Haschisch essen

zerlegtHaschischessen gilt als schwierig, weil es unzuverlässig, überraschend und heftig wirkt. Marokkanische Dealer sagten mir mal, mit Rauchern könne man noch reden, Hanfesser aber seien völlig jenseits von allem. Ich wohnte mal neben einem lebensfrohen und aktiven Hanfkeksesser. Über die Probleme eines seiner fünf bis sieben Kinder schrieb ich hier. Ungern und nur vage erinnere ich mich an den Tag, als ich mal 2 Gramm Brösel im Tee verrührte und einen kleinen Auffahrunfall verursachte. Da ich auf die Streifenbeamten einen weit weniger verwirrten Eindruck machte, als der pensionierte Polizist, in dessen Auto ich gekracht war – und es im Übrigen noch keine Meßgeräte für Konsumnachweis gab – kam ich mit den 75 Mark Bußgeld für meine Unaufmerksamkeit davon.

Dabei hätte ich es belassen können.

Aber nun praktiziere ich seit gut einem halben Jahr den rauchfreien Hanfkonsum im Vaporizer und das Kraut ist auch nach dem Verdampfen noch hochwirksam. Da wächst also ein kleiner Berg Rösthanf, der essend bestens verwertbar ist. Denn nur erhitzte Hanfprodukte sind wirksam, weil ihr Wirkstoff THC decarboxyliert wurde. Natürliches THC ist dagegen gar nicht wirksam. Hitze aktiviert das THC, je höher die Temperatur, desto schneller. Raucher oder Dampfer interessiert das nicht, denn sie erhitzen das Kraut auf Temperaturen von etwa 180° C elektrisch oder bis zu 900° C in der Zigarette. Da decarboxyliert alles THC und ist sofort wirksam. Bei Temperaturen von 100 bis 150° C, mit denen üblicherweise gekocht und gebacken wird, braucht dieser Zerfallsprozess allerdings eine gute halbe Stunde. Die Unkenntnis dessen erklärt überlieferte und selbsterlebte Überraschung. Pur gegessener Hanf wirkt praktisch gar nicht, kurz erhitzter nur schwach. In einem Kuchen aber, der 45 Minuten und länger backt, zeigen wenige Zehntelgramm beachtliche Effekte. Wer die Dosierung aus Experimenten mit schlecht decarboxyliertem Stoff zum Maßstab nimmt, ist schnell heillos überdosiert. Das klingt erschreckend, ist aber nicht gefährlich. Man fühlt sich, mitunter mehrere Tage lang, als ob man auf dem Sofa einen Serienmarathon mit Joints und Fastfood absolvieren würde. Um die Zeit zu überbrücken, sollte man sich mit Joints, Serienabo und Fastfood auf ein Sofa zurückziehen. Der schlimmste Unfall tritt ein, wenn jemand in Panik Rettungskräfte ruft. Das zieht Behördenärger nach sich und beim Ausnüchtern im Krankenhaus gibt es keine Joints, Netflix und Fastfood.

Es ist übrigens nicht richtig, daß der fettlösliche Wirkstoff THC zwingend in fetthaltigen Speisen verarbeitet werden muß. Fett braucht es nur, um eine gleichmäßige Verteilung im Trägermedium zu erzielen, wie bei der beliebten Hanfbutter. Die Aufnahme im Darm und die Wirkung verbessert eine fettige Lösung jedoch nicht.

Es ist völlig egal, ob man aktivierten Hanf pur ißt oder in fettiger Speise.

Pures Kraut wirkt sogar schneller, denn gehaltvolle Speisen werden länger verdaut. Allerdings trug die Eigenschaft zum Vergessen und Verbieten des alten Heilkrautes bei, da sich die moderne Medizin im 19. Jahrhundert auf Entwicklung wasserlöslicher, ins Blut injizierbarer Medikamente konzentrierte. Den primitiven Hanf mit seinem sperrigen, fettlöslichen Wirkstoff verlor die Forschung so komplett aus den Augen.

Für eine spürbare Wirkung esse ich knapp 0,2 Gramm erhitztes Hanfkraut, kaum mehr als an einer speichelfeuchten Fingerkuppe kleben bleibt. Die Wirkung beginnt fast genauso schnell wie geraucht oder gedampft. Wenn ich das pur oder mit wenig Beikost, wie Wassermelone oder Reis esse, beginnt die Wirkung praktisch sofort, aber immer subtil. Der „Fahrstuhleffekt“, den ich vom Rauchen liebe, fehlt völlig. Stattdessen baut sich von Innen etwas auf. Nach 60 bis 90 Minuten kommt ein Plateau der Entspannung, die Seele baumelt in einer Hängematte und der blinde Fleck zieht als Schattenwolke durchs Gesichtsfeld. Unangenehm wurde es, als ich einmal spät, nach 5 Uhr Nachmittags, etwa 0,3 g aß. Die Wirkung hielt im Schlaf an, ich wachte mehrmals auf, unangenehm betäubt wie unter Schmerzmitteln. Ich mag nicht mehr gern berauscht schlafen. Die angenehmste Wirkung erzielte der Hanf eingerührt in Rinderbrühe. Man schmeckte ihn nicht mehr, die Wirkung setzte langsamer ein und fühlte sich „weicher“ an, vom schweren Essen ummantelt. Sie dauerte von 15 bis 20 Uhr, nach Abklingen folgte ein sehr erholsamer, traumreicher Schlaf.
Essen fühlt sich irgendwie medizinisch an und ist auch für medizinischen Gebrauch hochinteressant. Man kann tagelange Depotwirkung erzielen. Aber für Freizeitgenuß dauern mir schon meine Kleinstportionen zu lange. Die Wirkung empfinde ich als extrem, grade weil sie subtil ist. Als härtere Droge gelten mir Substanzen, bei denen ich Einnahme und Rausch vergesse, wodurch Urteilskraft und Selbsteinschätzung sich unkontrollierbar verändern. LSD würde ich demnach nicht als hart, sondern als anstrengend bezeichnen. Schnaps oder Kokain – und Hanfspeisen – halte ich wegen ihrer unmerklichen Persönlichkeitsveränderungen für hart. Das kann und will ich nicht in den Alltag einbauen. Ein Hanffrühstück ist toll, wenn ein ganzer Tag mit sicher geplanter Freizeit ansteht, etwa eine Wanderung oder ein Musikfestival. Ich glaube nicht, daß die drogenpolitik ein Foodblog wird. Falls ich Hanfessen doch habitualisieren sollte, werde ich wahrscheinlich nicht mehr schreiben.

Informative Links für Haschischesser und Hanferhitzer:

Unter den Suchworten „Cannabis decarboxylieren“ oder „Cannabis aktivieren“ findet man auf Youtube viele Erhitzungsanleitungen, einige auf Deutsch, viele auf Englisch. Die Methoden variieren, ebenso Temperatur und Dauer, wie bei allen Rezepten ist da die exakte Chemie nicht so wichtig, es zählen eher einfache Umsetzbarkeit und ein gewisses Gefühl für die Materie.

Dieser Artikel erklärt auf Englisch anschaulich die Hintergründe des Decarboxylierens.

Vaporizer kann man gut bei Verdampftnochmal in Berlin bestellen, in ihrem Blog beschreiben sie die Geräte sehr ausführlich. Natürlich bieten andere Händler Vaporizer zum gleichen Preis an. Ich mag den Laden, weil er in meiner Stadt ist und sich auf Vaporizer spezialisiert hat. Ich habe nie Geld oder Vergünstigungen bekommen. Allerdings hat Verdampftnochmal meinen Vaporizer-Artikel mal auf seiner Facebookseite verlinkt und mir so meinen klickstärksten Monat beschert. Grund genug für einen Hobbyblogger, sich mit kostenloser Werbung zu bedanken.

Wer sein Suppengemüse selbst ziehen möchte, ist bei unserem Werbepartner GrowGuru bestens beraten:

growguru

Advertisements

Tierisch Fettsüchtig

WARNHINWEIS: Leserinnen und Leser, mit vegetarischem und/oder fettreduziertem Ernährungstil könnten durch diesen Beitrag nachhaltig verstört werden.

Sucht kann entstehen, wenn ein erstes, überwältigend angenehmes Konsumerlebnis sich ins Gedächtnis prägt und der Süchtige lebenslang erfolglos nach diesem unvergesslichen Genuss sucht. Das passierte mir auf meiner ersten Haschischtour nach Maastricht. Ich landete auf einem großen Parkplatz an der Maas und dort in der berüchtigten Touristenfalle „Mississippi“, einem Coffeeshop-Schiff. Diverse Cannabis-Spezialitäten wurden direkt im Laden in bereitstehenden Bongs verkostet. Völlig zugeraucht wankten wir dann durch das hübsche limburgische Städtchen, bis der erste sich wieder fahrtüchtig fühlte. Beim ziellosen Schlendern gerieten wir in einer schäbigen Seitenstraße in eine noch schäbigere Frituur, also eine Pommesbude. Dort erwischte mich die unheilbare Sucht in Form von Vlaamse Frites Spezial, unschlagbar leckeren Pommes rot-weiß mit gehackten rohen Zwiebeln, serviert in einer Papiertüte. Seit dem suche ich nach einer Wiederholung dieses Geschmackserlebnisses.

drei Kilo Rinderfett

Drei Kilo Rinderfett, wie sie der Metzger ins Hackfleisch mischt, aber so pur selten zum Vrkauf anbietet.

Einmal glaubte ich, das Geheimnis läge im Rinderfett, in dem wohl Belgier und Engländer ihre Kartoffeln frittieren. Aber Rinderfett ist in Deutschland nicht so leicht aufzutreiben. Im Internet entdeckte ich einen einzigen Versand, das war es mir aber doch nicht wert. Doch dann erwischte ich mal den Metzger in unserem türkischen Supermarkt, wie er eine mächtige Tierkeule schälte. Ich fragte ihn nach Rinderfett und er legte einen 10-Kilo-Beutel auf den Tresen. Ich kaufte drei Kilo und machte mich ans auslassen.

Die Ausbeute war reichlich, appetitlich und lies sich portionsweise einfrieren.

Die Ausbeute war reichlich, appetitlich und lies sich portionsweise einfrieren.

Darüber wiederum kursieren wilde Gerüchte im deutschsprachigen Internet: Man müsse das Material schonend raffinieren, überdies stinke es fürchterlich. Das fand ich recht unbefriedigend und drehte einfach den Herd auf, genauso wie Vater zu Weihnachten Schmalz aus Gänseflaum machte. Der deutliche Stallgeruch wurde in unserem frittierfreundlichen Haushalt als durchaus angenehm empfunden. Nach zwei Stunden waren 2 Liter goldenes Rinderfett im Topf, dazu eine riesige Portion knuspriger Grieben.

fertig knusprig lecker

Ein Kindheitstraum von frischen Pommes. Der Engländer würde sie Chips nennen und mit Essig servieren.

Für die Pommes wurden dann Ackergold mehligkochend vom EDEKA zwei Mal frittiert. Das Ergebnis war knusprig, golden und sehr lecker. Bei der dritten Portion im selben Fett stellte sich auch so etwas wie ein leichtes Fleischaroma ein. Der Geschmack war aber nicht so überwältigend besser, dass ich mir jetzt immer die Mühe des Selber-Fettens machen werde. Positiv überrascht war ich dagegen von den Ackergold-Kartoffeln. AW

Die Grieben verfeinerten einen gedünsteten Chinakohl aufs allerköstlichste. Mit Knoblauch und Chili zu frischem Reis beruhigt dieses einfache Gericht den Magen, wenn man zu viel Fett gegessen hat.

Schöner kochen dank Opium

Von einem Reisenden bekam ich mal ein Gramm Opium aus Indien. Angeblich wird es dort gegessen. Aber geraucht funktioniert es auch. Es war schwarz und hart wie eine Glasscherbe. Wieviel ich nehmen sollte, wusste ich nicht. Also verabredete ich mich mit M zu einem experimentellen Abend. Wir rieben mit dem Messer Krümel von der Opiumscherbe und rauchten die in Selbstgedrehten. Es stank etwas muffig, schmeckte aber nicht unangenehm. Einen Rausch wie von Gras oder Bier verspürten wir nicht. Aber irgendwas war da. Wir versuchten dazu zu kiffen. Das schmeckte schlecht und wirkte nicht. Tabak dagegen schmeckte gut. Auch Rotwein war köstlich und wir wurden nicht betrunken. Ich schmiegte mich gerne an harte, kantige Möbel und konnte lange und bequem verharren. Der Abend verfloss mit angenehm belanglosen Gesprächen. Ich fühlte mich uralt und abgeklärt. Ungefähr ein Viertel das Gramms rauchten wir.

Ein andermal versuchte ich es nachmittags alleine. Zunächst spürte ich wenig. Dann machte ich mir etwas zu Essen. Ich kochte schon immer gerne. Aber oft etwas nervös und unsicher. Wenn die Zwiebeln schon schwarz brieten, musste in Sekunden eine fehlende Zutat vorbereitet werden. Oder das Chaos wuchs mir über den Kopf und landete auf dem Boden. Dieses Mal aber schnitt ich in Ruhe die Zutaten, bereitete Töpfe und Geschirr vor. Ich staunte: Es ist ALLES fertig. Da merkte ich schlagartig die Wirkung des Mohnsaftes. Ich spürte weniger als nichts. All die kleinen Schmerzen der Existenz, ein schief aufgesetztes Knie beim Treppensteigen, das empfindliche Fußgelenk, der vom Rauchen gereizte Hals, ein juckender Mückenstich: Verschwunden, als sei es nie dagewesen. Nur ich im geschmeidigen, zufriedenen Körper. Wer unter Schmerzen leidet, wird bestimmt schnell süchtig. Ich kannte nur Langeweile als Lebensproblem und konnte mit dem Opium nichts anfangen. Das restliche Drittel schenkte ich einem frisch verliebten Pärchen. Ich hatte keinen Partner und die Droge soll schön sein für die Liebe. Seit dem koche ich nicht besser, aber entspannter.

Organisiert kochen

Opium dämpft den Appetit, weckt aber Ordnungssinn und Freude an kontemplativer Bastelei mit gewissenhafter Vorbereitung. Das Ergebnis kann dann zufriedenstellend lecker ausfallen.

Bekifft kochen: Essen auf’m Herd vergessen

Tomatendose

Das simple Rezept: Man bereite seine liebste Tomatensauce und lasse sie auf kleinster Flamme mindestens 4 Stunden köcheln. Pro Stunde verkocht ein gutes Glas Flüssigket, also regelmäßig Wasser nachfüllen, sonst rufen die Nachbarn die Feuerwehr.

A. ist ein überirdisch schöner Mensch aus Eritrea. Er sieht aus wie Lee Scratch Perry. Für mich war er „Black Moses“, eine schlanke, aufrechte Gestalt, dem man ins gelobte Land folgen mochte. Außerdem stellte mich A. seinem Dealer, einem leidenschaftlichen Bio-Bauern vor. Ich half ihm in einer schwierigen Phase und zum Dank lud er mich zum Essen ein. Nach dem Aufstehen, zur Mittagszeit also, kam ich hungrig in seine kleine Bude. Er fing auch sofort an zu kochen, briet Fleisch und Zwiebeln, dann kamen Tomaten, rote Linsen und ein eritreisches Geheimgewürz dazu. Jetzt begann der Kochprozess und A begann Joints zu bauen. Wir hockten oder lagen auf dem Boden, vor uns köchelte das Süppchen auf einer Kochplatte für die Steckdose. Wir plauderten über angenehmes, vergangenes und unangenehmes. Gerne erzählte A von Haile Selassi und Robert Mugabe und natürlich dem großen Nelson Mandela und ihrer enormen Bedeutung für das afrikanische Selbstbewusstsein. Von seiner Flucht aus Eritrea berichtete er ohne Gram. Am Bürgerkrieg hatte er teilgenommen, verweigerte aber Waffendienst. So trug er Munitionskisten an die Front, wo auch Frauen Kalaschnikows bedienten. Als er immer mehr kritische Fragen stellte, empfahlen ihm die Kameraden, das Land zu verlassen. Hier heiratete er aus Liebe eine Sozialarbeiterin und wohnte mit ihr in einem schönen großen Haus. Bis sie ihn rauswarf. Sie hatte Pflegekinder aufgenommen, die machten viel Arbeit. Volle Windeln mussten zum Müll gebracht werden. Für einen stolzen Mann wie A unzumutbar. Also zog er in die kleine Bude ohne Möbel und ohne Herd.
Nach Stunden bekamen wir Hunger und gingen zum Imbiß ein wenig Essen. Dann ging es weiter, Joints bauen, die Suppe bewachen, palavern. Nur wenn es um Kinderwindeln ging, konnte A auf einmal kein Deutsch mehr. Irgendwann Abends roch es unglaublich fruchtig, als ob geheime Aroma-Moleküle in den Tomaten geplatzt wären. Es schmeckte märchenhaft, ich ahnte, wie es schmecken könnte wenn A’s selige Mutter das selbe Gericht noch viel, viel länger hätte kochen lassen.
Im Winter merkte A dann, dass seine Bude keine Heizung hatte. Er entdeckte seine Liebe zu Kindern, ihren Bedürfnissen und zu seiner Frau wieder. Da blieb dann nicht mehr so viel Zeit zum Kochen und Kiffen.
AW