Brewbaker – Mein Lieblingsnachbar ist ne Brauerei

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Glück ist, wenn man an heißem Augusttag für eine Reportage eine Brauerei besichtigen muss.

Kürzlich besuchte ich die Brauerei Brewbaker. Diese liegt nur ein paar Straßen von meiner Wohnung entfernt in der Sickingenstraße in Moabit. Nach dem ich nun etliche Jahre deren Biere besonders gern trinke, habe ich nämlich endlich herausgefunden, dass sie direkt in der Brauerei ihr Bier verkaufen und auch Führungen anbieten. Ich las und tat und muss deshalb gleich zu Anfang eine Richtigstellung veröffentlichen über alles, was ich bisher zu Brewbaker-Bier schrieb:

Denn frisch aus dem Kühlraum der Brauerei schmeckt das alles mindestens doppelt so gut wie aus dem Laden und dann bei mir zu Hause schlecht gelagert. Alles was ich bisher über das Bier gesagt habe, war also falsch und quasi gelogen. Das frische Bier bringt mich dann dazu, es so schnell wegzutrinken, dass ich gar keine Zeit habe, irgendwelche Geschmäcker zu unterscheiden. Und eigentlich will ich sofort noch eins trinken und gar nichts darüber schreiben. Außerdem hat das der liebe Bloggerkollege schlimmerdurst neulich viel, viel besser gemacht. Wer also eine vernünftige gustatorische Rezension lesen will, schau sich diesen schönen – übrigens von mir initiierten Bericht über drei Brewbaker-Biere an.

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Michael Schwab engagiert sich für gutes Bier

Der Braumeister, Chef und Gründer, Michael Schwab machte die Brauereiführung. Groß zu führen gibt es allerdings nichts. Der Betrieb liegt in einer kleinen Lagerhalle, das Gebäude teilt er sich passend mit einem Getränkehandel. In der einen Hälfte stehen sechs oder sieben Edelstahlkessel, viel Platz nimmt das Flaschenlager ein. Und wenn grad kein Brautag ist, steht das Bier halt in einem der Kessel herum und möchte dabei gerne in Ruhe gelassen werden. Natürlich gibt es unangenehme Alltagsdinge zu erledigen. Zum Beispiel Kessel reinigen oder verschlissene Kleinteile austauschen. Solche Details wurden mir zum Glück erspart, stattdessen setzte sich der Chef bei einem lecker Bierchen an den Tisch vor der Bürobox und erzählte aus dem Brauer-Nähkästchen. Dabei präsentiert er sich freundlich und zurückhaltend, extrem selbstkritisch, was seine Arbeit betrifft und sehr engagiert wenn es um korrekte Etikettierung und Herkunftsbezeichnungen von Bier geht. Damit ist er natürlich der personifizierte Marketing-Albtraum, der tatsächlich die Überzeugung lebt, nur mit guten Produkten allein am Markt zu bestehen. Wenn Schwab dann noch sagt, dass er absolut nicht der Typ dafür ist, mit Banken über Investitionskredite zu verhandeln, mach ich mir langsam Sorgen um meinen Biernachschub. Aber um genau das Bier zu machen, das seinen eigenen Ansprüchen genügt, hat er die Anstrengungen auf sich genommen, einen eigenen Betrieb zu gründen und zu führen. Und das läuft nun seit 12 Jahren und ist von der Wirtshausbrauerei zum sechs Mann starken Unternehmen gewachsen.

Mit seinen englischen Ales liegt Brewbaker voll im Trend, dabei hat er überhaupt keine Lust auf irgendwelchen Craftbeer-Hype. Andererseits ist er für experimentelles Brauen extrem aufgeschlossen, er sprudelt über vor Ideen für neue Rezepte. Da hilft er auch gerne, er möchte am liebsten sofort alles stehen und liegen lassen und begeisterten Laien helfen, in der Garage ihre Heimbrauanlage einzurichten. Oder er vermietet seine Kessel und steht dann zahlenden Braugästen mit Rat und Tat zu Seite. Ein wenig enttäuscht es ihn nur, wenn so ein Zögling direkt mit dem ersten Sud zu Festivals und Szeneläden fährt und mit buntem Etikett und großer Kampagne unausgereifte Produkte vermarktet. Man glaubt Schwab, dass er niemandem geschäftliche Erfolge neidet. Jeder kann und soll gutes Bier herstellen, sein Herz schlägt für die kreativen Heimbrauer. Als Profi aber – und das ist der studierte Brautechniker – erwartet er von Mitbewerbern, dass sie ihre hochwertigen Produkte in gleichbleibender Qualität und in ausreichender Menge produzieren können. Wenn das nicht klappt, ist der Perfektionist nicht zufrieden. Nicht mit anderer Leute Bieren und nicht mit seinen eigenen. So blickt er fast wehmütig eine Flasche aus meinem Einkauf an und sinniert über einen unerwünschten Oxidationston, den dieser Sud leider abgekriegt hatte, Schuld war ein Luftblase , welche sich aus Unachtsamkeit in den Prozess geschlichen hatte. Das näher zu beschreiben, übersteigt allerdings meine Fähigkeiten, denn mir hat das betreffende „Berliner Art“ zu Hause dann mal wieder ganz hervorragend geschmeckt.

Dringende Empfehlung der Redaktion: Wer in Moabit unter der Woche tagsüber Lust auf bestes Bier hat, soll unbedingt bei Brewbaker vorbeischauen. Ansonsten stehen auf der Website Adressen, wo man Brewbaker kaufen und trinken kann.

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Eine Brauerei besteht eigentlich nur aus Kochtöpfen. Die sind halt aber ziemlich groß, haben mehr Fläche zum Saubermachen und viele Kleinteile oben und unten und vorne und hinten sowieso. 

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Light-Trip

Zum schönen Maifeiertage hat sich unsere elektrochemische Expertin auf eine psychonautische Reise begeben und die Substanz 2C-D getestet. Das scheint ein schönes Phenyethylamin zu sein, welches wohl auch durch das Betäubungsmittelrecht vom Research Chemical zum echten, gelisteten Rauschmittel geadelt wurde. Und weil ich mit dem wöchentlichen Beitrag eh‘ grad ein bißchen in Verzug bin, wird einfach Libras Reisebericht so rebloggt, wie er heute auf „Progressofself“ erschienen ist. Viel Vergnügen also bei Libras Sofasurfing in den Weiten des Internets:

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Auf der Suche nach einem partytauglichen Psychedelikum, dessen Wirkung einen nicht dermaßen umhaut, dass man danach 2 Tage Regeneration benötigt, informierte ich mich vor ein paar Wochen über Phenylethylamine, genauer gesagt 2C-B und andere Mitglieder der 2C-Familie. Speziell die B-Variante soll hauptsächlich euphorisierend und optisch wirksam sein, einen starken Mindtrip bekommt man wohl erst bei höheren Dosierungen.
Das Problem: es ist mittlerweile sehr schwer zu bekommen.

Weitere Recherchen brachten mich schließlich zum leichter zu beschaffenden 2C-D, das in seinem gesamten Wirkspektrum dem bekannteren 2C-B am ähnlichsten sein soll.

Es dauerte nicht allzu lange und die Substanz meiner Begierde fand ihren Weg in meinen Briefkasten. Noch am selben Tag entschloss ich mich des Nächtens, sie zu testen. Das Abwiegen der passenden Dosis bereitete mir etwas Schwierigkeiten, aber schließlich hatte ich ca. 35mg des gelblichen Pulvers in einer Gelatinekapsel geschluckt.

Jetzt hieß es warten.

Nach fast einer Stunde wurde ich langsam…

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Gehichstrn

Weil wir urlauben, übernimmt Libra die Redaktion. Dafür hat sie für uns eine Prise LSD genommen und läßt uns an ihren Gedanken teilhaben. Es gibt Philosophie des Geistes mit einem sinnigen Neologismus.

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Nach 4 Stunden Schlaf beschloss mein Gehirn heute gegen 12:30, dass es jetzt wach sei. Nungut. Eher semi-optimal, doch ein Ausflug auf den Balkon genügte, um das wieder wett zu machen. Die Sonne schien, wie sie noch nie geschienen zu haben scheinte.
(Ich liebe Worte)

Heute also. Heute sollte der Tag sein, an dem der sich langsam zu bewusstem Leben entwickelnde Spülkram in der Küche beseitigt werden würde. Und staubsaugen musste ich ganz dringend. Und Wäsche machen. Und so viel Zeit wie möglich auf dem Balkon verbringen, versteht sich. Vitamin D tanken und so.

Was könnte diesem Tag die richtige Würze verleihen, wenn nicht eine kleine Microdose? Da gäbs bestimmt einige Dinge. Aber ich entschied mich trotzdem für 15µg 1P-LSD. Aus irgendeinem (keinem?) Grund nahm ich zwei Stunden später nochmal 15.

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Extrem interessante Gespräche über Whatsapp mit einem extrem interessanten Menschen aus Wien, nennen wir ihn den Wiener. Der…

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Abwesenheitsmeldung – Redaktionsferien

Asien Schnaps

Wer noch keine schottischen Getreidebrände im Schrank hat, kann auch besten Gewissens zu fernöstlichen Produkten greifen. Die sind mindestens genau so gut, aber leider auch genau so teuer.

Die Drogenpolitik macht mal wieder Urlaub. Wir fahren an einen Ort, wo es nur sehr teure Drogen gibt und werden wohl leider auch über längere Zeit nüchtern bleiben müssen. Da können wir es nicht verantworten, so gänzlich unberauscht weiter regelmäßig exklusive Neuigkeiten zu veröffentlichen. Zwei oder drei Wochen ist hier deshalb erst mal Pause. Falls es, wider erwarten, Leser gibt, die sich tatsächlich nicht für Drogen interessieren, sondern uns nur zur Zerstreuung lesen und auch weiterhin Berichte von anderen Realitäten aus unseren Köpfen konsumieren wollen, sei unser familienfreundliches und drogenfreies Reiseblogprojekt anempfohlen, der Confusionfoodblog. Da geht es auch um Konsum, aber eben völlig ohne Drogen. Ab morgen oder übermorgen wird dort der Reis(e)kocher wieder angeheizt. Ansonsten geht es mit der Drogenpolitik so etwa zu Ostern weiter. Bis dahin wünschen wir unseren Lesern nur angenehmste Rauscherlebnisse und freuen uns, Euch bald wieder unterhalten zu dürfen.

Arabier – eine edler Vogel aus Flandern

ara-im-glasDas Ara Bier bekam ich von Tom, ich berichtete schon, daß die Drogenpolitik einmal mit proBierchen richtiges Bier austauschte. Das Realweltpäckchen enthielt auch diese höchst interessante, belgische Spezialität. Da seit dem auch schon wieder einige Monate ins Land gegangen sind und die Biere immer noch ungeöffnet in meinem Schrank herumstanden, bekam ich langsam ein schlechtes Gewissen. Also öffnete ich eines schönen Abends dann die Flasche mit dem Papagei. Beim Eingießen bildete sich, höchst auffällig, eine enorme Menge Schaum, der einem aber nicht schon aus der Flasche entgegensprudelt, wie das bei manchen belgischen Bieren der Fall ist, sondern als sauberer Zylinder erst im Glas wächst. Die Schaumbildung weist auf starke Aktivität in der Flasche hin und schon bekam ich wieder ein schlechtes Gewissen: Hätte ich die Flasche nicht lieber noch länger nachgären lassen sollen? Es hätte laut Etikett noch mindestens bis Mai liegen können, denn bei den Belgiern ist das MHD mitunter ja eher der Zeitpunkt, ab welchem eine vernünftige Nachreifung beginnt. Aber letztlich sind die Biere ja zum Trinken da. Ich vermute hinter dem Schaumeffekt das refermentierte Bier, das auf dem Etikett als Inhaltstoff ausgewiesen ist. Nach dem sich im Glas die trinkbare Flüssigkeit nun konsolidiert hatte, wollte ich schon wissen, wie es schmeckt. Denn riechen tat es kaum. Beim ersten Schluck breitet sich ein durchaus voller Körper aus, beim zweiten Schluck kommt etwas schärflicher Alkohol durch. Dann herrscht nur noch Bitterkeit, wie von einem sehr trockenen Sekt. Der bunte Vogel auf dem Etikett täuscht, denn er ließ schon an exotische Früchte denken. Das Bier aber ist durchgehend pulvrig herb, wie ein indisches Curry mit viel Kurkuma, aber ohne alle blumigen Aromen. Im flämischen Wikipedia-Artikel steht, die Bitterkeit kommt von der Trockenhopfung. Wenn ich die verwandte, germanische Sprache richtig entziffere, hätte ich mir um die Lagerung keine Sorgen machen müssen, da Arabier nicht nachreift. Auch die Geschichte des Papageienvogels scheint da kurz erklärt, die erschließt sich mir aber mangels Flämischkenntnissen nun aber nicht.

Wenn das Getränk im Glas ein wenig wärmer wird, zeigt sich ein wohlgeformter Körper in einem eleganten, spröden Gewand ohne alle Schnörkel. Ein staubtrockenes, helles Bier, ich vermute, für den herben Geschmack ist auch die Gerste als einziges Getreide verantwortlich, das nicht, wie bei einem Tripel, von Weizen abgerundet wurde. Den beigefügten Zucker setzten wohl die emsigen Hefen komplett um, die mussten ja schließlich die 8 % Alkohol produzieren. Aber anders als manch süffige, dunkle Starkbiere, die zum Schnelltrinken verführen, ist der Ara nicht so ein euphorisches Rauschmittel, sondern eher ein edler, belgischer  Getreidewein, von dem auch nur ein kleines Fläschchen als genußvolle Begleitung für ein deftiges Essen reichen kann.

Das Lob der Lehrerin – Liebster Award von Frau Müller

(Anmerkung der Redaktion: Dieser ungewöhnlich lange Artikel gliedert sich in zwei Teile. Die ersten 672 Wörter sind editorischer Natur, sie enthalten Danksagungen, Lobhudeleien und meine Nominierungen. Danach folgt das Kapitel, wo die Redaktion Frau Müllers Award-Fragen beantwortet. Info zum bequemeren Lesen für Leser, die das eine oder andere gar nicht interessiert.)

Hurra! Die drogenpolitik hat sich wieder einen Liebster-Award erbloggt. Über welchen wir uns ganz besonders freuen. Den Preis erhalten haben wir aus dem Blogspot-Universum von der faszinierenden Frau Müller. Frau Müller ist eine kluge und gutaussehende Lehrererin, die auf den Fotos, die sie von sich Postet, genauso aussieht wie ihr Logo, ein gezeichnetes Portrait mit Schmollmund und Sonnenbrille. Darüber hinaus schreibt sie sehr lesenswerten Unsinn, wie wir das bei der Drogenpolitk schätzen. Und zwar aus ihrem Alltag als Lehrerin. Das Rezept, ein Cooler Lehrer trifft auf grenzdebile Schüler, reicht ja locker für drei Kinofilme. Gute Texte auf dieser Basis scheinen in diesem Land aber immer noch etwas besonderes zu sein. Denn es gibt wohl nur sehr wenig coole Lehrer wie Frau Müller. Und falls doch, bloggen die nicht oder gehen dabei zu Respektvoll mit ihren Schülern um. Außerdem bloggt Frau Müller noch über ihre … wohlgeordneten Beziehungsverhältnisse. Für einen Gesamtüberblick sollte man auch ihre Facebook-Seite abonnieren. Da stehen Bonmots und Anekdoten, denen Frau Müller wohl keinen eigenen Blogartikel widmen wollte, die aber trotzdem lustig sind. Frau Müllers Nominierung kommt ohne lästiges Bild, ohne besondere Regeln und die drogenpolitik ist Mitglied eines besonders exklusiven Kreises von nur zwei Nominierten.

So verfahre ich bei der Weitergabe auch unkonventionell und nominiere hier nur zwei gerngelesene Blogs:

Hopfenmädchen

Schlingsite – Forschungsreisen

Auch überlasse ich es den Nominierten, wie sie mit diesem Preis weiter umgehen. Ich stelle ihnen nämlich überhaupt keine Fragen. Denn ich glaube, alles was Autoren zu ihrem Werk oder zu ihrer Person nicht freiwillig veröffentlichen, hat mich nicht zu interessieren. Darüber hinaus interessiert es mich auch wirklich nicht. In Bezug auf meinen Medienkonsum habe ich da wohl leicht autistische Züge. Ich lasse mich in Geschichten fallen und vergesse die Menschen dahinter. Ich habe ernsthaft Schwierigkeiten, auch berühmte Schauspieler in verschiedenen Filmen wiederzuerkennen. Sie müssen schon extrem markante, starre Gesichter haben, wie etwa Arnold Schwarzenegger. Und auch bei dem muß ich zweimal hinschauen, wenn er kein charakteristisches Maschinengewehr in der Hand hält.  Entweder, ein Text – oder Film – gefällt mir, dann ist es gut so oder es gefällt mir nicht, dann höre ich auf, ihn zu konsumieren. Mir gefallen:

Das Hopfenmädchen schreibt über Bier und präsentiert sich mit der perfekten Mischung aus Humor, Ernsthaftigkeit und Sachverstand als die ideale Person, mit der man gern ein oder zwei oder drei gute Biere trinken geht. Mehr will ich von ihr gar nicht wissen. Sehr neugierig bin ich allerdings auf das in ihrem Blog angekündigte Heimbrauprojekt. Deshalb habe ich einen Wunsch an sie:
Liebes Hopfenmädchen! Wenn Du Deinen ersten köstlichen Gerstensaft selbst hergestellt hast, fasse doch bitte die einzelnen Schritte dahin in einem übersichtlichen Artikel zusammen, daß ich den dann auf der drogenpolitik rebloggen kann. Oder schreib den exklusiv für mich, mit ungefähr folgenden Titel: Wie ein fauler Kiffer beim Sofakissenplattsitzen sein eigenes Spitzenbier reifen lassen kann. Da würde sich die drogenpolitische Redaktion unglaublich freuen.

Schlingsite Forschungsreisen ist ein etwas kryptischer Blog, bei dem sich Nachfragen von selbst verbieten. Man muß das einfach lesen. Die Texte schwojen frei irgendwo in einem Limbus zwischen politischer Satire und ernsthaften Lebensbetrachtungen. Es gibt verschiedene Protagonisten, Frauen und Männer, von deren Leben ein auktorialer Erzähler berichtet. Da gibt es das Personal der virtuellen Partei und immer wieder Jürgen. Durch die intimen Kenntnisse von Jürgens Taxifahrerdasein drängt sich der Verdacht auf, Schlingsite sei ein erfolgreich promovierter Geisteswissenschaftler. Wir wissen, daß wir nichts wissen. Ganz herzlich möchte ich mich vor allem bedanken, weil Schlingsite nicht nur alle meine Artikel liked, sondern sie alle tatsächlich zu lesen scheint. Wie man bei Schlingsite mit diesem Award umgeht, überlasse ich der freigeistigen Kreativität.

Nun aber ans Eingemachte, alle Fragen versuchte ich so ehrlich wie möglich zu beantworten, ohne dabei zuviel von meiner Privatheit preiszugeben:

Frau Müller fragte, Bernadette Botox antwortet für Alice Wunder

1. Warum hast du angefangen zu bloggen?

Ablenkung bei einem Naturwissenschaftsprojekt, das dann kläglich im Sande verlaufen ist. Verarbeitung traumatischer Erlebnisse in einer Print-Redaktion.

2. Wo möchtest du mit deinem Blog hin? Hast du Ziele? Welchen Stellenwert hat dein Blog für dich?

Mindestens einmal die Woche einen Artikel raushauen. Und mit dem Döschen Eßhanf irgendwas sinnvolles anstellen und davon schreiben. Einen Mezcal-Test schreiben und den zusammen mit einer Buchbesprechung in einen Artikel packen. Das liegt schon seit Beginn des Blogs im Entwürfestapel, ist aber auf einem guten Weg. Ein Schluck Mezcal steht seit Samstag im Schnapsschrank.

3. Was würdest du gerne besser machen als Blogger? Gibt es etwas worum du andere Blogger beneidest?

Bessere, authentischere Reportagen, beruhend auf Selbsttests vieler interessanter Substanzen. Ich beneide Frau Müller um ihre … wohlgeordneten Beziehungsverhältnisse.

4. Du musst dich entscheiden: Essen oder Sex? Auf was würdest du eher für den Rest deines Lebens verzichten?

Sex. Essen ist wichtiger. Abgesehen davon, daß man ohne Essen nicht mehr sehr lange Sex machen kann, sollte man mit niemandem ins Bett, mit dem man nicht auch genußvoll Essen kann.

5. Fürs Gucken und Mögen welcher TV-Serie/Show oder welchen Films schämst du dich (ein bisschen)?

Sponge Bob. Nee, da schäm ich mich eigentlich gar nicht für.

6.  Beschreibe deine Schulzeit mit höchstens 10 Worten.

Immer gute Noten ohne Arbeit, ab der 10. bekifft. Lehrerkind.

7.  Hattest du einen Lieblingslehrer (Frau Müller steht NICHT zur Wahl ;-))? Wenn ja, warum war er/sie dein Favorit?

Nein. Ein Deutschlehrer sagte mir mal in der 11. oder 12. auf den Kopf zu, ich sei ein fauler Hund und würde es an der Uni schwer haben. Der war völlig fassungslos, als ich bei ner blöden Barockgedichtbesprechung – so Gryphius oder so – ne Eins aus dem Handgelenk geschüttelt hab, nur weil ich am Vortag zufällig anhand genau diesen Gedichtes das Schema F im Kopf durchgespielt hatte. Da hat der mich wohl näher beobachtet. Diese Art Aufmerksamkeit hat mich schon ein wenig beeindruckt. Da war ich aber schon nicht mehr erreichbar und hatte mir, dank NRW-Wahlsystem, mein Einserabi schon fertig gebastelt.

8.  Was war dein Lieblings- und dein Hassfach? Warum?

Geschichte hat mir Spaß gemacht. Orchestermusik konnte man einfließen lassen. Und Sport habe ich nicht mehr gehasst, seit wir in der Oberstufe kiffen gehen konnten, und für Nichtstören der Engagierten ne Drei kriegten.

9.  Was würden deine Lehrer über deinen heutigen Werdegang sagen?

Schwierig, vor allem weil ich nach abgeschlossenem Geisteswissenschaftsstudium noch nicht mal eine feste Stelle als Taxifahrer habe. Manche wären vielleicht froh, daß ich nicht den bürgerlichen Karriereweg gegangen bin. Aber es fällt mir wirklich schwer, diese Frage zu beantworten, weil neun von zehn meiner Lehrer uralt waren und – ohne ihre Leistung herabzuwürdigen – beim Thema Zukunft und Werdegang scheinbar nur noch die eigene Pensionierung im Kopf hatten.

10.  Dreieck: Eltern – Schule – Kind. Du bist das Kind. Wie stand es mit den Verbindungen in deiner Schulzeit? Waren deine Eltern zu Gast auf jedem Elternabend? Vielleicht sogar Elternsprecher. Zu wem haben deine Lehrer gehalten: zu dir oder zum Lehrer? Wie ging es dir damit?

Lehrerkind. Meine Lehrerinmutter, damals schon lange Hausfrau, hat in der Grundschule mal eine Lehrerin weggemobbt. Dank guter Noten gab es sonst keine Einmischung. Freimachen, wenn der Stundenplan sich nicht in den Familienalltag einfügen will, war hochwillkommen.

11.Klassiker „Endzeit-Szenario“: Du gehörst zu 1000 Menschen, die nach dem Weltuntergang eine neue Zivilisation auf einem entfernten Planeten gründen dürfen. Weil du so genial bist, wirst du in ein Gremium berufen, dass die neue Verfassung für diese Welt erarbeitet. Welche Vorschläge würdest du einbringen?

Ich les grad mal wieder den Machiavelli. Demnach gibt es immer drei verschiedene Schichten. In einem guten Staat müssen deren Interessen ausgeglichen sein. Das monarchische Element, wir würden wohl heute sagen, die Exekutive, darf nicht erblich sein. Am besten muß man die Konkurrenz der herrschenden Familien für ein geschicktes Wahlsystem ausnutzen. Da hilft wohl keine Revolution und erst recht keine Apokalypse gegen, die Adelsfamilien wird es immer geben und es werden immer die selben bleiben. Diese Adeligen – also die Besitzenden, heute wären das die Wirtschaftsbosse und Großaktionäre – müssen ihren Ehrgeiz zum Wohle des Staates ausleben können. Und das arbeitende Volk will in erster Linie in Ruhe gelassen werden. Ideal wäre demnach eine Art rheinischer Karnevalsmonarchie. Der König muß regelmäßig große Feiern und Paraden organisieren, wo der Adel sich entsprechend seiner Hochwohlgeborenheit bejubeln lassen kann. Der Adel muß dabei der Jubelmenge genug Schnaps spendieren und das alles so einrichten, daß vom arbeitenden Volk keiner wegen irgendwelcher Straßensperren abends nicht rechtzeitig zur Sportschau nach Hause kommt. Dann läuft es Rund im Staat.

Bernadette Botox Portrait

Unsere geschätzte Redaktionsassistentin, Bernadette Botox, hat sich heute extra aufgebretzelt, damit sie der bezaubernden Frau Müller wenigstens ein wenig das Wasser reichen kann. Wir haben allerdings nur stilles Wasser in der Redaktion. Wer lieber was mit Kohlensäure will, muß Bier trinken.

1-Propionyl + LSD

Wer von sich behauptet, er sei verrückt, der ist es meistens nicht. Und wenn jemand ziemlich strukturiert, aber fast überschwänglich von psychotischen Episoden schreibt, läßt das eine gehörige Portion Fachwissen vermuten. Eine göttliche Komödie des Geistes führt Leonard auf seinem Mind Comedy Blog auf, welchen ich drogenpolitisch interessierten Lesern wärmstens empfehle. Heute mit dem Reblog eines Artikels, der in dieser Mischung aus Sachlichkeit und Begeisterung eine völlig legal als Research Chemical erhältliche Variante des LSD beschreibt. Das passt mir gut, denn ein Artikel von Libra dazu liegt wahrscheinlich noch eine Weile auf meinem Schreibtisch zur Redaktion. Einziger Wermutstropfen, es fehlt ein Beitragsbild. Ich empfehle daher interessierten Lesern, die empfohlene Substanz 1-P-LSD sogleich selbst auszuprobieren, sodann ein Bild zu malen und es uns zur Begutachtung zukommen zu lassen. Dem Gewinner wird ein Artikel gewidmet.

Mind Comedy: Blog

1-Propionyl, eine Propionyl-Gruppe in Eheschließung mit LSD. 1P-LSD. Die wertvollste RC die mir je begegnete.

Vorwort:

Wir steigen ein in eine neue Thematik der Partial-Synthetika: LSD (25) ist uns allen bekannt, die verrückten Hippies haben das damals doch immer genommen, stimmts? Nungut, mag sein. Dann gibt es in der Moderne sogar Leute die sagen Chemie nehmen ginge garnicht, sie würden nur Natürliche Substanzen einnehmen. LSD ist ein Psychedelikum, genauso wie Psilocyn. Psilocyn ist Chemie, LSD ist Chemie. Schade Schokolade! Wir trauern alle stets um die Illegalisierung des LSD (25) und sehen kaum einen anderen Lichtblick als das verräterische „Darknet“. Lasst euch bescheißen liebe Kinder, lasst euch bescheißen. 1P-LSD könnte die Dunkelheit des Darknets erhellen und vergessen lassen… Gutes Koks ist leider immernoch auf’s Deepweb angewiesen, dieser Satz lässt mich schmunzeln.

Einstieg in die Thematik:

LSD (25) wird aus Lysergsäure hergestellt, welche tatsächlich kompliziert zu isolieren ist, wenn man sein eigenes…

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Der Blogger Glumm schreibt richtig klasse – ich wünschte, ich wär halb so gut

Das ist ja auch nicht ungefährlich, die Arbeit am Marihuanastrauch. Ein Freund von mir ist mal im Sommer mit nacktem Oberkörper in die reifen Fruchtstände gefallen, das sah nicht gut aus. Das sah krebsrot aus. Das war schlimmer als Feuer. Das war eine schwere allergische Reaktion. Von da an juckte und brannte sein Bauch, der Rücken, die Arme, sein ganzer Oberkörper leuchtete wie ein Hummer. Er wäre fast verrückt geworden, konnte aber schlecht zum Hautarzt gehen, tu mal ne Salbe rüber gegen Marihuanablütenverbrennung.
Ich mein nur.
Kommentar Glumm zu „Polen können’s besser

Mit meinem alten Kumpel Karlos pflegte ich rituell Haschisch-Tee zu trinken. Das waren besondere Erlebnisse, weil die langanhaltende Wirkung eines guten Tees mit dem Abbrennen eines Joints wenig gemein hat. Es ist eher eine Art Trip. Einmal sind wir zufällig in Remscheid in einer Sporthalle gelandet, voll auf Tee, es war Nachmittag, Roter Libanese, ich schätze 1985. Das Rollhockey-Bundesliga-Team hatte gerade Training. Wir setzten uns auf die Tribüne und verloren uns im Sound des Spielballs. Die kleine, schwarze, harte Pille sauste durch die Halle wie ein Sektkorken und klackerte uns um die Ohren dass wir dachten, die wollen uns kaputtklackern. Wir waren nie wieder irgendwo so schnell draußen.
Kommentar Glumm zu „Haschisch Essen

Diese beiden kurzen Erzählungen kommentierte der literarische Blogger Andreas Glumm unter Artikeln von mir. Da bin ich sehr stolz drauf. Einmal, weil jemand, den ich und viele andere gern lesen, meine Artikel bemerkt. Und dann, weil da ein paar Splitter eines schönes Werkes meinen Blog zieren. Denn in diesen aus dem Handgelenk getippten Kommentaren entfalten sich kleine Geschichten, die Glumms erzählerische Fähigkeiten belegen. Es ist klar, daß ich mit diesem Artikel Andreas Glumm nicht irgendwelche neue Leserschaft bescheren kann. Ich gehe mal davon aus, daß so ziemlich jeder, der anspruchsvolle Blogs liest, den Glumm kennt. Vielmehr ist das ein ziemlicher offensichtlicher Versuch des Clickbaitings meinerseits. Wenn ich seinen Namen in der Überschrift erwähne, kann ich hoffen, vielleicht den einen oder anderen Interessenten auf meine Seite zu ziehen. Aber auch inhaltlich gehört ein Glumm in der drogenpolitk erwähnt, weil seine mehrjährige, hauptamtliche Beschäftigung mit Opiaten einen nicht unwesentlichen Teil seines Werkes ausmacht. Und dann versuche ich natürlich in so einer Laudatio herauszufinden, was es ist, das gute Schreiben.

 Bei Glumm ist es eine scheinbar ideal große Portion Selbstvertrauen, gespeist von einer scharfen Beobachtungsgabe und Empathie. Er hat keine Probleme sich selbst in einer Geschichte die Hauptrolle zu geben. Gleichzeitig sind die anderen Rollen handwerklich fein und liebevoll ausgeschrieben. Und er gibt freiwillig Raum, wenn ein noch größerer Selbstdarsteller auftritt. Ein narzistischer Stolz auf die eigene Menschenliebe, könnte eine glummsche Formel für gehaltvolles Schreiben lauten.

Neben dem Unterhaltungswert ist auch die Form seiner Veröffentlichungen hochinteressant und Lehrreich. Denn er meint es richtig ernst mit dem Schreiben. In seinen beiden Publikationen, 500 Beine und dem Studio Glumm – locker machen für die Hölle begegnen dem aufmerksamen Leser immer wieder die selben Figuren, Situationen und Motive, die aber kontinuierlich bearbeitet, umgeschmiedet und verbessert werden. Und genau das liebe ich am Bloglesen so, daß man mitunter einem Künstler bei der Arbeit zusehen kann. Es wird im Schaffen öffentlich, was früher vielleicht zufällig als Zettelsammlung in einem Nachlaß gefunden wurde.

Brennend interessiert schließlich der Unterschied zwischen gutem und wirtschaftlich erfolgreichem Schreiben. Auch da weiß Glumm überaus unterhaltsame Antworten. Regelmäßig nämlich kommen Menschen auf ihn zu, die ihm bereitwillig die Hand entgegenstrecken um ihn in den Olymp der Berufsschriftsteller zu hieven. Doch anstatt diese Hände zu ergreifen, verfaßt er lieber lebensechte, skurrile Berichte über diese Begegnungen. Ein jüngstes Glanzstück seiner Prosa ist etwa, wie er mal einen Literaturpreis gewann und die 2000 Mark Preisgeld konsequent schnellstmöglich versoff.
Man möchte beim nächsten Heimatbesuch einen Abstecher machen Richtung Solingen, sich einreihen in die lange Schlange der Mahner und Bessermeiner und dem Glumm ein paar Nackenschläge verpassen, daß er doch den Verlagsfritzen wenigstens ein bißchen entgegenkommen möge, einfach weil er es so gut könnte. Und dann wird man nach Hause fahren und gespannt warten, was für eine unverkäufliche, aber brillante Anekdote über diese Begegnung der große Glumm völlig kostenfrei zu unser aller Vergnügen in die Blogosphäre postet.

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Das offizielle Pressefoto, freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Studio Glumm, zeigt den Künstler in seiner natürlichen Umgebung. Der Bergische Heimatschriftsteller ist inzwischen alt genug für mindestens zwei eigene Blogs und Besuche beim Kardiologen seines Vertrauens.

Drogisten

Abhängigkeit aus der Sicht ehrenamtlicher Helfer. Passend zur Weihnachtszeit ein beeindruckendes Zeugnis selbstloser Mitmenschlichkeit. Danke Dir Iris fürs Tun und Aufschreiben.

Durantis en blogue

Neben Gästen, Volontären und Urlaubern gibt es noch eine weitere Gruppe von Menschen, die ab und an unser Leben auf dem Hof teilt.
Für mich nenne ich sie Drogisten.

Das ist keineswegs despektierlich gemeint: „Drogist“ war während meines Studiums eine spaßhaft gedachte Bezeichnung für diejenigen von uns, die regelmäßig Drogen konsumierten, die „sich auskannten“.
Die Menschen, die die Drogenklinik in Alès zu uns vermittelt, kennen sich sehr viel besser aus, als gut für sie war und konsumieren wollen sie nie wieder.
Aber einen Namen brauchen sie. „Drogenabhängige“ geht mir quer, weil es den Menschen auf seine Abhängigkeit reduziert. „Drogenabhängiger Mensch“ ist zwar politisch korrekt aber ewigst umständlich und „Drogi“ kann ich erst recht nicht leiden: Nichts, aber auch gar nichts im Leben dieser Menschen scheint mir eine Verniedlichung zu rechtfertigen! „Drogist“ mag doof sein – für mich ist es neutral.
Und um diesen neutralen Standpunkt kämpfe ich zur Zeit…

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Zigaretten stopfen

Der Kauf eines Vaporizers zum Hanfverdampfen stürzte mich, ich berichtete, in eine mittelschwere Identitätskrise. Hielt ich mich lange Zeit für den großen Kiffer, mußte ich auf einmal feststellen, daß ich nur ein gewöhnlicher Tabaksüchtiger mit etwas ausgefallenem Geschmack bin. Nach einigen Monaten ohne dieses schädliche Suchtmittel erschüttert mich diese Geschichte besonders, welche Katrin Musikhai, die unerschrockene Korrespondentin aus dem Altenheim berichtete:

Meine Erlebnisse im Altenheim

Rauchen ist nicht nur teuer, sondern auch gesundheitsschädlich und macht sowohl körperlich als auch psychisch abhängig. Das sollten genug Gründe sein, um auf das Rauchen zu verzichten. Heute ist es tatsächlich so: die Zahl der Raucher geht zurück. Trotzdem gibt es immer noch Raucher, die „ihre Zigarette“ brauchen.

Herr P. ist einer von ihnen. Damit er sein ganzes Taschengeld, das er Anfang des Monats bekommt, nicht vorzeitig ausgibt und am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig bleibt, werden ihm von der Sozialarbeiterin 15 Zigaretten pro Tag zugeteilt.

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„Ich komme mir vor wie eine Dealerin. Dabei rauche ich selber nicht und halte auch nichts davon!“, Frau Ky. guckt mich ganz unglücklich an. „Aber wir haben das im Team so besprochen. Denn sonst holt er sich Reste aus den Mülleimern“, sie seufzt, „und da weiß man nicht, was er sich da sonst noch so alles fängt.“ Die Zigaretten selber…

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