Heroinsucht und Substitution – Ein Erfahrungsbericht

Abhängig

Ich bin seit gut 38 Jahren Heroinabhängig. Eigentlich polytox mit einer Vorliebe für Opiate und Opioide.

Ich habe vielleicht 13 stationäre Entgiftungen hinter mir, die erste war 1989. Warmen Entzug, wie heutzutage, gab es noch nicht. Ich wurde kurzerhand in die geschlossene Abteilung der Psychiatrie in Hamburg Ochsenzoll gesperrt. Da ich wegen eines Selbstmordversuchs eingewiesen war, musste ich dort auch die ersten Tage bleiben. Als Medis gab es abends ein Aponal – also nichts – und sieh zu, wo du bleibst.

Ich hing mit einem entsetzlichen Affen zwischen den Hardcore-Irren. Das hielt ich keine zwei Tage aus. Der richterliche Beschluss galt 72 Stunden, danach verließ ich die Klinik baldmöglichst.

Auch etliche ambulante Therapien und sechs Langzeit-Rehas machte ich. Damals genehmigte die Rentenversicherung sofort 18 Monate, plus eventuelle Verlängerung. Die lange Zeit aber machte mir damals eine Heidenangst. In den späten 80ern war eine Drogen-Rehabilitations-Einrichtung nicht wie ein normales Krankenhaus. Da tendieren die Vibes eher Richtung Straflager oder Gefängnis.

ABER… heute weiß ich, es dauert mindestens so lange, wenn nicht länger, damit Süchtige überhaupt eine klitzekleine Chance auf ein Leben ohne Suchtstoffe haben.

Ich würde mehrfach abhängigen Menschen zu einer Genesungszeit von mindestens 3 Jahren raten – Dazu Nachsorge, weitere ambulante Hilfen und Selbsthilfegruppen.

Rattenrennen

Nichts schien dauerhaft zu helfen. Immer wurde ich wieder rückfällig, bis ich 1992 das erste Mal mit L-Polamidon (Handelsname für monochirales Levomethadon) substituiert wurde.

Das war ein Break für mich

Endlich nicht mehr den ganzen Tag auf Achse sein, Geld und Stoff beschaffen. Ich hatte auf einmal wieder jede Menge freier Zeit und erholte mich zunächst hervorragend.

Ich war zwar abhängig vom Goodwill der Ärzte und Apotheker, aber dies erschien mir das kleinere Übel. Dann begann ich, die gelegentlichen Urinkontrollen zu umschiffen, indem ich mehr Koke machte. Damals suchten die Tests nicht, wie heute, nach allen Drogen, bei Opiat-Abhängigen wurde nicht immer auch automatisch nach Kokain geschaut.

Nach einer Weile bemerkte ich allerdings diverse Nebenwirkungen des Polas:

Ich bekam Fressattacken und legte deutlich an Gewicht zu. Bei meiner Körperstatur konnten ein paar Kilo nicht schaden, aber wenn jemand von Haus aus etwas übergewichtig ist, würde ich nicht zu Pola und auch nicht zu Meta raten, sondern zu Subotex.

Das hat aber auch seine Nachteile: Subutex oder auch das wenig beliebte Suboxone, schmecken ekelhaft nach Zitrone und enthalten neben dem Buprenorphin auch noch Naloxon, nämlich 2mg auf 8 mg. Buprenorphin in der Tablette.

Naloxon hat aber die Eigenschaft an die hochsensiblen Opiat-Rezeptoren anzudocken – In mir steigt grade ein Gefühl von Wärme auf – und damit praktisch den Eingang meiner Höhle zu verstopfen, so dass ein zufällig vorbeikommendes Opiat-Molekül nicht hinein kann. Und wer will das schon …als Herophil…er. Dieses Medikament ist deshalb bei Ärzten sehr beliebt, da es zu weniger Beikonsum kommt. Aber Süchtige hassen es und nehmen es nur als allerletzte Möglichkeit. Außerdem besteht generell bei Buprenorphin das Problem, dass man dann so viel nehmen muss, dass der ohnehin schon sehr schmale Pfad auf dem Junkies täglich wandeln, nun zu einem Tanz auf der Rasierklinge, geworden ist. (Anm. d. Red: Gemeint ist Heroin, von dem unter Buprenorphin in der Hoffnung auf Wirkung sehr viel genommen wird. Anschaulich dargestellt findet sich die Problematik bei Glumm)

Vergessen habe ich noch meine allererste, „illegale“ Substitution, Als es noch kein Methadon oder Polamidon oder andere hochwirksame Opioide auf dem öffentlichen Schwarzmarkt gab. Für Junkies tiefstes Mittelalter. Deshalb behalfen wir uns mit „Remidacen“ oder auch kurz „Remmis„. Später gab es dann auch offiziell, durch Ärzte abgesegnete Substitutionen mit 60er oder 90er Codein-Saft.

Da bist du dann mit deinen 2 Litern Codeinsaft über die Scene getorkelt. Ich glaube, das war mein schlimmster Entzug. Und ich habe schon von praktisch jeder Substanz entgiftet, auch Diazephine, Pola und Meta. Aber Codein tat richtig weh… Schon bei dem Gedanken daran… wird mir ganz anders und ich bekomme einen ekelhaften Geschmack im Mund. Und wie Codein gejuckt hat…fürchterlich…. du hast dich echt tot gekratzt…schlimmer noch als bei Schore .

Bei Meta und Pola kommt noch unangenehm starkes Schwitzen schon bei der geringsten Bewegung dazu. Der Entzug ist fast genauso schlimm wie bei Kodein und viel, viel heftiger als bei Schore. Subotex kann man – wenn man Ahnung hat – fast total schmerzfrei entgiften…

Nach allen Entzügen, Therapien, Übergangseinrichtungen, betreutem Wohnen und auch betreutem Einzelwohnen in eigener Wohnung, Psychiatrien und Gefängnissen sitze ich heute vor dem PC und schreibe diesen Bericht.

Schattenbruder

Ich bin nicht tot

Wie fast alle meine alten Kumpels. Ich erfreue mich eines schlanken und durchtrainierten Körpers, habe keinerlei Einschränkungen….im Gegenteil…Ich bin in Freiheit, ich habe studiert und gute Arbeit in der Jugendhilfe gemacht, ich habe einen Sohn, der zu einer richtig netten Person herangewachsen ist.

Eigentlich dürfte ich nicht klagen, aber ich bin immer noch opiatabhängig bzw. polytox. Auf Dauer clean bleiben gelang mir nicht, trotz aller Versuche. Ich bin nicht Willensschwach und halte so einiges aus… nur nicht meinen Kopf.

Mein Plan ist, diese Woche zum Arzt gehen und mich wieder mit Subutex substituieren lassen – man bemerke den Passiv…???. Natürlich gefällt es mir überhaupt nicht, wieder abhängig von Weißkitteln zu sein. Andererseits sind die auch nicht schlimmer als die Dealer… eher besser…

Ich sehe es so, als ob ich eine beliebige Erkrankung habe und fortan eben täglich Medikamente nehmen muss.

Ich brauche Ruhe

Mein Leben ist nur noch ein Scherbenhaufen… Es wird Zeit, aufzuräumen… dazu benötige ich endlich Abstand von all den abgrundtief schlechten Menschen um mich. Deshalb will ich so schnell als möglich back on the Road… kommt drauf an, was wir musikalisch hinbekommen.

Also nutze ich die Substitution und gebe diesen Kampf auf. Ok, ich bin Opiat-Abhängig! Ich werde es immer bleiben. Damit habe ich mich abgefunden.

Völlig am Ende, in Spanien, irgendwo in den Pyrenäen oben auf dem Berg im Zelt, notierte ich die erste Lektion des Weges: auf dem welligen Papier steht verschmiert das Wort „DEMUT“. DEMUT…ist, was ich lernen soll.

Ich habe erkannt, wie schwach ich beim Laufen war… Darüber schreibe ich in meinem eigenen Blog –Jakobsweg ohne Geld. Ich habe vorher gesagt, ich gehe wieder ins Programm, wenn ich es nicht schaffe bis Santiago de Compostella.

Ich hoffe, dieser Bericht über meine Substitutionserfahrung vermittelt ein ungefähres Bild meiner leider – letztendlich erfolglosen – Versuche, seit fast 4 Jahrzehnten ohne das H klarzukommen.

Aber um mich wieder von den vielen kleinen Scheissern um mich zu erholen und mal wieder Luft zum Atmen zu bekommen und keine… oder nur wenig Straftaten zu begehen, muss ich eine Substitution mit Subutex gutheißen. Ich habe dies schon unendlich oft getan und halte es für die allerbeste Art einen Opiat Abhängigen Menschen zu entgiften. Nur leider kommt dann der 4. Tag…es geht mir etwas besser und schwups, muss ich mich belohnen…..HA HA HA ABFUCK..

Ich finde mich jetzt damit ab und nehme es halt ein Leben lang.

Müllmensch

Der Autor, Jakobswegohnegeld, schreibt hier auf WordPress ein eigenes Blog über sein Leben und den täglichen Kampf mit sich und der Welt. Er freut sich über Besuch und Konktaktaufnahme per Kommentar. Die Redaktion bedankt sich ganz herzlich für das entgegengebrachte Vertrauen. Alle Fotos machte AW von Kunstwerken im öffentlichen Raum.

9 Gedanken zu “Heroinsucht und Substitution – Ein Erfahrungsbericht

  1. Hallo würde dir immer gerne antworten wir haben auch eine eigene Seite wir sind neu ca. 55 leute aber davon nur sehr wenige die ernst meinen,wir wollen aus dieser elend welt raus sind genau 411 tage Clean also 3 leute und rest kamen immer nach einander in unsere gruppe haben Selbsthilfe Gruppen gemacht versuchen jetzt Veranstaltungen zu machen und insgesamt 21 Schulen bei den cocher und cocherinen zusammen meine Plan dahin geschickt 2 zusagen kamen aber mein Ziel ist auch wenn ich nur einen einzigen Rette bedeutet für mich so viel das glaubst du nicht ich möchte helfen ehrenamtlich und kein Mutter und Vater soll seine Kinder verlieren und das umgekehrte genauso, deswegen bin ich in diesem Weg ich weiß das für die leute die schon so viele entgiftungen therapien gemacht haben schwer ist aus diesem Sumpf rauszukommen doch alles nützt nichts wenn es im Kopf nicht klickt macht es war bei mir so von einem Tag auf die andere war die Sache für mich erledigt meine Frau hat mit mir alles durchgemacht und mit mir den Weg gegangen unglaublich aber wahr und ich schreibe noch einmal nur wenn der liebe Gott sagt nimm dann würde ich mich hinknien und weinend nehmen und das ist ganz gross stark und mächtig ausser dem Herr kann mich keiner wieder in diesem Sumpf reinstecken ich habe die Aufgabe Menschen zu retten egal wie habe vor einem Monat einen 13 jährigen jungen gesehen wie der am betteln und am Ende war mit 13 traurig und diesen jungen will ich retten der hat aber angst doch ich verstehe den heim und Mama papa weg das ist traurig Mfg

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      • Hallo erst einmal egal ob ich komma oder punkt vergesse aber jeder hat es verstanden das ist das wichtigste also anstand ein grossen problem gemeinsam lösen ist viel besser als zu schreiben Rechtschreibfehler ich habe 2 Bücher geschrieben und selbstverständlich mit Hilfe von erfahrenen Personen die mir das grammatik korrigieren und von diese Geld was wir machen werden kommt alles in Hilfe bedürftige Personen jeder Tag ohne Heroin ist das schönste was es gibt ich bin mittlerweile top fit wir reden mit jungen Leuten und gehen zur Schulen und helfen jeden wo wir können wir sind sehr weit gekommen und wenn du schon so viel weisst wieso hörst du nicht auf damit du bist nicht dumm den alleine wie du schreiben tust und Erfahrungen du hast, ist echt respektvoll absolut glaube an dich und vergesse andere menschen zu manipulieren und schreib hier das du das geschafft hast und du das leben genießt das würde mich echt Freude machen den so schlimm ist es nicht alles ist kopf Sache und wie stark du bist ohne dich zu kennen weiss ich das du das schaffst den wer so viel erfahrung hat uns so viel schreiben tut ist sehr klug du willst es nicht…. Schade eigentlich du könntest durch dein Wissen sehr viele danit helfen Mfg dreamwork herz mit zwei Hände in Facebook und 015216258172 tel. Nr und whts app und etc an alle noch lg

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