Prinzessin Bademantel – Schöner Blog, gelegentlich mit Drogen

Seit einiger Zeit lese ich immer wieder gern den Blog Prinzessin Bademantel. Die Prinzessin, ein junger Mann aus Stuttgart, teilt dort einen buntesten Strauß kunstsinniges, kitschiges und lustiges aus seinem Leben. Ich gebe zu, vieles überfliege ich. Für eine Fülle von Internetmemes und Twitternachrichten bin ich einfach zu alt. Die Tondokumente sind mir oft nicht zugänglich, da ich viel unterwegs auf dem Telefon lese, aber mir nie angewöhnen konnte, in der Öffentlichkeit Kopfhörer zu benutzen. Ab und zu aber bringt die Prinzessin lange und ausführliche Berichte aus seinem Leben als „Tekker“ in der Subkultur um Technoparties. Die lese ich mit Interesse und Anteilnahme, klar sie handeln hauptsächlich von Drogen, das ist genau mein Thema. Aber dazu kommen sie in dieser wortreichen, trotzdem fesselnden und intensiven Sprache, wie sie oft in Zusammenhang mit Aufputschmitteln erscheint. Die Intensität wird vielleicht deutlich in diesem Auszug eines Gespräches, das ich mit Prinzessin in den Kommentarspalten führte. Eigentlich wollte ich nur mal anfragen, ob wir nicht mal was zusammen schreiben wollen. Als Antwort bekam ich diesen nahezu fertigen Artikel, die vielen Andeutungen lassen aber auf mehr hoffen:

Man könnte ja über die einzelnen Drogen, die damals in der Techno-Szene in Stuttgart konsumiert wurden, berichten. Was habe ich alles konsumiert. Wieso habe ich es konsumiert und wie wirkte es auf meinen Körper und mein Bewusstsein. Wie waren die Folgen des Mischkonsums verschiedener Drogen, Chemie und Alkohol und was nicht alles noch. Eigentlich hatte ich Zugang zu allem was der Markt so her gab.
Von XTC, Pepp, Speed, LSD, GHB / GBL (Liquid Ecstasy), Poppers, Engelstrompete (Tee), Marihuana und Haschisch, Cola (Kokain), Shore (dreckiges oder auch minderwertiges Heroin). Am Ende gab es noch Crystal Meth. Das kostete uns damals 200 Euro das Gramm. Zu dieser ganzen Chemie gesellte sich noch eine Menge an Alkohol.
Wenn wir nicht in Clubs, sondern im Park waren, klauten wir uns auch Lufballons und Butangas in der Dose und inhalierten durch die Lufballons. Was für uns die selbe Wirkung wie Poppers erzeugte. Nur 1000000000x stärker und mit der ständigen Gefahr nach dem Blackout nicht mehr aufzuwachen, da unser Gehirn keinen Sauerstoff mehr abbekam. Aber so war ich, war die Szene in Stuttgart damals drauf. Wir waren immer auf der Suche nach einem Flash. Wir zählten nach 3 – 5 Tage wach immer zusammen, wie viele verschiedene Flashs (Substanzen) jeder einzelne von uns konsumiert hatte. Wenn es hart kam, hatte man schon 10 verschiedene Substanzen im Körper und Blut. Alkohol natürlich mit einbezogen.
Daraus resultierte nach 3- 5 Tage Konsum durch die viele Drogen zusammen mit dem fehlenden Schlaf der sogenannte “Licht aus Effekt“ im Kopf. So nannte ich das immer, wenn im Kopf eine Leere ohne Gedanken entstand. Man versuchte, sich auf etwas zu konzentrieren, oder jemand schaute einen an und man wusste innerlich das beide etwas sagen wollten. Aber es kam nichts mehr aus uns heraus. Eine erdrückende Stille ohne Gedanken und Worte. Das Gehirn war Quasi tot. Manchmal brach man dann auch einfach in einem Heulkrampf aus, weil die Depressionen, die mich auch heute noch begleiten, dazu kamen.
Depressionen wegen Drogen vielleicht auch noch ein Thema? Weitere Infos dazu zu meinen Depressionen bedingt durch Drogen gibt es hier.
Heutzutage wird Crystal im Osten billiger als Pepp verkauft. Diese Entwicklung hat mich sehr erschreckt. Die Jugend, aber auch der Ottonormalverbraucher, nutzt Crystal wie Pepp um wach zu bleiben. Ich war von Pepp abhängig. So viel Pepp muss man erst mal täglich rotzen, um davon abhängig zu werden. Aber bei Crystal Meth reichen schon die ersten 1 – 2 Lines und man kommt nicht davon los. Ist wie beim Heroin. Habe ich mit Crystal an mir aber selbst auch erleben dürfen. Mir sind dann Zähne ausgefallen, als ich Crystal als Ersatz für Pepp oder Speed genutzt habe. Zudem sind meine Nasenschleimhäute nach 10 Jahren ziehen total kaputt. Der sogenannte Sommerschnupfen ist jedes Jahr allgegenwärtig. Irgendwann habe ich dann angefangen Pepp und Co in Bier aufzulösen und zu konsumieren.
Sieh mich einfach als lebendes und wandelndes Drogenlexikon an.

Wer weiterlesen möchte, kann bei Prinzessin Bademantel unter der Kategorie Drogen stöbern. Oder gleich die vierteilige autobiografische Geschichte 3 Tage wach anklicken, Teil eins, zwei, drei, vier.tur-zu-wir-ziehen

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Und Ende

katze-verstrahlt

Der Sound zum Text (Warnhinweis: Menschen, die gegen elektronische Musik eine angeborene Abneigung empfinden oder erworbene Vorurteile pflegen, sollten das verlinkte Musikstück auf gar keinen Fall anklicken.) 

Punkt. Jetzt is‘ wohl Schluss. Immer ein trauriger Moment, man wünscht sich zurück, zur allerersten Pille, zurück zu den großen Bassboxen, zwischen die kunterbunten Menschen, zurück in die andere Welt, die vollkommen großartig ist. Naja, es gibt Schlimmeres. Eigentlich darf man sich nicht beklagen, wenn man sich den Luxus leisten kann, für 15 € Eintritt gemeinsam Musik zu zelebrieren. Und den übermäßigen Konsum gewisser Rauschmittel. Rein evolutionsbiologisch ist das alles Andere als lebensnotwendig.

Schluss mit Philosophie. Geht auch gar nicht mehr. Nur noch die harten Fakten: die Pillen. Davon habe ich mir seit Freitagabend so 5 Stück gegeben. Was sehr viel ist für mich. Das hätte ich mir vor ein, zwei Jahren nicht zugetraut. Hätte es für meinen sicheren Tod gehalten, oder zumindest die Einweisung. Aber mit regelmäßigem Konsum steigt die Toleranz. Wo anfangs ein Viertel reicht, brauch ich heute eine Ganze für denselben Effekt. Aber wenn der dann da ist, ist es einfach göttlich. Deine optische Wahrnehmung verändert sich, das Bild zittert. Du spürst, erst ganz leise, dann immer aufdringlicher dieses Gefühl in der Brust anfluten, diese vollkommen unbegründete Glückseligkeit. Alles wird dumpf, du hörst wie durch Ohrenwärmer, reagierst langsam. Und irgendwann kommt der Moment, da wird plötzlich alles bewusst, du spürst die Lähmung, wie du immer doofer wirst, das Teil haut rein. Doch bald verschwindet der Matsch in deinem Hirn. Löst sich auf in absolut klare, unmissverständliche Freude und unaufhaltsamen Tatendrang. Du beginnst, wirklich darauf zu scheißen, was andere denken. Du mußt einfach aufspringen, stürzt dich in die Musik, tanzt und tanzt und tanzt… bewegst dich nicht mehr eigenständig, lässt deinen Körper machen, was sich gut anfühlt, versinkst im weichen, harten, perfekten Bass, wirst Eins damit… driftest zwischendurch ab, führst sinnlose Gespräche, umarmst wildfremde Leute… Immer wieder wabern wohlige Schauer über den Rücken, den Nacken hinauf bis über die ganze Kopfhaut, Gänsehaut, mehr davon!
…bis so nach zwei, drei Stunden das nächste Ding geworfen wird. Alles steigert sich, dein Hirn arbeitet auf Hochtouren, pumpt auch die letzten Restchen Serotonin, Noradrenalin und Dopamin in deinen unterversorgten Körper, deine Muskeln und Gelenke leisten Schwerstarbeit und gehorchen dem Rhythmus.

Tja, und irgendwann ist halt Schluss. Serotonin ist alle. Du kommst nach der Party nach Hause, vollkommen geplättet, egal, noch ne Nase, noch n halbes Teil und ca. 568 neue Projekte anfangen, die nie fertig werden. Ziel ist mittlerweile nicht mehr die Freude, die Extase. Nein, Ziel ist jetzt nur noch, nicht runterkommen, sich irgendwie noch mehr verklatschen.

Ungefähr das ist der Status jetzt. Ich sitze auf der Couch, der Fernseher läuft, ich schreibe meinen Blogeintrag und habe noch den Rest vom letzten Teil liegen. Ich weiß, das wird mich nicht mehr euphorisieren, aber nochmal bisschen matschiger machen.

Die Tastatur fängt an sich zu bewegen. Zumindest haben wir eben was gegessen und natürlich viel getrunken, ansonsten geht’s einem richtig scheiße. Mir geht’s grad ganz gut aber ich kann kaum mehr flüssig tippen. Meine Henkersmahlzeit wartet in Form eines trügerischen Stückchens, der letzte Rest der Extase der letzten Nacht.

Schlaf gut. Ich werd’s ganz sicher!

(Dieser Text erschien zuerst hier auf Libras Blog Self im Mai 2015. Das Foto hat Libra eigenhändig aus dem Internet geklaut.)

Schnell & Sympathisch: Die Wirkung von Sympathomimetika

Sympathomimetika sind zum Beispiel: Ephedrin, Pseudoephedrin, Amphetamin (Speed), Methamphetamin (Crystal Meth), Methylphenidat (Ritalin). Sie verstärken die Wirkung des Sympathikus.

Der Sympathikus ist körpereigenes Alarmsystem und Wachmacher. Er ist Teil des vegetativen Nervensystems. Seine Nerven senden autonom und unwillkürlich aus Hirnstamm und Rückenmark zu allen wichtigen Organen. Der Sympathikus erhöht Blutdruck und Herzfrequenz, erweitert die Bronchien, sorgt also für mehr Sauerstoff im Körper. Er hemmt Organfunktionen, die unter Belastung nicht gebraucht werden, wie etwa Verdauung. Der Parasympathikus macht genau das Gegenteil: Blutdruck senken, beruhigen, Verdauungstätigkeit erhöhen. Das Suppenkoma nach nem guten Mittagessen entspricht der Wirkung des Parasympathikus. Normalerweise arbeiten Sympathikus und Parasympathikus in wohlregulierten Gleichgewicht zusammen.

Noradrenalin

NORADRENALIN

ADRENALIN

ADRENALIN

Wir machen uns Stress: Noradrenalin und Adrenalin
Die Sympathikus-Nerven benutzen für anregende Wirkung spezielle Botenstoffe: Adrenalin und Noradrenalin mit ähnlicher Wirkung, aber unterschiedlichem Einsatzgebiet. Noradrenalin ist Neurotransmitter, also ein chemischer Wirkstoff, der das ursprünglich elektrische Nervensignal durch den engen synaptischen Spalt schnell auf’s Zielorgan überträgt. Ausserdem hat es im Hirn mit Wachheit, Träumen und der Stimmung zu tun. Adrenalin dagegen wirkt hauptsächlich als Hormon: Die Nebennieren schütten es ins Blut aus und es erreicht unspezifisch, langsam aber nachhaltig den ganzen Körper, wo es anregende Sympathikus-Wirkung vermittelt. An den Molekülen fallen drei OH-Gruppen auf. Dadurch sind die Stoffe gut im Wasser (hydrophil) aber nicht in Fett löslich. Sie können fetthaltige Barrieren im Körper, wie Zellmembranen, nicht passieren. Ein wasserlösliches Molekül bleibt brav da wo es ausgesetzt wurde: Hormon in der Blutbahn, Neurotransmitter im Nervengewebe.

Die Interessanten Substanzen ähneln Adrenalin und Noradrenalin in Größe und Form. Allerdings fehlen ihnen die OH-Gruppen am Benzol-Ring. Damit sind sie extrem fettlöslich und können ungehindert die Blut-Hirn-Schranke passieren. Einmal gegessen oder intravenös injiziert verteilen sie sich in Blutbahn und Nervensystem.

PSEUDOEPHEDRIN

PSEUDOEPHEDRIN

EPHEDRIN

EPHEDRIN

Ephedrin und Pseudoephedrin wirken als direkte und indirekte Sympathomimetika. Direkt, in dem sie im Blut zirkulierend an manchen Rezeptoren (z.B. an Herz, Atemwegen oder Blutgefäßen) die Wirkung von Adrenalin hervorrufen. Weil sie dem Adrenalin so ähnlich sehen. Auch der Energieumsatz aller Zellen wird massiv erhöht, was die Stoffe zu sehr effektiven „Fatburnern“ macht.

Ritalin = Methylphenidat

RITALIN = Methylphenidat, die beliebte Lerndroge für unartige Kinder und Jugendliche

Indirekte Sympathomimetika im Nervengewebe: Normalerweise schütten sympathische Nerven Noradrenalin als Neurotransmitter in den synaptischen Spalt aus. Nach dem das Noradrenalin seine Wirkung an Empfänger-Zellen (der Postsynapse) getan hat, nimmt die ausschüttende Nervenzelle es wieder auf benutzt es für ihr nächstes Signal. Das geschieht mit speziellen Kanälen, die eigentlich nur Noradrenalin durchlassen. Ephedrin, Pseudoephedrin und auch Ritalin gelangen in diesen Kanal, aber nicht hindurch und verstopfen ihn. Das natürlicherweise ausgeschüttete Noradrenalin wird nicht wieder aufgenommen und reichert sich im synaptischen Spalt an. Entsprechend stärker wirkt es auf’s Zielorgan.

Methamphetamin =

METHAMPHETAMIN = „CRYSTAL METH“ zieht schnell ins Hirn, dank zusätzlichem CH3 (METHyl-Gruppe) am N

Amphetamin

AMPHETAMIN heißt auch mal Pep oder Speed. Spielt den Booster in XTC-Tabletten.

Amphetamin und Methamphetamin gehen noch einen Schritt weiter: Sie dringen in die präsynaptische Nervenzelle (die das Signal sendet) ein und verursachen dort die permanente Ausschüttung des Neurotransmitters, auch ohne Nervensignal. Das führt zunächst zu einer ziemlich starken Sympathikus-Wirkung. Allerdings verbrauchen die Zellen ihren Neurotransmitter dann sehr nachhaltig. Das erklärt Schlappheit und Ausgelaugtheit nach Konsum und die Toleranz gegenüber immer höheren Dosen bei häufigerem Gebrauch ohne Erholungsphase.

Quellen: Einschlägige Lehrbücher der Biochemie und Anatomie, Wikipedia, http://www.doccheck.com/de/
Die Abbildungen der Strukturformeln stammen aus Wikipedia-Artikeln
AW