aufgesetzten“ nennen und mit ordentlich Zucker angereichert haben. Das brauchen wir jetzt natürlich nicht, weil wir ein hochaktives Kraut mazerieren. Wenn nämlich 2 Gramm Material in 2 cl Schnaps gelöst werden, eine Konsumeinheit aus 0,2 Gramm Pflanzenmaterial bestand, dann sind wir, mangels millilitergenauer Meßwerkzeuge, mit einem bis zwei Teelöffelchen voll ziemlich gut bedient. Da braucht es keinen Zucker mehr, um das zu versüßen.
Die Wirkung der Medizin ist sehr schön und mal wieder sehr lang, eher sechs als vier Stunden. Die Verarbeitung scheint die Wirkung zu glätten, wie ich das schon beim Haschöl festgestellt habe. Ich glaube inzwischen, Hanf sollte überhaupt nicht pur gegessen werden, das ist wie untermotorisiert auf holpriger Straße unterwegs sein. Als Öl, gemischt in gehaltvolles Essen oder eben als alkoholische Tinktur aber ist das Erlebnis sehr viel stabiler. Aber so ganz überzeugt bin ich immer noch nicht von der Hanfesserei. Es wird schnell zu viel. Als ich Abends dann am Kifferufer vorbeikam, stach mir der Geruch unangenehm in der Nase. Ich konnte die typischen Aromen des Wirkstoffes sehr genau identifizieren und hatte das Gefühl, jede meiner Zellen sei damit angereichert und übersättigt. Das kann natürlich auch daran liegen, daß der Test in die Woche mit den Haschöl-Experimenten fiel. Fürs erste ist es auf jeden Fall genug mit den verhanften Nahrungsmitteln. Und das Kräuterschnäpschen kann eine Weile im Schrank bleiben, ich gehe davon aus, das es davon nicht schlecht wird.

Bis wir auf Öl stoßen – Cannabisextrakt

Seit ich nur noch elektrischen Hanfdampf inhaliere, entstanden immer mehr erhitzte Kräuter. Die Filmdose wurde allmählich voll und ich suchte eine sinnvolle Verwendung für die höchst aktiven Reste. Sie aufzuessen war mir ja zu anstrengend und vor allem in der Wirkung zu langwierig. Ich beschloss, erst mal ein platzsparendes Konzentrat herzustellen. Ins Netz gefragt tickerte mir Rüdiger von sens cuisine ein Schnellrezept für Cannabisextrakt, auch Haschöl genannt. Isopropanol und Kräuter werden zunächst tiefgefroren, dann verrührt, abgefiltert und das Lösungsmittel eingedampft. Zu faul zum filtern, packte ich die Kräuter in einen Teebeutel, bedeckte das Päckchen im Glas mit Isopropanol und ließ das über Nacht stehen. Die Lösung verdampfte ich im Wasserbad auf dem Herd. Bei der kleinen Menge von kaum einem Schnapsglas Lösungsmittel hielt ich das für vertretbar, natürlich bei offenem Fenster und Abzugshaube auf Volldampf. Immerhin sind Isopropanoldämpfe ein brennbares, betäubendes Gas. Wer auf Nummer Sicher geht, verwendet Destillationsapparate oder arbeitet im Freien auf Kochplatten. Nach einer guten halben Stunde blieb ein wenig dunkelgrün bis schwarzes Harz zurück.

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Ich hab da mal was vorbereitet, und zwar Kräuter und Lösungsmittel über Nacht eingefroren. Das Isopropanol aus der Apotheke ist das neueste Bauteil im fröhlichen Alchemie-Baukasten.

Mein Konzentrat erzeugt eine intensive, aber sehr reine Wirkung. Zunächst aß ich kleinste Dosen, kaum mehr als an einer Nadelspitze kleben bleibt. Das verursacht einen entspannten Nachmittag, an dem man wie ein Tourist durchs eigene Viertel spaziert. Die Wirkung ist sehr gleichmäßig und entspannt, es gibt kein verwirrendes An- und Abschwellen. Für das direkte Verdampfen im Vaporizer hätte ich mir spezielle Stahlwolleschwämmchen besorgen können. Aber das dauerte mir zu lange. Also stippte ich einfach ein Flöckchen Gras ins Harz. Hanf mit Hanfharz, so sinnvoll und moralisch hochwertig wie Falaffel mit Hummus oder Schweinehackbraten mit Speck umwickelt. Das ist außen etwas klebrig, hätte ich frisch gesiebte Trichome, „Pollen“, oder Kief genannt, könnte ich das geharzte Gras darin wälzen. Unter der Bildersuche Cannabis Moonrocks sieht man, wie das dann aussieht. Ich hatte aber keine Pollen, also hab ich das geharzte Gras einfach mit mehr Gras umhüllt und in den Vaporizer gesteckt.

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Die Ausbeute aus Vaporizer-Resten ist immer noch beachtlich. Bisher reichte es für zwei Mal Essen, drei Mal Dampfen und ein – haha – hanfkorngroßer Tropfen ist noch übrig.

Das ergibt satten fetten Dampf, schmeckt intensiv und reizt zum Husten. Natürlich war das viel zu viel Wirkstoff, nach zwei Zügen wäre es eigentlich schon genug gewesen. Aber es macht Spaß, schmeckt gut und wirkt phänomenal. Beim Abheben zieht es einem die Socken aus, der Fahrstuhleffekt erzeugt heftigsten Fahrtwind, daß es fast schon wieder nüchtern macht. Im Anderland sieht es genau so aus, wie auf der Erde. Ich bin kein bißchen betäubt, sondern eher sehr wach. Wie bei hochpotentem niederländischen Hasch, gibt es ein sehr klares High, man bemerkt kaum, wie bekifft man wirklich ist. Am nächsten Tag ist noch intensive Wirkung da, aber kein Kater. Am ehesten vergleichbar ist die Ölwirkung mit hochwertigem Champagner oder Obstbränden, wo man vor lauter Euphorie den Rausch gar nicht mehr bemerkt. Eine vernünftige Dosierung hab ich auch nach mehreren Versuchen nicht hinbekommen. Öl Verdampfen ist eine ganz erfreuliche Verschwendung, die man keinesfalls bereut.

Umfangreiches Lehrmaterial zur Cannabisextraktion ist auf YouTube zu finden. Leider wurden die beiden drogenpolitisch empfehlenswerten Lehrfilme kürzlich von der Firma YouTube als gefährlich und schädlich eingestuft. Wahrscheinlich möchten sie nicht verklagt werden, wenn jemand seine Küche in die Luft sprengt. Unter den Suchworten ‚Cannabis Oil Isopropyl‘ sind aber noch genügend anschauliche Videos zu finden, wo meist exzessiv belüftet und destilliert wird. Da kann jeder verantwortungsbewußte Kiffer selbst Risiko und Materialaufwand abschätzen. Eins hab ich noch, hier, falls es gelöscht wird, sagt doch bitte im Kommentar bescheid.

Ich bedanke mich bei Verdampftnochmal für den Hinweis mit der Stahlwolle, die ich mir doch nicht besorgt habe. Ich habe dort noch nie etwas umsonst bekommen, aber ich erwähne die Firma immer, wenn ich was mit Vaporizer schreibe. Weil ich sehr zufrieden mit der Beratung bin und weil sie meine Vaporizer-Artikel immer auf facebook teilen und ich freu mich dann so schrecklich über die massiv erhöhten Zugriffszahlen. Isopropanol verkaufen sie übrigens auch.
Die Resteverwertung der Drogenpolitik geht schon bald weiter mit selbstaufgesetztem Kräuterschnaps „Marijuana Moonshine“.

Rochefort 10 überzeugt auch Schnupfennasen

Rochefort Trappistes 10 EtikettObwohl ich erkältet war, hatte ich Lust auf ein geschmacksintensives Bier. Also machte ich das teure, kleine Rochefort 10 auf. Es war eine gute Entscheidung, verkleisterte Riechnerven brauchen kräftige Anregung. Das Fläschchen lag schon ein oder zwei Monate bei mir herum. Das hätte es laut Etikett auch mindestens bis 2019 noch tun können. Aber letztlich ist es zum Trinken und war auch so sehr beeindruckend. Der Schaum verschwindet sofort, wie bei vielen alkoholstarken Brauerzeugnissen, Rochefort 10 wartet immerhin mit 11,3 % auf. Die Flüssigkeit ist nahezu blickdicht im Glas, nur leichter Bernstein schimmert im Gegenlicht. Die verstopfte Nase nimmt sehr dezent belgische Hefe wahr und ahnt den vielen Alkohol. Der erste Schluck ist direkt voll da. Kein Antrunk, kein Abgang, einfach da und dann weg. Wie wenn man neben den Gleisen wohnt und ein Güterzug vorbeirauscht. Es rappelt im Karton, aber wenn er weg ist, ist es auch wieder still. Das Getränk ist süß, aber nicht zuckrig. Süßholz oder Lakritz ist es auf gar keinen Fall. Die Süße berührt die Zunge nicht wirklich, wirkt wie eingebunden in eine irgendwie holzige Bitterkeit. Es schmeckt wie ein faßgelagerter Süßwein, aber ein sehr leichter, auf keinen Fall ein Sherry. Beim zweiten und dritten Schluck ist es auch etwas pfeffrig im Gaumen. Das wird wohl der Alkohol sein.
Als das Glas zur Hälfte leer ist, spüre ich langsam die Wirkung. Das ist genau der Grund warum ich starke Biere liebe. Aber neue Geschmäcker identifiziert habe ich noch nicht. Ich freue mich über das sehr volle Mundgefühl – das bedeutet auf Deutsch, ich spüre beim Schlucken, wie sich die Kohlenhydrate ohne Umwege direkt in Fettpolster am Bauch einlagern. Und dabei kriege ich zusätzlich noch Appetit auf Hackfleisch. Es wäre sogar noch was im Kühlschrank. Ein medizinisch empfehlenswerter Appetitanreger also. Im sich vergrößernden Hohlraum des Glases rieche ich inzwischen Kräuternoten, wie so eine Mischung aus Koriander, Kreuzkümmel, Pfeffer und jeder Menge unbekannten. Oder ist das meine ausgehungerte Phantasie, die sich schon mit dem Hackfleisch beschäftigt?
Das Rochefort fand ich jetzt nicht ganz so ausgewogen, wie St. Bernardus Abt 12. Und der Edeldealer will für die kleine Flasche mit 4,50 einen Euro mehr als für den Abt. Trotzdem hab ich mir wieder ein Fläschchen zugelegt. Damit wird dann demnächst mit gesundem Riechorgan und hoffentlich noch viel mehr interessanten Aromen zünftig der Frühling eingetrunken.

Kaiserlich kräftig – Imperial Stouts

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Schoppe Bräu aus Kreuzberg macht mit dem Black Flag eine fröhliche, seidig-sanfte Variante, ohne die teerige Bitterkeit abzuschwächen.

Stouts sind eigenwillige Biere. Jedenfalls für den kontinentalen Geschmack. Stouttrinken lernte ich entsprechend bei einem Irlandurlaub. Am ersten Abend bekam ich zwei Guinness verabreicht. Mir war leicht übel, obwohl ich mich nicht angetrunken fühlte. Am nächsten Abend aber meldete sich das Bedürfnis nach einem Glas bitter-holzigem Schwarzbier. Und an allen weiteren Abenden des Urlaubs. Aber immer nur eines. Für eine Alkoholwirkung ergänzte ich das Abend-Guinness dann lieber mit Hot Toddy, ein Whiskey-Grog mit Nelken, welcher außerdem als Medizin gilt, die man zu sich nehmen kann, ohne in den Verdacht zu geraten, ein sinnloses Rauscherlebnis zu suchen. Abschließend beurteilt fand ich das Guinness ganz lecker, aber nichts um fröhlich zwei, drei und viele zu trinken. Außerdem schmeckt es außerhalb Irlands fürchterlich, Puristen grenzen den Wohlgeschmack sogar auf das Dubliner Stadtgebiet ein.

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Courage heißt heute die Londoner Brauerei, die wohl das erste Imperial Stout für den Zarenhof braute. Nach Originalrezept entsteht immer noch ein ausgewogenes, leckeres Bier.

Mehrere Leben später stolperte ich dann nichtsahnend über Imperial Stout. Im Prinzip wie ein Guinness, nur mit doppelt so viel Alkohol und doppelt intensivem Geschmack, vom Hahn ungemein köstlich und phantastisch wirksam. Es hatte alles, was einem gewöhnlichen Stout fehlt. Das wurde zu meinem Erweckungserlebnis mit der Craft Beer-Bewegung, ich wähle hier ganz bewußt eine gemischte Schreibweise, die englische Wortkombination ohne Bindestrich, die deutsche Wortverbindung selbstverständlich mit Strich vermählt. So kann man in zwei Sprachen orthographisch anecken. Eigentlich sollte ich jetzt noch was kyrillisches bringen, denn das Imperial Stout ist eine englische Schöpfung, welche aber wohl hauptsächlich für den Petersburger Hof der deutschstämmigen Zarin Katharina erfunden und produziert wurde. Womit dann wieder der Kreis zu den Marketingkonzepten des modernen Craft Beer’s geschlossen wäre, das ja gern mit ironisch gewichstem Traditionsbart und trotzdem flott-polyglott präsentiert wird.

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Mein Favorit, die Berliner Nacht, ist wie alle ernsten Brewbaker-Kreationen überwältigend bitter, aber herzensgut.

Unser Glück dabei, daß bärtige Jungbrauer diesen schönen Bierstil wiederbelebten, der einst mit dem Zarenhof von der Weltbühne verschwand. So dürfen wir heute wunderbare Biere genießen, die gleichsam berauschend stark und dabei disziplinierend bitter und schokoladig-sähmig-sättigend sind. Wer aber mit nur einem Glas einen anständigen Rausch wünscht, der sollte den Outlaw Czar probieren, ein Cocktailrezept das ich bei schlimmerdurst fand. Es handelt sich dabei im Grunde um ein dunkles Herrengedeck, also schwarzes Starkbier mit Schnaps. Ich hielt mich nur sehr vage an die Mengenangaben, im Pokal schwamm dann dickflüssige Trunkenheit, die sich wie Straßenteer über samtliche Synapsen legte und auch am nächsten Tag noch deutlichste Erinnerungen an einen sehr verschwommenen Abend hervorrief.

Die drei drogenpolitisch empfehlenswerten Imperial Stouts sind übrigens kurz in den Bildzeilen besprochen.

Gescheiterte Flucht

Als protestantischer Rheinländer und Kind zugewanderter Norddeutscher pflege ich eine vertraute Distanz gegenüber dem Karneval. Wirkliches Entkommen ist nahezu unmöglich. Einmal versuchten wir, das merkwürdige Treiben durch einen Ausflug in die Coffee Shops zu umgehen. Allein, als Nachbarstadt Aachens ist das Limburgische Maastricht eine karnevalistische Exklave in den calvinistischen Niederlanden. Auch hier geschlossene Geschäfte und schreiend bunt gekleidete, schreiende Betrunkene, die auch mit guten Rauchwaren nur schwer zu ertragen sind. Also ergibt man sich dem Schicksal, akzeptiert betriebliche und private Feierstunden mit dem nötigen Frohsinn und meidet überdies größere, öffentliche Menschenansammlungen. 

In lokalpatriotischer Routine vergisst man dabei leicht, über den Tellerrand zu schauen. Auch anderswo gibt es vorfastenzeitliche Besäufnisse. Schauen tun wir da natürlich gern auf die Südhalbkugel der Erde, wo im Februar Sommer ist und die Menschen in Bademoden karnevalisieren. Dahin dauert aber der Flug so lange. Viel eher verschlägt einen der Zufall mal in die Zentralschweiz. Hier leben genug Katholiken, um die päpstliche Leibwache mehrfach zu bemannen. Entsprechend enthusiastisch feiern sie hier auch Karneval. Die Kostüme sehen dabei sehr gewöhnlich Rheinländisch aus, viele bunte Clowns und ethnische Minderheiten mit Federschmuck laufen herum. Von Hexen und Dämonen, wie sie manchmal aus Basel und dem Oberrhein vermeldet werden, ist nichts zu sehen. Die öffentlichen Frohsinnsbekundungen finden dabei ebenfalls um zentrale, süßwarenwerfende und politikverunglimpfende Festwagen statt. Aber der Straßenkarneval wird hier noch um eine regionaltypische Spielart ergänzt. Das sogenannte Eintrommeln:

Schon Mittwoch Abend, vor dem rheinischen Weiberdonnerstag, ziehen Spielmannszüge mit Pauken und Trompeten über die Dörfer. Mit vehementester Ausdauer lärmen diese dann die ganze Nacht und den folgenden Tag, eine einzige Melodiezeile. Das Getrommel weckt Tote, vertreibt den Winter und würde jede angreifende Konstanzer Feuerwehr zutiefst demoralisieren. Es wird solange fortgeführt, bis auch der verstockteste Karnevalsmuffel freiwillig zur offiziellen Feier auf dem Markt des Hauptortes erscheint. Oder auf einen Berg flüchtet. 

In der Skihütte, über den Wolken und über allem katholischen Straßenfrohsinn, trifft sich das zwinglianische Bürgertum und bespricht völlig zwanglos am liebsten finanzielle Angelegenheiten.

Drogen zu verschenken in Berlin

Liebe interessierte Leser!

Auf dem Redaktionssschreibtisch liegen zweieinhalb Freikarten für die Berliner Weinmesse herum. Da können wir aus Termingründen leider nicht hin, da wir morgen schon in die Berge fahren zum Brändetesten.Die Messe findet nächstes Wochenende statt, vom 24. – 26. Februar 2017. Die Karte gilt für einen der Tage.

Auf der Weinmesse stellen diverse Winzer ihre Produkte vor. Sie richtet sich an Gastronomen, aber auch interessierte Privatkonsumenten. Vor ein paar Jahren geriet ich mal zufällig dahin. Völlig nüchtern war das erst etwas beklemmend. Da standen also hinter den Ständen ernst dreinblickende Herrschaften vor ihren Produkten und man dachte, die erwarten jetzt Hektoliterbestellungen oder zumindest einen Wissenstest auf FAZ-Niveau. Bis wir uns zum Stand mit dem Winzersekt durchgemogelt hatten, wo eine resolute Rheingauleiterin flüssige Beredtsamkeit mit Eigenkohlensäure austeilte. Ab dem anderthalbten Glas ist die Messe dann ein großes Vergnügen. Die Freikarten bekommen wir seit dem als Belohnung dafür, daß ich nicht nur einen sauteuren Süßwein bestellte, sondern auch bereitwillig sämtliche Rieslingerzeugnisse des Herstellers durchprobierte und mir die verschiedenen Qualitätsstufen erklären ließ.

Ich bedaure wirklich, da nicht hin zukönnen und möchte die Karten ungern verfalllen lassen. Also werden wir tief in die Portokasse greifen und in eine Briefmarke investieren. Wer bis heute Abend, 20. 02. 2017 einen qualifzierten Kommentar in der Kommentarspalte dieses Artikels abgibt und dazu an nonnenhutmachet(at)gmail.com eine gültige Postadresse übermittelt, bekommt in den nächsten Tagen die Eintrittskarte für zwei und den 50%-Rabattgutschein für eine dritte Weininteressierte Person.

weinmesse

Arabier – eine edler Vogel aus Flandern

ara-im-glasDas Ara Bier bekam ich von Tom, ich berichtete schon, daß die Drogenpolitik einmal mit proBierchen richtiges Bier austauschte. Das Realweltpäckchen enthielt auch diese höchst interessante, belgische Spezialität. Da seit dem auch schon wieder einige Monate ins Land gegangen sind und die Biere immer noch ungeöffnet in meinem Schrank herumstanden, bekam ich langsam ein schlechtes Gewissen. Also öffnete ich eines schönen Abends dann die Flasche mit dem Papagei. Beim Eingießen bildete sich, höchst auffällig, eine enorme Menge Schaum, der einem aber nicht schon aus der Flasche entgegensprudelt, wie das bei manchen belgischen Bieren der Fall ist, sondern als sauberer Zylinder erst im Glas wächst. Die Schaumbildung weist auf starke Aktivität in der Flasche hin und schon bekam ich wieder ein schlechtes Gewissen: Hätte ich die Flasche nicht lieber noch länger nachgären lassen sollen? Es hätte laut Etikett noch mindestens bis Mai liegen können, denn bei den Belgiern ist das MHD mitunter ja eher der Zeitpunkt, ab welchem eine vernünftige Nachreifung beginnt. Aber letztlich sind die Biere ja zum Trinken da. Ich vermute hinter dem Schaumeffekt das refermentierte Bier, das auf dem Etikett als Inhaltstoff ausgewiesen ist. Nach dem sich im Glas die trinkbare Flüssigkeit nun konsolidiert hatte, wollte ich schon wissen, wie es schmeckt. Denn riechen tat es kaum. Beim ersten Schluck breitet sich ein durchaus voller Körper aus, beim zweiten Schluck kommt etwas schärflicher Alkohol durch. Dann herrscht nur noch Bitterkeit, wie von einem sehr trockenen Sekt. Der bunte Vogel auf dem Etikett täuscht, denn er ließ schon an exotische Früchte denken. Das Bier aber ist durchgehend pulvrig herb, wie ein indisches Curry mit viel Kurkuma, aber ohne alle blumigen Aromen. Im flämischen Wikipedia-Artikel steht, die Bitterkeit kommt von der Trockenhopfung. Wenn ich die verwandte, germanische Sprache richtig entziffere, hätte ich mir um die Lagerung keine Sorgen machen müssen, da Arabier nicht nachreift. Auch die Geschichte des Papageienvogels scheint da kurz erklärt, die erschließt sich mir aber mangels Flämischkenntnissen nun aber nicht.

Wenn das Getränk im Glas ein wenig wärmer wird, zeigt sich ein wohlgeformter Körper in einem eleganten, spröden Gewand ohne alle Schnörkel. Ein staubtrockenes, helles Bier, ich vermute, für den herben Geschmack ist auch die Gerste als einziges Getreide verantwortlich, das nicht, wie bei einem Tripel, von Weizen abgerundet wurde. Den beigefügten Zucker setzten wohl die emsigen Hefen komplett um, die mussten ja schließlich die 8 % Alkohol produzieren. Aber anders als manch süffige, dunkle Starkbiere, die zum Schnelltrinken verführen, ist der Ara nicht so ein euphorisches Rauschmittel, sondern eher ein edler, belgischer  Getreidewein, von dem auch nur ein kleines Fläschchen als genußvolle Begleitung für ein deftiges Essen reichen kann.