Kräuterkunde intim – Gleitcreme mit Cannabis

Es ist uns gelungen, für einen themenübergreifenden Testbericht die atemberaubende Frau Müller zu gewinnen. Die Suche nach dem passenden Adjektiv hat jetzt aber ein wenig gedauert. Denn normalerweise ist ja in Mediensprech „bezaubernd“ die gängige Bezeichnung, wenn es um nette, guttaussehende Frauen geht, die das geschätzte Publikum an ihrer Sexualität teilhaben lassen. Bezaubernd sind aber in der Regel eher niedliche Backfischlein mit hübschen Rehaugen und anderen Attributen. Hier schreibt aber eine erfahrene, selbstbewusste Frau von ihren Erlebnissen mit ihren Vertrauten beim gemeinsamen, heiteren Spiel mit einem als Gleitgel angewandten Kräuterextrakt. Der Artikel ist eine leicht eingekürzte und veränderte Version des Originals, welches zuerst hier auf Cannabis-Rausch.de erschien. Die Änderungen wurden ziemlich willkürlich von der Redaktion der drogenpolitik vorgenommen. Und zwar nicht, weil irgendetwas an der Sprache auszusetzen wäre, sondern weil Google uns Blogger hasst, wenn wir wortwörtlich voneinander abschreiben. Vor allem, wenn es dabei um Artikel von und mit und über Lehrer geht. Deshalb sauge ich mir auch so eine verquaste Einleitung aus den Fingern.
Die Verwendeten Präparate wurden nach dem Rezept von Do-Ya-Own hergestellt, von dem wir mal ein Paket geschenkt gekriegt haben. Die Drogenpolitik hat es überzeugt, Frau Müller scheint auch recht angetan. Aber lest selbst:

Wenn man sich traut, auch mal jenseits des Standards zwischen Quinoasmoothie und Drogeriehaul zu bloggen, hat man den Vorteil, dass man auch mal nach Meinungen zu nicht standardisierten Dingen gefragt wird. Zauberkapseln und Hexensalbe zum Beispiel. Unschuldig kamen die kleinen Kapseln daher, weniger unschuldig die Salbe, die mir schon beim Öffnen des Deckels mit einem Duftgemisch die Sinne vernebelte, das mich einerseits stark an meinen Lieblingskokosschokoriegel und andererseits an das erinnerte, was ich in einem kleinen Döschen im Todesschrank meiner Einbauküche gleich neben dem Doppeldildo aufbewahre und am liebsten in exklusiver Gesellschaft meiner Lieblingsmenschen zum Freitagabend inhaliere. In den Kapseln befand sich das gleiche vielversprechend duftende Gemisch. Nur eben für die innere Anwendung. Einem Testbericht aus den Tasten des Herrn Wunder entnahm ich, dass diese kleinen feinen Dingerchen einen ganzen Tag gute Laune versprechen.

Die Dosis machts – oder auch nicht

Ich gebe zu, ich gehöre zu den vorsichtigen Menschlein in solchen Dingen. Nicht aus einem Misstrauen heraus, aber etwas, dessen Wirkung ich nicht abschätzen kann, teste ich lieber in geschützter Umgebung. Das könnte an meinem Lehrerberuf liegen. Zumindest sekundär. Denn der ernährt mich nun mal und das nicht allzu schlecht. Und auch wenn die Aussicht auf einen ganzen Tag guter Laune gerade im Hinblick auf einen bevorstehenden Wandertag mit Kevin und Chantal aus Absurdistan oder gar einem Elternabend oder Ausflug mit dem Kollegen äußerst vielversprechend anmutet, entschied ich mich gegen ein Selbstexperiment im beruflichen Setting. Und wenn an den Nachmittagen der Sommerferien einskommazwei Millionen fremde Kinder den Garten der Müllermansion überrennen und ins Poolwasser schwitzen, wäre ne ganze Hand voll solcher Kapseln vermutlich das Mittel der Wahl. Allerdings erinnere ich mich gerne an das letzte Verschmelzen meines Körpers samt Geist mit den Polstern meines Terrassensofas nach Vaporisator-Gebrauch. In diesem Zustand ein fremdes Kloppskind aus den Federn eines Trampolins befreien, erscheint mir selbst mit einigem Abstand als unlösbare Aufgabe.

Frieden in der Kapsel

Nun besuchte ich kürzlich mit meinen Lieblingsmenschen und Geschlechtspartnern, wie Sarah es liebevoll nennt, den Leipziger CSD und verbrachte den anschließenden Sonntag entspannt im Kanal- und Seendurchwirkten Umland. Ich muss sagen, ich habe die Wirkungen der kleinen Freudenbringer überschätzt. Sicherlich bewirkten beide Tage schon auf ganz natürliche Weise bei uns allen vieren gute Laune und ein äußerst entspanntes Gefühl, wie viel davon jedoch auf die Einnahme der Kapseln bzw auf den urlaubsartigen Gesamtzustand ohne Kinder zurückzuführen war, lässt sich nicht sagen. Einzigen Ansatzpunkt bietet die Tatsache, dass Sarahs Aggressionspotential deutlich herabgesetzt erschien. Anders kann ich mir das Überleben des scheinbar stark alkoholisierten jungen Mannes, der ihr in der Fußgängerzone versehentlich Schnaps in die Sandale geschüttet hat, nicht erklären. Und auch ihr, wenn auch bemüht, deeskalierendes Verhalten gegenüber einem frechen Barkeeper, der uns als Heterofrauen augenscheinlich in einer Traube schwuler Männer mit Getränkewünschen an seinem Tresen einfach ignorierte, erscheint mir auffällig.

Es geht zu Sache

Deutlich mehr überzeugte das kokosfettige Geschmiere im unschuldigen Apothekendöschen. Allein der Duft hat auf mich aphrodisierende Wirkung. Irgendwie wie ein geiles Grasbounty. Doppelter Genuss im Töpfchen. Doppelt ist da irgendwie auch gleich das Stichwort. Jedenfalls prädestinieren Duft, Geschmack, Konsistenz und die sowohl hautpflegende als auch entspannende Wirkung das Zeug als hervorragendes Gleitmittel. Aufpassen sollte man nur, dass das beste Stück nicht allzu viel davon abbekommt (was gar nicht so einfach ist, wie man sich vorstellen kann, wenn man einmal im Gras-Bounty-Rausch ist und Lippen, Hände und Muschis riechen und schmecken wie nach einer jamaikanischen Ayurvedabehandlung). Sonst – Obacht – ist bei den Herren der Schöpfung für ein Weilchen die Entspannung ein wenig zu „entspannt“. Ob neben unseren Geschlechtsteilen auch die Hirne nennenswert berauscht waren, lässt sich ebenfalls objektiv noch nicht beurteilen. Die Tatsache allerdings, dass ich nach einem Mann-Frau-Mann-Dreier, den Sarah sich aus Sicht eines Pornoregisseurs von einem Stuhl vor dem Bett aus anschaute, irgendwie an Spanferkel denken musste (ihr wisst schon, hinten und vorne aufgespießt, dreht es sich so lustig um die eigene Achse… das mit dem Drehen haben wir allerdings nicht versucht) und wir im Anschluss nur aus Durst (und weil kein Leitungswasser im Haus war) binnen zehn Minuten zu viert eine Flasche Apfelkorn leerten, lässt darauf schließen. Die Testreihe ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Nächstes Mal hab ich die Regie und nehm Sarah vorher die Poppers weg.

Bekiffte Ameisen auf alter Sandale

 

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Heroinsucht und Substitution – Ein Erfahrungsbericht

Abhängig

Ich bin seit gut 38 Jahren Heroinabhängig. Eigentlich polytox mit einer Vorliebe für Opiate und Opioide.

Ich habe vielleicht 13 stationäre Entgiftungen hinter mir, die erste war 1989. Warmen Entzug, wie heutzutage, gab es noch nicht. Ich wurde kurzerhand in die geschlossene Abteilung der Psychiatrie in Hamburg Ochsenzoll gesperrt. Da ich wegen eines Selbstmordversuchs eingewiesen war, musste ich dort auch die ersten Tage bleiben. Als Medis gab es abends ein Aponal – also nichts – und sieh zu, wo du bleibst.

Ich hing mit einem entsetzlichen Affen zwischen den Hardcore-Irren. Das hielt ich keine zwei Tage aus. Der richterliche Beschluss galt 72 Stunden, danach verließ ich die Klinik baldmöglichst.

Auch etliche ambulante Therapien und sechs Langzeit-Rehas machte ich. Damals genehmigte die Rentenversicherung sofort 18 Monate, plus eventuelle Verlängerung. Die lange Zeit aber machte mir damals eine Heidenangst. In den späten 80ern war eine Drogen-Rehabilitations-Einrichtung nicht wie ein normales Krankenhaus. Da tendieren die Vibes eher Richtung Straflager oder Gefängnis.

ABER… heute weiß ich, es dauert mindestens so lange, wenn nicht länger, damit Süchtige überhaupt eine klitzekleine Chance auf ein Leben ohne Suchtstoffe haben.

Ich würde mehrfach abhängigen Menschen zu einer Genesungszeit von mindestens 3 Jahren raten – Dazu Nachsorge, weitere ambulante Hilfen und Selbsthilfegruppen.

Rattenrennen

Nichts schien dauerhaft zu helfen. Immer wurde ich wieder rückfällig, bis ich 1992 das erste Mal mit L-Polamidon (Handelsname für monochirales Levomethadon) substituiert wurde.

Das war ein Break für mich

Endlich nicht mehr den ganzen Tag auf Achse sein, Geld und Stoff beschaffen. Ich hatte auf einmal wieder jede Menge freier Zeit und erholte mich zunächst hervorragend.

Ich war zwar abhängig vom Goodwill der Ärzte und Apotheker, aber dies erschien mir das kleinere Übel. Dann begann ich, die gelegentlichen Urinkontrollen zu umschiffen, indem ich mehr Koke machte. Damals suchten die Tests nicht, wie heute, nach allen Drogen, bei Opiat-Abhängigen wurde nicht immer auch automatisch nach Kokain geschaut.

Nach einer Weile bemerkte ich allerdings diverse Nebenwirkungen des Polas:

Ich bekam Fressattacken und legte deutlich an Gewicht zu. Bei meiner Körperstatur konnten ein paar Kilo nicht schaden, aber wenn jemand von Haus aus etwas übergewichtig ist, würde ich nicht zu Pola und auch nicht zu Meta raten, sondern zu Subotex.

Das hat aber auch seine Nachteile: Subutex oder auch das wenig beliebte Suboxone, schmecken ekelhaft nach Zitrone und enthalten neben dem Buprenorphin auch noch Naloxon, nämlich 2mg auf 8 mg. Buprenorphin in der Tablette.

Naloxon hat aber die Eigenschaft an die hochsensiblen Opiat-Rezeptoren anzudocken – In mir steigt grade ein Gefühl von Wärme auf – und damit praktisch den Eingang meiner Höhle zu verstopfen, so dass ein zufällig vorbeikommendes Opiat-Molekül nicht hinein kann. Und wer will das schon …als Herophil…er. Dieses Medikament ist deshalb bei Ärzten sehr beliebt, da es zu weniger Beikonsum kommt. Aber Süchtige hassen es und nehmen es nur als allerletzte Möglichkeit. Außerdem besteht generell bei Buprenorphin das Problem, dass man dann so viel nehmen muss, dass der ohnehin schon sehr schmale Pfad auf dem Junkies täglich wandeln, nun zu einem Tanz auf der Rasierklinge, geworden ist. (Anm. d. Red: Gemeint ist Heroin, von dem unter Buprenorphin in der Hoffnung auf Wirkung sehr viel genommen wird. Anschaulich dargestellt findet sich die Problematik bei Glumm)

Vergessen habe ich noch meine allererste, „illegale“ Substitution, Als es noch kein Methadon oder Polamidon oder andere hochwirksame Opioide auf dem öffentlichen Schwarzmarkt gab. Für Junkies tiefstes Mittelalter. Deshalb behalfen wir uns mit „Remidacen“ oder auch kurz „Remmis„. Später gab es dann auch offiziell, durch Ärzte abgesegnete Substitutionen mit 60er oder 90er Codein-Saft.

Da bist du dann mit deinen 2 Litern Codeinsaft über die Scene getorkelt. Ich glaube, das war mein schlimmster Entzug. Und ich habe schon von praktisch jeder Substanz entgiftet, auch Diazephine, Pola und Meta. Aber Codein tat richtig weh… Schon bei dem Gedanken daran… wird mir ganz anders und ich bekomme einen ekelhaften Geschmack im Mund. Und wie Codein gejuckt hat…fürchterlich…. du hast dich echt tot gekratzt…schlimmer noch als bei Schore .

Bei Meta und Pola kommt noch unangenehm starkes Schwitzen schon bei der geringsten Bewegung dazu. Der Entzug ist fast genauso schlimm wie bei Kodein und viel, viel heftiger als bei Schore. Subotex kann man – wenn man Ahnung hat – fast total schmerzfrei entgiften…

Nach allen Entzügen, Therapien, Übergangseinrichtungen, betreutem Wohnen und auch betreutem Einzelwohnen in eigener Wohnung, Psychiatrien und Gefängnissen sitze ich heute vor dem PC und schreibe diesen Bericht.

Schattenbruder

Ich bin nicht tot

Wie fast alle meine alten Kumpels. Ich erfreue mich eines schlanken und durchtrainierten Körpers, habe keinerlei Einschränkungen….im Gegenteil…Ich bin in Freiheit, ich habe studiert und gute Arbeit in der Jugendhilfe gemacht, ich habe einen Sohn, der zu einer richtig netten Person herangewachsen ist.

Eigentlich dürfte ich nicht klagen, aber ich bin immer noch opiatabhängig bzw. polytox. Auf Dauer clean bleiben gelang mir nicht, trotz aller Versuche. Ich bin nicht Willensschwach und halte so einiges aus… nur nicht meinen Kopf.

Mein Plan ist, diese Woche zum Arzt gehen und mich wieder mit Subutex substituieren lassen – man bemerke den Passiv…???. Natürlich gefällt es mir überhaupt nicht, wieder abhängig von Weißkitteln zu sein. Andererseits sind die auch nicht schlimmer als die Dealer… eher besser…

Ich sehe es so, als ob ich eine beliebige Erkrankung habe und fortan eben täglich Medikamente nehmen muss.

Ich brauche Ruhe

Mein Leben ist nur noch ein Scherbenhaufen… Es wird Zeit, aufzuräumen… dazu benötige ich endlich Abstand von all den abgrundtief schlechten Menschen um mich. Deshalb will ich so schnell als möglich back on the Road… kommt drauf an, was wir musikalisch hinbekommen.

Also nutze ich die Substitution und gebe diesen Kampf auf. Ok, ich bin Opiat-Abhängig! Ich werde es immer bleiben. Damit habe ich mich abgefunden.

Völlig am Ende, in Spanien, irgendwo in den Pyrenäen oben auf dem Berg im Zelt, notierte ich die erste Lektion des Weges: auf dem welligen Papier steht verschmiert das Wort „DEMUT“. DEMUT…ist, was ich lernen soll.

Ich habe erkannt, wie schwach ich beim Laufen war… Darüber schreibe ich in meinem eigenen Blog –Jakobsweg ohne Geld. Ich habe vorher gesagt, ich gehe wieder ins Programm, wenn ich es nicht schaffe bis Santiago de Compostella.

Ich hoffe, dieser Bericht über meine Substitutionserfahrung vermittelt ein ungefähres Bild meiner leider – letztendlich erfolglosen – Versuche, seit fast 4 Jahrzehnten ohne das H klarzukommen.

Aber um mich wieder von den vielen kleinen Scheissern um mich zu erholen und mal wieder Luft zum Atmen zu bekommen und keine… oder nur wenig Straftaten zu begehen, muss ich eine Substitution mit Subutex gutheißen. Ich habe dies schon unendlich oft getan und halte es für die allerbeste Art einen Opiat Abhängigen Menschen zu entgiften. Nur leider kommt dann der 4. Tag…es geht mir etwas besser und schwups, muss ich mich belohnen…..HA HA HA ABFUCK..

Ich finde mich jetzt damit ab und nehme es halt ein Leben lang.

Müllmensch

Der Autor, Jakobswegohnegeld, schreibt hier auf WordPress ein eigenes Blog über sein Leben und den täglichen Kampf mit sich und der Welt. Er freut sich über Besuch und Konktaktaufnahme per Kommentar. Die Redaktion bedankt sich ganz herzlich für das entgegengebrachte Vertrauen. Alle Fotos machte AW von Kunstwerken im öffentlichen Raum.

Die andere Seite – Buchbesprechung

Ein merkwürdiges, kleines Büchlein flimmerte jüngst über unsere Redaktionsmonitore: Die andere Seite. Der Zeichner und Übersetzer Alfred Kubin schrieb es vor gut einhundert Jahren, irgendwann um 1909. Es handelt von einer Anderswelt, die irgendwie ganz anders ist, als man sich eine Anderswelt gemeinhin vorstellt.

Den Namen Kubin nun kannte ich bis dahin noch nicht. Das hätte ich vielleicht sollen, wenn man die Kenntnis eines gewissen Kanons der Kultur für Notwendig hielte. Denn Kubin ist eine Persönlichkeit, unter anderem am Blauen Reiter beteiligt war. Von dem nun habe ich schon mal gehört, ohne genau zu wissen, was das ist oder war, auf jeden Fall hatte der Reiter mit Malerei zu tun. Ich könnte mir aber kein Bild der der Beteiligten vor Augen rufen, denn mein Metier sind nicht so sehr die Bilder als vielmehr das geschriebene Wort.

Jetzt aber Alfred Kubin

Der hat neben unzähligen, düsteren Zeichnungen eben auch dieses kleine Büchlein geschrieben. Es handelt vom Leben in einer putzigen, kleinen Traumstadt bis zu ihrem allgemeinen Zusammenbruch in einer Art Zombie-Apokalypse.

Die andere Seite habe ich auf jeden Fall sehr gern gelesen, ein Woche lang hat mich die Traumwelt gut unterhalten. Es war nun aber auch kein Buch von der Sorte, die man als großartigen Lesegenuss bezeichnen will. Es ist einmal, das muss man sagen, keine große Literatur. Wenn man über gruselige Geschichten der Moderne redet, ist etwa Kafka um Längen besser. Diese flirrende Spannung in drückender Athmosphäre bekommt Kubin nicht hin. Der Text vibriert noch nicht. Wäre Kubin Schriftsteller gewesen, hätte er das Stück zu etwas feinem gefeilt, denn seine Geschichte ist durchaus ein Rohdiamant. Ich würde es got(h)isch im besten Sinne nennen, wie der Baustil. Lauter Seltsamkeiten übereinandergestapelt ergeben ein bedrohliches Ganzes, das etwas verstaubt daherkommt und aus keiner Perspektive vollständig zu sehen ist. Die andere Seite liest sich ein wenig so, wie wenn einem ein Zeichner im Kaffeehaus sitzend sein nächstes Projekt erklärt.

Im ganzen ist Die andere Seite aber eine sehr gelungene Traumbeschreibung. Die Figuren wirken schemenhaft unnahbar, wie Staffage, der Protagonist dagegen ist innerlich sehr aufgeregt und getrieben von Ungewissheit. Alle Aktion enden in einem skurrilen Nichts, es gibt keine richtige Begründung für die Seltsamkeiten. Die Traumfiguren wissen das und reden darüber. Es gibt sogar ein wenig Sex und viel Gewalt. Aber irgendwie berührt das nicht, denn es liest sich etwas trocken, wie das Drehbuch eines Films.

Groß- und Kleinländerei

Nun kann man bei der Besprechung der Traumapokalypse eines österreichischen Künstlers zur Jahrhundertwende einen ganzen Sack voll Interpretationen auskippen. Nach dem Psychoanalyse und ihre esoterische Überhöhung mit der grauenhaften Jugend des Künstlers abgeglichen wurden, könnte man tief in Politik und Volksseele eintauchen. Das auf eine Alpenrepublik reduzierte, ehemalige Kontinentalreich hat sich für uns Norddeutsche ja als zuverlässiger Produzent von Weltkriegsgründen und Absonderlichkeiten etabliert. Von gekränktem Stolz und verpfuschten Träumen zwischen Düppel und Königgrätz möchten wir da nicht gern reden. Denn als vorurteilsbehafteten Preußen muss uns beim Stichwort Österreich ja eigentlich immer nur die großdeutsche Frage im Ohr klingeln. Egal wie viel Raum im Osten wir uns einverleiben, ohne Habsburg bleiben wir immer Kleindeutschland. Nordische Protestanten möchten das natürlich nicht einsehen und die Habsburger Katholiken wollen nichts davon wissen. Sie wären im großen Deutschland schließlich zu einem unförmigen Anhängsel reduziert.

Was hat das mit Kubins kleinem Horrorstückchen zu tun?

Der Leser entscheide selber, denn auf der anderen Seite gründet ein mystifizierter Heiland eine heile Welt. Er kauft ein nebeliges Tal in Zentralasien, baut eine Mauer drumherum und einen Haufen ausgesucht baufälliger Alptraumhäuschen hinein. Diese Traumstadt bevölkert er dann mit Deutschen. Deren Kleidung und alle Gegenstände des täglichen Gebrauchs müssen mindestens 40 Jahre alt, besser sogar älter sein. Zusammen spielen die Traumländer dann Gesellschaft in einer zur Zeitkapsel hermetisch abgeriegelten Kleinstadt. Am Ende bricht alles zusammen, die Einwohner werden wahnsinnig und bringen sich gegenseitig um. Ein Narr wer böses, gar politisches dabei denkt. Ach ja, den Untergang initiiert ein traumresistenter Großinvestor aus Amerika. Noch Fragen?

Ja.

Was hat das mit Drogen zu tun?

Mit Drogen jetzt nicht so wirklich viel, mit hochwirksamer Cannabis-Tinktur aber jede Menge. Davon hat Kubin nämlich reichlich genossen, als er die andere Seite schrieb. Im Gespräch mit dem Journalisten Hans-Georg Behr erzählte der Künstler, dass er die Medizin verschrieben bekam und eine Weile sehr ausgiebig davon Gebrauch machte.

Interessanterweise war sich Kubin als Patient der Rauschwirkung wohl gar nicht bewusst. Das ist durchaus realistisch, wenn man bedenkt, dass Cannabis bei täglichem Gebrauch kaum mehr berauschend wahrgenommen wird. „Ich beachtete das nicht so, da ich die Medizin mit meinen Traumgeschichten in keinen direkten Zusammenhang brachte. Ich sprach ja auch nicht mit dem Arzt über meine Visionen.

Behandelt wurde Kubin wegen Krankheitsbildern, die man heutzutage wohl irgendwo zwischen Depression und Traumastörung ansiedeln würde. Seine Kindheit war geprägt vom Tod der Mutter und anschließender Vernachlässigung durch den Vater, der selber wohl mit dem Todesfall nicht gut klar kam. In Wort und Bild thematisiert Kubin Depersonalisierung und düstere Alptraumvisionen. Die sind wirklich sehr düster. Selbst wenn ich sehr viel kiffe, kann ich nicht so malen. Schreiben allerdings auch nicht. Kubin hat sich, erst mit, später ohne Cannabis, ein Leben lang an diesen seinen Dämonen abgearbeitet.

Man kann in dem also Buch lesen, wie die Gedankenwelt von jemandem aussieht, der über einen längeren Zeitraum täglich ein starkes Cannabis-Medikament zu sich nimmt. Man kann aber auch einfach einen Hut Haschöl dampfen, John Coltrane auf den Kopfhörer packen und sich auf die andere Seite lesen.

Hier ist die öffentlich frei zugängliche Online-Version

Bekifft vögeln

Haschisch Essen für Fortgeschrittene – ein Produkttest

Heimapotheke Cannabis Edibles

Wir haben mal wieder ein Produkt für den schöneren Cannabis-Genuss geschenkt bekommen. Und zwar ein Set für Cannabis-Esswaren mit dem Namen Do-Ya-Own. Wenn man als Blogger etwas geschenkt bekommt, dann schreibt man einen positiven Bericht darüber oder schweigt. Dieses Edible-Set gefällt mir ausgesprochen gut und ist auf jeden Fall einen Bericht wert.

Zu kaufen gibt es Grundstoffe (leider kein Cannabis) und Rezepte, um unter anderem Canna-Sirup (30 Euro) und Fröhlichkeitspillen (18 Euro) zu Hause selbst herzustellen. Das funktioniert wirklich hervorragend, ist sehr bequem in der Herstellung und hat anschließend ganz wunderbar positive Effekte auf die Laune und allgemeine Befindlichkeit. Es war wirklich sehr gut, denn ich habe mich länger als eine Woche mit Canna-Kapseln und Sirup von Do-Ya-Own beschäftigt und kann mich an relativ wenig aus dieser Zeit erinnern. Aber zum Glück habe ich mir im Tran auch ein paar Notizen gemacht.

Mit dem Haschischessen ist das so eine Sache

Mittlerweile halte ich Essen tatsächlich für die beste und sinnvollste aller Konsumformen. Denn Cannabis rauchen ist wirklich mit das dümmste, was man mit dem guten Kraut anstellen kann. Aber solange man Cannabis raucht, ist jede andere Konsumform sinnlos. In meiner aktiven Kifferzeit habe ich mich auch nicht von Esswaren begeistern lassen. Wenn man vor dem Essen geraucht hat, merkt man nichts besonderes. Denn Essen knallt nicht. Eine cannabinoide Speise ist nämlich kein wirkliches Genussmittel, nichts zum Zuprosten und nichts um es zu teilen und in der Runde weiterzurreichen. Die Speise ist ein Werkzeug, wie eine Aspirin-Tablette oder ein Stück Seife. Etwas, das in jeden Haushalt gehört und bei Bedarf eingenommen werden kann.

Seit ich nur noch Vaporisiere, bin ich an die milde, aber nachhaltige Wirkung eines reinen High gewöhnt und möchte nichts anderes mehr. Und eine meiner Lieblingszubereitungen zum Haschischessen ist eine Alkoholtinktur, die ich aus vaporisierten Resten herstelle.

Was bekommt man von Do-Ya-Own?

Im Paket sind einfache Grundzutaten, Werkzeuge und ein geheimer Wirkverstärker, die es alle sogar etwas billiger in diversen Läden einzeln zu kaufen gibt. Bei den Grundzutaten handelt es sich um Kokosfett für die Kapseln und Glycerin für den Canna-Sirup. Dazu ein idiotensicheres und überraschend angenehm wirksames Rezept.

Wer also schon ein funktionierendes Familienrezept für Brownies oder Haschbutter hat, braucht eigentlich kein Do-Ya-Own-Set. Auch geschickte Hobby-Alchemisten, die immer Trichter, Pipetten, leere Pillenkapseln und das restliche Heimapothekenlabor vorrätig haben, wären nicht besonders beeindruckt. Für alle anderen aber ist Do-Ya-Own eine tolle Idee. Ich zum Beispiel würde mich als semi-ambitionierten Experimentator bezeichnen. Und ich bin total begeistert von den Kleinigkeiten aus dem Do-Ya-Own-Paket. Alle notwendigen Fläschchen und Meßbecher sind dabei. Der Herstellungsprozess wird nicht unterbrochen von dem üblichen „was nehm ich jetzt dafür?“ und „wo soll ich das jetzt wieder kaufen?“ Klar, einzeln sind die Sachen billiger. Aber am Ende hätte ich mit Suchen und Versandkosten wahrscheinlich sogar mehr ausgeben und einen Tausendervorrat von Sachen zu Hause, die ich vielleicht zwei Mal im Jahr brauche. Es ist ein bißchen so wie diese Miracoli-Fertig-Packs inklusive Spaghetti. Wer kochen kann, lacht darüber, aber Leute ohne Erfahrung und ohne die richtigen Werkzeuge profitieren enorm.

Der wirkliche Mehrwert von Do-Ya-Own aber sind die Rezepte, für die es mit dem Set einen Zugangscode gibt. Im Netz und in Büchern kursieren für die Haschisch-Küche 1000 Rezepte und mindestens eine Millionen abschreckende Erfahrungsberichte, wie Leute es total versaut haben. Ich will hier gar nicht von dem Polizisten anfangen, dem ich hinten drauf gefahren bin, als ich mir mal zwei Gramm Braunen in den Tee gebröselt hab. Denn alle solchen großen und kleinen Katastrophen passieren mit dem Do-Ya-Own-Set erst gar nicht.

Die Extraktion erfolgt beim Fett und beim Glycerin mit Kaltauszug ohne Kochen oder Backen. Es funktioniert mit Gras, Gebrösel oder Haschöl. Und es funktioniert richtig gut.

Cannabis KapselnSchwer beeindruckt war ich von der Fettkapsel

Die zeitigt mit minimalem Cannabiseinsatz allerangenehmste Wirkung. Bei mir kamen in eine Kapsel der rechnerische Wirkstoffanteil von 0,04 Gramm Gras. Und beim ersten Versuch war ich von dieser Winzigkeit zum Frühstück den ganzen Tag glücklich. Ich verbrachte einen schönen Frühlingstag draußen mit meiner Familie. Dabei war ich in keiner Weise unzurechnungsfähig und spürte keine körperlichen Wirkungen. Aber Kopf und Gemüt waren so deutlich berührt, dass ich nicht das Bedürfnis hatte, nachzuschmeißen. Zwei Tage später ließ sich das Ergebnis freilich nicht in der Intensität reproduzieren. Zu Hause bei schlechtem Wetter hielt eine Kapsel nur wenige Stunden, ich langweilte mich dann gegen Mittag, so dass ich einen kleinen Dab nachlegte. Mit der heiteren Grundstimmung war das eine gute Idee, welche ich jederzeit zur Nachahmung empfehlen kann.

Zeit also, den Sirup zu testen

Hier funktioniert die Minimalmenge nicht so gut, schon die Anleitung empfiehlt Portionen, die den üblichen Krautmengen von etwa 0,1 Gramm entsprechen. Das passt aber hervorragend, denn so ein Schnapsglas voll Sirup gehört auch in mein Standard-Sour-Rezept. Entgegen den Empfehlungen machte ich erst einen richtigen Sour-Cocktail mit Alkohol, der da eigentlich reingehört. Das vertrug sich gut, der Schnaps überbrückte die halbe Stunde Wartezeit bis der Hanf im Gehirn einmarschiert, danach verbrachte ich einen Abend in schöner Bekifftheit. Auch zum Frühstück tut ein Schluck Cannasirup sehr gut. Empfehlenswerte Tätigkeiten sind Außentermine bei schönem Wetter. Am späten Nachmittag dachte ich, es wär langsam vorbei und gönnte mir ein Bier, was den Sirup aber noch einmal sanft anschob.

Während ich hier tippe, fällt mir aber auf, dass vor lauter Begeisterung über die cremig-fluffige Hanfseligkeit noch gar keine ordentliche Portion getestet habe. Passenderweise war ich auch grad ein paar Tage nüchtern und dürfte keine große Toleranz mehr haben.

Also wird diesmal ein großes Glas getrunken, mit Wirkstoff von einem Viertelgramm gutem Gras, vor dem Mittagessen. Das lässt dann tatsächlich keine Wünsche mehr offen. Ah, jetzt, ja. Die Limonade war köstlich-süffig. Nach einer Viertelstunde setzen erste Entfremdungserscheinungen ein, nach einer halben Stunde ist der Sirup voll da. Damit kann ich keiner geregelten Arbeit mehr nachgehen, aber ohne irgendwelche Paranoia einen seltsamen Tag in der Stadt verbringen. Kein Rauschen, kein Ziehen in den Schläfen, keine Beklemmungen, sogar sinnvolle Gespräche mit Fremden sind möglich, trotz heftigster Verklatschtheit. Es ist einer dieser stundenlangen Momente, wo sich Cannabis fast ein wenig wie LSD anfühlt. Nach Zwei Stunden Realweltzeit aber sind die gröbsten Seltsamkeiten dann auch wieder vorbei und eine lange Entspannung setzt ein, die auch am späten Abend noch spürbar ist.

Meine einzige Kritik bezieht sich auf den Geschmack. Das Kokosfett mit Gras ist nämlich total lecker, dieses soll aber laut Rezept in Kapseln verpackt und einfach geschluckt werden. Ich könnte mir vorstellen, über einen warmen Kuchen geträufelt, würde das toll harmonieren. Beim Sirup dagegen schmeckt man gar nichts mehr vom Gras, denn der mitgelieferte Monin-Sirup überdeckt einfach alles.

Beide Produkte wirken sehr viel angenehmer und milder als mein selbstaufgesetzter Schnaps. Das fällt mir im Dauertest auf. Denn von meiner Tinktur aus Vaporizer-Resten habe ich nach spätestens zwei Tagen Gebrauch für längere Zeit keine Lust mehr auf Cannabis, die Do-Ya-Own-Edibles mit frischem Gras dagegen machen mir jeden Tag aufs neue Appetit.

Do-Ya-Own Edibles sind Kreationen von Till Kasch, einem Cannabis-Patienten, der gegen seine Migräne intensiv mit Esswaren experimentiert und daraufhin die Produkte entworfen hat. Auf Neudeutsch nennt man so ein Projekt wohl Start-Up. Wir haben Sets für CannaCaps und den Sirup Canna Lean Sour Greenly bekommen, wofür wir uns ganz herzlich bedanken.

Dieser Artikel wurde zuerst auf Cannabis-Rausch veröffentlicht. Da mir für den Blog im Moment echt nix neues einfällt, danke ich Daniel ganz herzlich für sein Einverständnis zur Zweitverwertung.

Do you like my new car?

Trotz eifrigen Hirnwringens ist uns bis her noch kein neuer Artikel von drogenpolitischer Relevanz eingefallen. Mühsam vom Jetlag erholt, sind die Vorratsschränke der Redaktion weiterhin gut gefüllt mit diversen Tinkturen und Spezereien, ein schöner Scotch vom Duty Free ist auch noch dazu gekommen. Allein, es fehlt die Zeit, das alles zu verkosten.
Deshalb haben wir uns entschlossen, die ganz alten Klamotten auszupacken. Wir wollen Euch heute mitnehmen auf eine Reise in die wilden 1970er Jahre. Viele Leute fragen sich ja, ob die wilden 70er wirklich so wild, Frank Zappa wirklich so schräg und das Hasch damals wirklich so schwachbrüstig war. Alle Antworten, auch auf das Plateauschuhrätsel, vom Mohnexperten und Schriftsteller Andreas Glumm aus Solingen, seines Zeichens Zeitzeuge und Kiffer in den 1970ern, der uns freundlicherweise erlaubte, diese köstliche, unterhaltsame und überaus lehrreiche Geschichte auf der Drogenpolitik zu verlinken.

Glumm

In der Zigarettenpause stand ich mit diesem kleinen Nerd zusammen. Er war Mitte Zwanzig und hatte keine Vorstellung davon, was er mit seinem restlichen Leben anstellen sollte, nachdem ihm das erste Drittel wie Fließtext davongerieselt war.

„Computer ist alles, was ich kann“, sagte er trotzig.

Wir unterhielten uns ein bisschen über Rock-Musik, was einem gefällt und was nicht, und als die Sprache schließlich auf mein Alter kam, und er im Stillen nachrechnete, machte er große Augen.

“Moment… dann hast du die Siebziger… ja voll mitgekriegt!”

Er konnte sein Glück kaum fassen, dass da jemand LEIBHAFTIG vor ihm stand, der den Beginn der Punk- und der Disco-Bewegung, Plateauschuhe und Wir Kinder vom Bahnhof Zoo miterlebt hatte, auch wenn die Ära im Nachhinein betrachtet nicht ganz so schräg war, wie einem weisgemacht wird. Plateau-Schuhe etwa waren in den Siebzigerjahren nicht so häufig, wie man glauben möchte, man sah sie hauptsächlich auf großen…

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Hilft Hanf?

Weil wir uns immer noch auf einsamen Inseln herumtreiben, wo schon das bloße Sein einschläfernd wie Opium ist, leihen wir uns heute einen Beitrag von der Schattentaucherin. Da geht es überhaupt nicht um Drogen und noch weniger um Rausch. Es handelt sich um einen sehr detaillierten Erfahrungsbericht einer Selbstmedikation mit CBD-Öl, also bleiben wir mit einem Hanfprodukt doch ein wenig beim Thema des Blogs. Es lohnt sich übrigens, mehr von der Schattentaucherin zu lesen:

https://wp.me/p6T42L-bY

Bekifft im Flugzeug

Speisezubereitungen mit Cannabis wirken lange und stark, dabei ist der Rausch bei richtiger Dosierung leidlich beherrschbar. Es gibt weniger Paranoia als beim Rauchen und wenn man sich selbst weniger verpeilt fühlt, wirkt man auch auf andere kontrollierter. Diese Eigenschaften sollten Haschkeks und Cannabispillen zu einem idealen Medikament gegen Langeweile und Unannehmlichkeit auf Langstreckenflügen machen. Denn man kann sich noch vor allen Sicherheitskontrollen die gewünschte Portion einverleiben, nüchtern den Flieger besteigen und sich dann auf die allmählich anflutende Wirkung freuen, wo andere sich über den unbequemen Sitz in der Economy ärgern.

Mir ist schon bewußt, dass ich mit solch einem Experiment manche Leser vor den Kopf stoßen könnte. Kassandra etwa engagiert sich vehement und mit durchaus guten Gründen gegen Flugreisen. Aber sie ist schon Depressiv und hat mangels wirksamer Heilmittel ein lesenswertes Hobby daraus gemacht, da mache ich mir keine Sorgen, ihre Stimmung zu trüben. Und Arabella verreist zwar nicht gern, aber liest dafür umso lieber, auch Reiseberichte.

Zufällig lagen in der Testschublade noch ein paar Fröhlichkeitspillen aus den Rohstoffen von Do ya own. Die hatten sich ganz ausgezeichnet bewährt wegen ihrer milden, in jeder Hinsicht sozialverträglichen, aber sehr lange andauernden Effekte.
Man kann einwenden, in einem Flugzeug zu sitzen, ist viel zu langweilig und deshalb auch ein wenig Verschwendung des komplexen Wirkstoffe. Denn ein schöner Rausch kommt nicht vom Haschisch allein, er braucht Anregung durch Sinnesreize und Bewegung. Wenn man aber das Flugzeug wechseln muss und durch die unwirkliche Zwischenwelt eines Flughafens schreitet, wird wieder eine ordentliche Portion angereicherter Körpersäfte durch den Kreislauf gepumpt.
Es ist ein warmherziges Gefühl, mit einem Betäubungsmittel in der Blutbahn vor den Schalter einer EU-Aussengrenze zu treten.
Der junge Mann am Zoll ist angenehm. Er strahlt etwas unglaublich verlässliches aus. Nicht interessant, aber präsent. Und klar. Und deutlich. Wie das Licht in der Halle, obwohl der Himmel grau ist. Die Frisur etwas eckig, die Augenbrauen setzen leichte Akzente. Kann ich mich auf einmal für junge Männer begeistern? Sollte eine bekiffte Flugreise die sexuelle Orientierung verändern können? Im Flugzeug dann gilt das Interesse wieder ganz den Damen. Die Flugbegleiterinnen sind nämlich alle blond und engelhaft, dabei charakterstark und unnahbar, wie sich das gewisse Propagandaminister in ihren nordischsten Träumen nicht blonder hätten in die Tasche lügen können.
Das ist jetzt aber nicht allein nur die Wirkung der Medizin. Wir sind nämlich mit Finnair über Helsinki geflogen. Da steigt die Wahrscheinlichkeit auf blonde Menschen mit gesunder Haut und sympathischen Gesichtszüge. Schönes angenehm zu beleuchten scheint ausserdem ein Nationalsport zu sein. Das aufgeschlossene Gesicht des Flugbegleiters öffnet mein Herz dann wieder für die Männlichkeit.

Vor einem Flug Haschisch zu essen, ist also rundum erfreulich und in jeder Hinsicht empfehlenswert. In unserem Fall wertet das auch das kulinarische Erlebnis auf. Denn die nüchterne , nordische Küche ist bei Finnair geschmackvoll gepaart mit äußerst protestantischem Alkoholangebot, ausser dem christlichen Glas Wein zum Essen ist der harte Stoff dort durchweg kostenpflichtig. Das schreit nach langsam wirkenden Retard-Mitteln, mutigere Hobbyschmuggler sollten auch irgendwelche legal aussehenden Tabletten oder Gebäck zum Nachschmeißen für das Handgepäck in Erwägung ziehen.

Wir sind also mal wieder auf Weltreise und werden in diesem Monat wenig mehr schreiben. Hier werden Reblogs von Libra erscheinen, die sich ungeduldige Leser natürlich schon vorab im Original ansehen können.
Alle anderen können uns derweil auf unserem familienfreundlichen Fress- und Reiseblog Confusionfood folgen.

Getrockneter Mumin-Speck mit unverbindlichem Geschmier gilt als Highlight finnischer Bordküche. Auch die übrigen Speisen glänzen durch hohe Qualität, extrem gesundheitsbewusste Portionsgröße und den völligen Verzicht auf jegliche Gewürze.

Boundless CFC Vaporizer – günstig guter Dampf

Boundless CFC Vaporizer

Irgendwann neulich begab es sich, dass irgendwo zwei verschiedene Vaporizer gleichzeitig vor sich hin dampften. Ich hatte meinen Arizer Air dabei und es gab noch einen Boundless CFC. Da staunte ich erst mal, die kleine, elektrische Taschenpfeife vaporisiert genau so gut, wie mein Aluzylinder und kostet nur etwas mehr als halb so viel, nämlich um die 80 Euro. Dazu ist er sehr kompakt, verschwindet in jeder hohlen Hand und nimmt in der Hosentasche weniger Platz weg als ein Mobiltelefon. Bestechend auch die kurze Aufheizzeit, welche die eilende Digitalanzeige noch einmal psychologisch verkürzt, aus den tatsächlichen 30 werden gefühlte 10 Sekunden, dann geht es los.

Dagegen wirkt mein alter Arizer schon etwas betulich mit seiner einzelnen, blinkenden Kontrolleuchte. So eine Digitalanzeige hat wohl der neue Arizer Air inzwischen auch. Vernünftigerweise sollte die auch kein Kriterium sein. Schon im Physikunterricht lernten wir, traue keinem Meßgerät, das Du nicht selber mehrmals geeicht hast. Und Digitalanzeigen gaukeln eine Genauigkeit vor, die eigentlich nicht existiert. Aber wer kifft schon wegen der Vernunft? Digitalanzeigen sind halt einfach totschick.

Das Befüllen der Kammer funktioniert eigentlich Idiotensicher, bedenklich fand ich ein kleines Metallsieb, das lose am Boden liegt und bestimmt gern abends beim Grillen auf der Wiese verloren geht. Da hab ich beim Arizer halt das Glasmundstück, das mal auf hartem Boden zersplittern kann und dann erst mal kaputt wäre und als Ersatzteil nen Zehner kostet.

Im Betrieb tun beide Geräte erstmal nahezu das selbe

Der Arizer fühlt sich insgesamt solider an mit Glasmundstück und Alukapsel. Der Boundless ist halt einfach nur ein Stück ein Plastik. Wegen der kompakten Bauweise wird die Partie um das Mundstück auch irgendwann bald recht heiß. Und der Dampf ist etwas dünner, bei höherer Nominaltemperatur. Für das selbe Kraut muss der Boundless auf über 200° C laufen, während der Air auf zweiter Stufe gemütliche 190° Grad heizt und dabei etwas satteren Dampf macht.

Dass der Boundless keine Konzentrate verdampfen kann, ist bei einem Abend mit Gras erst mal nur ein theoretischer Nachteil. Das könnte der Arizer Air. Auch mag ich grundsätzlich den austauschbaren Akku meines Arizer. Wenn man aber nur leere Ersatzakkus und kein Ladegerät eingepackt hat, ist mit dem Arizer bald Schluss, während der Boundless weiter dampft und mit seinem fest verbauten Energiespeicher nur mal zwischendurch 20 Minuten Erholungspause am USB-Kabel braucht.

Boundless CFC in der Hand

Das Bedienfeld des Boundless CFC. Bilder: CR

Der kleine kann was. Den Gesamteindruck will ich mal mit Autos vergleichen: In einem billigen Fiat Panda kommt man genauso ans Ziel wie in einer Mercedes-Limousine, bei Tempolimit und Verkehrslage sogar in der gleichen Zeit. Die Billigmöhre ist mitunter sogar etwas wendiger, in der Limousine sitzt man aber bequemer.

Ich muss zugeben: Es geht auch um Distinktion

Mit einem teureren, besseren Konsumgut werte ich meine Persönlichkeit auf. Und ein Mercedes poliert auch das Ego, ist für Vielfahrer aber tatsächlich die bessere Wahl. Wer das Geld hat, sollte sich in der höheren Preisklasse umsehen und einmal was richtiges kaufen. Aber wer nicht viel Geld auf einmal ausgeben will, oder ein Zweitgerät für Kino und Inlandsflug haben möchte, ist mit dem kleinen Boundless gut bedient.

Ich bin immer noch zufrieden mit meinen Kauf, aber hätte man mir den Boundless als ersten angeboten, hätt‘ ich den genommen und wär wahrscheinlich genauso froh.