Haschisch essen

zerlegtHaschischessen gilt als schwierig, weil es unzuverlässig, überraschend und heftig wirkt. Marokkanische Dealer sagten mir mal, mit Rauchern können man noch reden, Hanfesser aber seien völlig jenseits von allem. Ich wohnte mal neben einem lebensfrohen und aktiven Hanfkeksesser. Über die Probleme eines seiner fünf bis sieben Kinder schrieb ich hier. Ungern und nur vage erinnere ich mich an den Tag, als ich mal 2 Gramm Brösel im Tee verrührte und einen kleinen Auffahrunfall verursachte. Da ich auf die Streifenbeamten einen weit weniger verwirrten Eindruck machte, als der pensionierte Polizist, in dessen Auto ich gekracht war – und es im Übrigen noch keine Meßgeräte für Konsumnachweis gab – kam ich mit den 75 Mark Bußgeld für meine Unaufmerksamkeit davon.

Dabei hätte ich es belassen können. Aber nun praktiziere ich seit gut einem halben Jahr den rauchfreien Hanfkonsum im Vaporizer und das Kraut ist auch nach dem Verdampfen noch hochwirksam. Da wächst also ein kleiner Berg Rösthanf, der essend bestens verwertbar ist. Denn nur erhitzte Hanfprodukte sind wirksam, weil ihr Wirkstoff THC decarboxyliert wurde. Natürliches THC ist dagegen gar nicht wirksam. Hitze aktiviert das THC, je höher die Temperatur, desto schneller. Raucher oder Dampfer interessiert das nicht, denn sie erhitzen das Kraut auf Temperaturen von etwa 180° C elektrisch oder bis zu 900° C in der Zigarette. Da decarboxyliert alles THC und ist sofort wirksam. Bei Temperaturen von 100 bis 150° C, mit denen üblicherweise gekocht und gebacken wird, braucht dieser Zerfallsprozess allerdings eine gute halbe Stunde. Die Unkenntnis dessen erklärt überlieferte und selbsterlebte Überraschung. Pur gegessener Hanf wirkt praktisch gar nicht, kurz erhitzter nur schwach. In einem Kuchen aber, der 45 Minuten und länger backt, zeigen wenige Zehntelgramm beachtliche Effekte. Wer die Dosierung aus Experimenten mit schlecht decarboxyliertem Stoff zum Maßstab nimmt, ist schnell heillos überdosiert. Das klingt erschreckend, ist aber nicht gefährlich. Man fühlt sich, mitunter mehrere Tage lang, als ob man auf dem Sofa einen Serienmarathon mit Joints und Fastfood absolvieren würde. Um die Zeit zu überbrücken, sollte man sich mit Joints, Serienabo und Fastfood auf ein Sofa zurückziehen. Der schlimmste Unfall tritt ein, wenn jemand in Panik Rettungskräfte ruft. Das zieht Behördenärger nach sich und beim Ausnüchtern im Krankenhaus gibt es keine Joints, Netflix und Fastfood.

Es ist übrigens nicht richtig, daß der fettlösliche Wirkstoff THC zwingend in fetthaltigen Speisen verarbeitet werden muß. Fett braucht es nur, um eine gleichmäßige Verteilung im Trägermedium zu erzielen, wie bei der beliebten Hanfbutter. Die Aufnahme im Darm und die Wirkung verbessert eine fettige Lösung jedoch nicht. Es ist völlig egal, ob man aktivierten Hanf pur ißt oder in fettiger Speise. Pures Kraut wirkt sogar schneller, denn gehaltvolle Speisen werden länger verdaut. Allerdings trug die Eigenschaft zum Vergessen und Verbieten des alten Heilkrautes bei, da sich die moderne Medizin im 19. Jahrhundert auf Entwicklung wasserlöslicher, ins Blut injizierbarer Medikamente konzentrierte. Den primitiven Hanf mit seinem sperrigen, fettlöslichen Wirkstoff verlor die Forschung so komplett aus den Augen.

Für eine spürbare Wirkung esse ich knapp 0,2 Gramm erhitztes Hanfkraut, kaum mehr als an einer speichelfeuchten Fingerkuppe kleben bleibt. Die Wirkung beginnt fast genauso schnell wie geraucht oder gedampft. Wenn ich das pur oder mit wenig Beikost, wie Wassermelone oder Reis esse, beginnt die Wirkung praktisch sofort, aber immer subtil. Der „Fahrstuhleffekt“, den ich vom Rauchen liebe, fehlt völlig. Stattdessen baut sich von Innen etwas auf. Nach 60 bis 90 Minuten kommt ein Plateau der Entspannung, die Seele baumelt in einer Hängematte und der blinde Fleck zieht als Schattenwolke durchs Gesichtsfeld. Unangenehm wurde es, als ich einmal spät, nach 5 Uhr Nachmittags, etwa 0,3 g aß. Die Wirkung hielt im Schlaf an, ich wachte mehrmals auf, unangenehm betäubt wie unter Schmerzmitteln. Ich mag nicht mehr gern berauscht schlafen. Die angenehmste Wirkung erzielte der Hanf eingerührt in Rinderbrühe. Man schmeckte ihn nicht mehr, die Wirkung setzte langsamer ein und fühlte sich „weicher“ an, vom schweren Essen ummantelt. Sie dauerte von 15 bis 20 Uhr, nach Abklingen folgte ein sehr erholsamer, traumreicher Schlaf.
Essen fühlt sich irgendwie medizinisch an und ist auch für medizinischen Gebrauch hochinteressant. Man kann tagelange Depotwirkung erzielen. Aber für Freizeitgenuß dauern mir schon meine Kleinstportionen zu lange. Die Wirkung empfinde ich als extrem, grade weil sie subtil ist. Als härtere Droge gelten mir Substanzen, bei denen ich Einnahme und Rausch vergesse, wodurch Urteilskraft und Selbsteinschätzung sich unkontrollierbar verändern. LSD würde ich demnach nicht als hart, sondern als anstrengend bezeichnen. Schnaps oder Kokain – und Hanfspeisen – halte ich wegen ihrer unmerklichen Persönlichkeitsveränderungen für hart. Das kann und will ich nicht in den Alltag einbauen. Ein Hanffrühstück ist toll, wenn ein ganzer Tag mit sicher geplanter Freizeit ansteht, etwa eine Wanderung oder ein Musikfestival. Ich glaube nicht, daß die drogenpolitik ein Foodblog wird. Falls ich Hanfessen doch habitualisieren sollte, werde ich wahrscheinlich nicht mehr schreiben.

Informative Links für Haschischesser und Hanferhitzer:
Drei Methoden zum Decarboxylieren zeigt der Hanfpatient Rüdiger Klos-Neumann in diesem Video, hier zeigt er wie er Cannabisbutter macht.

Dieser Artikel erklärt auf Englisch anschaulich die Hintergründe des Decarboxylierens.

Vaporizer kann man gut bei Verdampftnochmal in Berlin bestellen, in ihrem Blog beschreiben sie die Geräte sehr ausführlich. Natürlich bieten andere Händler Vaporizer zum gleichen Preis an. Ich mag den Laden, weil er in meiner Stadt ist und sich auf Vaporizer spezialisiert hat. Ich habe nie Geld oder Vergünstigungen bekommen. Allerdings hat Verdampftnochmal meinen Vaporizer-Artikel mal auf seiner Facebookseite verlinkt und mir so meinen klickstärksten Monat beschert. Grund genug für einen Hobbyblogger, sich mit kostenloser Werbung zu bedanken.

 

Vagabund Brauerei und Schankraum

gastraum

Ob es nun der oder das Wedding heißt, interessiert so richtig eigentlich niemanden. Und genau wegen dieser Form von Desinteresse fliegt dieser Bezirk der nördlichen Berliner Innenstadt seit Jahren unter dem Radar von Glamour und Gentrification. Es wohnen im Wedding wahrscheinlich einfach zu viele Leute, die wirklich arbeiten. Ein Szenebezirk entsteht ja erst ab einer gewissen kritischen Masse von kulturell aktiven Nichtstuern. Aber grade im gewaltigen Betonmeer grauer Normalität mit ihren bezahlbaren Mieten existieren zahlreiche, äußerlich unscheinbare Partyinseln aus Studentenwohnheimen, Galerien, kleinen Klubs und der vielen Nachbarschaftskneipen. Immerhin hat eine einzelne Berliner Straße mehr Einwohner als manches Dorf. Und jede Nachbarschaft ernährt genau die Kneipen, welche sie verdient.
Eine sehr angenehme Lokalität im Wedding nun ist die Vagabund Brauerei nahe der U-Bahnstation Seestraße. Darauf wies mich freundlicherweise der Blogger eimaeckel hin, dem ich mit diesem Link hoffentlich gebührend dafür danke. Der Schankraum in der Antwerpener Straße befindet sich ebenerdig in einem Ladengeschäft. Ein Durchbruch erlaubt den Blick auf die kleine Brauanlage im Hinterzimmer. Das Einrichtungskonzept würde ich als pragmatisch zusammengestückelt bezeichnen. Halt Wedding, also nicht so plüschig abgeranzt wie Friedrichshain aber lange nicht so hochglänzend durchgestylt wie im nahen Mitte. Kurz, es ist äußerst gemütlich. Beim Eintreten fühlt man sich wie in einer analog-materialisierten Filterblase voller Gesinnungsgenossen. Hier sind hauptberufliche Bart- und Zopfträger unter sich. Ein modisch ergrauter Jugendlicher baut am Laptop gewissenhaft eine Präsentation und schaut dabei mit einem Auge die Simpsons oder eine Video, wo sich Menschen mit einem riesigen Porzellanpenis prügeln. Aber entgegen aller Vorurteile schauen die meisten Gäste gar nicht auf einen Bildschirm, sondern einander richtig in die Augen, während sie multilingual progressive Ideen austauschen. Und nach dem zweiten Bier fühlt es sich wirklich so an, als sei die Welt ein einziges aufgeklärtes Künstlerviertel und der graue Arbeiterbezirk draußen existiere gar nicht. Denn das Bier ist gut und stark. Vier Sorten selbstgebrautes Faßbier von unterschiedlichem Charakter fließen aus den Hähnen. Wir fanden das IPA am besten. Es weckt den Geist mit fast schon stechend scharfen Kräuteraromen, hat dabei eine fruchtige Vollmundigkeit, die mit süß nur sehr unzureichend beschrieben ist. Ein rundum gelungenes Gebräu. Das Pale Ale wirkt dagegen ein wenig wie der schwächere kleine Bruder. Vom äußerst beliebten Pumpkin Ale nahmen wir eine Kostprobe. Ein gewiß gutes Brauerzeugnis, schmeckt ein wenig wie eine gelungene Kreuzung von hausgemachtem Glühwein mit süffigem Bier. Aber für unseren Geschmack doch zu weich und süß. Das Haferbier probierten wir nicht mehr. Zu sehr genossen wir das schöne, amerikanisch-berlinerische IPA: Denn im Gegensatz zu belgischen Delikatessen oder schwerem Bock ist dies mit 7-Komma-nochwas Prozent ein durchaus ernstzunehmendes Starkbier, dabei aber so frisch und spritzig, daß man den Ernst schnell vergisst und gern ein oder zwei mehr als nötig zu sich nimmt.

tresen

Wie hier abgebildet, gingen für jedes helle Ale immer gut zwei dunkle Kürbisbiere über den Tresen. Das helle fand ich trotzdem leckerer, man muß nicht immer mit dem Bierstrom schwimmen. Es mußten ja uch nicht alle Gäste Zopf und Vollbart tragen.

Shed the Monkey! Terence McKenna und „The Archaic Revival“

Zauberpilze sind außerirdische Lebensformen, die per Panspermie auf die Erde kamen und für die Entwicklung von Affen zum Menschen mitverantwortlich sind, sich uns in der Form des UFO metaphorisieren und uns den Weg weisen, wie wir am Ende der Geschichte (nicht der Welt), 2012, den nächsten Schritt zum Überbewusstsein erreichen, mit dem wir uns dann schnell auf den Weg zu den Sternen machen. So, das als Vorabwarnung; wer jetzt noch weiterliest, hat das Recht verwirkt, nachher süffisant zu grinsen. Diesen zugegebenermaßen zunächst etwas wirr anmutenden Gedankengang finden wir in Terence McKennas Buch The Archaic Revival.

McKenna ist eine der wichtigsten Figuren der psychonautischen Bewegung, ein charmanter Philosoph, hypnotischer Redner und mutiger Vorkämpfer eines für viele unbequemen Themas. Heute ist er leider nur noch denen ein Begriff, die sich nicht von der modernen Vorherrschaft der Ordnung, der Rationalität und des persönlichen Gesundheitswahns, also einer Weltsicht, die alles ablehnt, was planbare Wege verlässt, beherrschen lassen wollen. Für uns Psychonauten ist Ethnopharmakologie kein Relikt aus Hippiezeiten, im Gegenteil, sie ist ein Weg für die Zukunft.

McKenna greift in The Archaic Revival, einem seiner wichtigsten Bücher, unglaublich viele Themen auf und setzt sie (zugegebenermaßen hin und wieder etwas gezwungen, manchmal aber auch in unerwarteter, durchaus kluger Weise) in Zusammenhang mit psychedelischen Erfahrungen. Aus aktuellem Anlass finde ich dabei seine Meinung zur Arecibo-Botschaft spannend, nach der eine entsprechend hochstehende Kultur nicht mittels Radiowellen, sondern mittels direkter Telepathie mit uns Kontakt aufnehmen würde, wenn wir bereit dafür sind. Alles andere ist eigentlich eh, schon allein aufgrund der Wartezeiten, zum Scheitern verurteilt. Sind DMT-Visionen solche Versuche der Kontaktaufnahme?

Die Suche nach dem Spirituellen, ein weiteres der wichtigsten Themen McKennas, ist heute für viele aktueller denn je, und in uns irgendwie veranlagt. McKenna, bekennend inspiriert vom buddhistischen Monismus, beklagt den empfundenen Dualismus einerseits, der unsere Seele scheinbar vom Körper trennt, und glaubt, dass wir durch psychoaktive Stoffe diesen Dualismus irgendwann auflösen können und den haarigen Affen in uns ablegen werden.

We are not primarily biological, with mind emerging as a kind of iridescence, a kind of epiphenomenon at the higher levels of organization of biology. We are hyperspatial objects of some sort that cast a shadow into matter. The shadow in matter is our physical organism. (S. 91)

Halluzinogene Stoffe sind laut McKenna das Mittel der Wahl, wenn es um spirituelle Einsichten geht. Ich bin mir sicher, dass der eine oder andere Prophet sicherlich stoned war, als er seine Visionen hatte – doch das anzuerkennen oder sogar nur in Betracht zu ziehen, fällt vielen schwer.

I think there’s a very strong Calvinistic bias against a free lunch. The idea that you could achieve a spiritual insight without suffering, soul-searching, flagellation, and that sort of thing, is abhorrent to people because they believe that the vision of these higher dimensions should be vouchsafed to the good, and probably to them only after death. It is alarming to people to think that they could take a substance like psilocybin or DMT and have these kinds of experiences. (S. 30)

Meine erste Erfahrung mit halluzinogenen Substanzen war im Studentenwohnheim. Ein Komillitone war diesbezüglich recht erfahren, und überredete mich, über die Pizza ein paar getrocknete, übelriechende und noch schlimmer schmeckende Pilze zu streuen. Die Idee dahinter war, einen lustigen Abend zu verbringen. Das wurde es auch, zugegeben – doch für mich war es eine größere Erfahrung, als ich zunächst selbst erkannte. Es war der völlig unerwartete Eintritt in eine andere, neue, höchstfaszinierende Wahrnehmung der Welt. Für McKenna sind Pilztrips auch ganz klar kein Freizeitvergnügen, sondern echte Suche nach der Wahrheit, nach neuen Einsichten, nach einer neuen Stufe des Bewusstseins. Wer nur Spaß haben will, für den ist das „Fleisch der Götter“ nichts.

TM: I think that if you do these things right, they give you plenty to think about. One thing that people do that I’m definitely opposed to is to diddle with it. If you’re not taking so much that going into it you’re afraid you did too much, then you didn’t do enough. Not the way people will take it to go to the movies, go to the beach, this and that. No, I talk about what I call „heroic“ doses and „committed“ doses. And if you only do heroic doses, then every trip will count. (…)
JL: What is a „heroic“ dose of psilocybin?
TM: Five dried grams. Five dried grams will flatten the most resistant ego. (S. 15)

5 Gramm getrocknete psilocybe cubensis sind wirklich eine deftige Menge, und, obwohl es praktisch unmöglich ist, sich an Psilocybin in Pflanzenmasse überzudosieren, haut das wohl jeden völlig aus den Stiefeln, der nicht, wie McKenna, jahrzehntelang experimentiert hat. Nichts für Spieler also, denn die Erfahrung kann den Erfahrenden verändern.

It [Psilocybin] holds the possibility of transforming the entire species [humans] simply by virtue of the information that comes through it. Psilocybin is a source of gnosis, and the voice of gnosis has been silenced in the Western mind for at least a thousand years. (S. 97)

Diese Kommunikation mit der Wahrheit gibt es laut McKenna nur bei Tryptaminen, nicht bei anderen psychotropen Substanzen wie LSD, das McKenna immer als Abklatsch und wenig spirituell im Vergleich sieht. Tatsächlich ist das Konzept des „Anderen“ bei Einnahme von Psilocybin deutlich spürbar, und im Gegensatz zu LSD, das die visuellen Eindrücke hauptsächlich geometrisch darstellt und aus dem eigenen Ego bezieht, fühlt sich ein Pilztrip organischer, fremdartiger an. Ist der Pilz also ein Orakel, das einem Fragen beantworten kann?

I don’t necessarily believe what the mushroom tells me; rather we have a dialogue. It is a very strange person and has many bizarre opinions. (S. 47)

Nun gilt das aber auch für McKenna selbst. Ohne Zweifel ist er ein überzeugter Psychonaut, der in einer unglaublich mitreißenden Weise über sein Thema spricht. Das Problem mit dieser Art der Diskussion ist aber, dass man nur, wenn man selbst zumindest ansatzweise diese Erfahrungen teilt, nachvollziehen kann, worüber er redet – und vor allem, wie er darüber redet. Viele der Ideen McKennas würde man einfach als spinnertes Gelaber eines durchgeknallten Drogensüchtigen abtun, wenn man selbst nicht schon die Dimensionen gesehen hätte, von denen McKenna redet. Sicherlich ist seine Interpretation sehr spekulativ und extrem in jeder Form, doch gleichzeitig betont er immer wieder, dass es das persönliche Erleben ist, das zählt, die direkte Erfahrung. McKenna will eben keine Religion gründen, die auf Weitergabe aus zweiter oder dritter Hand beruht und nur von Priestern geleitet wird. So, wie man McKenna dann halt entweder für einen Spinner hält, oder für einen modernen Erleuchteten, muss man sich auch bei Halluzinogenen entscheiden, wie man ihnen gegenübersteht.

You either love them [hallucinogens] or you hate them, and that’s because they dissolve worldviews. If you like the experience of having your entire ontological structure disappear out from under you – if you think that’s a thrill – you’ll probably love psychedelics. On the other hand, for some people that’s the most horrible thing they can imagine. (S. 160)

Mir persönlich hat McKenna den Weg gewiesen, die Eindrücke, die man auf psychonautischen Reisen sammelt, zu interpretieren und für sich selbst zu nutzen – er ist ein Lehrer im besten Sinne, obwohl er körperlich nicht mehr unter uns weilt. Viele Drogen werden grundsätzlich negativ dargestellt in unserer modernen Gesellschaft, zum Teil gewiss, weil sie, wie eben zitiert, Fragestellungen aufwerfen, die strukturzersetzend wirken könnten, und das wird als gefährlich wahrgenommen. Doch die positiven Effekte dieser natürlichen Hilfsmittel zur Selbsterkenntnis, die es schon viel länger gibt als die Ratio, die wir so hoch schätzen, können einfach nicht unterbewertet werden. Eines der schönsten Zitate McKennas, das seine so weltbefürwortende Einstellung, seinen Humanismus so wunderbar demonstriert, möchte ich ans Ende dieses Artikels stellen. Lassen wir ihn einfach selbst sprechen.

Nature loves courage. You make the commitment and nature will respond to that commitment by removing impossible obstacles. Dream the impossible dream and the world will not grind you under, it will lift you up. This is the trick. This is what all these teachers and philosophers who really counted, who really touched the alchemical gold, this is what they understood. This is the shamanic dance in the waterfall. This is how magic is done. By hurling yourself into the abyss and discovering it’s a feather bed.

Wer mehr über ihn aus erster Hand, aus seinem eigenen Mund, erfahren will, kann sich seine Vorträge hier kostenlos anhören. Er war ein begnadeter, humorvoller Redner, dem man stundenlang lauschen kann. Terence McKenna darf nicht in Vergessenheit geraten, gerade in einer Zeit, die spirituelle Führung nötiger hat denn je.

Reinheitsverbot – Montags in der Brauerei

Liebe Leser der Drogenpolitik!
Vielleicht kennt mich der eine oder andere noch, Bernadette Botox, die emsige Redaktionsassistentin der Drogenpolitik. Heute darf und muss ich als Autorin zu Euch sprechen. Ihr werdet keine Geschichte aus meiner Feder lesen, die würden Euch auch langweilen, denn sie handeln überhaupt nicht von Drogen. Meinen guten Namen präsentiere ich hier der Öffentlichkeit zum Schutz unserer Quelle. Denn eine brisante Enthüllungsgeschichte aus dem Milieu organisierter Drogenhändler wurde uns zugespielt. Mehrmals traf ich persönlich im Internet einen jungen Mann, der per ausbeuterischem Vollzeitarbeitsvertrag an eine professionelle Drogenküche gefesselt ist. Seine traumatischen Erlebnisse in der Horrorbrauerei verarbeitete er im folgenden Szenenspiel. Da er Repressionen zu fürchten hat, müssen wir seinen wirklichen Namen und seine Tarnadressen in Moskau und Hong Kong streng geheim halten.
Eure Bernadette Botox

Im Gärkeller
Es ist Montag. Der Lehrling geht bei Arbeitsbeginn zum Braumeister und wird von ihm in den Gär- und Lagerkeller geschickt. Dieser ist nur dem Namen nach ein „Keller“, denn irgendwie heißt so gut wie jeder Arbeitsbereich in einer Brauerei Irgendwas mit „Keller“. Dieser „Keller“ befindet sich im ersten Stock.

Lehrling (L) : „Morgen.“
Geselle (G) : „Aha.“ Pause. „Das Beste hast du schon verpasst. Aber spindel erst einmal das Bier von gestern.“
L: „Ok.“
Spindeln bedeutet den momentanen Vergärungsgrad eines Bieres zu ermitteln.
G: „Und?“
L: „Öhm.“
G: „Lass mal sehen. Scheiße, der ist viel zu niedrig. Da haben die im Sudhaus wieder geschludert. Die Temperatur und die Hefe haben gepasst…“
L: „Haben die zu wenig Wasser dazugeben?“
G: „Eher zu viel. Hier im Sud-Plan steht aber 13,7 Prozent. Das kann aber gar nicht sein. Die haben bestimmt bloß wieder irgendwas reingeschrieben und nach GEFÜHL gebraut.“
L: „Super. Und jetzt?“
G: „Wie jetzt? Nix. Kann ich auch nichts machen.“
L: „Aber Endvergärungsgrad war doch Alkoholgehalt und so. Und wenn der nicht stimmt…“
G: „Ich schreibe dass dann schon so dass es passt.“
L: „Bekommen wir dann nicht Probleme mit dem Zoll?“
G: „Kommt der mir mit dem Zoll. Das merkt keine alte Sau. PASST SCHON.“
L: „Die berühmten letzten Worte.“
G: „Ich glaube das Bier hier drüben müssen wir spunden. Das heißt auf Druck setzen… Obwohl… Ich weiß nicht… Weißt du, entweder haben wir zu wenig CO2 im Bier, oder der Alkohol-Gehalt ist nicht richtig… Was machen wir?“
L: „Ja keine Ahnung.“
G: „Ach, ich schreibe das schon irgendwie richtig… Setz den Tank auf Druck, das halbe Prozent Alk hin oder her… .“

Das Telefon klingelt.

Geselle: „Ja. Jetzt? Okay.“ Er legt den Hörer auf und sieht den Lehrling an: „Weißt du was SÄUERN ist?“
L: „Mit Säure putzen?“
G: „Weit gefehlt. SÄUERN bedeutet, dass wir Säure in die Hefe schütten.“
Lehrling, ungläubig: „Du verarscht mich…“
G: „Nee, nee, das ist gut für die Hefe. Hefe hat ja eher die Konsistenz von Joghurt. Wir brauchen sie aber ein wenig flüssiger, damit die ordentlich angärt. Deswegen senken wir den PH-Wert mit der Säure. Außerdem bringen wir noch fremde Bakterien und so um. Geh mal da zu dem Kanister, da ist Schwefelsäure drin.“
L: „Jetzt hör aber auf! Wir können doch keine Schwefelsäure in die Hefe schütten! Die kommt doch später ins Bier!“
G: „98 Prozentige Säure um genau zu sein. 100 Milliliter auf einen Hektorliter. Immer zwei Stunden bevor sie in den Sud kommt. Das macht gar nichts, im Gegenteil. Das hilft. Da kommen dann ja knapp 200 Hektoliter Jungbier dazu. Das merkt keine alte Sau.“
L: „Und das Reinheitsgebot?“
G: „Scheiß auf das Reinheitsgebot… Und wenn wir gerade bei dem Thema sind: Das Bier in dem Gärtank da drüben hat auch zu wenig C02, da setze ich jetzt CO2 aus dem Flüssig-Kohlendioxid-Tank drauf, damit es mehr aufnimmt. Darf man auch nicht. Eigentlich darf nur eigenes CO2 vom Bier verwendet werden.“
L: „Machen nur wir so einen Unsinn?“
G: „Das machen ALLE. Woher nehmen wenn nicht stehlen?“

Sie machen ihre Arbeit: Schütten Schwefelsäure in die Hefe. Die pumpen sie zwei Stunden später in den Bier-Sud. Fertig.

G: „So. Bei dem Tank da drüben lassen wir die Peressigsäure drin. Ich meine, die dünne Filmschicht im Tank. Wir spülen diesmal kein Wasser nach. Und dann lassen wir das Bier rein.“
L: „Müssen wir nicht dafür unterschreiben und Proben davon nehmen, wenn wir ein Lebensmittel in einen Tank lassen? Fliegt das nicht auf?“
G: „Müssten wir. Und die Proben fake ich, wofür gibt es denn einen Wassertank? Da nehme ich die Proben raus und schreibe das so, als wäre das aus dem Tank den ich mit Wasser hätte ausspülen sollen. Wenn die Schwefelsäure schon nichts macht, dann macht die Peressigsäure auch nichts. Hauptsache der Tank ist sauber.“
L: „Aha.“

Der Meister kommt rein, sagt: „Oh weh. Das dunkle Bier können wir nicht verwenden. Da ist was schief gegangen.“
G: „Soll ich eins machen?“
M: „Bleibt uns wohl nichts anderes übrig. Nimmst einen Kanister.“
G: „Einen großen oder einen kleinen?“
M: „Mir egal.“

Meister ab.

L: „Wie jetzt? Wie macht man denn dunkles Bier mit nem Kanister?“
G: „Da in dem Kanister ist Farbebier. Das schütten wir jetzt oben in den Lagertrank. Siehst du, so ganz dunkles, öliges Zeug ist das.“
L: „Was ist das?“
G: „Gute Frage. Ich glaube sowas wie Bieröl. Auf jeden Fall schütten wir das jetzt ins helle Bier, schon haben wir ein dunkles.“
L: „Und das klappt?“
G: „Sicher.“

Sie schütten Farbe ins Bier.

Danach steht der Geselle wie ein Gott über seinem gefärbten Bier und sagt: „Weißt du, ich arbeite schon seit 20 Jahren in diesem Beruf. Aber weggeschüttet haben wir noch nie ein Bier. Das dunkle Bier das dem Chef nicht passt, wird schon auch noch seine Verwendung finden. Ganz sicher.
So. Gehst mal rüber in den Filterkeller. Ich geh mal eine smoken.“

Im Filterkeller
Im Filterkeller steht ein großer Schichtenfilter mit angeschlossenem EK-Filter. Der Geselle dort ist unglücklich und hält ein Glas mit Bier gegen das Licht: „Ach…“
L: „Was ist denn los?“
G: „Da ist zu viel Sauerstoff im Bier. Und das ist schlecht. Geschmacklich und wegen der Haltbarkeit und so…“
L: „Was sollten wir denn haben?“
G: „Unter 0,1 Prozent. Wir haben aber 0,34 Prozent…. Außerdem ist es viel zu warm…“
L: „Und was machen wir jetzt?“
G: „Was soll ich schon machen. Ich schreibe dass dann schon so…
L: „…Das es passt. Verstehe.“
G: „Ich muss dann eh noch aus dem Pils und aus dem Export irgendwie ein Märzen machen.“
L: „Wie machen?“
G: „Ach, ich lass da ein wenig was zusammen…. Und schmecke das dann ab.“
L: „Werden die Mengen und Sorten denn nicht kontrolliert die du heute filtrierst?“
G: „Und wer kontrolliert das? Ich schreibe dass dann schon so…“

 

Im Flaschenkeller
Die nächste Station ist der Flaschen-KELLER. Hier werden die Glas-Flaschen in einer 4 Meter hohen und 15 Meter langen Waschmaschine gereinigt und danach wieder befüllt. Es ist laut und heiß. Hier arbeiten zwei Gesellen – und ein Hilfsarbeiter.

L: „Wer ist denn der Hilfsarbeiter?“
G1: „Ach, irgend so ein Kerl vom Amt…  Der automatische Bottle-Inspektor ist vorhin verreckt. Jetzt muss der Typ schauen ob die Flaschen auch in Ordnung sind. Ob da kein Metall mehr drin ist, die Flaschen gesprungen sind, Teile davon fehlen und so weiter… Die Kaputten nimmt er raus.“

Eine Flasche schießt innerhalb von 2 Sekunden an dem fremdländisch aussehenden Mann vorbei; jede 2 Sekunden eine Flasche. Um die 20.000 Flaschen in einer Stunde. Der Mann starrt auf die auf einem Förderband vorbei rasenden Flaschen und sieht doch so aus, als würde er durch sie hindurch schauen. Er sortiert auch keine aus. Schwer zu sagen ob er überhaupt eine moralische Verantwortung den kleinen Kindern gegenüber sieht, die später Limonade aus dieser Produktion trinken werden.

G2: „Ich glaube der sieht eh nichts mehr.“
G1: „Normal muss man Leute nach 20 Minuten ablösen. Irgendwann nimmt man nichts mehr wahr.“
L: „Wie lang steht der da schon?“
G2: „Zwei Stunden oder so. Sollte man mal ablösen. Aber wer soll das machen?“
G1: „Hey! Die Flaschenwaschmaschine hat nur 75 Grad! Aber unter 80 ist scheiße! Wir müssen ausschalten und weiter aufheizen! Denk an die Keime!“
G2 „Ich geb dir gleich weiter-aufheizen! Schau mal auf die Uhr! Glaubst du ich habe ewig Zeit?! Die wird schon wieder wärmer… Laufen lassen! Ich bin schon seit 11 Stunden hier. Ich bin auch nur ein Mensch!“

Zum Ende und Abschluss des Tages darf der Lehrling einen alten, liegenden Tank schrubben. Die meisten Tanks in der Brauerei werden vollautomatisch ge-cip-t (gereinigt). Ein paar Alte sind aber noch in Betrieb.

„Das muss schneller gehen!“ brüllt der erste Geselle dieses Tages von außen in den dunklen Behälter, der nur von einer kleinen Lampe erhellt wird, deren Adapter im Rest-Trub steht, der sich am Boden des Tanks angesammelt hat.

L: „Ich kriege hier drinnen aber keine Luft mehr! Hier ist kaum Sauerstoff!“
G1: „Atmen kannst du später! CO2 ist gesund!!!“

Als ihn zuhause seine Mutter fragt, wie sein Arbeitstag war, zuckt der Lehrling nur mit den Schultern: „Ist eigentlich nichts Besonderes passiert.“

bernadette-und-alice

Das Team der Drogenpolitik bei der Enthüllungsarbeit. Alice Wunder hört nichts und sieht gut aus, während ihre Assistentin Bernadette Botox die altmodische Recherchiermaschine alleine bedient, daß die harten Fakten nur so knattern.

Saufen gegen die Islamisierung des Abendlandes

Gegen Extremisten helfen nur Kampfpreise.

Spanien ist in der Auseinandersetzung von Orient und Okzident nun seit gut 1300 Jahren permanent an vorderster Front. Dieses abendlichste aller Abendländer hat reichlich Erfahrung mit Islamisierung, Reentislamisierung und der Beschäftigung moslemischer Lohnsklaven auf Tomatenfeldern. Wer sich also Sorgen um sein Verhältnis zu Moslems macht, nehme sich ein Beispiel an den stolzen Iberern. Da für Glaubenskrieg und protzige Kirchen heutzutage leider das Raubgold aus den Kolonien fehlt, müssen sie Selbstbewußtsein und starke kulturelle Identität ins Feld führen. 

Ein Glas Wein bei Sonnenschein in ehemals muselmanischen Burgmauern ist schöner als ein Joint bei Regen heimlich hinter der Kirche.

Es gibt da zwei sinnvolle Maßnahmen, den islamischen Geist dauerhaft vom europäischen Festland fernzuhalten. Einmal ist das die kultische Verehrung von Schweinefleisch. Das bedeutet nicht, mit Schweineköpfen um sich werfen oder den Untertanen per Gesetz Kantinenfraß aufzwingen. Sondern Schinken produzieren, den einem der König von Saudiarabien mit Gold aufwiegen würde, wenn er könnte, wie er wollte. Die zweite kulturidentitätstiftende Maßnahme ist zweifellos permanenter öffentlicher Alkoholgenuss, nicht zu verwechseln mit Trunkenheit. Anstelle ernüchterter Erwachsener, die sich Montags schlechtgelaunt bei Regenwetter auf die Straße stellen, versammelt sich die spanische Jugend Freitags und Samstags zu fröhlichen Gelagen unter freiem Himmel. Das hat durchaus Protestcharakter, richtet sich so ein Botellón doch gegen zu Hohe Preise in der Gastronomie und damit gegen eine merkelsche Spardiktatur. Die Spanier mit Job und wir deutschen EU-Profiteure können natürlich bequem in Kneipen und Cafés und Restaurants und Bistros und Kiosken und Bäckereien und Museumsgastronomien einen heben. Da mache ich begeistert mit.

Jugendschutz ist wichtig. Beim Alkoholausschank am Spielplatz versteckt sich der Bierhahn verschämt hinterm Obstkorb. Stattdessen wird exzessiv für Schnaps geworben, serviert in kinderfreundlich bunten Cocktails. Wer trotzdem nur Saft bestellt, bekommt den im hohen Glas mit Schirmchen um die armen Kleinen nicht auf falsche Gedanken zu bringen.

Wir beginnen etwa Mittags mit einem Glas Wein auf nüchternen Magen in den Ruinen einer maurischen Festung. Das bewirkt entspanntes, überhebliches Grinsen, wie wennman als Teenager bekifft im Drogenaufklärungsunterricht sitzt. Sonst merke ich nichts. Ob die Seeluft die Trunkenheit wegbläst? Es begegnen auch wenig Hindernisse, die einem alkoholisierten zum Unbill gereichen könnten. Die Bürgersteige der wohlhabenden Stadt sind über weite Strecken mit spiegelglattem Marmor gepflastert. Der Autoverkehr muß sich langsam und Fußgängerfreundlich durch Einbahnstraßen schleichen. Überallhin werden Getränke gereicht. Zum Mittagessen dann folgen zwei Becher Bier, heute Cruzcampo. Das bekommt sehr wohltuend auf den Wein und fließt wie durststillendes Wasser die Kehle herunter. Der Sangria aus dem Zapfhahn neben dem Bier mundet wie exotischer Fruchtsaft. Außer leichter Euphorie spüre ich kaum Wirkung, nicht mal Harndrang. Auch schlafen geht nicht. Beim Abendessen greife ich reflexhaft eine Dose kaltes aus dem Kühlschrank. Die vierte Konsumeinheit des Tages, das wäre sonst Tod und Verderben. Jetzt könnte ich weitertrinken. Aber ich habe keine Lust mehr, es würde nichts ändern. Liege leicht schwitzend und etwas aufgedreht im Bett. Am Morgen danach folgt nur minimale Bettschwere. Ich frage mich ernsthaft, tun die was in die Getränke oder in das Essen? Es ist wohl der stolze, abendländische Geist, der den ernsthaften Trinker hier stets aufrecht und abwehrbereit hält.

Der Spanier setzt deutliche Zeichen gegen die Kommunismisierung des Morgenlandes.

Victoria Malaga

Im Reiseführer stand, Spanier konsumierten relativ viel Alkohol. Aber man sehe sie selten betrunken in der Öffentlichkeit. Vielleicht auch, weil deutsche und englische Gäste diese Rolle übererfüllen. Bestimmt aber, weil der Alkohol so selbstverständlich in den Tagesablauf integriert ist. Zu preisgünstigen Tapas servierte man einen milden Weißwein zum trinken und nicht zum drüber reden. Mild genug für Minderjährige aber dabei so lecker und echt, die Jugend braucht sich da nicht um das Erlebnis echten Weines betrogen fühlen. Ich bekam ein Victoria, ein typisches spanisches Lagerbier. Sehr mild, die Kohlensäure prickelt stärker als jede eventuell vorhandene Hopfenbitterkeit. Im Abgang bleibt dieser dumpfe leicht würzige Geschmack zurück. Der erinnert am ehesten an verbrannten Zucker. So schreibe ich ihn mal dem Malz zu. Auf jeden Fall etwas, woran man sich gerne erinert. So gerne, dass ich nach einem Victoria zu Mittag noch mal Abends zwei Dosen für je 70 Cent aus dem Supermarkt mitnahm. Da kann man nichts falsch machen. Dringend warnen muss ich allerdings vor dem Schweinefleisch, im Bild hinter der Bierdose. Das ist schweinesauteurer  Pata Negra Schinken, der nach dem Öffnen praktisch sofort im Mund schmilzt und ein dringendes Verlangen nach mehr erzeugt. Dieses Teufelszeug gehört bestimmt auf eine Liste für gefährliche, suchterzeugende Substanzen.

Urlaubsgrüße

Ich hoffe, der Urlaub hält, was dieser Laden im Flughafen verspricht. Bisher sieht‘ s gut aus. Draußen direkt ne Brauerei, vor dem Appartment eine Craftbeerbar und das Gras wird in diesem Land angeblich halboffiziell in Geschäften verkauft. Wir berichten weiter.

Bock auf Pils – Brauerei Moritz Fiege

Über den Sommer entdeckte ich eine Drogenküche, die sich durchaus zu einer Lieblingsbrauerei entwickeln könnte. Und zwar das Traditionsunternehmen Moritz Fiege, mit Sitz in Bochum, wie ich jetzt herausfand. Denn glücklicherweise hab ich noch schnell im Internet gespickt, sonst hätte ich die Firma glatt einer verfeindeten Nachbarstadt derselben Metropolregion zugeordnet. So aber erfahre ich nebenher, daß die recht alte Bochumer Brauerei mit zu den ersten gehört, die in Deutschland Pils ausschenkten und damit populär machten. Und zwar erst um 1920. So beziehen sich die guten Erfahrungen, die ich mit Fiege-Produkten machen durfte, sämtlich auf untergärige Pilsbiere. Wer leckeres Craft Beer will, muß also nicht zwingend immer Ale zu sich nehmen.

Ein tolles Erlebnis ist etwa der Sommerhopfen, für ausführliche Besprechung verlinke ich mal wieder zu Tom. Trotz der nur 2,5 % Alkohol ist das Leichtgewicht um Längen besser als jedes Kiosk-Pils. Es erfreut den Gaumen mit vielen Hopfenaromen und einer bitteren Frische bis zum letzten Schluck. Und zwar so reichhaltig, daß es keinen Augenblick dünn wirkt. Wenn so etwas leckeres mit wenig Alkohol möglich ist, sollte man das Verpanschen von echtem Bier mit Limonade eigentlich gesetzlich verbieten.

Dann gibt es von Fiege natürlich das Pils. Sympathisch aus der Bügelflasche, wo die Aromahopfen mit Vornamen auf dem Etikett stehen. Die riecht und schmeckt man dann auch. Aber ich kann das ehrlicherweise nur richtig beim ersten Schluck. Danach wird es zu einem kräftigen Pils, wie früher, als der Dreimaster aus der Becks-Werbung noch keine grünen Segel und grüne Schönwetterschnösel als Besatzung hatte sondern richtige Seemänner damit richtige Seemännersachen getan haben.

Der absolute Knaller aber ist das Pilsbock. Genau wie der Sommerhopfen trägt es den Markennamen „Charakter“, das scheint so etwas wie die Craftbeer-Linie von Fiege zu sein. Das Pilsbock überzeugt mit 7,8 % Alkohol, welchen das massive naturtrübe Gebräu jedoch komplett einbindet. Ich hab nur einmal Alkohol herausgeschmeckt, und zwar beim letzten Schluck eines sträflich lange stehengelassenen Glases. Denn eigentlich kann und sollte man es fröhlich und schnell runterkippen. Bei aller Schwere und Fülle ist es ein konsumorientiertes Starkbier, man kann es trinken und sich freuen, ohne groß was dazu sagen zu müssen. Wenn man doch was zu sagen will, weil man etwa einen Drogenblog führt, sei es das folgende: Der leichte Duft nach Hefe erinnert an belgische helle Biere. Aber wenn beispielsweise ein Tripel manchmal ein bißchen wie ein Weizenbier schmeckt, ist das Pilsbock eher wie Weißbier, das manchmal wie ein belgisches Tripel schmeckt. Aber eben nicht so dumpf und sperrig, sondern frisch und durstlöschend, ein echtes Pils. Mit Leichtigkeit kann man es sich zügig auf nüchternen Magen reinstellen. Und dann erfüllt es den Sinn eines guten alkoholischen Getränks perfekt. Es erzielt Maximale Wirkung in Form von Benebelung und euphorischer Desorientierung, die aber nicht zu lange anhalten und, wenn’s nur bei einem Pilsbock bleibt, ohne großartige Folgeschäden wieder vergehen. Fazit: Drogenpolitisch äußerst wertvoll!

pilsbock

Zigaretten stopfen

Der Kauf eines Vaporizers zum Hanfverdampfen stürzte mich, ich berichtete, in eine mittelschwere Identitätskrise. Hielt ich mich lange Zeit für den großen Kiffer, mußte ich auf einmal feststellen, daß ich nur ein gewöhnlicher Tabaksüchtiger mit etwas ausgefallenem Geschmack bin. Nach einigen Monaten ohne dieses schädliche Suchtmittel erschüttert mich diese Geschichte besonders, welche Katrin Musikhai, die unerschrockene Korrespondentin aus dem Altenheim berichtete:

Meine Erlebnisse im Altenheim

Rauchen ist nicht nur teuer, sondern auch gesundheitsschädlich und macht sowohl körperlich als auch psychisch abhängig. Das sollten genug Gründe sein, um auf das Rauchen zu verzichten. Heute ist es tatsächlich so: die Zahl der Raucher geht zurück. Trotzdem gibt es immer noch Raucher, die „ihre Zigarette“ brauchen.

Herr P. ist einer von ihnen. Damit er sein ganzes Taschengeld, das er Anfang des Monats bekommt, nicht vorzeitig ausgibt und am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig bleibt, werden ihm von der Sozialarbeiterin 15 Zigaretten pro Tag zugeteilt.

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„Ich komme mir vor wie eine Dealerin. Dabei rauche ich selber nicht und halte auch nichts davon!“, Frau Ky. guckt mich ganz unglücklich an. „Aber wir haben das im Team so besprochen. Denn sonst holt er sich Reste aus den Mülleimern“, sie seufzt, „und da weiß man nicht, was er sich da sonst noch so alles fängt.“ Die Zigaretten selber…

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Wenn Wände reden könnten

Mit Mitte zwanzig nahm ich zum ersten Mal chemische Drogen. Es gab eine Party bei der Schwester des Zauberkollegen. Die wohnte in einer Art Kommune in einem besetzten Haus in den Niederlanden. Es ging nicht explizit um Drogen, aber die waren geduldet. Ich glaube, die Holländer hatten ihre wilden Jahre schon in der Jugendzeit und fanden es ganz niedlich, wie wir uns für so etwas normales begeistern konnten. Es gab ein Tipi im Garten und einen ordentlich beschallten Gemeinschaftsraum. Zur Vorbereitung besuchten wir den örtlichen Smartshop. Ich hatte vorher eine äußerst interessante Kräutererfahrung gemacht und wollte gern ähnliches erleben. Der Verkäufer wirkte extrem kompetent. Er sah aus wie Guildo Horn und sprach Deutsch wie Rudi Carell. Er holte ein Päckchen mit vier blauen Tabletten aus seinem Regal. Eine halbe für angeregtes, ausdauerndes Tanzen. Zwei ganze für mystische Erlebnisse. Es wird so eine Art Legal High oder Research Chemical gewesen sein. Was genau, interessierte mich nicht. Der Verkäufer sagte, alle seine Produkte seien ausgiebig auf Unbedenklichkeit getestet: Wir schicken ein paar Astronauten in die Berge, die sollen sich bis zu 10 Teile reinpfeifen und wenn alle gesund wiederkommen, geht das in den Verkauf. Ich hielt das für ein sehr überzeugendes Sicherheitskonzept, folgte brav den Anweisungen und nahm zwei ganze Tabletten. Zuerst war ich extrem agitiert, ich lief planlos in der Gegend herum und fühlte mich überall fehl am Platze, konnte mich nicht in Gespräche integrieren. Irgendwann blieb ich auf der Tanzfläche. Was für Musik lief war mir reichlich egal. Solange ich mich dazu bewegen konnte, ging es mir gut. Ziemlich bald setzte ein mystisches Erlebnis ein. Die längsseitige Wand gegenüber der Fensterfront hielt mir einen Vortrag über Betriebswirtschaft. Sie übermittelte mir damit eine wichtige Botschaft und hielt mich effektiv davon ab, eine kriminelle Karriere als Cannabis-Dealer zu beginnen. Ich besaß damals einen kleinen Vorrat von ziemlich hochwertigem Gras von einem befreundeten Kleinbauern, der damit tatsächlich seinen Lebensunterhalt bestritt. Der Preis war so hoch, daß ich nur mit sehr schlechtem Gewissen da noch ein Marge hätte draufschlagen können, zumal ich nur im engen Freundeskreis verkaufen wollte. Der Bauer nun kam mit dem erwirtschafteten Geld so grade eben über die Runden, da die Liefermenge knapp bemessen war. Die Wand setzte mir auseinander, weitere Geschäfte mit diesem leckeren Grün seien blödsinnig. Da ich sowieso keine Geldsorgen hatte, solle ich es genießen und im Zweifelsfall großzügig teilen. Das alles fand ich richtig. Danach setzte mein Verstand aus, ich hatte einen Filmriß und die nächsten ein bis zwei Stunden verbrachte ich in tanzender Bewußtlosigkeit. Als ich wieder zu mir kam, stützten mich rechts und links je ein Holländer, wir tanzten als letzte im Saal eine Art Kasatschok zu einem wirklich ganz extrem peinlichen Schlager, über den ich hier nicht weiter sprechen möchte. Sie sollten mich wohl schonend aus dem Saal dirigieren, damit der DJ Feierabend machen konnte. Mir war das sehr unangenehm. Ich scheine aber niemand belästigt zu haben, denn im nächsten Jahr wurde ich wieder eingeladen.

 

wand-mit-ohren

Manche Wände haben Ohren. Wenn sie aber zu reden anfangen, sollte man ihre Ratschläge lieber erst mal mit dem zuständigen Tablettenhändler besprechen.