Fette Ente an Moonshine Whiskey – Buchbesprechung „Fup“ von Jim Dodge

Neulich kam Fup in unsere Redaktionsräume. Fup ist eine Ente und Hauptperson in dem gleichnamigen Buch von Jim Dodge. Fup ist ein heiteres Märchen, das wir mit Vergnügen in zwei oder drei Tagen genossen haben. Fup ist keine große Literatur, es ist ja auch nur ein ganz kleines Buch mit wenig mehr als 100 Seiten, die auch noch von etlichen Zeichnungen, zur besseren Veranschaulichung der Handlung, aufgelockert sind. Aber in ihrer Kleinheit ist Fup eine Perle. In der englischsprachigen Welt ist die 1983 erschienene Geschichte wohl schon eine Art Klassiker. Für deutsche Leser gilt als Qualitätsbeweis, dass Fup von Harry Rowohlt eigenhändig übersetzt wurde. Wir kennen weder Herrn Rowohlt noch Herrn Dodge persönlich. Uns hat einfach die Geschichte gefallen.

Sie ist rau, stellenweise zu häßlich, um sie Kindern vorzulesen, ohne sich als Erwachsener für das Erwachsensein schämen zu müssen. Für Erwachsene wiederum ist Fup oft zu profan.

Die Ente Fup Duck lebt mit dem alten Grandpa Jake und seinem Enkel Tiny zusammen auf einer Farm irgendwo im nördlichen Kalifornien ein relativ einsames und beschauliches Leben. Eigentlich sind sie alle ziemlich Fup duck. Tiny ist verwaist, seine Mutter starb bei einem tragischen Unfall am Ententeich, Tiny wurde als Kleinkind Zeuge des Unglücks. Er wird seit dem von Großvater Jake aufgezogen. Der wiederum scheint für die Kinderaufzucht erstmal nicht besonders gut geeignet zu sein. Er ist bärbeißig, schlecht beleumundet und in unanständig hohem Greisenalter. Der rüstige Mittachtziger verdient sein Geld mit Selbstgebranntem und privaten Pokerrunden, als Hobby sucht er gern Streit.

Wenn die Rolle der fehlenden Mutter ersatzweise von einer Ente ausgefüllt wird, darf der Großvater eben auch eine Schnapsdestille im Schuppen verstecken. Der alte Jake ist angekommen. Er hat immerhin das ultimative Schnapsrezept und mit der Herstellung des perfekten Lebenswassers Aufgabe, Bestimmung, Sinn und Ziel. Frauen haben da keinen Platz mehr, Jakes Geist ist mit Glücksspiel und Schwarzbrennen in Beschlag genommen.

Das Waisenkind gerät dann natürlich etwas merkwürdig. Die Umgebung ist nicht wirklich gesund für ein Kind und der Enkel wächst selbstverständlich zu einem äußerst kauzigen Berg von einem zwei Meter großen Kindmann heran. Seine Tage auf der Farm füllt er aus, in dem er mit äußerstem Ehrgeiz Barrikaden gegen die Aussenwelt errichtet. Aber zumindest hat der Junge einen herzensguten Charakter.

Viel mehr passiert nicht

Trotzdem gibt es genügend Merkwürdigkeiten zu erzählen.

Natürlich saufen sie alle drei permanent ihren Fusel, sonst wäre ihre Existenz ja auch kaum auszuhalten. Grandpa Jake verdrückt täglich mindestens einen halben Liter, er beginnt damit schon nachmittags, unmittelbar nach dem Aufstehen. Er trinkt, um seine Träume in Fahrt zu bringen. Er träumt gern und schläft stets bis Mittags. Tiny trinkt immer nur einen Schluck vor dem Schlafengehen, um die Träume fernzuhalten. Tiny träumt nicht so gern und steht gern früh auf. Die Ente ist in ihrem Konsummuster irgendwo zwischen Grandpa und Tiny einzuordnen. Sie neigt aber eher Richtung Grandpa. Die Ente scheint also ebenfalls eine Träumerin zu sein, obwohl sie, wegen ihrer Verfressenheit, auch früh aufsteht. Sorgen um irgendwas brauchen sie sich nicht zu machen, denn der Schnaps macht sie unsterblich. Ente und Großvater haben Glück und Sinn gefunden. Tiny jagd seinem noch hinterher, er wird es aber finden.

Hier wird also das Märchen vom herzensguten Haderlump erzählt, der versoffene Spieler, der gleichzeitig der richtige Ziehvater für ein bedürftiges Waisenkind ist. Es scheint ein beliebtes Märchenmotiv aus dem amerikanischen Legendenschatz zu sein. Die kalifornische Landschaft bietet dafür ja auch die passende Kulisse, eine Märchenwelt, in der ein Spieler mit Chuzpe sich eine Farm als Lebensgrundlage gewinnen und unterhalten kann. Das Motiv ist uns übrigens leidlich bekannt aus Film und Fernsehen, in vertrackten Situationen gestrandete Menschen, die irgendwie miteinander ihr Glück finden. Die zweieinhalb Männer des Charly Sheen fallen da spontan ein – einem Ashton Kutcher nimmt man den Trunkenbold nicht ab. Sehr anrührend dagegen hat in jüngerer Zeit Bill Murray als heiliger Vincent das Thema sogar auf die Kinoleinwand gebracht.

Der wirklich wahre Experte für verlorene Seelen am Pazifikstrand ist natürlich der große Steinbeck. Steinbeck nun ist gewaltig, echt episch, deshalb auch anstrengend und oft sehr traurig. Die Kinder werden zu früh erwachsen und vor allem Steinbecks Frauenbild ist noch sehr konservativ. Da wüten östlich von Eden männerfressende, scheinbar direkt der Hölle entsprungene Prostituierte. Arme, alte Mütter wiederum versterben auf kräftezehrender Wirtschaftsflucht und müssen ohne Grabstein verscharrt werden in fremder Erde, aus welcher dann zwangsläufig nur Früchte des Zorns wachsen können. Steinbecks Frauen kosten Nerven.

Das tut Fup in keiner Weise. Eine fette, zickige und autoritäre Ente ist nun mal viel beschaulicher und harmloser. Als einzige weibliche Hauptrolle in dem kleinen Märchen funktionert sie. Völlig anders als erwartet, aber erstaunlich gut funktioniert sie. Wer eine Rezension lesen will, die aus den wichtigsten Textstellen besteht, kann sich hier beim Deutschlandfunk davon überzeugen.

Jim Dodge hat mit Fup eine ehrliche Komödie über eine tieftraurige Situation geschrieben. Denn wenn eine Katastrophe erst einmal Alltag geworden ist, kann man darüber lachen. Und an seinem persönlichen Rezept für das Glück feilen. Eine Farm im Nirgendwo und eine Destille sind ein guter Anfang. Viel mehr braucht man auf der Welt nicht zum Glücklichsein.

Enten kämpfen

Banger Testen, damit das Haschöl-Kiffen noch mehr Spaß macht

Den ganzen Sommer lang ist hier nichts mehr neues erschienen. Man hätte sich fragen können, ist das Blog tot oder schläft es nur? Im Falle der drogenpolitik ist die Antwort natürlich eindeutig: Es war bekifft. Wir haben endlich wieder täglich Cannabis konsumiert. Und konnten dabei auch neue Themen sammeln. Wir haben nämlich fleißig Banger getestet. Was? Genau, bang, bang, Maxwell’s… Ein Banger ist ein Glasbecher, der tatsächlich aussieht, wie ein kleiner, silber glänzender Hammer. Und der trifft die relevantesten Zentren im Gehirn mit betäubender Genauigkeit. Dieser Glasbecher ist dazu da, um Konzentrate, Also das Harz unserer berauschenden Lieblingspflanzen zwecks Inhalation zu verdampfen. Ob die Beatles auch schon Haschöl hatten?

Es wird also heute wieder technisch. Und wirklich neu ist das Thema auch nicht, wir haben die selbe Geschichte schon an anderer Stelle erzählt, aber schämen uns dessen nicht. Alles menschliche Streben ist ja letztlich immer nur Wiederholung und Variante der Wiederholung. Im Klartext heißt das:

Der heutige Artikel interessiert eigentlich nur Leute, die Haschöl dabben oder damit anfangen wollen.

Für alle interessierten, die aber die alten Artikel nicht noch mal lesen wollen, sei hier noch einmal kurz erklärt: Eine moderne Haschölpfeife sieht aus wie eine kleine Blubber, aber sie hat keinen Kopf, sondern einen sogenannten Nail, eine Fläche, auf der das Haschöl verdampfen soll. Der Nail wird in der Regel mit einem Gasbrenner, der Torch, erhitzt. Dann lässt man ihn wieder so weit herunterkühlen, dass das wirkstoffreiche Hanfpflanzenkonzentrat angenehm aromatisch verdampft, ohne dabei zu verbrennen. Nails werden aus verschiedenen Materialien und in verschiedenen Formen gebaut. Banger heißen becherförmige Nails aus Glas, die man beim Dampfen mit einer sogenannten Carb Cap zudeckt.

Nix ist für die Ewigkeit

Weil ein Nail, egal aus welchem Material, für jede neue Konsumeinheit erhitzt werden muss, geht er irgendwann kaputt. Mit jedem Einsatz nimmt seine Fähigkeit ab, Hitze zu speichern und möglichst gleichmäßig abzugeben. Und irgendwann ist das Ende der Fahnenstange erreicht und es muss ein neuer Banger her. Die kosten 20 bis 40 Euro und halten, mit bekifftem Verstand grob geschätzt, 100 bis 300 Anwendungen. Das ist nun um einiges teurer als Jointpapier oder ein neues Siebchen für den Kopf. Aber es gibt so viele verschiedene Varianten, die alle unterschiedliche, neue Geschmackswelten versprechen, dass Sammlern und Journalisten der Stoff nie ausgeht.

Die ersten paar Gerätschaften hatte ich schon anderer Stelle hier vorgestellt. Inzwischen sind einige neue dazu gekommen und auch wieder den Weg alles Zeitlichen gegangen.

Ein wichtiger, bisher noch nicht dokumentierter Schritt in der Drogenkarriere der haschölkiffenden Redaktion war die Anschaffung einer ordentlichen Pfeife, auf Dabben heißt das jetzt also eine Rig mit Banger. Die Wahl fiel auf die winzige Claude von der Firma MJ Arsenal.

Claude MJ Arsenal Mini Rig

Der Claude, ist, wie alle Mini-Rigs von MJ Arsenal wenig höher als 10 Zentimeter, haut aber rein wie ein großer. Es handelt sich um einen sogenannten „Recycler“, die Kühlung erfolgt nicht nur unten im Wassereservoir. Das Wasser wird durch mehrere Röhren in den trichterförmigen, oberen Tank gesogen und bildet dort einen Wirbel feinster Tröpfchen. Hübsch anzusehen und mild und aromatisch im Geschmack. Der mitgelieferter Banger tut solide, was er soll.

Mikro-Bong

Diese Wasserpfeife ist wirklich sehr, sehr klein. Hätte ich sie im Laden gesehen, hätte ich sie wahrscheinlich nicht gekauft, denn für einen Bongraucher wirkt die Winzigkeit etwas unseriös. Für Dabber und Haschölkiffer aber gibt es fast keine Läden. Nur das Internet ist unser Headshop und auf den Bildern sehen die Arsenal-Produkte schon ziemlich beeindruckend aus. Das ist die Bong 2.0, absolut Instagram-tauglich. Und sie sind wirklich gut, die Größe ist völlig richtig bemessen.

Eine Bong zumRauchen braucht großes Volumen für effiziente Kühlung und geringen Ziehwiderstand, damit man schnell viel Wirkstoff über die Lunge ziehen kann. Ölpfeifen aber müssen klein sein und hohen Ziehwiderstand haben. Der Dampf darf nicht zu stark abkühlen, damit der konzentrierte Wirkstoff auch wirklich in der Lunge landet und nicht im Glas kondensiert. Enge, kleine Luftkanäle sorgen für Unterdruck, der ist bei dem Prozess aus diversen Gründen auch förderlich. Die Arsenal-Pfeife muss nun nicht die beste sein. Aber mit 50 Euro inklusive Banger ist sie auch relativ günstig, Ölpfeifen ohne Nail fangen sonst eher ab 80 Euro an und können dann schnell teurer werden.

Der mitgelieferte Banger ist in Ordnung. Er entfaltet keine Geschmackssensation, ist eher etwas kratzig. Das können andere Produkte besser. Der schlanke, hohe Becher war wie ein zuverlässiges, kleines Moped, das immer gerne angeworfen wurde für den kleinen Hit zwischendurch.

Kreislauf

Terp Cycler

Beim Terp Cycler ist der Name Programm: Nichtverdampftes Harz rutscht durch ein Loch im Boden und wird durch die Schlaufe zurück in den Banger geschleudert. Die Cap läuft spitz wie eine Nadel zu, mit ihr kann der Dab mitten im gerippten Heizelement, einem losen Einsatz, platziert werden. Zur Reinigung reicht es, einen Schluck Isopropanol für ein paar Minuten in den warmen Banger zu geben, das Reinigungsmittel kann aufgefangen und wiederverwertet werden.

Dann kam der Diamont Loop Terp Cycler, eine ausladende Konstruktion, wie ein alchemistischer Destillierkolben, aus filigranem Glas. Dieses Gebilde kann einem schon Angst machen. Es funktioniert, genau wie es soll. Und das ist das Problem. Der Geschmack ist unglaublich gut. Das Gerät ist extrem einfach zu bedienen, die Spitze der mitgelieferten Cap kann man als Dabber benutzen, Harz drankleben, aufsetzen und der Dab verschwindet in dem Walzenförmigen Heizelement. Wie viel man dabei konsumiert, ist völlig egal. Kleine Portionen schmecken, aber die größeren schmecken immer besser. Erst bei einem fetten Popel, groß wie anderthalb Reiskörner und mehr, kommt er richtig auf Touren. Beim Schmelzen schlotzt das Harz dann sichtbar durch das Röhrchen und wird wieder gegen das gerippte Heiz-Inlay geschleudert. Ein Fest für alle Sinne. Dann kommt auf einmal die Ernüchterung: Was, schon kaputt? Das waren doch nur ein paar Tage. Nein, ein Blick auf den Lieferschein bestätigt: es waren gute drei Wochen. Und in der Zeit wurde – konservativ geschätzt – wahrscheinlich viermal soviel gedampft wie vorher. Also war der Terp Cycler von der Haltbarkeit genauso gut, wie alle anderen, das ist schon in Ordnung. Würden wir ihn nochmal kaufen? Mhh, das Becherchen ist gefährlich und teuer. Außerdem ein wenig zu groß für unsere kleine Minipfeife, die kippt gern um damit. Erst mal nicht wieder. Vielleicht, wenn wir zu Erntedank-Feierlichkeiten eingeladen weden und ein passendes Mitbringsel suchen. Einmal im Leben sollte man den Terp Cycler aber ausprobieren.

Dick und gemütlich

Jetzt sitzt auf der Arsenal Mini-Rig ein einfacher Banger, aber aus 4 Millimeter dickem Glas. Der Passt von den Größenverhältnissen her vorzüglich zur Pfeife. Und arbeitet zuverlässig und sicher, vom Charakter her ein gemütlicher Bär. Der Geschmack ist dicht und komplex, auch sehr weich, aber vielleicht nicht ganz so luftig-frisch, wie beim Terp Cycler. Große Portionen verarbeitet der dickwandige Banger anstandslos. Das dicke Glas vermittelt einen soliden Eindruck und das Auge kifft schließlich mit. Bei ganz großen Portionen stößt der Banger allerdings an seine Grenzen. Es bleibt eine Pfütze Wachs zurück und es können Tropfen ins Verbindungsröhrchen gesaugt werden. Für die ganz dicken Hits sind Sondermodelle wie Terp Cycler oder Thermal Banger eindeutig die bessere Wahl. Wenn man eine Empfehlung aussprechen wollte: Ein 4-Millimeter-Banger für den Alltag und dabei ein Sondermodell wie den Terp Cycler für die besondere Wochenend-Session in der Schublade.

Claude mit 4-mm-Banger

Dieser einfache Banger mit 4 mm starken Wänden vermittelt Sicherheit und Solidität, das Gerät wirkt, als sei es aus Panzerglas, hier sind unsere Drogen wirklich sicher aufgehoben.

Edinburgh, die Whisky-Hauptstadt

Schottland ist für den Besucher erstmal in erster Linie Scotch. Natürlich darf man Schottland, die Menschen und ihre Kultur nicht einfach auf den Alkohol reduzieren. Viele andere Drogen sind dort ebenfalls beliebt. Auch ist der Alkohol selten allein, sondern meist in Verbindung mit dem Essen zu sehen. Wobei natürlich Alkohol wichtiger ist, denn nicht zu jedem Schnaps ist immer auch eine Mahlzeit nötig, wohl aber zu jeder Mahlzeit mindestens ein Schnaps. Denn echtes schottisches Essen ist ohne Alkohol tunlichst zu vermeiden und eigentlich eine physiologische Unmöglichkeit. Über das Essen aber wird in unserem familienfreundlichen Reiseblog geschrieben, hier sei nur vom harten Stoff die Rede, dem Scotch als Malt Whisky in seiner veredelten Form.

Schottland ist immerhin das einzige Land dieser Erde, das nach einer Spirituose benannt wurde. Das nördliche Ende der großen britischen Insel bekam seinen Namen, als König David I im 12. Jahrhundert in einem Sumpf sturzbetrunken vom Pferd fiel. Der eitle König verklärte sein Mißgeschick sogleich als wunderbehafteten Zusammenstoß mit einem gottgesandten Hirsch. Der mißgünstige Hofstaat jedoch kolportierte die ungeschönte Wahrheit und im Volk hieß die Gegend, die bis dahin noch keinen eigenen Namen gehabt hatte, von nun an „Trostlose Einöde, wo der König sich unbeobachtet mit Scotch vollaufen lässt.“ Auch wenn das Gälische lange und umständliche Ortsnamen liebt, hatte sich bis zum Spätmittelalter die griffigere Bezeichnung „Scotchtrinkerland“ durchgesetzt.

Nach der Reformation kam es in Britannien bekanntlich zu blutigen und äußerst komplizierten Bürgerkriegen. Den Parteien war kein Anlaß zu billig, um einen Streit vom Zaun zu brechen. Vor allem die Presbyterianer störten sich an der Bezeichnung „Scotchtrinkerland“, die alle Bewohner pauschal diffamiert. Die Religionskriege tobten munter weiter, erst nach der Hinrichtung Maria Stuarts konnte von kirchlichen Würdenträgern der Nachweis geführt werden, dass die Menschen in Schottland keinswegs nur Scotch, sondern bei vielen Gelegenheiten auch Gin und oft sogar nur Bier trinken. Unter König James, im Deutschen als Jakob I bekannt, dem Sohn der unglücklichen Maria, wurde der Landesname schließlich in allen offiziellen Urkunden rückwirkend zu „Scotland“ verkürzt.

Die Verehrung berauschender Substanzen jedenfalls gehört fest zum Nationalcharakter der Schotten, denen damit das Kunststück gelang, fanatisch-ernsthaften Protestantismus mit dem allerfröhlichsten Rauschbedürfnis zu vereinen. Es lohnt sich für den Besucher, sich mit der Religionsgeschichte und den Nationalheiligen auseinanderzusetzen.

Juvenile Drunk Driving

Alle reformierten Kirchen Schottlands verehren Harry Potter als den Schutzheiligen jugendlicher Trunkenheitsfahrer. Schon in der Grundschule lernen Kinder die Standardausreden: Der Baum ist lebendig geworden und hat das Auto angegriffen! – Ron hat am Steuer gesessen, sie wissen schon, der Rothaarige! Die Firma Lego unterstützt das Bildungsziel mit pädagogischem Spielzeug.

Wie bei allen keltisch-spirituosenaffinen Völkern genießen auch in Schottland die Dichter und Schriftsteller einen besonderen Heiligenstatus. In den Pantheon aufgenommen und zu Schottin ehrenhalber ernannt wegen ihres Schaffens wurde die Engländerin J.K. Rowling. Mit dem Erfolg ihres Harry Potter verkörpert Rowling den Lebenstraum aller Briten, denn sie brachte es von der Sozialhilfeempfängerin zur vielfachen Millionärin allein durch Unsinnerzählen. Sie ist die Schutzheilige der größenwahnsinnigen Phantasten, führende Lügenbarone wie Elon Musk oder Donald Trump sollen morgens vor einem Portrait der Ausnahmeautorin meditieren, so stärken sie den Glauben an ihre eigenen Hirngespinste.
Rowling selbst brauchte indes nicht viel Phantasie, weil sie ihren Zauberlehrling in Edinburgh schrieb. Die Innenstadt ist beeindruckend und wirkt mit der Masse massiger, historischer Gebäude eher wie eine Filmkulisse, als ein Ort zum Leben. Die Bewohner Edinburghs wiederum sind tagsüber alle leicht verkatert. Viele wirken etwas fahrig, wie unwirkliche Schatten ihrer selbst, als ob ihre wahre Existenz in einer durch Zauberei entrückten Parallelwelt stattfände. Als Fremder fühlt man sich ausgeschlossen, da hilft auch kein Bier. Erst wenn man am Abend den ersten Tropfen Single Malt kostet, erschließt sich die Magie der verwinkelten Gassen und Treppen. Wenn man dann genug davon trinkt, kann man auch eine Kollision mit einer soliden Ziegelmauer als Entdeckung einer Geheimtür in bisher ungeahnte Dimensionen empfinden.
Um der Realitätsverschiebung die Schärfe zu nehmen, sei es gewöhnlichen Sterblichen dringend Empfohlen, schon Mittags oder früher mit zunächst kleinen Portionen Malt Whisky zu beginnen und nur im äußersten Notfall bei brennender Kehle mit Bier zu löschen. Das hilft auch bei der organischen Gewöhnung an den Linksverkehr, welcher vor allem für nüchterne, kontinentaleuropäische Fußgänger nicht ungefährlich ist.

Nationaldichter Irvine Welsh

Mitten in der Stadt vor dem Hauptbahnhof steht ein gewaltiges, kirchturmartiges Monument, das eine Statue des Dichterfürsten Irvine Welsh beherbergt. Dieser schuf mit dem polytoxen „Trainspotting“ das schottische Nationalepos. Die Helden symbolisieren die unterschiedlichen Aspekte des täglichen Kampfes des Schotten gegen die Nüchternheit. Invalide Soldaten, Seefahrer und Arbeiter der Ölborinseln in der Nordsee richten ihre Dankgebete an den Heiligen Welsh, wenn mit ihrem Rentenbescheid auch das Opiatrezept eingetroffen ist.

Der schottischen Seele am allertrefflichsten auf den Grund geht jedoch das weniger bekannte Heldenlied „Angels‘ Share„. Hier wird gesungen von der Läuterung und Wandlung des mittellosen Straßenschlägers Robbie, der durch einen Bewährungshelfer in die hohe Kunst des Whisky-Tastings eingewiesen wird und so Zugang zu den höchsten gesellschaftlichen Kreisen erhält. Robbie nutzt sein Talent und kann so in die Königsklasse der Diamantendiebe aufsteigen. Sein Gesellenstück ist der Diebstahl von ein paar Flaschen des teuersten Whiskys der Welt, schließlich erlangt er die Weihen des bürgerlichen Lebens mit einer Festanstellung in einer Destillerie. Robbie ist der Schutzheilige der Barkeeper und Kellnerinnen, die allesamt große Experten für hochwertige Spirituosen sind. Wer freundlich ist und den Lieblingswhisky des Hauses bestellt, wird jedes Mal positiv überrascht. Um sich die Namen der Getränke dann auch zu merken, braucht es allerdings schon etwas intensiveren Zauberunterricht.

Rugby

Der Ball ist eiförmig und die Mannschaft hat 32 Zähne – Hooliganismus ist in allen Teilen Britanniens ein beliebter Zeitvertreib zwischen den Trinkgelagen. Erste Nachweise von gelebter Fankultur sind schon aus der Jungsteinzeit erhalten.

Berliner Weinmesse 2019

Im Briefkasten lagen mal wieder Freikarten für die Weinmesse und diesmal hatten wir sogar Zeit, da auch hin zugehen. Bei so einem Event ist sorgfältige Vorbereitung geboten. Der disziplinierte Kiffer erscheint natürlich nüchtern zu einer Weinprobe, damit alle Sinne klar und scharf sind und man die wertvollen Produkte auch entsprechend würdigen kann. Gut, vielleicht darf man sich ein ganz kleines Körnchen Haschisch am Vormittag gönnen. Wenn der Weinprobenkumpan dann allerdings erst am späten Nachmittag erscheinen kann, muss unmittelbar vor der Bahnfahrt noch einer durchgezogen werden. Es ist schließlich total unverantwortlich, sich dem Berliner Nahverkehr völlig unbekifft auszusetzen. Und wenn man eh mal wieder seit ein paar Wochen täglich gekifft hat, wird einer mehr oder weniger die Geschmacksnerven jetzt auch nicht mehr großartig denormalisieren.

Bis auf kleine, hobbyfotografische Verzögerungen verlief der Hinweg schon einmal Reibungslos. Bei dem schönen Frühlingssamstag, den wir dank diverser globaler Umstände jetzt schon Mitte Februar genießen dürfen, fiel uns dann auf dem Hinweg das scharfe, nordische Licht auf, welches wiederum das Hauptgebäude des Messegeländes am Funkturm in seiner ganzen Gigantomanie schön kontrastreich in den Nachmittagshimmel zeichnete – die Kunstgeschichte kennt wohl einen Ausdruck für die Architektur des Faschismus, aber mir fällt er grad nicht ein. Eckig und groß halt – Neo-Klassizismus? Egal es lohnt sich nicht, das jetzt nachzulesen, könnt ihr ja selber googlen, wenn’s Euch interessiert. Hier soll ja eigentlich was von Wein geschrieben werden.

Ensemble der Flaschen

An diesem Stand probierten wir gar nichts, aber das hübsche Ensemble der Flaschen vermittelt einen schönen Eindruck der Veranstaltung.

Zu simpel für Fachsimpeleien

Und spätestens jetzt, nach dieser völlig unalkoholischen Einleitung merkt ihr, dass wir bei der drogenpolitik von Wein eigentlich mal so richtig gar keine Ahnung haben. Wir wollen uns nur gepflegt einen auf die Lampe gießen und bei Wein darf man sich dabei ja bekanntlich auch noch kultiviert fühlen.

Also rein ins Getümmel. Als erstes besorgt man sich am Eingang gegen Fünf Euro Pfand ein Glas, dann geht es auch schon los. Jetzt kann man damit einfach zu einem Stand gehen und sich ein Schlückchen einschenken lassen. Mitunter wird man allerdings vorher mit unangenehmen Fragen belästigt, die zum Inhalt haben, welchen Wein man denn nun probieren wolle. Was wiederum für anglophile Protestanten, die sich nicht so richtig mit Wein auskennen, schwierig sein kann. Aber solange man sich nicht schämt, nördlich des Mains aufgewachsen zu sein, kommt man da mit einem frechen „Weiß/Rot“ oder „überraschen Sie mich!“ ganz gut zu seiner Kostprobe. Passend zum Aufwärmen befand sich direkt hinter dem Glasverleih ein Stand mit Winzersekt. Die Frage „süß, trocken oder mittel“ konnten wir auch souverän beantworten. Trocken war dann leider etwas zu trocken, aber es ging ja hier nur um einen kleinen Weckruf für Kreislauf und Geschmacksnerven. Hätten wir uns besser ausgekannt, hätten wir schon hier Sachkenntnis beweisen können, in dem wir schnell den winzigen Rest des Probierschlückchens in das bereitgestellte Gefäß gegossen und nach dem nicht ganz so trockenen gefragt hätten. Aber wir zogen weiter und stellten unsere Unkenntnis beim nächsten Stand direkt wieder unter Beweis, in dem wir als erstes mit einem massiv schweren, spanischen Rotwein starteten. Danach schmeckten die meisten Weißweine dann eher wie aromatisiertes Wasser.

Der Philosoph vom Dreimäderlhaus

Dieser Philosoph überraschte nicht nur mit Leichtigkeit, sondern auch einem ganz ausgeprägten Geschmack von Aprikosen oder Holunderblüten oder etwas ähnlichem. Das Redaktionsteam war geteilter Meinung, aber kann man wirklich Tiefgang von einem Philosophen erwarten, der grade aus einem 3mäderlhaus kommt?

Durchaus lernfähig

Nach ein paar Versuchen, die tatsächlich zu Geschmackserlebnissen führten, welche Weinkenner als elegant oder fein, aber komplex beschreiben würden, verlegten wir uns dann doch auf Rot. Und konnten so tatsächlich unser Weinwissen erweitern. Bei Rotweinen deutscher Winzer kann man nämlich sehr schön die Handwerkskunst bewundern. Es lohnt sich zum Beispiel, die selbe Traube nach unterschiedlichem Ausbau zu verkosten. In jedem Fall müssen die Produzenten aus nördlicheren Regionen viel Mühe in ihre Produkte stecken. Bei den Sonnenländern wie Spanien, Frankreich oder Chile muss der Winzer wenig tun oder den Wein gar zähmen. Da nämlich haut einem meist schon beim Geruch der Sommer um die Ohren. Hier beeindrucken schwere Körper und sehr viel Aroma, vor allem bei chilenischen Gewächsen kann man eigentlich nichts falsch machen. Zu diskutieren bliebe da meist nur, wie stark das zum Wein passende Rinderfilet dann gepfeffert sein darf. Die Antwort würde lauten, bei Chilenen wäre das egal, bei Spaniern mittel und bei Franzosen eher dezent. Aber das ist bei jeder Traube und jeder Zunge höchst individuell und soll hier keinesfalls als letztgültiges Urteil ausgelegt werden.

Im Eiskübel

Ob wir an diesem Stand etwas verkosteten, wissen wir nicht mehr. Auf jeden Fall probierten wir nichts aus dem fotogenen Eiskübel, denn zu diesem Zeitpunkt befanden wir uns schon mitten in unserer Rotweinphase.

Am Ende führt Alkohol zum Erfolg

Bei einem chilenischen Händler wurden wir dann auch fündig bei unserer immerwährenden Suche nach richtigen Drogen. Hier erstanden wir für günstiges Geld einen Pisco, welchem wir aber demnächst noch einen eigenen Artikel widmen werden. Dieser spirituöse Erfolg wurde dann kurz vor Ladenschluss noch mit einem kostenpflichtigen Gin Tonic besiegelt.

Gin Tonic

Der Gin von Brockman schmeckt so dermaßen überhaupt nicht nach Wacholder, dass der Gin Tonic daraus überaus passend mit einer Blaubeere und einer Pampelmusenzeste serviert wurde.

Denn was helfen einem 12 % Alkohol, wenn man nach gut drei Stunden Weinprobe tatsächlich nicht mal angeheitert die Messehalle verlässt? Zugegeben, so eine nüchterne Weinprobe kann schon Spaß machen. Und es ist ein wirklich schönes und empfehlenswertes Hobby für Leute, die sich für Drogen interessieren, aber keine Zeit mehr für einen anständigen Rausch haben. Wir aber werden uns, allein schon aus Platzgründen, jetzt aber keine Weinsammlung zulegen, sondern bis zur nächsten Weinmesseneinladung wie gehabt bei unseren recht seltenen Traubenbedürfnissen einfach zum Weinhändler um die Ecke gehen, wo wir nach Nennung von Anlass und Preisvorstellung zuverlässig etwas feines empfohlen bekommen.

Funkturm

Nüchtern, aber keineswegs ernüchtert verließen wir die Messe. Zumindest aber der Funkturm hatte alle Lichter an.

Die Sache mit dem Kratom

Der alte Affe

Alle haben sie einen gewarnt und man hat sich so ein bisschen gefühlt wie bei den Kindern vom Bahnhof Zoo, nur bei uns war das natürlich ganz anders, weil wir niemals fixen würden und überhaupt sind wir ja eh total vorsichtig und gar nicht so suchtgefährdet. Es war fast so wie man sich das so vorstellt, nur dass wir am Ende eben tatsächlich nicht komplett abgekackt und auf Opiaten hängen geblieben sind. Schwein gehabt. Knapp war’s trotzdem und ich kann nun aus eigener Erfahrung sagen, so ein Entzug  ist echt nicht witzig. Obwohl es in meinem Fall nur 2-3 Tage RLS (Restless Leg Syndrome) und frieren nach neun Tagen Dauerkonsum im Rahmen einer intensiven symbiotischen Verschmelzung mit einem Mitmenschen waren.

Mit einer bestimmten opioid wirkenden Pflanze habe ich die meisten Erfahrungen gesammelt. Sie ist völlig legal, nicht im BtmG gelistet und frei erhältlich, was ich persönlich nicht schlimm finde, da ich ohnehin eine Legalisierungspolitik unterstütze, aber das gehört hier jetzt nur am Rande bemerkt.

Die Rede ist von Mitragyna speciosa, allgemein auch bekannt als Kratom.

Als ich zum ersten Mal davon erfuhr, war ich gleich neugierig. Denn allgemein äußerten die Menschen in entsprechenden Chatrooms und Foren die Meinung, dass dieses Kraut ein sehr geringes Suchtpotential habe und ohnehin eher subtil wirke. Es wird zumeist in Pulverform angeboten und als Tee oder in Kapselform oral konsumiert.

Durch die subtile Wirkung ist Kratom recht alltagstauglich, aber auch nett für einen entspannten Abend. Da die Rauschwirkung einen nicht so umhaut, hat man in der Regel auch keine Probleme mit Blackouts oder der Verdauung. Es sei denn, man konsumiert täglich, was, entgegen der allgemeinen Meinung des Internets, durchaus recht fix zu einer körperlichen Abhängigkeit mit typischen Entzugssymptomen führen kann. Dennoch muss auch gesagt werden, ein Entzug von Kratom ist in der Regel nicht so intensiv wie der von starken Opiaten wie beispielsweise Morphium. Nicht, dass ich da persönlich großartige Erfahrungen hätte, solche Vergleiche ziehe ich vor allem aus Berichten von Freunden und dem gelobten Internet.

Tagtraum

Keine Tagträume, dafür Nebenwirkungen

Kratom ist auf jeden Fall nichts für Konsumenten, die es auf Nodding abgesehen haben. Nodding ist dieses Dösen im traumartigen Halbschlaf nach Opiatkonsum. Bei manchen Sorten ist es in höherer Dosierung zwar durchaus möglich, diesen Zustand zu erreichen, aber das geht meiner Erfahrung nach mit dementsprechend verstärkten Nebenwirkungen einher. Es stellt sich außerdem recht schnell eine unangenehme, anhaltende Übelkeit ein, wenn man den Zeitpunkt des Konsums bzw. Nachlegens nicht an der Nahrungsaufnahme ausrichtet. Will heißen, hat man zu viel oder zu wenig im Magen, beeinflusst das sowohl den Wirkungseintritt, als auch die Übelkeit und den allgemeinen Rauschverlauf.

Mir persönlich vermiest aber vor allem eine Nebenwirkung den Rausch, nicht nur bei Kratom. Denn von Opiaten bekomme ich Kopfschmerzen und da bin ich nicht die einzige. Etwa ab der Hälfte des Rauschs stellen sich fast immer oberflächliche aber dennoch fiese Kopfschmerzen ein, die auch den gesamten nächsten Tag kaum abklingen. Ist das nicht paradox? Opiate und Opioide sind allround-Schmerzmittel, die Kopfschmerzen auslösen.

Wenn ich ganz ehrlich bin, heule ich dem aber kein Stück nach. Die Nebenwirkungen sind mir den Rausch nicht wert und das ist auch gut so. Während des Rauschs fühlt man sich so schön geborgen in sich selbst. Es ist schon wahr: ein Opiumrausch – oder auch ein Kratomrausch – ersetzt psychologisch gesehen körperliche Nähe und Zuwendung und nimmt einem Angst und Sorgen. Wie bei allen anderen Mittelchen mit ähnlicher Wirkung liegt aber genau darin die Gefahr und wie immer gilt auch hier, das Maß macht das Gift.

Gestrandet

Betrunken stirbt es sich schöner – Trink- und Leseempfehlung im Dezember

Der Dealer hat endlich vernünftigen Stoff! Ein klarer Brand aus Trauben, den man angenehm auch pur trinken kann. Lange schon suche ich danach.

Gut, die Suche war nicht wirklich intensiv. Wenn ich wirklich Suchtdruck gehabt hätte, hätte ich mich in naheliegenden Stadtvierteln intensiver umsehen können. Aber als Berlin-Zuwanderer bin ich ein dörflicher Charakter und möchte mich nicht gern ohne triftigen Grund aus meiner unmittelbaren Nachbarschaft entfernen.

Auf einmal aber steht da eine Flasche dieser göttlichen Essenz auf dem Regal. Und der Dealer weiß offenbar selber gar nicht so genau, was er da stehen hat. Wenn man nach Traubenbrand fragt, greifen er und seine Angestellten nämlich stets routiniert zu Grappa oder Hefe. Das aber sind keine Traubenbrände, denn sie wurden nicht aus dem reinen, vergorenen Saft destilliert, sondern aus Trester oder Hefetrub, nicht wirklich Abfall, aber doch Nebenprodukte der Weinherstellung. Und der Dealer ist eben ein Weinhändler, die Hauptgeschäftszeit ist nach acht Uhr abends mit nachbarschaftlicher Verkostung. In solcher Runde wird Schnaps eben für gefährlich gehalten und steht eigentlich nur als Deko über den Weinkisten

Sicher, es gibt ganz hervorragenden Grappa, vor allem seit Italiener in den 1990er mit hohen Preisen diese Spirituose für das distinguierte Bürgertum attraktiv machten. Es bleibt aber oft eine Schärfe, die Überwindung kostet oder durch umständlich lange Faßlagerung abgebaut werden muss. Den Traubenbrand dagegen kann man auch Nicht-Schnapstrinkern vorsetzen und hört dann nur: Oh, wie lecker.

Warum aber versteht keiner den Unterschied?

Einmal wird nicht mehr genug Schnaps getrunken. Zum anderen aber hat offensichtlich niemand „Tod in den Anden“ gelesen. Und diejenigen, welche es getan haben, glauben, es ginge um Morde oder Gesellschaftskritik und die üblichen Deutschlehrerprobleme.

Der Inhalt sei kurz zusammengefasst:

Die Geschichte Spielt im Nirgendwo und es passiert in erster Linie gar nichts. Die nicht passierende Handlung spielt in Peru in einer Polizeistation bei einer Wanderbaustelle im Hochgebirge. Die Arbeit auf der Baustelle ist hart und lebensgefährlich, das macht aber nichts, denn es gibt eine Kantine, wo sich jeder jede freie Minute bis Unterkante Oberkante mit Pisco zuschüttet, dem chilenischen Traubenbrand. Das reicht jetzt natürlich nicht für einen Roman, zudem es in diesem Außenposten der Zivilisation praktisch keine Frauen gibt. Aber zum Glück lauert ja, wie stets im Leben, der Tod in jedem Winkel. Nach Regenfällen krachen Steinlawinen die Abhänge hinunter und in der Einöde treiben Terroristen vom maoistischen „Leuchtenden Pfad“ ihr Unwesen und bringen, in Ermangelung echter Klassenfeinde auch alle anderen Andersdenkenden um. Die Terroristen nun tauchen gar nicht auf, machen aber trotzdem allen Angst.

Tatsächlich und konkret sind drei Arbeiter von der Baustelle verschwunden und der eigens aus der Stadt versetzte Polizeioffizier Lituma soll die Fälle aufklären. Dazu findet er sich oft in der Kantine ein und trinkt Pisco, serviert von den Wirtsleuten, dem ambitionierten Ehepaar, Dionisio und Adriana. Praktischerweise avancieren die Schankleute schnell zu Litumas Hauptverdächtigen.

Der Fall bleibt ungelöst

Für die objektive Beweissicherung eher unpraktisch ist allerdings der Umstand, dass es sich um Personifikationen antiker Gottheiten handelt, nämlich den Weingott Dionysos und Ariadne, die Frau mit dem roten Faden. Während der promillelastigen Ermittlungen ergibt sich, dass die Wirtsleute wahrscheinlich in der Kantine Bacchanale veranstaltet haben, bei welchen die versammelte Arbeiterschaft die Verschwundenen als Menschenopfer verspeiste. Der Mensch Dionisio jedenfalls ist überzeugter Anhänger eines alten Indio-Glaubens, demzufolge rachsüchtige Berggeister ständig die Menschen bedrohen und daher besänftigt werden müssen, Menschenopfer beim Straßenbau gehören zur liturgischen Routine. Der Wirt und seine Frau sind nicht nur Priester dieses Kultes, sie sind die personifizierten Götter, archaisch und unbarmherzig, die ganz alte Schule. Die Gnade, mit der Abrahams jähzorniger Gott einst auf das väterliche Menschenopfer verzichtete, ist diesen altvorderen Torheit und Ärgernis, die sie nicht weiter kümmert. Natürlich kommt der Fall zu keinem Abschluss, Humbug und Aberglauben sind schließlich nicht justiziabel.

Der Roman handelt vom langsamen Vordringen der Zivilisation in die Lebensvernichtende Wildnis. Mühselig wird eine Straße in und aus dem Berghang gehauen. Und immer wieder machen Bergstürze die Arbeit zunichte. Dionisios leistet dabei natürlich auch seinen Beitrag zur fotschreitenden Zivilisierung. Er hat von der Küste den echten Pisco gebracht, damit die Arbeiter nicht mehr Fusel aus Trester oder Rum saufen müssen. Der Brand aus dem echten Wein nämlich hat ganz besondere Qualitäten. Die zeigen sich bei erfolgreicher Geisterbeschwörung und außerdem macht guter Brand keinen Kater.

Mario Vargas Llosa ist, als einer der großen südamerikanischen Schriftsteller, Pflichtlektüre für Bildungsbürger. Für oder gegen ihn, je nach Präferenz, spricht sein Bekenntnis zum Neoliberalismus, das macht Vargas Llosa in der sonst eher sozialistisch eingestellten Schriftstellerlandschaft Lateinamerikas zu einer besonderen Persönlichkeit. Als Gegenkandidat von Fujimori hat er sich sogar mit der Berwerbung auf das Höchste Staatsamt Perus politisch eindeutig betätigt. Das behinderte aber nicht seinen Nobelpreis für Literatur.

Fürs Leben lernen mit Literatur

Ungeachtet aller politischen Präferenzen können wir aus dem Buch wichtige Schlüsse ziehen: Schnaps ist das Mittel der Wahl für alle, die mal die Zivilisation hinter sich lassen wollen oder müssen. Als Rohstoff wäre Getreide, zumal ukrainisches, für uns Deutsche dabei aber nicht unbedingt die erste Empfehlung. Es könnte bei der Beschwörung vorzivilisatorischer Geister zu unguten, kulturellen Synergieeffekten kommen. Viel lieber sollten wir uns auf die Verbindungen zur uralten Zivilisation des römischen Reiches und deren staatstragenden Traubensaft besinnen. Schließlich hat sich ja auch unser Erlöser, der sich endgültig zwischen uns und den potentiell Menschenfressenden Rachegott stellte, als Erlöser zu erkennen gegeben, in dem er in der Stunde des Mangels hochwertigen Wein produzierte.

In diesem Sinne wünscht die drogenpolitik allen Lesern betrunkene Weihnachten

Traubenbrand

Berliner Stout Brand – der umständlichste Schnaps der Welt

Schnaps im Glas

Brewbaker macht endlich richtig harte Drogen mit ordentlich viel Alkohol drin. Zur Verkostung und zum Verkauf stand in der Brauerei ein Stout-Brand mit soliden 40 Umdrehungen. Aus hauseigenem Schwarzbier destilliert, wurde das Wässerchen dann einige Jahre auf Holz gelagert, sogar verschiedene Sorten sind im Angebot. Die Chefin kredenzte dem neugierigen Besucher die No. 3, „Dunkle Premium-Röstung“, diese erste Empfehlung war direkt ziemlich lecker und wanderte in den Einkaufskorb. Da erstanden wir also ein Fläschchen feinen, deutschen Kornbrand, durch Ausbau auf Holzspänen wurde daraus sogar so etwas wie ein richtiger Whisky. Das Getränk ist sehr edel und macht sich auch hübsch im Glas. Ein wirklich angenehmer Absacker, auch gut zum Wachwerden um 9 Uhr Abends, wenn ein Abgabetermin unangenehm nahe gerückt ist oder man seit einem Monat keine Blogbeiträge mehr veröffentlicht hat.

Über die subjektiven Eindrücke einer Spirituose könnte man nun viel reden, vom Lesen allein wird aber keiner betrunken und am Ende schmeckt es jedem anders. Konkrete Werte sind da viel interessanter. Der Tropfen hat nämlich einen nicht unerheblichen Makel, welcher dringend kommuniziert werden muss: Der Spaß ist unglaublich teuer. Eine Flasche ist nun mit 25 Euro durchaus bezahlbar und ein nettes Mitbringsel. Bis man dann realisiert, dass da nur ein Viertel Literchen drin ist. 100 Euro kostet der Liter, meine Herren, selbst hochwertige Spirituosen müssen sowas schon mit einem alten Namen, besonders getöntem Flaschenglas oder einer schicken Geschenkverpackung rechtfertigen.

Das ist echt ein Unfall, anders kann man das nicht nennen. Das streiten die Brauer auch gar nicht ab. Der Schnaps entstand nämlich äußerst umständlich. Es fing wohl an mit ein paar tausend Litern Stout, bestellt und nicht abgeholt. Da wollte jemand den St.-Patricks-Day feiern und hatte vergessen, Iren einzuladen. Kann ja mal passieren. Immerhin besser als bestellt, abgeholt und dann nicht bezahlt. Nachverhandeln ist der Euphemismus für solche betrieblichen Unglücke auf Manager-Sprech und die sind für Mittelgroßunternehmer immer ein schöner Grund, mit huldvoller Miene zu verkünden, dass es dieses Jahr wieder kein Weihnachtsgeld gibt. Was aber macht ein Kleinunternehmer mit einer mittelkleingroßen Menge nicht besonders haltbarem Schwarzbier? Vergammeln lassen? Ja, das geht. Das ergibt Essig, der ist sogar gar nicht schlecht. Aber jetzt auch kein Hammer, leider kein 1000jähriger Bio-Balsamico oder so, sondern halt einfach so ein normaler, milder Salat-Essig. Der trägt die Verluste nicht. Also haben sie das meiste Bier zu einer Schnapsbrenne gekarrt, den Brand auf Fässer mit Holzspänen gezogen und so lange da liegen gelassen, bis der Frust über den verunglückten Auftrag einigermaßen verflogen war.

Immerhin, nach nur drei Jahren auf dem Holz kann der Berliner Stout-Brand sogar mit einem richtigen Single Malt mithalten. Gegengetestet wurde ein Duty-Free-Impulskauf zu 60 Euro/Liter, der, laut Etikett seine 12 Jahre im richtigen Holzfass auf dem Buckel hatte. Und die nehmen sich beide nichts, da macht der dreijährige Berliner keine schlechte Figur. Beide haben noch eine leichte Schärfe, die kann man so lassen, damit es sich nach Schnaps anfühlt, die kann man aber auch mit einem Tropfen Wasser rundschleifen. Das Ergebnis ist ein weicher Brand, edel und nachhaltig in den Aromen, aber nicht aufdringlich. Ob das Schwarzbier durchschmeckt, weiß ich nicht. Ich kann das nicht erkennen und ein einfaches Maischen von Malz ohne das Brauen wäre bestimmt ein bißchen billiger gekommen. Andererseits, wenn man sich mal andere Produkte aus Kleinbrennereien ansieht, die kosten auch alle ähnlich viel und werden aus Rücksicht auf die Psyche der Kunden ebenfalls in kleinen Fläschchen unter die Leute gebracht. Da schlagen sich eben immer Arbeitsaufwand und vor allem die Steuern nieder. Der Staat will schließlich auch fleißig von unserem Rausch profitieren, irgendwer muss ja die Infrastruktur eines Hochlohnlandes ersaufen. Trinken also ist immer förderlich für den Staatshaushalt und wenn es dem Staat gut geht, geht es auch den Menschen gut. Wem das zu unpersönlich ist, der konsumiere bewusst, hochwertig in kleinen Mengen und folge dem Motto der Drogenpolitik: Unterstützt die Brauer und Brenner in Eurer Nachbarschaft!

Herbstreise, angeheitert

In Märchen aus Neuengland wohnen in alten Häuser gern mal Geister und Spukgestalten. Angesichts der vergleichsweise kurzen Siedlungsgeschichte kann man sich in den USA noch an jeden Sonderling erinnern. In Europa funktioniert das nicht. Hier würden sich die Geister gegenseitig auf den Füßen stehen und in der Masse untergehen, ohne Beachtung zu finden. Unsere Geister sind ein namenloses Heer, als unheilvolle Schatten sind sie stets bedrohlich präsent, aber dabei alltäglich wie eine tiefhängende, graue Wolkendecke über dem Flachland.

So eine diffuse Angst hält uns von Polen ab. Man hat da nichts zu suchen. Ganz offiziell schlägt sich staatlich geförderte Ausländerfeindlichlichkeit nieder in Satzungen von Versicherungen und Autovermietern: Fahrt mit dem guten Auto nicht nach Polen, die klauen da nämlich Deutsche Premiumprodukte. Dem rheinischen Tunesier standen die Haare zu Berge vor Angst, als wir mal in Usedom die 50 Meter über die Grenze fuhren, um Zigaretten zu kaufen. Das war im Mietvertrag ausdrücklich verboten und die Welt steht schließlich kurz vor dem Untergang, wenn man gegen Klauseln des Automietvertrages verstößt. Abends auf dem Zeltplatz wurden wir von anständig deutschen Betrunkenen belästigt, wahrscheinlich als Gottesstrafe für unseren Mietwagenfrevel. Die mecklenburgischen Hühnen nämlich entschuldigten sich anschließend recht emotional, sie hatten uns wegen des Kennzeichens für Münchner gehalten, aber das ist eine andere Geschichte.

Drüben in Polen sah es eigentlich ganz interessant aus

Die Landschaft ist ja links und rechts der Grenze die selbe. Aber der Wald in Polen wirkte ein wenig so, als hätte noch kein bundesdeutscher Oberförster die Bäume höchstamtlich einzeln durchnummeriert.

Jetzt, Jahre später, ging es also endlich mal los, an die Ostsee nach Westpommern, in die Wojwodschaft zachodniopomorskie, seit dem beliebten Lustspiel „Der Totmacher“ auch als Hinterpommern bekannt. Ob nun Hinter- oder Vorpommern, Alleen begrenzen gigantisch riesige Schläge, die nur mit Leibeigenschaft und Subventionen wirtschaftlich zu betreiben wären. Der deutsche und ehemals deutsche Norden braucht keine Wüste, bei uns verhungert der Bauer genauso gut auch auf fruchtbarem Boden.

Wenn man über die Gegend spricht, benutzt man selbstverständlich die deutschen Ortsnamen. Alles andere wäre ja auch viel zu schwierig auszusprechen. Aber generell wird eher wenig darüber gesprochen. Ich lese mich ein, das ganze westliche Polen ist verlorenes Land. Worüber wir nicht reden wollen, müssen wir schweigen. Wir wissen nicht, wo Alesia liegt. Ich bin im Rheinland in einem Dorf voll Schlesier aufgewachsen und wusste das nicht. Es war mir auch ziemlich egal. Jeder kommt von irgendwo her und hat irgend einen Grund, warum er unsere Sprache in seinem Sinne interpretiert. Vor den Gründen aber verschlossen wir Augen, Ohren und Herzen, wir konnten es uns leisten. In meiner Familie stammt nur ein Großvater aus den Ostgebieten, dessen Familie war aber vor Krieg und Vertreibung, im Kontingent der Wirtschaftsflüchtlinge von einer Bergbauregion in die andere gewandert. Und wer aus wirtschaftlichen Gründen kommt, kann kein echter Flüchtling sein.

Flüchtling ist immer ein Mensch, der Haus und Hof aufgeben musste und deshalb gegenüber irgendwem einen Entschädigungsanspruch hat. Flüchtlinge, die sich gut integrieren, halten den Mund und lassen die Vergangenheit ruhen. Du jammerst nicht über Dein Leid und Deiner Oma ihr klein Häuschen und wir fragen nicht, wer wann in welche Partei eingetreten ist.

Die Sudeten wurden mit dem Stock vertrieben. In Polen hat man den Leuten gesagt, entweder ihr sprecht ab jetzt polnisch und hängt ein -owsky an euren Nachnamen oder ihr müsst ganz schnell gehen. Ein berühmter Professor meinte einmal, alles Land östlich der Elbe sei für Deutschland unnützer und gefährlicher Ballast. Nach 30 Jahren zähem Ringen ums Deutschsein war dieser von vielen favorisierte Idealzustand der ethnisch homogenen, nivellierten Gesellschaft in den fruchtbaren Gründen westlich der Elbe für eine Weile hergestellt. Bis uns Polen wieder nahe kam.

Zubrowka Czarna

In Polen trinkt man Wodka. Wer Sirituosen kauft, sollte nicht am falschen Ende sparen. In polnischen Supermärkten ist das Ende der Fahnenstange bei 10 Euro erreicht, zur allseitigen Befriedigung.

Kaum drei Stunden fährt man von unserer alten neuen Haupststadt

In Rewal stoßen wir an die Küste. Der Name des Dörfchen hat die Polonisierung relativ unbeschadet überstanden. Nur ein h ging dem alten Rewahl verloren. Der Strand ist so schön und breit und sauber wie ehedem. Die reichste Gemeinde der Provinz soll das Dörfchen sein. Die elegante Polin erklärt uns, am schönen Strand schwimmt die Sahne der Tourismusbranche oben, das Hinterland ist bitterer Bodensatz, hüben wie drüben weite Horizonte ohne jede Perspektive.

Das ganze Land war immer schon abgebrannt, wie wissender Kindermund verkündete. Nach jedem Feuer kommt immer irgend ein guter Herr, versucht, zu sähen und das Land zum blühen zu bringen.

Also ging der Herr hin und baute zwei große Werften an die Küste, damit die Hintersassen Gelegenheit bekämen, für ihr täglich Brot zu arbeiten. Eine westliche für die deutschen Pommern und eine östlich für die Polen. In der östlichen Werft sammelten sich die Bauern, wie einst Ulanen und Ritter mit Engelsflügeln, und vertrieben den östlichen Herrn aus ganz Europa. Zum Dank dürfen die polnischen Ritter jetzt jederzeit überall Putzen, auf dem Bau helfen und Brötchen backen, das ist mehr als fair.

Die Werften nämlich gibt es nicht mehr. Als der böse gute Herr vertrieben war, erklärte man den Bauern, dass ihre Küste zu gar keinem richtigen Meer gehörte. Zumindest zu keinem wichtigen. Und wer braucht schon Werften an einem unwichtigen Meer? Und die Bauern trinken Schnaps seit dem. Die Pommerschen gehen Putzen und die Vorpommerschen wollte keiner für gar nichts, weil die Pommerschen nämlich billiger waren, genau wie ihr Schnaps.

Wodka Saska

Für den Hotel-Martini mache man eine Flasche hochpreisigen polnischen Wodka schulterfrei, fülle mit Wermuth auf und lasse die Flasche einen Strandspaziergang lang im Eisfach ruhen.

Derweil schwappt das unbenutzte Meer an scheinbar unberührte Sandstrände

In Mrzezyno, ehedem Deep geheißen, wohnt man mondän, in die Kasernen an der Küstenstraße sind Hotels eingezogen, mit schmucken Bungalows und einem beheizten Pool. In der Ostsee schwimmt keiner. Kalt ist sie in der Nebensaison aber immer noch schenkt sie den Menschen Brot. Und den immer gleichen Fisch, den sie den Touristen servieren können, frisch und sehr zart zwar, aber stets frittiert, um jeden Eigengeschmack zu entfernen. Polnische Würste oder Pierogi muss man suchen, in zweiter Reihe hat noch hier und da ein verstecktes Lokale geöffnet. Ansonsten ist man ganz auf deutsche und schwedische Kundschaft eingestellt, die lieben es meist nicht mehr deftig. Goutiert werden auch die Preise, auf den Karten stehen ziemlich exakt dieselben Hausnummern, wie in Berlin. Nur das Geld ist kaum ein Viertel des unseren Wert, der pralle Geldbeutel sorgt für gelöste Ferienstimmung.

Aber Essen ist hier Nebensache, man kommt wegen der Landschaft. Der Strand sieht wild und urtümlich aus, so wie man in Deutschland nur noch ein paar Fleckchen an der Nordsee findet, während unser baltisches Meer stets sauber eingehegt und flurbereinigt wirkt. Kaum in Polen, erstreckt sich blendend weißer Sand bis zum Horizont, dahinter Dünen und hinter den Dünen ein Streifen knorriger Kiefern, überall dazwischen Heidegewächse und Hagebutten. Der Wind reinigt die Gedanken, hartnäckige Sorgen vertreibt das tägliche Quentchen verflüssigter Kohlenhydrate bei Sonnenuntergang.

Wer doch etwas mehr Menschen und Häuser braucht, um seinen staatsbürgerlichen Konsumpflichten nachzugehen, der muss nach Kolobrzeg, die nächste Großstadt. Hier gibt es nicht nur genug Restaurants, eine Promenade mit Seebrücke und viele Strandkörbe. Am Wochenende sind die Parkplätze auch noch kostenlos. Unangenehme Geschichte gibt es keine, außer dem Leuchtturm ist alles Historische mit der Festung Kolberg restlos untergegangen und komplett verschwunden.

Erst wieder auf dem Rückweg, in Trzebiatow, sieht man noch ein wenig Treptow an der Rega. Irgendwelche Zufälle haben das Städtchen vor allen Kriegsschäden bewahrt. So hat sich der Marktplatz mit hübschen, norddeutschen Giebelhäusern erhalten. Dahinter ragt die mächtige Kirche, in der wohl einst der Norden auf den Protestantismus eingeschworen wurde. Heute finden dort selbstverständlich wieder gut katholische Gottesdienste statt.

Wir nehmen das wohlwollend zur Kenntnis und fahren weiter, zurück nach Hause über die Landstraßen, nur gelegentlich ein Halt, um die Anwohner zu unterstützen, die mit Honig und Pilzen etwas dazu verdienen.

Abendrot in Polen

Dat Wit von Brewbaker – Wenn die Tage heißer werden

 

Witbier Dat Wit Brewbaker

Pünktlich zum Sommerende präsentiert die Drogenpolitik dann auch mal das Sommerbier des Jahres 2018. Also das Bier, das wir im Sommer sehr gern getrunken haben und von dem wir aus diversen Hinderungsgründen erst jetzt schreiben können oder wollen. Unsere favorisierte Brauerei in der Nachbarschaft, Brewbaker aus Moabit, hat nämlich in diesem Sommer ein Wit gemacht. Ein Wit oder Witbier, nach Belieben kann Bindestrich oder Worttrennung eingefügt werden, ist ein belgisches Weißbier. Es enthält sogar auch Weizen, kommt aber völlig anders daher als ein bayrisches Weiß- oder Weizenbier wie ich es bisher kannte. Schon vom Ansehen ist eine Verwechslung mit Weizen ausgeschlossen: Dat Wit ist durchscheinend blass gelb mit relativ großporigem, recht stabilem Schaum. Geschmacklich setzt ein Wit auch ganz andere Akzente. Wo das Weißbier eher an eine notdürftig verflüssigten Hefeteig im Gärungszustand erinnert, ist ein Wit völlig körperlos und gradezu ätherisch spritzig. Vom Getreide schmeckt man überhaupt nichts, von Hopfen, welcher angeblich auch in sehr geringen Mengen an der Herstellung beteiligt war, wollen wir gar nicht erst anfangen.  Dafür prägen Gewürze den Geschmack. Das klingt jetzt erst mal schlimmer, als es ist.

Gewürztes Weißbier

Diese Gewürze sind wohl richtig mitgebraut. Ich sag jetzt mal, die sind wahrscheinlich beim Würzekochen mit in den Kessel gefallen, einfach nur, damit das so klingt, als hätte ich vom Brauen auch ein wenig Ahnung. Das kann einem aber herzlich egal sein, wenn man das Bier nur trinken will. Im belgischen Original werden wohl traditionell – auch ein ganz tolles Rezensions-Adjektiv – Koriander und Orangenschalen verbraut. Das Berliner Wit hat neben Koriander noch Zitronengras und Kaffirlimetten bekommen, laut Aussage des Braumeisters jedenfalls, auf dem Etikett steht nämlich nur ganz allgemein Gewürze. Das Triplett ist auch europäischen Gaumen wohl bekannt und allgemein beliebt aus Thai-Curry und Coca Cola, mithin absolut getränketauglich.

Mit einem guten Schuss limonadiger Säure schmeckt das Wit dann nämlich ein bißchen wie Radler, hat aber 5,5 % Alkohol. Es handelt sich also um ein richtiges, echtes Bier, nichts gepanschtes oder familienfreundlich-alkoholreduziertes. Limonadentypisch wird die Fruchtsäure von einer angenehmen Süße abgerundet, das aber überhaupt nicht pappig, sondern sehr frisch bierig, wie ein Kölsch, nicht wie ein Bock. Diese süße Abrundung könnte von dem Weizen kommen, welcher für ein Wit angeblich unvermälzt mit in die Maische kommt. Es könnte aber auch genauso gut das Zitronengras gewesen sein. Es lohnt sich aber nicht, darüber nachzudenken, denn Witbier soll gar kein großes Kunstwerk sein, sondern ein Bier zum Trinken für heiße Tage. Auch für den immer noch anständig warmen Herbst ist es eine gute Empfehlung. Wir haben schließlich keine Zeit mehr, nach den Schuldigen für den Klimawandel zu suchen, sondern müssen zusehen, wie wir mit den veränderten Bedingungen leben können, ohne unnötig lange nüchtern zu bleiben. Da will schnell ein passendes Bier gefunden sein. Wit ist ein guter Kandidat.

Ketamin in der „Wilden Renate“ in Berlin

Strategien gegen Vernunft

Wie das halt so ist. Man reist durch die ganze verdammte Republik, durch die ganze abgefuckte Provinz, um schließlich in der Hauptstadt von Ostdeutschland anzukommen. So was merkt man nämlich ganz schnell wenn man durch den Osten fährt, dass Berlin nämlich vor allem die Hauptstadt von Ostdeutschland ist. Vom Rest ist man ziemlich weit entfernt. WEST-Berlin hin oder her. Das hier ist der Osten. Nirgendwo gibt es so viel antisemitische Überfälle in der Bundesrepublik. Ganz klares Ossi-Ding. Oder Dortmund. Aber da bin ich das letzte Wochenende ja nicht hin.

Ich habe eh keinen Plan warum Berlin immer als so tolerant dargestellt wird, denn, nirgendwo wird man auf offener Straße so grundlos und saublöd angemacht wie hier. Das gibt es nicht einmal in Bayern. So was ist doch konservativ. Leute blöd anwichsen wegen nichts. Okay. Meistens ist es dann auch wirklich eh egal was für ne Hautfarbe oder Geschlecht das verabscheute…

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