Tierisch Fettsüchtig

WARNHINWEIS: Leserinnen und Leser, mit vegetarischem und/oder fettreduziertem Ernährungstil könnten durch diesen Beitrag nachhaltig verstört werden.

Sucht kann entstehen, wenn ein erstes, überwältigend angenehmes Konsumerlebnis sich ins Gedächtnis prägt und der Süchtige lebenslang erfolglos nach diesem unvergesslichen Genuss sucht. Das passierte mir auf meiner ersten Haschischtour nach Maastricht. Ich landete auf einem großen Parkplatz an der Maas und dort in der berüchtigten Touristenfalle „Mississippi“, einem Coffeeshop-Schiff. Diverse Cannabis-Spezialitäten wurden direkt im Laden in bereitstehenden Bongs verkostet. Völlig zugeraucht wankten wir dann durch das hübsche limburgische Städtchen, bis der erste sich wieder fahrtüchtig fühlte. Beim ziellosen Schlendern gerieten wir in einer schäbigen Seitenstraße in eine noch schäbigere Frituur, also eine Pommesbude. Dort erwischte mich die unheilbare Sucht in Form von Vlaamse Frites Spezial, unschlagbar leckeren Pommes rot-weiß mit gehackten rohen Zwiebeln, serviert in einer Papiertüte. Seit dem suche ich nach einer Wiederholung dieses Geschmackserlebnisses.

drei Kilo Rinderfett

Drei Kilo Rinderfett, wie sie der Metzger ins Hackfleisch mischt, aber so pur selten zum Vrkauf anbietet.

Einmal glaubte ich, das Geheimnis läge im Rinderfett, in dem wohl Belgier und Engländer ihre Kartoffeln frittieren. Aber Rinderfett ist in Deutschland nicht so leicht aufzutreiben. Im Internet entdeckte ich einen einzigen Versand, das war es mir aber doch nicht wert. Doch dann erwischte ich mal den Metzger in unserem türkischen Supermarkt, wie er eine mächtige Tierkeule schälte. Ich fragte ihn nach Rinderfett und er legte einen 10-Kilo-Beutel auf den Tresen. Ich kaufte drei Kilo und machte mich ans auslassen.

Die Ausbeute war reichlich, appetitlich und lies sich portionsweise einfrieren.

Die Ausbeute war reichlich, appetitlich und lies sich portionsweise einfrieren.

Darüber wiederum kursieren wilde Gerüchte im deutschsprachigen Internet: Man müsse das Material schonend raffinieren, überdies stinke es fürchterlich. Das fand ich recht unbefriedigend und drehte einfach den Herd auf, genauso wie Vater zu Weihnachten Schmalz aus Gänseflaum machte. Der deutliche Stallgeruch wurde in unserem frittierfreundlichen Haushalt als durchaus angenehm empfunden. Nach zwei Stunden waren 2 Liter goldenes Rinderfett im Topf, dazu eine riesige Portion knuspriger Grieben.

fertig knusprig lecker

Ein Kindheitstraum von frischen Pommes. Der Engländer würde sie Chips nennen und mit Essig servieren.

Für die Pommes wurden dann Ackergold mehligkochend vom EDEKA zwei Mal frittiert. Das Ergebnis war knusprig, golden und sehr lecker. Bei der dritten Portion im selben Fett stellte sich auch so etwas wie ein leichtes Fleischaroma ein. Der Geschmack war aber nicht so überwältigend besser, dass ich mir jetzt immer die Mühe des Selber-Fettens machen werde. Positiv überrascht war ich dagegen von den Ackergold-Kartoffeln. AW

Die Grieben verfeinerten einen gedünsteten Chinakohl aufs allerköstlichste. Mit Knoblauch und Chili zu frischem Reis beruhigt dieses einfache Gericht den Magen, wenn man zu viel Fett gegessen hat.