Fernsehen macht doof – unterirdisch!

Programmdirektor

Programmdirektor eines Fernsehsenders (Abb. ähnlich)

Neulich konnte ich nicht schlafen, länger schon nix zu rauchen im Haus und nach einem Bier keine Lust mehr gehabt. Da foltert mich ein Öffentlich-Rechtlicher mit „Der Untergang“. Mein Gott, Helge Schneider, leider nicht: Adolf Ganz, nee, also der GröFaZ in Farbe. Gruselig. Wo ich hier tippe fällt mir ein traumatisches Erlebnis ein: Mit einer verflossenen Beziehung (nein, die Person ist immer noch sehr nett) verschlug es mich in die Philharmonie. Man spielte modern. Eine Sopranistin kreischte fortwährend „keksakaaaaaaluuuuuu“. Das war ungarisch für Blaubart. Blaubart ist ein beliebter französischer Märchenonkel Frauenmörder in der Literaturgeschichte. Dann erschien Bruno H., nee, also der Österreicher, nein, Schweizer ist der, jetzt hab ich’s: Bruno GANZ. Also der erschien und deklamierte Dinge. Ein nachhaltig verstörender Abend. Beim Untergang jedenfalls lernte ich drei Dinge über uns Deutsche:
1. Ein Opiat-Abhängiger hieß in den 1940er Jahren Morrrphinist.
2. Leute, die nicht trinken, nicht rauchen und kein Fleisch essen, sind die ALLERSCHLIMMSTEN.
3. Nazis, die aussahen wie Alexandra Maria Lara können sooo schlimm nicht gewesen sein.
Ich möchte mich mit einer Giftkapsel erschießen.
AW

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Eiscreme von der Haschwaage

Das EisIn unserer Straße verkauft eine Nachbarin selbstgemachtes Eis. Das ist oft phänomenal lecker und schmeckt haargenau nach dem was draufsteht. Vanille schmeckt nach echter Vanille. Rosmarin schmeckt nach Rosmarin. Obwohl ich finde, Rosmarin gehört auf Schweinebraten. Da bin ich konservativ. Loorber-Eis dagegen war überraschend gut. Jetzt gab’s aber Safran-Orangenblüte. Dazu hing ein langer Text an der Theke, wahrscheinlich über Safran und Orangenblüten. Gelesen hab ich ihn nicht. Nur am Schluss stand dick: 100 Gramm Eis kosten 5 Euro. Ich bin hilflos und verwirrt. Wieviel wiegt eine Kugel Eis? Wird die gewogen? Ja, auf der Digitalwaage. Mit austariertem Becher wiegt eine Kugel 50 g und kostet 2,50. Ein lustiges Ritual. Das Eis schmeckt nach hochwertigem Safran, sandig und cremig gleichzeitig. Wie Orangenblüten schmecken, weiß ich nicht. Hab den Text nicht gelesen. Trotzdem bleib ich bei Vanille. Wenn ich viel Geld ausgeben will, gibt’s Cookies&Cream von Häägen Dazs. Da bin ich konservativ. AW

Begegnung mit Schizophrenie – Das Wolfsmädchen

Augen

Du erkennst sie an den Augen. Eisgrau, klug, kalt. Wach und aufmerksam. Wie ein Wolf. Wie ihr schlanker Hund. Die Rasse legt freundlichen Egoismus an den Tag. Sie hatte ihn perfekt erzogen. Nicht nach Art des devoten Zirkushündchens. Da war ein Band zwischen ihnen, wo andere eine Leine brauchen. Der Hund orientierte sich an ihr und sie gab ihm Sicherheit. Jeder ging seiner Wege, aber wusste, wo der andere war. Sie scherte nicht, was andere erwarteten. Lebte ihren eigenen Rhythmus. Kam und ging wann es ihr passte. Nicht ungeschickt, aber sehr stur. Viele spürten, dass etwas nicht stimmt und hielten Abstand. Auch sie ließ niemanden nah an sich heran. Sie wollte sich alleine durchkämpfen. Ein Mädchen, das keine Beschützer braucht. Die ohne Sattel reitet und große Hunde einschüchtert.

Das Wolfsmädchen erzählt:

Wir hatten früher einen Rottweiler. Einmal wollte er sich mir widersetzen. Er saß auf einem Sessel, was er nicht durfte. Ich befahl ihm, zu gehen, doch er knurrte mich an. Da hab ich eine Pfanne genommen, und ihm eins über den Schädel gegeben. Er schaute richtig verdutzt. Dann trollte er sich und wir kamen von da an prima miteinander aus.

Sie verlor ständig ihr Telefon und war dann eine Weile nicht erreichbar.

Es schien ihr nicht weiter wichtig, sie setzte ihre eigenen Prioritäten. Lange hatte ich nichts mehr von ihr gehört. Eines Abends rief sie mich unerwartet an: Kannst Du mir Geld leihen? Ich brauche 800 Euro für einen Flug nach China. Ich hab hier so ein paar Probleme und muss dringend weg.
Was denn für Probleme? fragte ich
Das wirst Du sehen, wenn sie zu dir kommen.
Eigentlich habe ich für so was kein Geld übrig.
Jetzt knurrte und bellte sie bedrohlich: Sie sind schon unterwegs. Du wirst es noch sehen.

Der Hund

Irgendwann im November

Die Wohnung spärlich beleuchtet. Sie trägt eine merkwürdige Plastiksonnenbrille mit rosa Rahmen. Ein Gespräch kommt nur schleppend in Gang. Sie hält sich wacker. Redet von einer Erkältung. Scheint wenig zu essen. Hat sie kein Geld oder vergisst sie es einfach? Der Hund ist weg. Auf dem Weg nach China abhanden gekommen. Die Reise ohne Visa endete in einem russischen Abschiebegefängnis. Und ab da ist der Hund angeblich getrennt nach Deutschland gereist. Und ward nicht mehr gesehen. Das Thema ist ihr unangenehm. Bald will sie mich wieder loswerden. Ich weiß nicht was ich tun könnte. Ich rede mir ein, ich habe besseres zu tun, als mich um jemanden zu sorgen, der sich nicht helfen lassen will.
Wird hier fortgesetzt
AW

Duvel – weiche Knie im Sitzen

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Schaum wie ein Atompilz, kommt noch besser im originalen, kugelförmigen Glas.

Beeindruckend war mein erstes Duvel. Aus nichtigem Grund wollten wir Nachmittags mal nicht kiffen, sondern in ein nettes Café. Da hatten sie belgische Wochen und es gab Duvel. Nie gehört, trinken wir. Gelb mit bombastischer Blume, schmeckt der erste Schluck bitter wie das ehrlichste Pils. Im zweiten Schluck kommt eine satte, nahrhaft-hefige Fülle dazu, wie ein Weizenbier an einem Sommerabend. Nur ohne Weizengeschmack. Beim gefühlt dritten Schluck ist das Fläschchen leer und ganz schnell ein neues bestellt. Bei der zweiten Flasche werden wir immer fröhlicher. Ich bekomme weiche Knie im Sitzen, ich ahne: beim nächsten Aufstehen sollte ich sehr, sehr vorsichtig sein. Ein Blick auf’s Etikett bestätigt die Ahnung: 8,5 Prozent. Super, Duvel merk ich mir. Wenn’s das gibt, bestell ich eins. Vieleicht zwei. Mehr nicht…

AW

(Null) Toleranz im Görlitzer Park

Manchmal liegt das Glück auf der Straße und wird dann mit Füßen getreten.

Manchmal liegt das Glück auf der Straße und wird dann mit Füßen getreten.

Noch nie habe ich auf der Straße Drogen gekauft. Wer in den 90ern an der niederländischen Grenze aufwuchs, hat das nicht nötig. Aber wenn man in der Nähe ist und n Blog schreibt der Drogenpolitik heißt, muss man zumindest mal vorbeischauen: Im Görlitzer Park, DEM Brennpunkt hitzig-bekiffter Debatten in den Leitmedien. Seit März ist das Schlachtfeld im Drogenkrieg also Null-Toleranz-Zone.

Solange im Hühnerhaus Hühner wohnen, bleibt wohl im Park alles wie es war...

Solange im Hühnerhaus noch 36 Hühner wohnen, bleibt wohl im Park alles wie es war…

Schon auf der Treppe im U-Bahnhof werde ich von der Seite angepfiffen:

Weed-Weed macht es

Der Park ist so trostlos wie er es Vormittags im unterkühlten Berliner Frühling nur sein kann. Keine fröhlich picknickenden Touristen, keine stämmigen Rastas mit fetten Beats und Ganja-Nebelmaschine. Sie alle sind an einem besseren, wärmeren Ort (Bett?). Vereinzelt Anwohner, eine Oma schiebt hastig einen Kinderwagen vorbei, ein junges Pärchen auf einer Bank redet über deprimierende Dinge. Dazwischen jede Menge Jammergestalten, die aussehen als hätte man sie nach einem „Fährenunglück“ in Lampedusa wiederbelebt. Die betreiben alle sehr aufdringliches Marketing, um sich ein kleines Sück Würde in Form von Euro-Scheinen zu erarbeiten.

Görlitzer Park drogenfrei. Eine freie Fläche also mit Drogen...

Görlitzer Park drogenfrei. Eine freie Fläche also mit Drogen…wir Erwachsenen können nur noch wenig Drogen nehmen: Wir erledigen Dinge gern Vormittags. Da aber schlafen alle guten Dealer.

Wer sich strafbar machte und etwas kaufte, würde zu normalem, durchschnittlichen Preis normale, keineswegs unterdurchschnittliche Ware erhalten. Bringt n Tabakbeutel oder Hosentaschen ohne Löcher mit, manche Verkäufer folgen dem neuen Bio-Trend Gemüse ohne Verpackung. Allein, es macht keinen Spaß dort zu kaufen an einem einsamen Vormittag.

Man fühlt sich süchtig und schäbig

Man möchte keine Drogen mehr. Man möchte sofort zu Herrn Ströbele laufen, ihn bitten, einen Platz zu finden für die armen Menschen. Eine leerstehende Schule, eine paar Feldbetten in seiner Kanzlei oder in der Heinrich-Böll-Stiftung vielleicht. Aber die Außenseiter lässt niemand herein. Selbst Arrestzellen der Polizei bleiben ihnen verschlossen in diesem kalten Land. Kann man eigentlich nur bekifft aushalten. AW

Niemand hat die Absicht, Marihuana zu erwerben.

Niemand hat die Absicht, Marihuana zu erwerben.

Trance mit Zauberpilzen – Ein Bericht mit Bildern

SAMSUNG CAMERA PICTURES Angst vor Kontrollverlust hielt mich fest. Einmal aber war keiner da, dem ich meine Angst klagen konnte. Die Angst langweilte sich allein mit mir. Die Gedanken beruhigten sich, der Körper entspannte. Ich saß im Lotossitz ohne Schmerzen. Die Angst, einst ein wilder Mückenschwarm, verwandelte sich in einen sanften seidenen Schleier. Ein ruhiger Gedanke sprach: Wenn von den gesammelten Pilzen einer falsch war, könntest du hier sterben. Da öffnete sich ein Tunnel. Ich betrat einen dunklen Gang, gebaut aus Knochen und Schädeln, die bestanden aus Schatten. SAMSUNG CAMERA PICTURES Der Tunnel führte abwärts, ich fiel und schwebte, glitt sanft hinunter in den Himmel. Dort war Stille, Licht, Heiterkeit. Ich saß auf einer Kugel. Die Kugel war mein Atem. Mein Atem war der laue Hauch, der alles im Himmel bewegte und gleichzeitig in unbewegtem, vollkommenen Gleichgewicht hielt. Ich war allein dort. Ich war – glücklich trifft es nicht, nein: zufrieden, ruhig, friedlich. SAMSUNG CAMERA PICTURES Nachtrag vom 21.05.: Soundtrack zum Trip: „For Musicians Only“ mit Dizzy Gillesby, Stan Getz und Sonny Stitt. Das erste Lied kommt zum Schluss noch mal in ner 15-Minuten-Version. Wenn man das wegen der Pilze vergisst, schickt es extra gruselig…
AW
13.06.2015: Vollständiger Tripbericht seit dieser Woche im Zauberpilzblog zu lesen.

Begegnung mit Schizophrenie – 10 unsichtbare Begleiter

WER MIT SEINEN DÄMONEN STREITET, WIRKT SCHNELL GEHETZT, VERÄNGSTIGT UND ANGESPANNT

WER DAUERND MIT SEINEN DÄMONEN STREITET, WIRKT GEHETZT, VERÄNGSTIGT UND ANGESPANNT.

R war nie alleine. Ständig begleiteten ihn zehn oder zwanzig Kumpane. Die konnten wir anderen nicht sehen, aber spüren. Und deutlich hören, wenn sie mit seiner Stimme redeten. Die waren nicht freundlich zu R. Sie kritisierten, beschimpften und beleidigten ihn.
R ist der Sohn von einem, den ich kannte.
Er trug immer schwarze Kleidung, dazu ein Baseballmütze. Und schwarze Handschuhe mit abgeschnittenen Fingerspitzen. Angeblich tragen amerikanische Obdachlose solche, damit sie besser Dosen sortieren können. Und Madonna, weil man Hautalterung an den Händen nicht weg-botoxen kann.
R fand sich zurecht in seiner Welt. Er pendelte zwischen Vater, Mutter und Krankenhaus, versorgte sich mit Geld, Zuwendung und Medikamenten. Ich weiß nicht was er jetzt tut. Ich hoffe, es geht ihm gut. Im Krankenhaus sagte man seinem Vater, die Prognosen seien schlecht.
An einem besseren Tag besuchte er mich. Wir rauchten Zigaretten und R schnippte die Asche genau neben den Aschenbecher. Ich schob den Aschenbecher ein Stück zur Seite und die Asche landete auf der anderen Seite auf dem Tisch. Es half überhaupt nichts. Ich machte mir eine Weile einen Spaß daraus, den Aschenbecher hin und her zu schieben. R kümmerte das nicht. Die Welt erreichte ihn wie durch Wasser gebrochen: Klar, aber total verschoben.

AW

Das Dopamin-System

Rausch, Abhängigkeit und Gehirn, mal richtig schön verständlich erklärt. (Besser kann’s nur der Teufel in South Park 18/06)

Psychiatrie to go

Als Psychiater kann man nie genug über das Dopamin-System wissen. Es ist in mindestens sechs unabhängigen Bereichen in der Psychiatrie wichtig:

  1. Die neuen Abhängigen interessieren sich kaum noch für die guten alten Drogen wie Heroin oder LSD. Der Trend geht stark zu Amphetaminen, Methamphetamin und Kokain. Diese Substanzen erhöhen die Dopamin Konzentration im synaptischen Spalt. Also muss irgendwas dran sein, an diesem Dopamin.
  2. Es gibt eine Erkrankung, bei der eine zu hohe Dopamin-Konzentration eine Rolle spielt: Die Psychose. Aber im Gegensatz zum Kokain-Rausch ist sie nicht angenehm, obwohl beide Konstellationen, der Kokain-Rausch und die Psychose, scheinbar mit einer erhöhten Dopamin-Konzentration zu tun haben.
  3. Es gibt eine Erkrankung, bei der die Dopamin-Konzentration zu niedrig ist: Der Morbus Parkinson. Er führt zu ausgeprägten Bewegungsstörungen, aber auch zu Depressionen, Störungen der Konzentration, der Motivation und der Fähigkeit, Ziele zu verfolgen.
  4. Eine zweite Erkrankung, die möglicherweise mit einem funktionellen Dopaminmangel einher geht, ist das…

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